Kap. 12: Die Entstehung des römischen 'Militär-' und des 'Dominats'-Kaisertums sowie der spätantiken 'Reichtsteilung' in den äußeren Kriegen des 3. und 4. Jhs. n. Chr.

INHALT:

1. Übersicht.

2. Die neue Lage des Römischen Reiches im 3. und 4. Jh. n. Chr.: seine dauernde Auseinandersetzung mit machtvollen äußeren Feinden

3. Der Umbau der politisch-militärischen Strukturen des Reiches infolge der Kriege des 3. und 4. Jhs.

4. Die historischen Folgen der Einführung der römischen 'Dominats'-Verfassung und der militärisch-administrativen Reichsteilung in der Spätantike.

5. Literatur, Medien, Quellen.

1. Übersicht.

Die 'Prinzipats'-Verfassung gerantiert lange - vom letzten Drittel des 1. Jhs. v. Chr. bis zum Beginn des 3. Jhs. n. Chr. - eine relativ stabile äußere und innere Sicherheit des Römischen Reiches. Um die Unterschiede zwischen dieser Epoche und den Sicherheitsverhältnissen der nachfolgenden Zeit deutlich zu machen, ist es zunächst sinnvoll. die wesentlichen Momente der äußeren und inneren Sicherheit in der 'Prinzipats':Zeit zusammenzufassen.

Die Abwehr der von germanischen, illyrischen und pannonischen Völkern oder von Reichen des Ostens (Pontos, Parther) ausgehenden größeren Bedrohungen der römischen Grenzen ist bereits vor Beginn der Prinzipatszeit durch Feldherren wie Marius, Sulla, Pompeius oder Caesar erreicht. Nach Beendigung der spätrepublikanischen Bürgerkriege i. J. 31 v. Chr. erscheint unter der Regierung des Augustus ein Zustand gesicherten äußeren Friedens erreicht, der als 'pax Augusta' mit der Schließung des Janus-Tempels i. J. 29. v. Chr. bzw. mit der Einweihung einer 'Ara Pacis' i. J. 9 v. Chr. sogar zum Gegenstand einer mit der Realität nicht völlig unverträglichen imperialen Ideologiebildung werden kann. Im wesentlichen dauert dieser Zustand äußerer Sicherheit auch nach Augustus' Tode an. Als größere Bedrohungen fallen in das 1. Jh. n. Chr. lediglich der zeitweilige Durchbruch der Donaugrenze durch die Daker und in das 2. Jh. n. Chr. zeitweilige neue Bedrohungen der Ostgrenze durch die Parther, der Donaugrenze durch Daker, Markomannen, Quaden, Kostoboken und Jazygen, sowie der afrikanischen Grenzen durch die Mauren. Doch werden alle diese Bedrohungen von römischer Seite in relativ kurzen Kriegen - und zumeist ohne Wiederholung - beseitigt.

Auch innere Kriege - wie etwa die Kaisernachfolgekonflikte d. J. 68/69 n. Chr. oder die Niederschlagung der jüdischen Aufstände in den Jahren 66 - 70/73 und 131 - 135 n. Chr. - berühren die Sicherheit des Reiches nicht wesentlich.

Vielmehr findet in dem genannten Zeitraum - mit den zur Zeit des Augustus hinzukommenden provinzialisierten Gebieten Illyricum (33 v. Chr.), Aegyptus (kaiserliches Territorium, 30 v. Chr.), Moesia (29 v. Chr.), Galatia (25 v. Chr.), Kyrenaika (20 v. Chr.), Asturien (17 v. Chr.), Raetia und Alpengebiete (15. v. Chr.), Judaea (6 n. Chr.), Pannonia (10 n. Chr.) - eine ständige Expansion der römischen Grenzen statt. In den auf Augustus' Regierung folgenden Jahrzehnten gelingt - trotz der Folgen der Varus-Schlacht i. J. 9 n. Chr. - in Germanien (bis 83 n. Chr.) die Etablierung einer 'kurzen', später weiter vorgeschobenen Militärgrenze ('Limes') zwischen Rhein und Donau, in die das neu erwobene 'Dekumatland' eingeschlossen ist. Britannien wird in mehreren Schritten (bis 80 n. Chr.) erobert, provizialisiert und durch eine späterhin nach Norden vorgeschobene Limes-Grenze gegen den scotischen Bereich gesichert. In Kleinasien kommt es zwischen 18 und 73 n. Chr. in mehreren Schritten zum Erwerb der Provinzen Kappadokien und Kommagene. In Nordafrika wird Mauretania römische Provinz (42 n. Chr.). Das Gebiet um Palmyra wird 100 n. Chr., das mittelmeernahe Gebiet Arabia 106 n. Chr., Dakien 107 n. Chr., Mesopotamien und mindestens ein Teil Armeniens um 117 n. Chr. provinzialisiert.

Der auf diese Weise erreichte Zustand stabilisierter, machtvoller Herrschaft des Reiches hält Nachbarmächte und aufstandsbereite Kräfte im Inneren des Reiches zumeist davon ab, Konflikte mit der Reichsgewalt zu suchen. Wenn dies geschieht, so in Situationen der Überbeanspruchung bzw. der Schwäche regionaler Kräfte des Reiches oder fehlender Koordination in seinem Zentrum, vor allem bei Herrschaftsnachfolgekonflikten.

Demgegenüber verändern sich die Bedingungen der äußeren Sicherheit des Reiches seit den dreißiger Jahren des 3. Jhs. n. Chr. tiefgreifend.

Zum einen beginnen mehrere Völkerschaften, die - seit Caesars Zurückweisung der suebischen Einwanderung nach Gallien - im Raum nordöstlich der Rhein-Donau-Grenze des Römischen Reiches, zwischen Rhein und Schwarzem Meer, aus verschiedenartigen Gründen in vielen, das römische Reich zunächst nicht tangierenden Wanderungsbewegungen neue Siedlungsplätze gesucht haben oder fremden Wanderungsbewegungen ausgewichen sind, nunmehr wiederholt und nachdrücklich, die grenznahen römischen Gebiete heimzusuchen und auch ihre Siedlungssuche in das Römische Reich hinein auszudehnen. Zu diesen Völkerschaften gehören die Alamannen, die i. d. J. 233 - 235, 241 und 260 n. Chr. in das Dekumatland eindringen und dort schließlich unter Zerstörung des Limes Fuß fassen; i. d. J. 258 und 268 dringen sie auf Raubzügen sogar bis nach Norditalien vor. Die Karpen überschreiten i. d. J. 241, 245 - 247, 250 und 272 n. Chr. die Donau und plündern die grenznahen Provinzen des Balkan; desgleichen die Quaden i. d. J. 245 - 247. Die Goten führen eine Serie mehrjähriger und in ihrem Aktionsradius immer weiter - schließlich bis nach Griechenland und Kleinasien - reichender Invasionen durch, u. a. in den Jahren 250 - 253, 253 - 257, 258 - 260, 262, 269, 276 und 282 n. Chr. Weitere, überwiegend germanische Volksstämme wie die Heruler i. J. 267 (Zerstörung Athens), die Vandalen und Juthungen i. J. 270, die Franken und Burgunder i. d. J. um 276 n. Chr. treten in dieser Zeit erstmalig durch ständige kleinere Raubzüge und auch größere - bis nach Spanien - reichende Invasionen hervor.

Zum anderen verändert sich der Charakter des östlich benachbarten Parther-Reichs, das bisher von dem Herrscherhaus der Arsakiden regiert wurde. I. J. 227 n. Chr. wird die Arsakiden-Dynastie durch die neue Dynastie der Sassaniden abgelöst. Der aus zoroastrischem Priestergeschlecht stammende Herrscher Ardaschir (Entsprechung zum altpersischen 'Artaxerxes') knüpft betont an die politischen und religiösen Traditionen des Achämeniden-Reiches an und macht - wie auch seine Nachfolger - aus diesem Grunde dem benachbarten Römischen Reiche gegenüber prinzipiell die Grenzen des alten Achämenidenreiches geltend. Die in in dessen Tradition ebenfalls wiederaufgenommenen Vereinheitlichungs- und Zentralisierungstendenzen führen einerseits zu einer gesteigerten militärischen Leistungsfähigkeit, andererseits zu einer stark religiös (zoroastrisch) motivierten, den im Lande fortwirkenden hellenistischen Traditionen gegenüber aggressiven Staatsideologie. Das Sasssanidenreich gerät deshalb in den folgenden Jahrzehnten auch mit dem Römischen Reich in ständige militärische Konflikte, die überwiegend von sassanidischer Seite ausgehen, und zwar in den Jahren 241 - 244 und 252 - 260 n. Chr. Bei einem der Feldzüge wird sogar der römische Kaiser Valerian gefangengenommen.

Auch nordafrikanische Völkerschaften (Mauren, Blemmyer) suchen in den kriegerischen Jahrzehnten des 3. Jhs. mehrfach die nordafrikanischen Provinzen und Besitzungen des Römischen Reiches von Mauretania bis Aegyptus heim.

Die ständigen äußeren Bedrohungen und die von ihnen ausgehenden Kriegsbelastungen und -schäden bewirken eine Überlastung der finanziellen und organisatorischen Leistungsmöglichkeiten des Reiches und der in der Prinzipatszeit etablierten politischen und militärischen Führungsstrukturen. Die Führung des Reiches geht dauerhaft auf die jeweiligen Zentren militärisch-strategischer Planung und Entscheidung über - unter faktischer Ausschaltung aller in der Prinzipatszeit noch üblichen zivilen politischen Legitimationsverfahren und - instanzen, insbesondere der Mitwirkung des römischen Senats. Als Kaiser kommen prinzipiell nur Militärbefehlshaber in Frage. Diese werden 'von ihren Truppen gewählt' und setzen sich ggf. in Bürgerkriegsaktionen gegen ähnlich 'gewählte' andere Kaiser-Prätendenten durch. Die meisten Kaiser dieser Art ('Soldaten-Kaiser') regieren nur wenige Jahre und fallen entweder im Felde oder werden Opfer von Attentaten (Maximinus Thrax 235 - 238, Gordianus III. 238 - 244, Philippus Arabs 244 - 249, Decius 249 - 251, Trebonianus Gallus 251 - 253, Valerianus 253 - 259, gest. in persischer Gefangenschaft, Gallienus 253 - 268, Claudius Gothicus 268 - 270, Aurelianus 270 - 275, Tacitus 275 - 276, Probus 276 - 282, Carus 282 - 283, Numerianus 283 - 284, Carinus 283 - 285 n. Chr.).

Die Mehrfrontenbedrohung des Reiches und ihre inneren Konsequenzen sind durch einzelne Kaiser administrativ-militärisch nicht zu bewältigen. Es kommt daher in dieser Zeit zu Sonderreichsbildungen wie in Gallien (260 - 274 n. Chr.) und in Syrien (267 - 272 n. Chr. ) und manchmal auch schon zu einer von Kaisern selbst vorgenommenen Verantwortungsteilung mit einem Mitkaiser (Valerianus und Gallienus; Numerianus und Carus).

Mit der 'Truppenwahl' Diokletians zum Kaiser (284 - 305) beginnt eine Phase systematischer Reaktion auf die neue Lage in einer umfassend angelegten politisch-militärischen Reorganisation des Reiches. Die in in einem längeren Zeitraum unter Diokletian umgesetzten wesentlichen Momente der Reformen sind folgende:

a) die regelhafte Aufteilung der kaiserlichen Verantwortung auf mehrere - idealerweise gegeneinander loyale und miteinander eng kooperierende - Inhaber des Kaiseramtes ('Tetrarchie'); eine - allerdings einmalig bleibende - Reformneuerung ist dabei der freiwillige Rücktritt zweier Hauptkaiserkollegen ( 'Augusti'), nämlich Diokletians und Maximians i. J. 305 n. Chr.,

b) die Reorganisation des stark vergrößerten Heeres in ortsfesten Grenztruppen, die neubefestigte, in ihrem Verlauf optimierte Militärgrenzen bewachen, und mobilen Heereseinheiten, die weiterreichenden feindlichen Invasionen entgegentreten sollen,

c) die Reoganisation der gesamten Provinzial- und der zentralen Reichsteil-Zivilverwaltungen einschließlich der kaiserlichen Palastwaltungen,

d) die Reorganisation des öffentlichen Steuer- und Dienstverpflichtungssystems und

e) der geplante und nachdrücklich durchgeführte 'Umbau der Staatsideologie'. Zu letzterem gehört vor allem ein in politischer Symbolik und höfischem Zeremonienwesen zum Ausdruck kommendes neues Verständnis des Kaiseramtes als einer 'gesetzesungebunden', 'absoluten' Herrschaftsstellung und eine besondere Betonung der religiösen Staatstradionen gegenüber religiösen 'Neuerungen', die der Staatsfeindlichkeit verdächtig sind, wie etwa dem Christentum oder den Manichäern. Wie schon gelegentlich in den vorhergehenden Jahrhunderten und insbesondere im 3. Jh. n. Chr., aber in gesteigerter Weise kommt es nunmehr zu langandauerder und unnachsichtiger Verfolgung politisch verdächtiger Religionen, wie z. B. in der 'diokletianischen Christenverfolgung' seit 303 n. Chr.

Das unter Diokletian begründete Modell einer 'Dominats'-Verfassung bringt während seiner Regierungszeit und etwa bis zur Mitte des 4. Jhs. eine längere Wiederherstellung der äußeren Sicherheit an den verschiedenen Fronten des Reiches.

Sie trägt auch zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Staatswesens bei. Dem dienen zahlreiche Verwaltungsreformen, die man als 'autokratisch-zentralistisch' charakterisieren kann, wie z. B. die besonders starke Gesetzgebungstätigkeit der kaiserlichen Zentrale, der Ausbau des Verwaltungsapparates, die Perfektion des Steuererhebungssystems, die staatliche Preislenkung oder die Einführung der öffentlich-rechtlichen Bodenbindung für 'Kolonen'.

Allerdings vermag sich die 'tetrarchische' Weise der geordneten Verantwortungsteilung nicht dauerhaft durchzusetzen, sondern führt nach dem Rücktritt Diokletians zu einer Reihe von Tetrarchie-Modifikationen und innerhalb dieser zu mehreren 'Bürgerkriegen' zwischen immer neu auftretenden Kaiseramts-Prätendenten und etablierten Kaisern, die erst mit der Wiedervereinigung aller kaiserlichen Herrschaftsmacht in der Hand eines Kaisers, nämlich Konstantins, i. J. 325 n. Chr. enden. Späterhin folgt die Teilung kaiserlicher Macht, wenn nötig,nur noch entweder dynastischen Aspekten und/oder faktisch im Wege einer Subdelegation an mehrere 'praefecti praetorio'

Auch der äußeren Gefahr vermag das diokletianische Modell nicht dauerhaft erfolgreich entgegenzuwirken. Schon vor dem Beginn der Völkerwanderung kommt es im 4. Jh. n. Chr. zu einer Vielzahl von Raubzügen und Invasionen vonseiten verschiedener Germanenvölker: so der Alamannen, die sich bereits im 3. Jh. im Dekumatland niedergelassen haben und denen dieses mit der neuen Limes-Führung (Rhein-Iller-Limes) unter Diokletian auch politisch-militärisch überlassen wird, über Rhein und Donau (um 350 und seit 368 n. Chr.), ebenso der Franken und Juthungen (seit 368 n. Chr.) und der Westgoten i. J 366 n. Chr. Auch mit dem Sassanidenreich kommt es seit 309 n. Chr. immer wieder zu Kriegen über die Grenzziehung in Mesopotamien und später auch Armenien, die erst durch Teilungsvereinbarungen der Jahre 364 bzw. 387 n. Chr. - für anderthalb Jahrhunderte - beendet werden.

Von epochenmarkierender Bedeutung (Beginn der Völkereinwanderungen auf römisches Reichsgebiet - siehe Kap. 14) in dieser Zeit ist aber der durch die kriegerische Westbewegung der Hunnen und mit ihnen verbündeter anderer Völker oder Volksteile i. J. 375 n. Chr. ausgelöste, zunächst von römischer Seite geduldete Übertritt ostgotischer und westgotischer Volksteile auf römisches Reichgebiet.i. J. 376 n. Chr. Zwischen der römischen Schutzmacht und den Aufgenommenen kommt es aber bald zu Spannungen und schließlich zu einem Krieg mit in einer vernichtenden Niederlage des römischen Heeres in der Schlacht bei Adrianopel (378 n. Chr.). Der i. J. 380 n. Chr. zwischen den Kriegsparteien geschlossene Friedensvertrag, zu dem sich der Kaiser Gratian genötigt sieht, legt einen neuartigen 'Föderaten'-Status der Westgoten als geschlossenen Volksverbandes innerhalb der römischen Balkanprovinzen südlich der Donaugrenze fest. Dieser dient späterhin als Modell für weitere Ansiedlungen autonom bleibender, als 'Föderaten' mit Grenzverteidiggungsaufgaben betrauter Germanenvölker auf römischem Reichsgebiet. Mit diesem 'Föderaten'-Modell neuer Art wird - unter dem Druck der Verhältnisse - die diokletianische Sicherheitskonzeption verlassen und die letzte Epoche römisch-antiker Reichsorganisation eingeleitet, in welcher sich bereits die Umrisse der mittelalterlichen Staatenwelt Eiropas bilden (siehe Kap. 14).

Der durch die Verwaltungsreformen Diokletians hergestellte öffentliche Ordnung des Reiches fehlt es trotz des in der Gesetzesüberlieferung erkennbaren Bemühens des Gesetzgebers um Rechtlichkeit, Gerechtigkeit und Fürsorge für die 'subiecti' ('Untertanen') an ausreichenden politischen Kontroll- und Legitimationsverfahren. Korruption, Machtmißbrauch und faktische Undurchsetzbarkeit des Rechts sind die häufigere Folge.

2. Die neue Lage des Römischen Reiches im 3. und 4. Jh. n. Chr.: seine dauernde Auseinandersetzung mit machtvollen äußeren Feinden.

Das Römische Reich in der Zeit der Soldatenkaiser und nach den Reformen Diokletians.

Karten entnommen aus:

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 100

und

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 42/43.

Übung 12 A.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre der unten wiedergegebenen Textpassage aus der 'Römischen Kaisergeschichte' des Sextus Aurelius Victor folgende Fragen:

a) Von welchen äußeren und inneren Kriegen ist die Rede? Wie stellt sich die äußere Bedrohungslage für das Römische Reich dar? Aus welchen Gründen entstehen innere Kriege zwischen unterschiedlichen Inhabern des Kaiseramtes und höheren Militärbefehlshabern?

b) Welche obersten Staatsorgane des Römischen Reiches sind erwähnt? Mit welcher politischen Legitimation handeln sie? Worin besteht ihre Verantwortlichkeit und inwiefern entziehen sie sich dieser?

c) Welche Momente eines allmählichen Umbaus der traditionellen 'Prinzipatsverfassung' können Sie erkennen und in welche Richtung vollzieht sich dieser?

Der Übergang vom Prinzipat zum Militärkaisertum und zur tetrarchischen Dominatsherrschaft im 3. Jh. n. Chr. Sextus Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 35 - 39

Deutsche Übersetzung mit straken Modifikationen nach: Sextus Aurelius Victor, Die römischen Kaiser. Lateinisch - deutsch. herausgegeben, übersetzt und erläutert von Kirsten Groß-Albenhausen und Manfred Fuhrmann, Rürich, Dosseldorf 1997, S. 102 - 125.

3. Der Umbau der politisch-militärischen Strukturen des Reiches in der Folge der Kriege des 3. und 4. Jhs.

Übung 12 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre der unten wiedergegebenen Textpassage aus der 'Römischen Geschichte' des Ammianus Marcellinus folgende Fragen:

a) Welche Gründe hat Kaiser Constantius, seinen Vetter Julian zum Mitkaiser im Range eines Caesar zu machen? Was sagt dies generell über die Notwendigkeiten einer Verantwortungsverteilung bei der Ausübung der höchsten Macht im Reiche und über ihre Risiken aus?

b) Wer wählt den zu ernennenden Caesar aus, in welchem Verfahren und mit welcher Legitimation erfolgt seine förmliche Einsetzung?

c) Halten Sie die Nichtbefassung des Senats mit der Einsetzung eines 'Caesars' - der Vorgang ereignet sich in Rom - und die wortlose Zustimmungsform des Heeres - gedacht aus dem Staatsverständnis der damaligen Zeit - für rechtsbedenklich? Geben Sie Gründe dafür und dagegen an.

Motive, Form und Legitimation der Einsetzung eines Unter-Kaisers in der Spätantike am Beispiel Julians. Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte, Buch 15, Kap. 8.

Deutsche Übersetzung nach: Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte. Lateinisch und deutsch und mit einem Kommentar versehen von Wolfgang Seyfarth, 4. Teile, Teil,1 (Buch 14 - 17), Berlin 1968, S. 137 - 143.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 42/43.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S.102.

Zur räumlichen und sachlichen Zuständigkeit der höchsten Reichsämter nach dem 'Index Orientis' und dem 'Index Occidentis' in der 'Notitia Dignitatum'.

Textstellen entnommen aus: Notitia Dignitatum (mit der 'Notitia urbis Constantinopolitanae' und den 'Latercula provinciarum'). Hg. von Otto Seeck, (1876) ND Frankfurt M. 1962, S. 1 - 5 und 103 - 107.

4. Die historischen Folgen der Einführung der römischen 'Dominats'-Verfassung und der militärisch-administrativen Reichsteilung in der Spätantike.

a) Unterschiedliche politisch-militärische Herausforderungen und Strukturentwicklungen im Westen und Osten des Reiches.

b) Absolute Herrschergewalt ('Souveränität' in einem spätantiken Sinne) und 'autokratisch-zentralistische' (in einem spätantien Sinne) Administrationsformen als strukturell wesentliche, ideologisch selbstverständliche und vielfältig störungsanfällige Momente politischer Ordnung.

c) In Theologie, Ritus und Kirchenorganisation unterschiedliche Entwicklungen des staatsreligiös gewordenen Christentums im Westen und Osten, wenn auch auf der verbleibenden gemeinsamen Basis der antik-'ökomunenischen' Konzilien von Nicaea, Konstantinopel, Chalzedon und Ephesus.

5. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Fergus Millar (Hg.), Das Römische Reich und seine Nachbarn. Die Mittelmeerwelt im Altertum IV, Frankfurt M. 1966, S. 241 ff. (Das Reich in der Krise des 3. Jhs. u. w.)

Averil Cameron, Das späte Rom (284 - 430 n. Chr.). Übersetzung von Kai Brodersen, (1993) München 1994.

Medien:

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 100 und102.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 42/43.

Quellen:

Sextus Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 35 - 39. Dt. Übersetzung nach: Sextus Aurelius Victor, Die römischen Kaiser. Lateinisch - deutsch. herausgegeben, übersetzt und erläutert von Kirsten Groß-Albenhausen und Manfred Fuhrmann, Rürich, Dosseldorf 1997, S. 102 - 125.

Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte, Buch 15, Kap. 8. Deutsche Übersetzung nach: Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte. Lateinisch und deutsch und mit einem Kommentar versehen von Wolfgang Seyfarth, 4. Teile, Teil,1 (Buch 14 - 17), Berlin 1968, S. 137 - 143.

Notitia Dignitatum (mit der 'Notitia urbis Constantinopolitanae' und den 'Latercula provinciarum'). Hg. von Otto Seeck, (1876) ND Frankfurt M. 1962, S. 1 - 5 und 103 - 107.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .