Kap. 3: Die Perserkriege als Folge imperialer Expansionskriege einerseits und bundesgenössisch geführter Freiheitskriege andererseits. Politische und kulturelle Folgen für Griechenland und den östlichen Mittelmeerraum.

INHALT:

1. Zum kriegsgeschichtlichen Charakter der Perserkriege als Folge imperialer Expansionskriege einerseits und bundesgenössisch geführter Freiheitskriege andererseits.

2. Zu den Ursachen und Bedingungen der Kriegführung.

3. Zum Kriegsgeschehen.

4. Politische und kulturelle Folgen der Kriege für Griechenland und den östlichen Mittelmeerraum.

5. Zum Vergleich der Perserkriege mit anderen imperialen und bundesgenössisch geführten Kriegen der Antike.

6. Literatur, Medien, Quellen.

1. Zum kriegsgeschichtlichen Charakter der Perserkriege als Folge imperialer Expansionskriege einerseits und bundesgenössisch geführter Freiheitskriege andererseits..

Übersicht.

6. Jh. v. Chr. Die unter der Herrschaft des Kyros (559 - 529) und des Kambyses (529 - 522) erfolgte schnelle Expansion des Achämenidenreiches auf das gesamte Kleinasien, auf Mesopotamien, den östlichen Iran, Syrien, Palästina und zuletzt Ägypten erzeugt einerseits bei seinen Herrschern, seiner Adligen- und seiner Priester-Klasse das Bewußtsein einer gottgewollten Weltherrschaft, macht andererseits aber die Strukturen der Herrschaft innerlich labil und kriegs- und aufstandsanfällig. Aus beidem entsteht die Motivation zu einer offensiven und expansiven Herrschaftssicherungspolitik gegenüber den unterworfenen Reichsvölkern und den freien Nachbarvölkern des Achämenidenreiches.

Jonischer Aufstand gegen das Achämenidenreich: 500 - 494 v. Chr. - Persische Zerstörung von Milet: 494 v. Chr. - Persische Besetzung Thrakiens und Makedoniens: 492 v. Chr. - Unter der Herrschaft des Dareios I. (522 - 485) erste persische Expedition gegen das engere Festlandsgriechenland und Niederlage in der Schlacht bei Marathon: 490 v. Chr. - 480/479 v. Chr. Unter der Herrschaft dees Xerxes I. (485 - 465) zweite persische Expedition gegen Griechenland mit der Schacht an den Thermopylen, der persischen Einnahme und Zerstörung Athens und persischen Niederlagen in der Seeschlacht bei Salamis und der Landschlacht bei Plataiai.

Unmittelbare Folge ist in den folgenden Jahren die Zurückdrängung des persischen Einflusses in Festlandsgriechenland und in der Ägais sowie die Gründung des Attischen Seebundes, der u. a. auch den persischen Einfluß im östlichen Mittelmeerraum zurückdrängt. - 448 v. Chr. Erst im Kallias-Frieden wird der bis dahin fortdauerende latente Kriegszustand zwischen Athen und seinen Verbündeten einerseits und dem Achämenidenreich andererseits durch Vereinbarungen über den Verbleib der griechischen Städte Kleinasiens unter perischer Oberhoheit bei Wahrung ihrer politischen Autonomie beendet.

2. Zu den Ursachen und Bedingungen der Kriegführung.

a) Zur Vorgeschichte der Perserkriege.

aa) Griechische Stammesbildung im frühen ersten Jahrtausend.

bb) Die Entstehung des achämenidischen Perserreiches.

cc) Die phönizische und die griechische Kolonisation.

Karten ennommen aus: Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisering in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin, 1990 101, S. 6 (aa) und (bb), 7 (cc).

b) Zu Waffen, Kriegsschiffen und anderem Kriegsgerät der Zeit der Perserkriege.

aa) Reiterei der Perserkriegszeit

bb) Hopliten der Perserkriegszeit.

cc) Zu den Waffen der antiken griechischen Kriegsgeschichte.

dd) Zum Kriegschiffsbau der Perserkriegszeit.

ee) Zum größeren Krieggerät der antiken griechischen Kriegsgeschichte.

Abbildungen ennommen aus: E. Homann-Wedeking, Das archaische Griechenland, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, Baden-Baden 1979 3, Tafel 35 nach S. 112 (aa - Spätkorinthischer Krater [Mischkrug], um 570 v. Chr., heutiger Standort: Rom, Museo Gregoriano Etrusco), - Oswyn Murray, Das frühe Griechenland, dt. Übersetzung von Kai Brodersen, [Early Greece, 1980] München 1982, Umschlagsbild (bb - Ausschnitt aus dem Bildschmuck einer um 650 v. Chr. entstandenen Kanne ['Chigi-Kanne']). - Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 2 Teile, München 1928, 1. Teil: Die Griechen, (cc: Tafel 8 - vor S. 81) , (dd: Tafeln 10 und 11 - nach S. 176), (ee:Tafel 22 und 23 - nach S. 240).

Die persische Expedition d. J. 490 v. Chr.: Herodot, Historien 6. 94 - 120.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 415 - 425.

Übung 3 A.

Aufgaben:

Sehen Sie die unten wiedergegebenen Textpassagen aus Herodots 'Historien' daraufhin durch,

a) welche Aussagen sie über politische und religiöse Motive der an den Perserkriegen beteiligten Parteien zu einem Krieg gegeneinander enthalten,

b) an welchen Stellen in Herodots Bericht von einer - wahrscheinlich unbewußten und ungewollten - Einseitigkeit bei der Darstellung der Kriegsparteien und ihrer Motive ausgegangen werden kann,

c) wo Herdot bewußte und dezidierte Positionen zugunsten bestimmter Kriegsparteien einnimt.

d) Was wissen Sie über Herodots Lebenslauf, und warum widmet er sich Ihres Erachtens der Darstellung der 'Perserkriege'?


Zur Vorgeschichte des zweiten Perserzuges nach Griechenland. Herodot, Historien 7. 4 - 12 und 7. 131 - 139.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 436 - 443 und 481 - 485.

Übung 3 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach Ihrem jetzigen Wissenstand folgende Fragen zu dem unten wiedergegebenen Textauszug aus Herdots 'Historien':

a) Woher hat Herodot sein detailliertes Wissen? Wo ist es Ihres Erachtens zuverlässig, wo könnte es fehlerhaft sein?

b) Was erfahren sie aus dem Bericht Herodots über die politische und militärische Verfassung des Perserreichs?

c) Wie groß und welcher ethnisch-kulturellenen Tradition ist der Anteil griechischsprachiger Elemente am persischen Expeditionsheer?

d) Was erfahren wir über Stärke, Waffengattungen, Befehlsstruktur, Gliederung, Bewaffungsarten und Troß des persischen Expeditionsheeres? Wo liegen seine organisatorischen Stärken und Schwächen? Für welche Kampfzwecke taugen die einzelnen Waffengattungen und Bewaffnungsformen?


Ethnische Zusammensetzung und Stärke, Waffengattungen, Befehlsstruktur und Gliederung, Bewaffungsarten und Troß des persischen Expeditionsheeres. Herodot, Historien 7. 59 - 100.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 460 - 471.

3. Zum Kriegsgeschehen.

Die Expeditionen der Perserkriege (1).

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 56.

Die Expeditionen der Perserkriege (2).

Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisenring in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin, 1990, S. 12.

Zur Schlacht an den Thermopylen.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 19.

Die strategische Entscheidung für die Seeschlacht bei Salamis. Herodot, Historien 9. 52 - 72.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 544 - 551.

Zur Schlacht bei Salamis.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 15.

Taktische Aufstellungen und Ablauf der Schlacht bei Plataiai. Herodot, Historien, Buch 9. 28 - 33 und 59 - 71.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 595 - 597 und - 608 - 613.

Zur Schlacht bei Plataiai.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 19.,

Zu den griechischen Operationen am Vorgebirge Mykale und bei Sestos.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.19.

4. Zu den Folgen der Kriege.

Wesentliche historische Folgen der Perserkriege.

1. Freisetzung der handelspolitischen und wirtschaftlichen Kräfte Athens.

2. Freisetzung der militärischen Kräfte Athens und Spartas.

3. Hegemonialkonflikte zwischen Athen und Sparta und damit verbundene, Gesamtgriechenland einbeziehende Frontbildungen.

4. Übergewicht griechischer Militärflotten- und Handelsmacht im östlichen Mittelmeerraum und an seinen Küsten.

a) Unmittelbare Folgen.

Die Befreiung der Griechen auf den ägäischen Inseln und in Kleinassien als Ergebnis des Mißlingens der zweiten persischen Expedition nach Griechenland. Herodot, Historien 9. 96 - 107 und 114 - 122.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 622 - 627 und 629 - 632.

b) Längerfristige Folgen im Verhältnis der griechischen Poleis untereinander und in ihrem Verhältnis zum Perserreich.

Übung 3 C.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach Lektüre des Übungstextes die folgenden Fragen:

a) Worin sieht Thukydides die Gründe dafür, daß im Griechenland der Zeit vor den Perserkriegen weder eine politische Einheit der verschiedenen Stämme und Polisstaaten noch eine hegemoniale Führungsmacht entsteht?

b) Inwiefern sind die griechischen Siege in den Perserkriegen zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr. nach Thukydides' Ausführungen eine Voraussetzung für die Freisetzung athenischer Hegemonialmacht in Griechenland?

c) Was steht nach Thukydides' Meinung der Durchsetzung athenischer Hegemonie in ganz Griechenland entgegen, und wieso kommt es zum Peloponnesischen Kriege?

Der griechische Sieg über die Perser als tiefere Ursache der Freisetzung der Kräfte Athens und des schweren und langen spartanisch-athenischen Konflikts. Thukydides, Peloponnesischer Krieg, Buch 1, Kap. 14 - 23.

Deutsche Übersetzung nach: Thukydides, Geschichte des Peolponnesischen Krieges. Herausgegeben und übersetzt von Georg Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 1, S. 31 - 36.

5. Zum Vergleich der Perserkriege mit anderen imperialen und bundesgenössisch geführten Außenkriegen der Antike.

a) Imperiale Kriege:

Der Eroberungskrieg Alexanders gegen das Achämenidenreich.

Der zweite und dritte Krieg Roms gegen Karthago.

Der Krieg unter Marius' Führung gegen die Kimbern und Teutonen.

Der Krieg unter Caesars Führung in Gallien.

Der Jüdische Krieg (als Grenzfall zwischen Außen- und Innenkrieg).

b) Bundesgenössich geführte Kriege.

Der Peloponnesische Krieg.

Der Korinthische Krieg gegen Sparta.

Der Krieg zwischen dem panhellenischen Bunde und Philipp von Makedonien.

Der Krieg des Achäischen Bundes gegen Rom.

Der Krieg der italischen Bundesgenossen gegen Rom (als Grenzfall zwischen Außen- und Innenkrieg).

6. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Oswyn Murray, Das frühe Griechenland, dt. Übersetzung von Kai Brodersen, [Early Greece, 1980] München 1982,

Richard Frye, Persien (The Heritage of Persia, 1975), deutsche Übersetzung von Paul Baudisch, Essen 1975.

Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 1. Teil: Die Griechen, München 1928, Abschnitt II B (Die Zeit der griechischen Freistaaten) S. 27 ff.

Hans-Joachim Diesner, Kriege des Altertums. Griechenland und Rom im Kampf um den Mittelmeerraum, [1974] Berlin 1985, S. 9 - 76 (Die Perserkriege und der Peloponnesische Krieg).

Klaus Meister, Die Interpretation historischer Quellen. Schwerpunkt Antike Bd. 1: Griechenland (mit Einzelinterpretationen einiger kriegsgeschichtlich wichtiger Quellen zu den Perserkriegen).

Medien:

Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisenring in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin, 1990, S. 6 , 7) und 12.

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 56.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 15 und 19.

E. Homann-Wedeking, Das archaische Griechenland, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und rreligiösen Grundlagen, Baden-Baden 1979 3, , Tafel 35 nach S. 112 (Spätkorinthischer Krater [Mischkrug], um 570 v. Chr., heutiger Standort: Rom, Museo Greogoriano Etrusco),

Oswyn Murray, Das frühe Griechenland, dt. Übersetzung von Kai Brodersen, [Early Greece, 1980] München 1982, Umschlagsbild (Ausschnitt aus dem Bildschmuck einer um 650 v. Chr. entstandenen Kanne ['Chigi-Kanne'].

Quellen:

Herodot, Historien 6. 94 - 120. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 415 - 425.

Herodot, Historien 7. 4 - 12 und 7. 131 - 139. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 436 - 443 und 481 - 485.

Herodot, Historien 7. 59 - 100. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 460 - 471.

Herodot, Historien 8. 52 - 72. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 544 - 551 .

Herodot, Historien 9. 52 - 72. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 595 - 597 und - 608 - 613.

Herodot, Historien 9. 96 - 107 und 114 - 122. Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 622 - 627 und 629 - 632.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006.

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .