Kap. 9: Zu Nachwirkungen und Kulturvermittlungsfunktionen antiker 'Roman'-Literatur in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte.


INHALT:

1. Zu Form und Umfang der kunst- und kulturgeschichtlichen Nachwirkung antiker Romanliteratur in späteren Epochen.

2. Einzelne Beispiele für die die Fortwirkung und Wiederaufnahme antiker Romanthemen.

a) Die Tradition des 'Alexanderromans' in der Erzählliteratur des Mittelalters.

b) Antike Romanmotive und persische Erzähltraditionen in den 'Geschichten aus tausendundeiner Nacht'.

c) Zur Tradition der antiker Bukolik in neuzeitlicher Malerei und Dichtung.

d) Antike Romane als Vermittler philosophisch-religiöser Ideen an spätere Epochen.

e) Antike Romane als Vermittler antiker Gartenbaukunst an spätere Epochen.

f) Antike Romane als Vermittler antiker Mythologie an spätere Epochen.

3. Literatur, Medien, Quellen.

1. Zu Form und Umfang der kunst- und kulturgeschichtlichen Nachwirkung antiker Romanliteratur in späteren Epochen.

Antike romanartige Erzählungen können auf dreierlei Weise wirkungsgeschichtliche Bedeutung für spätere epochen haben:

a) als literarische Stoffe, die insgesamt oder mit einzelnen ihrer Motive in späterer Zeit rezipiert und weiterbearbeitet werden,

b) als formale und sprachliche Vorbilder für Entwicklung der lirarischen Gattung 'Roman' und affiner Literaturgattungen ('Novelle', 'Legende') in Mittelalter und Neuzeit, und

c) als Vermittler und Veranschaulicher antiker Ideen, Kulturtraditionen und zivilisatorischer Muster ab spätere Zeiten.

Diese Funktionen sollen in diesem Kapitel eingehender erörtert und mit Beispielen verabschaulicht werden.

Mit den zunächst folgenden literaturgeschichtlichen Texten von Wolfgang Kirsch und Otto Schönberger soll am Beispiel des mit seinen Verfassern und seiner antiken Entstehungsgeschichte nicht mehr im einzelnen bekannten Historien-Romans 'Das Leben des Alexander' und des bukolischen Liebesromans 'Daphnis und Chloe von Longos deutlich gemacht werden, wie vielfältig und, was den' Alexanderroman', betrifft, weitverbreitet die nachantike Wirkungsgeschichte ihrer Motive und Ideen gewesen ist. Der Text von Jochen Vogt legt dar, wie wichtig der 'romanhafte' antike Literaturtyp einer künstlerischen Prosaerzählung in der nachantikne Wirkungsgeschichte der gesamten antiken Erzählliteratur gewesen ist und wie er sich im Mittelalter und in der Neuzeit zu dem entwickelt hat , was wir heute unter 'Roman' und 'Novelle' verstehen.

Zur nachantiken Wirkungsgeschichte des antiken 'Alexanderromans' ('Pseudo-Kallisthenes'): Wolfgang Kirsch, Nachwort.

Entnommen aus: Historie von Alexander dem Großen. Übersetzung aus dem Mitellateinischen, Nachwort und Anmerkungen von Wolfgang Kirsch, (Leipzig 1975) Frankfurt M. 1984, S. 192 - 198.

Zur nachantiken Wirkungsgeschichte des antiken Romans 'Daphnis und Chloe' von Longos und generell der antiken Bukolik: Otto Schönberger, Einführung.

Entnommen aus: entnommen aus: Longos. Hirtengeschichten von Daphnis und Chloe. Griechisch und deutsch. Von Otto Schönberger, Berlin 1973 2, S. 9 - 59 ( S. 33 - 35 [Das Urteil Goethes] und S. 41 - 47 [Nachleben]).

Zur nachantiken Tradition erzählender Literatur: Jochen Vogt, Erzählende Texte.

Entnommen aus: Heinz Luwig Arnold und Volker Sinemus, Grundzüge der Literatur- und Sprachwissenschaft , 2 Bde., Bd. 1: Literaturwissenschaft, München 1975. S. 285 - 302. Die Querverweise des Textes auf andere Beiträge des Handbuchs, aus dem er stammt, oder auf andere Literatur wurden im wesentlichen fortgelassen. Der vom Autor Vogt im folgenden verwendete Begriff der 'Erzählung' ist enger und der des 'Epos' ist weiter als die entsprechenden, im Skript Gizewski, Kap. 1 und Kap. 2 verwendeten. D. Hg.

2. Einzelne Beispiele für die die Fortwirkung und Wiederaufnahme antiker Romanthemen.

a) Die Tradition des 'Alexanderromans' in der Erzählliteratur des Mittelalters.

Das im folegnden wiedergegebene Vorwort des Leo zu seiner lateinischen Übersetzung des über Byzanz aus der Antike überlieferten 'Alexanderromans' macht beispielhaft deutlich, welche - sowohl 'geistlichen' als auch 'weltlichen' - Interessen an Erbauung und Unterhaltung der mittelalterlichen Rezeption und Fortentwicklung des Stoffes im Abendland zugrundeliegen.

ÜBUNG 9.

AUFGABEN:

Untersuchen Sie das ungekürzte Vorwort des unten wiedergegebenen Textausszugs aus der 'Vita Alexandri' (auch 'Pseudo-Kallistehes' genannt) daraufhin,

a) worin der Übersetzer - als christlicher Kleriker - den Bildungswert des Werkes sieht und

b) an welchen Leserkreis er für seine Übersetzung denkt.


LÖSUNGSHINWEISE.

Motive für die Verbreitung eines antiken Romanstoffs im Mittelalter: Aus der 'Vita Alexandri' in der mittelalterlichen, lateinischen Fassung des Leo, Vorwort.

Deutsche Übersetzung entnommen aus: Historie von Alexander dem Großen. Übersetzung aus dem Mittellateinischen, Nachwort und Anmerkungen von Wolfgang Kirsch, (Leipzig 1975) Frankfurt M. 1984, S. 7 - 10.

b) Antike Romanmotive und persische Erzähltraditionen in den 'Geschichten aus tausendundeiner Nacht'.

Obschon die 'Geschichten aus taudensundeiner Nacht' in ihrem Grundbestand aus einer indisch-persischen Erzähltradition stammen, so haben sie sich doch bei ihrer mittelalterlichen Verbreitung im einerseits arabischsprachig und islamisch, andererseits griechisch-römisch-antik geprägten Kulturraum des Vorderen Orients erkennbar auch Motive, Ideen und Formen der dortigen Erzähltradionen aufgenommen, wie z. B. fabelartige Geschichten von sprechenden Haustieren oder das vor allem im antiken 'Roman' hochgetriebene Prinzip der Rahmenerzählung. Beides findet sich in den nachfolgenden Geschichten des Wesirs von Ochs und Esel, Hund und Hahn, Mann und Frau, mit denen Scheherasades eigenes Schicksal als überzeugender, mit der Macht auch der Sprache den Zorn des Mannes besänftigender Erzählerin beginnt.

Die Geschichten des Wesirs von Ochs und Esel, Hund und Hahn, Mann und Frau. Aus: Tausendundeine Nacht.

Deutsche Übesetzung entnommen aus: Tausdendundeine Nacht. Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott, München 2004 6, S. 20 - 28.

c) Zur Tradition der antiker Bukolik in neuzeitlicher Malerei und Dichtung.

Unter 'Bukolik' kann man für die Antike zugleich einen Ideenkomplex und eine künstlerische Darstellungsweise verstehen, in deren Rahmen die Vorstellung einer einfach-ländlichen Lebensweise in Literatur und Bildender Kunst gedanklich zum Gegenbild einer 'urban-dekadenten' Zivilsation stilisiert und mit typischen, zumeist dem Hirtenleben entnommenen Bild- und Erzählmotiven verbunden wird. Die romanhafte antike Weise, eine Liebesgeschichte in einen 'bukolischen' (lat. 'pastoralen') Zusammenhang zu stellen, für die der nachfolgend wiedergegebene Text aus 'Daphnis und Chloe' von Longos steht, hat einerseits wegen ihrer prinzipiellen Sittenreinheit, andererseits wegen des dennoch vorhandenen 'Raffinements' der Gefühlsdarstellung erhebliche Nachwirkungen auch in der Literatur- und Kunstgeschichte der Neuzeit gehabt. Die 'Bukolik' generell wirkt etwa immer wieder nach in der Landschaftsmalerei aller europäischen Kunstepochen. Beispiele dafür seien hier nur die im folgenden wiedergegebenen Bilder von Peter Paul Rubens, Abendliche Landschaft mit Schäfer und Herde (1638) und eines nicht bekannten Malers eines rokoko-typischen bukolischen Schäfer-in-Landschaft-Motivs einer Supraporte-Malerei aus dem Musikzimmer des früheren Potsdamer Stadtschlosses (1750). Aber auch auf die Mode, das sittliche Selbstverständnis und die erotischen Vorstellungen, in starkem Maße etwa des Rokoko, hat die antike Bukolik immer wieder Prägewirkung ausgeübt. Dies sei einmal mit den unten wiedergegebenen Ausführungen des Bernard de Fontenelle, Abhandlung über die Natur der Schäfergedichte (1688), belegt, zum anderen mit einem Bild des zu seiner Zeit hochangesehenen französischen Malers Jean Marc Nattier der Francoise Renée, Marquise d'Antin (1738), auf dem die Dargestellte zugleich als vermögende Gesellschaftsdame und in scheinbar einfacher bukolischer Gewandung und Umgebung auftritt. Es folgen sodann als illustrative Belege eine 'Idylle', d. h. eine 'miniaturartige' bukolische Erzählung des zu seiner Zeit ebenfalls berühmten Salomon Geßner von 'Daphnis und Chloe', die direkt an die Motive des antike Romans anknüpft, sowie zwei poetische Beispiele für Goethes Neigung zu bukolischen Motiven. Allerdings blieb eine neuzeitliche Rezeption antiker Bukolik nicht ohne Widerspruch. Dies zeigt sich bereits in der Ausführungen Fontenelles, die zu seiner Zeit eine weittragende Kontroverse über die Bedeutung antiker Bukolik für die damalige Gegenwart ('Querelle des anciens et des modernes') ausgelöst haben. Nicht nur in bestimmten Punkten sondern generell kritisch steht Hegel in seinen 'Vorlesungen über Ästhetik' einer 'modernisierten' Bukolik gegenüber, die er für seine Zeit - das 19. Jahrhundert - als unecht und unwahr, wenn auch als typisches Beispiel für ein 'verblendetes Allgemeinbewußtsein' - begreift.

Bukolische Liebe und Landschaft im antiken Roman: Longos, Daphnis und Chloe 3. 12- 24.

Deutsche Übersetzung mit gerinfügigen Modifikationen entnommen aus: Longos. Hirtengeschichten von Daphnis und Chloe. Griechisch und deutsch. Von Otto Schönberger, Berlin 1973 2, S. 125 - 135.

Pastorale Landschaftsdarstellung: Peter Paul Rubens, Abendliche Landschaft mit Schäfer und Herde.

Enstehungszeit: um 1638. Abb. entnommen aus: 10000 Bildwerke der Malerei. Von der Antike bis zur Moderne. [Elektronische Bildersammlung auf CD, Begleitbuch und 11 CD] Ausgewählt von Ines Borchart, The York Project, Berlin 2001, CD 9, Abb. Nr. 8615.

Rokoko-typisches bukolisches Schäfer-in-Landschaft-Motiv.

Supraporte-Malerei aus dem Musikzimmer des früheren Potsdamer Stadtschlosses. Entstehung um 1750; Maler dem Hg. n.icht bekannt Abb. entnommen aus: Edwin Redslob, Barock und Rokoko in den Schlössern von Berlin und Potsdam. Mit 150 Abbildungen, davon 125 vor der Zerstörung farbig aufgenommen von Peter Cürlis, Berlin 1954, Bildteil Nr. 126.

Das eigentliche Interesse der Gegenwart an der antiken Schäferpoesie. Aus: Bernard de Fontenelle, Abhandlung über die Natur der Schäfergedichte (1688), deutsche Übersetzung von Johann Christoph Gottsched 1730.

Text entnommen aus: Helmut J. Schneider (Hg.), Deutsche Idyllentheorien im 18. Jahrhundert. Mit einer Einführung und Erläuterung herausgegebenen von Helmut J. Schneideer, Tübingen 1988, S. 75 - 93 (78 - 80).

Das Motiv 'Daphnis und Chloe' in der 'Idyllen'-Poesie des Rokoko. Aus: Salomon Geßner, An den Amor. Idyllen.

Text entnommen aus: Aus: Salomon Geßner (1730 - 1788), An den Amor. Idyllen. Hg. von Ulrich Berkes. Mit 25 Kupferstichen von Salomon Gessner, Leipzig 1980, S. 37 f.

Gesellschaftsdame in rekoko-typischer bukolischer Gewandung und Umgebung.

Jean Marc Nattier, Francoise Renée, Marquise d'Antin, 1738, Öl auf Leinwand, Heutiger Standort: Paris, Musée Jacquemart-André. Abb. entnommen aus: Liselotte Andersen, Barock und Rokoko, Reihe 'Kunst im Bild', deutschsprachige Ausgabe, München o. D. (um 1970)., S. 185.

Bukolische Landschaftsbeschreibung und Liebenslyrik bei einem Dichter der deutschen Klassik: a) J. W. Goethe, Faust, 2. Teil (1825 - 1832), 3. Akt, 9514 - 9561 (Helenas Heimat) und b) ders., Gedicht 'Schäfers Klagelied' (1801).

Entnommen aus: Goethes Werke, Auswahl in zehn Teilen. Auf Grund der Hempelschen Ausgabe neu herausgegeben und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Karl Alt in Verbindung mit Robert Riemann und Eduard Scheidemantel, Berlin u. a. O. [o. D., nach 1908], 5. Teil, s. 259 f. und 1. Teil, S. 41 f.

Die Idylle als traditionsreiche, aber in der Gegenwart überholte Form der künstlerischen Reflexion. Aus: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über Ästhetik (1835 - 1838).

Text entnommen aus: Helmut J. Schneider (Hg.), Deutsche Idyllentheorien im 18. Jahrhundert. Mit einer Einführung und Erläuterung herausgegebenen von Helmut J. Schneideer, Tübingen 1988, S. 208 - 211 (209 f.).

d) Antike Romane als Vermittler philosophisch-religiöser Ideen an spätere Epochen.

Zu den wichtigen Elementen pholosophisch-ideeller Tradition aus der Antike für spätere Zeiten gehört die Idee des Eros, wie sie etwa in Platons 'Symposion' Niedrerschlag gefunden hat: der bewegenden und erschütternden Kraft des Schönen, welches den Menschen nicht nur unwiderstehlich anzieht und peinigt, sondern - unter günstigen Bedingungen - auch zu verändern und über sich selbst bis in die Sphäre des Göttlichen zu erheben vermag. Diese Idee, die an die die geschlechtliche Liebe anknüpft, wenn auch nicht auf sie beschränkt bleibt, kann als tiefere Bedeutungsebene, auch literarischen Liebesgeschichten zugrundgelegt sein; so ist es in dem in Apuleius' 'Metamorphosen' eingebauten Märchen von 'Amor und Psyche', welches man besser das Märchen von 'Psyche und Amor' nennen sollte, weil es im Grunde - auf einer tieferen gedanklichen Ebene unterhalb der mythisch gewandtene Erzählung - um das generelle Schicksal der von der Liebe erfaßten Seele geht. In dieser Bedeutung hat das Märchen in der nachantiken Kunst- und Geistesgeschichte immer wieder Beachtung gefunden, wie einerseits zwei symbilreflexive Bildillustrationen des Märchens von Max Klinger, zum anderen ein Text wie der im folgenden wiedergegebene von Marie-Christine Leitgeb deutlich machen sollen.

Das Märchen von Amor und Psyche, in: Apuleius, Metamorphosen 4, 27 - 6, 25.

Deutsche Übersetzung mit gerinfügigen Modifikationen entnommen aus: Apuleius, Der goldene Esel. Aus dem Lateinischen von August Rode. Mit Illustrationen von Max Klinger zu 'Amor und Psyche' und einem Nachwort von Wilhelm Haupt, Frankfurt M., Leipzig 1975, S. 100 -179.

Max Klinger, 'Venus bestraft Psyche' und 'Zeus vergibt dem Eros'.

Abb. entnommen aus. Apuleius, Der goldene Esel. Aus dem Lateinischen von August Rode. Mit Illustrationen von Max Klinger zu 'Amor und Psyche' und einem Nachwort von Wilhelm Haupt, Frankfurt M., Leipzig 1975, S. 155 und173.

Zur Rezeption der antiken religiös-philosophischen Idee des Eros: Maria-Christine Leitgeb, s. v. Eros/Amor.

Lutz Walter (Hg.), Antike Mythen und ihre Rezeption, Leipzig 2003, S. 86 - 93.

e) Antike Romane als Vermittler antiker Gartenbaukunst an spätere Epochen.

Mit ihrer besonderen Bindung an die Alltagsrealität ihrer antiken Entstehungszeit fungieren romanhafte antike Erzählungen oftmals auch als Veranschaulicher und Vermittler antiker Zivilisationselemente an spätere Zeiten. Als ein Beispiel von vielen möglichen dafür diene die romantypische anschauliche Darstellung von Hauseinrichtungen und Gärten, wie sie etwa im folgenden Textauszug aus Achilleus Tatios' 'Leukippe und Kleitophon' vorliegt. Gewiß ist die hier vorgenommene Gartenbeschreibung nicht das einzige literarische oder archäologische Zeugnis von der griechisch-römischen Peristyl-und Lust-Garten-Kultur, aber wegen der nachantiken Verbreitung des Romans ist sie doch auch ein nicht unwichtiges. Sowohl in mittelalterlichen Gartenanlagen wie dem von Albertus Magnus im 13. Jh. skizzierten Klostergarten oder dem in einer Miniatur des 15. Jh. wiedergegebenen Baum- und Würzgarten, als auch in der unten illustrativ-exemlplarisch belegten neuzeitlichen Garten- und Landschaftsarchitektur (Schloß Charlottenburg und seine Gärten im Jahre 1717; Goethes Gartenhaus in Weimar am Anfang des 19. Jhs.) zeigen sich dauerhaft fortwirkende Elemente antiker Peristyl- und Lustgartenkultur, wie sie der antike ext beschreibt: die Ummauerung oder wenigstens Einhegung des Gartens, die zentrale Lage von Quellen, Bächen oder Flüssen und der Einbau eines größeren Anteils 'wilder' Natur in den Bereich der menschlichen Bauten und Anlagen.

Der Garten einer Villa im antiken Roman: Aus: Achilleus Tatios. Leukippe und Kleitophon, Buch 1, Kap. 15.

Deutsche Übersetzung entnommen aus: Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon,. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Karl Plepelits, Bibliothek der griechischen Literatur, hg. von Peter Wirth und Wilhelm Gessel, Bd. 11, Stuttgart 1980, S. 146 - 157.


Schema eines Lustgartens nach der Anweisung des Albertus Magnus (13. Jh.).

Abb. entnommen aus: Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962, Bd. 1: Dieter Hennbo, Gärten des Mittelalters, S. 47.


Baum- und Würzgarten. Miniatur aus dem 'Roman de la Rose' (15. Jh., flämisch).

Abb. entnommen aus: Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962, Bd. 1: Dieter Hennbo, Gärten des Mittelalters, vor S. 65, Abb. 12.


Schloß Charlottenburg (früher bei, heute in Berin) und seine Gärten im Jahre 1717.

Abb. entnommen aus: Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962, Bd. 2: Dieter Hennbo, Alfred Hoffmann, Der architektonische Garten. Renaiswsance und Barock, s, nach S.167, Abb. 44.


Goethes Gartenhaus in Weimar (Anfang 19. Jh.).

Abb. entnommen aus: Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962, Bd. 3: Alfred Hoggmann, Der Landschaftsgarten, vor S. 89, Abb. 33.

f) Antike Romane als Vermittler antiker Mythologie an spätere Epochen.

Die bei Achilleus Tatios im nachfolgenden Textauszug aus 'Leukippe und Kleitophon' gegebene Beschreibung und Erklärung eines Bildes mit einer Szene aus dem Mythos von Tereus, Prokne und Philomele ist ein Beispiel für die Vermittlung sowohl antiker Mythologie als auch antik-mythologischer Malerei an spätere Epochen, die ja schon im Mittelalter bedeutend war, aber mit Beginn der Renaissance und des Humanismus eine zentrale Rolle im europäischen Geistesleben erhielt und bis heute behalten hat. Die Überlieferung erfolgt im vorliegenden durch eine romanhafte antiken Erzählung. Sie fand natürlich vielfältig auch auf andere Weise statt. Die Beschreibung und gleichzeitige Erklärung des Bildes machen seine Aussagen und den Publikumsgeschmack der Zeit des Romanentstehung aber weitaus besser verständlich als es etwa die bloße physische Überlieferung eines Bildmotivs aus der Antike je könnte. Insoweit dürfte Texten wie dem vorliegenden eine besondere Bedeutung in der Rezeptionsgeschichte antiker Mythen- und Bildmotive zukommen.

Der einerseits blutrünstige Charakter des Mythos von Tereus, Prokne und Philomele, der andererseits in so auffälligem Gegensatz zu den an seinem Ende durch göttliche Metamorphose entstehenden kleinen Geschöpfen (Nachtigall, Schwalbe und Wiedehopf) steht, hat - wohl gerade wegen seiner dramatischen Zwiespältigkeit - immer wieder nachantike Bearbeitungen gefunden, wie sie in dem Textauszug aus dem Lexikon der griechischen und römischen Mythologie von Herbert Hunger zusammengefaßt und mit dem Bild 'Tereus, Philomele und Prokne' von Peter Paul Rubens exemplarisch veranschaulicht sind.

Beschreibung und Erklärung eines antiken Bildes über den Mythos von Tereus, Prokne und Philomele bei Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon, Buch 5, 1 - 17.

Deutsche Übersetzung entnommen aus: Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon,. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Karl Plepelits, Bibliothek der griechischen Literatur, hg. von Peter Wirth und Wilhelm Gessel, Bd. 11, Stuttgart 1980, S. 146 - 157.

Entnommen aus: Herbert Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart, um den Bildteil gekürzte Ausgabe, Hamburg 1974 6, S. 350 - 352.

Peter Paul Rubens, Tereus, Prokne und Philomele.

Enstanden zwischen 1636 und 1638. Heutiger Standort: Prado, Madrid. - Abb. entnommen aus dem Internet-Sktipt des Kurses Kosta Hadavas, Beloit College, Department of Classics, zum Thema 'Classical Mythology' [Fortleben antiker Mythenmotive in den Werken antiker und moderner Kunst] unter der URL-Adresse: http://www.beloit.edu/~classics/main/courses/classics150/museum150/Ovid/Tereus_Procne_Philomela_Itylus(Rubens-1636-38).htm

3. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

M. Picone, B. Zimmermann (Hg.), Der antike Roman und seine mittelalterliche Rezeption, Basel u.a. O. 1997.

Wolfgang Kirsch, Nachwort zu: Historie von Alexander dem Großen. Übersetzung aus dem Mitellateinischen, Nachwort und Anmerkungen von Wolfgang Kirsch, (Leipzig 1975) Frankfurt M. 1984, S.179 - 201.

Karl Plepelits, Einleitung zu: Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon,. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Karl Plepelits, Bibliothel der griechischen Literatur, hg. von Peter Wirth und Wilhelm Gessel, Bd. 11, Stuttgart 1980, S. - 71 (55 ff. -Nachleben des Werks).

Otto Schönberger, Einleitung zu: Longos. Hirtengeschichten von Daphnis und Chloe. Griechisch und deutsch. Von Otto Schönberger, Berlin 1973 2, S. 9 - 59 (33 ff. Goethes urteil über 'Daphnis und Chloe').

Liselotte Andersen, Barock und Rokoko, Reihe Kunst im Bild, deutschsprachig Ausgabe, München o. D. (um 1970).

Edwin Redslob, Barock und Rokoko in den Schlpössern von Berlin und Potsdam. Mit 150 Abbildungen, davon 125 vor der Zerstörung farbin aufgenommen von Peter Cürlis, Berlin 1954.

Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962.

Herbert Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart, um den Bildteil gekürzte Ausgabe, Hamburg 1974 6.

Tausdendundeine Nacht. Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott, München 2004 6, S. 640 - 687 (Nachwort und Verzeichnisse).

Helmut J. Schneider (Hg.), Deutsche Idyllentheorien im 18. Jahrhundert. Mit einer Einführung und Erläuterung herausgegebenen von Helmut J. Schneideer, Tübingen 1988, S. 75 - 93 (78 - 80).

Lutz Walter (Hg.), Antike Mythen und ihre Rezeption, Leipzig 2003.

Medien:

Liselotte Andersen, Barock und Rokoko, Reihe Kunst im Bild, deutschsprachig Ausgabe, München o. D. (um 1970)., S. 185. (Abb.: Jean Marc Nattier, Francoise Renée, Marquise d'Antin, 1738, Öl auf Leinwand, Heutiger Standort: Paris, Musée Jacquemart-André)

Edwin Redslob, Barock und Rokoko in den Schlpössern von Berlin und Potsdam. Mit 150 Abbildungen, davon 125 vor der Zerstörung farbin aufgenommen von Peter Cürlis, Berlin 1954, Bildteil Nr. 126. (Abb.: Supraporte-Malerei aus dem Musikzimmer des früheren Potsdamer Stadtschlosses. Entstehung um 1750).

Dieter Hennobo, Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenbaukunst, 3 Bde., Hamburg 1962, Bd. 1: Dieter Hennbo, Gärten des Mittelalters, S. 47 und Abb. 12 vor S. 65, ferner: Bd. 2: Dieter Hennbo, Alfred Hoffmann, Der architektonische Garten. Renaiswsance und Barock, s, nach S.167, Abb. 44, sowie: Bd. 3: Alfred Hoggmann, Der Landschaftsgarten, vor S. 89, Abb. 33.

Herbert Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart, um den Bildteil gekürzte Ausgabe, Hamburg 1974 6, S. 350 - 352.

Apuleius, Der goldene Esel. Aus dem Lateinischen von August Rode. Mit Illustrationen von Max Klinger zu 'Amor und Psyche' und einem Nachwort von Wilhelm Haupt, Frankfurt M., Leipzig 1975, S. 155 und173.

Internet-Sktipt des Kurses Kosta Hadavas, Beloit College, Department of Classics, zum Thema 'Classical Mythology' [Fortleben antiker Mythenmotive in den Werken antiker und moderner Kunst] ( Bild 'Tereus, Pholomele und Prokne' von Peter Paul Rubens, aus dem Skript entnommen unter der URL-Adresse: http://www.beloit.edu/~classics/main/courses/classics150/museum150/Ovid/Tereus_Procne_Philomela_Itylus(Rubens-1636-38).htm).

Quellen:

Historie von Alexander dem Großen. Übersetzung aus dem Mitellateinischen, Nachwort und Anmerkungen von Wolfgang Kirsch, (Leipzig 1975) Frankfurt M. 1984, S. 7 - 16.

Achilleus Tatios, Leukippe und Kleitophon,. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Karl Plepelits, Bibliothek der griechischen Literatur, hg. von Peter Wirth und Wilhelm Gessel, Bd. 11, Stuttgart 1980, S. 146 - 157.

Die Geschichten von Ochs und Esel, Hund und Hahn, Mann und Frau. Aus: Tausendundeine Nacht. Deutsche Übesetzung : Tausdendundeine Nacht. Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott, München 2004 6, S. 20 - 28.

Apuleius, Der goldene Esel. Aus dem Lateinischen von August Rode. Mit Illustrationen von Max Klinger zu 'Amor und Psyche' und einem Nachwort von Wilhelm Haupt, Frankfurt M., Leipzig 1975, S. 100 -179.


LV Gizewski WS 2004/2005

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de