Kap. 4: Der Peloponnesische Krieg als innergriechischer Hegemonialkrieg. Seine Folgen für innergriechische Machtverteilungen und Konfliktstrukturen im 4. Jh. v. Chr.

INHALT:

1. Zum Charakter des Peloponnesischen Krieges als beiderseits bundesgenössisch geführten Hegemonialkrieges. Zu Vorgeschichte und Ursachen des Krieges.

2. Ablauf und Phasen des Krieges.

3. Labile Machtverteilung und Hegemonialkonflikte in der griechischen Staatenwelt des 4. Jhs. v. Chr. als Folgen des peloponnesischen Krieges.

4. Literatur, Medien, Quellen.

1. Zum Charakter des Peloponnesischen Krieges als beiderseits bundesgenössisch geführten Hegemonialkrieges. Zu Vorgeschichte und Ursachen des Krieges.

Übersicht.

1. Hälfte des 5. Jhs. v. Chr. Die führende Rolle Athens bei der Abwehr der persischen Herrschaftsansprüche auf Griechenland in den Perserkriegen und seine davon ausgehende zunehmende Bedeutung als griechischer Seemacht führt zu Reibungen mit traditionellen hegemonialen Ansprüchen Spartas im festländisch-griechischen Bereich. - 448 v. Chr. Umformung des attischen Seebundes zu einem 'Attischen Reich' - 445 v. Chr. Frieden Athens mit Sparta auf dreißig Jahre - 443 - 429v. Chr. Perikles' auf die Stärkung der Großmachtrolle Athens ausgerichtete Politik

431 - 404 v. Chr. Peloponnesischer Krieg mit den Abschnitten Archidamischer Krieg (431 - 421), Nikias-Friedens (421 - 413), athenische Expedition nach Sizilien (413 - 411) und Dekeleischer Krieg (413 - 404). 406 und 404 v. Chr. Seeschlachten bei den Arginusen und bei Aigospotamoi . - 404 v. Chr.: Nach Belagerung Kapitulation Athens, seine zweitweilige Unterstellung unter spartanische Ägide und die Auflösung des attischen Seereiches.

Zur historischen Klärung der Vorgeschichte des Krieges. Aus: Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 1, 1 - 23.

Deutsche Übersetzung nach: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Kries. Hg. und übersetzt von Georg Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 1, S. 23 - 37 (auszugsweise).

Der Attische Seebund der Zeit vor dem Peloponnesischen Kriege.

Karte entommen aus: Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisenring in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin 1990, S. 12.

2. Ablauf und Phasen des Krieges.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 60.

Karte entnommen aus: Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisenring in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin, 1990, S. 13.

Übung 4 A.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre der unten wiedergegebenen Textpassagen aus Thukydides' 'Peloponnesischem Krieg' folgende Fragen:

a) Was erfahren wir über die Beteiligten und die Entscheidungsstrukturen der Bündnissysteme auf beiden kriegsbeteiligten Seiten?

b) Wo liegen aufseiten Athens und seiner Verbündeten die Probleme der politisch-strategischen Beschlußfassung, der Finanzierung, des Nachschubs, der Heeresführung (Disziplin) und der taktischen Durchführung der Belagerung der Stadt Syrakus im Rahmen der sizilianischen Expedition? Wo erkennen Sie in dieser Hinsicht emotionsgefärbte Auffassungen in der um Objektivität bemühten Darstellung des Historikers Thukydides?

c) Welche historische Bedeutung erkennt Thukydides der sizilianischen Expedition im Gesamtzusammenhang der Phasen und Operationen des Peloponnesischen Krieges zu?


Zum Mißlingen der Seebundsexpedition nach Sizilien: Thukydides, Peloponnesischer Krieg 7. 8 - 18 (414/413 v. Chr.).

Deutsche Übersetung aus: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges, Herausgegeben von Georg Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 2, S. 524 - 529.

Die Belagerung von Syrakus i. d. J. 415 - 413 v. Chr. und die Belagerung Alesias i. J. 52 v. Chr. im Vergleich.

Karten entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas, hg. vom Bayrischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1971 5, S. 23. - Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.28.

3. Labile Machtverteilung und Hegemonialkonflikte in der griechischen Staatenwelt des 4. Jhs. v. Chr. als Folgen des peloponnesischen Krieges.

Wesentliche Folgen des Peloponnesischen Kriegs.

1. Neue zeitweilige, aber bis zum Auftreten Makedoniens nicht erfolgreiche, sondern stets durch Koalitionen gegnerischer Staaten oder Bundesgenossenkriege durchkreuzte Versuche zur Bildung innergriechischer Hegemonien durch

- Sparta (403 - 371 v. Chr.),

- Theben (371 - 362 v. Chr. ) und,

- (erneut) Athen (2. Attischer Seebund, 377 - 355 v. Chr.).

2. Einflußnahme des Persischen Reiches auf die innergriechischen Machtverhältnisse ('Antalkidas'- oder 'Königs-'Frieden d. J. 387 v. Chr.) und erneute Unterstellung der griechischen Festlandstädte in Kleinasien unter perische Herrschaft.

3. Entstehung der Idee einer politisch vereinheitlichenden Lösung für Griechenland, welche die labile Ordnung konkurrierender Polis-Staaten durch militärische Herrschaftsmacht in einen oder mehrere faktisch monarchisch regierte Herrschaftsbereiche mit verbleibenden Autonomietraditionen transformiert. Diese Lösung beginnt mit der Hegemonialpolitik Philipps II. in Griechenland und dauert während der Epoche des Hellenismus weitgehend an.

Übung 4 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach Lektüre des Xenophon-Textes folgende Fragen:

a) Welche Kriegsparteien unter welchen Feldherren stehen sich in dem hier geschilderten Kriege gegenüber? In welche Zeit ordnen Sie den Krieg ein? Warum?

b) Wie verläuft das geschilderte Kriegsgeschehen, welche Ziele verfolgen die Parteien, und warum vermag sich keine der Parteien gegenüber der anderen siegreich durchzusetzen?

c) In welchen Aspekten seines Ablaufs und seiner Folgen hat das hier geschilderte Kriegsszenario eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Peloponnesischen Kriege?


'Unordnung und Verwirrung in Hellas'. Xenophon, Hellenika, Buch 7, aus Kap. 5.

Deutsche Übersetzung nach: Walter Müri, Gisela Strasburger, Peter Järisch, H. Färber und E. Faltner (Hg.), Xenophon, Anabasis. Hellenika. Erinnerungen an Sokrates, Wiesbaden o. D. (um 1970), S. 554 - 559.

Die zeitweilige Dominanz Spartas im 4. Jh. v. Chr.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.20, (I).

Das hegemoniale Theben und der wiederbelebte Attische Seebund im 4. Jh. v. Chr.

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 62.

Übung 4 C.

Aufgaben:

Untersuchen Sie die folgenden Kartenbilder unter dem Aspekt, worin sich die hegemonialen Absichten und Möglichkeiten des Epaminondas enerseits und Philipps von Makedonien andererseits unterscheiden.

Die Hegemonialpolitik des thebaneischen Heerfühers Epaminondas und des makedonischen Königs Philipp im Vergleich:

Operationen des Epaminondas.

Operationen Philipps.

Karten entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.20, III) und

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 62.

.

Die Entstehung einer dauerhaften Vorherrschaft Makedoniens in Griechenland.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.20, (IV).

4. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

John K. Davies, Das klassische Griechenland und die Demokratie, München 1986 3.

Wolfgang Schuller, Griechische Geschichte (Oldenbourg Grundrisse der Geschichte Bd. 1), München 1991 3.

Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 1. Teil: Die Griechen, München 1928, Abschnitt II B (Die Zeit der griechischen Freistaaten) S. 27 ff.

Hans-Joachim Diesner, Kriege des Altertums. Griechenland und Rom im Kampf um den Mittelmeerraum, [1974] Berlin 1985, S. 9 - 76 (Die Perserkriege und der Peloponnesische Krieg).

Raimund Schulz, Athen und Sparta, Darmstadt 2003.

Klaus Meister, Die Interpretation historischer Quellen. Schwerpunkt Antike, Bd. 1: Griechenland, Paderborn u. a. O. 1997 (mit beispielhaften Einzelinterpretationen auch kriegsgeschichtlich wichtiger Quellen).

Medien:

Putzger. Historischer Weltatlas, hg. von W. Leisenring in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Bearbeitern,, Cornelsen-Verlag Berlin, 1990, S. 12 und 13.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S.20.

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, München 1999 33, S. 62.

Quellen:

Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 1, 1 - 23. Deutsche Übersetzung nach: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Kries. Hg. und übersetzt von Georg Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 1, S. 23 - 37 (auszugsweise).

Thukydides, Peloponnesischer Krieg 7. 8 - 18 (414/413 v. Chr.). Deutsche Übersetung aus: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges, Herausgegeben von Georg Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 2, S. 524 - 529.

Xenophon, Hellenika, Buch 7, aus Kap. 5. Deutsche Übersetzung nach: Walter Müri, Gisela Strasburger, Peter Järisch, H. Färber und E. Faltner (Hg.), Xenophon, Anabasis. Hellenika. Erinerungen an Sokrates, Wiesbaden o. D. (um 1970), S. 554 - 559.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006.

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .