Kap. 5: Die Kriege Philipps und Alexanders als innergiechische Hegemonialkriege und imperiale Eroberungskriege. Politische und kulturelle Folgen für Griechenland, den Nahen und Mittleren Osten.

INHALT:

1. Übersichten.

2. Die Kriege zur Expansion des makedonischen Herrschaftsbereichs auf dem Balkan und zur Begründung der makedonischen Hegemonie in Griechenland.

3. Der Krieg zur Eroberung des Perserreichs.

4. Politische und kulturelle Folgen der Kriege Philipps und Alexanders für Griechenland, den Nahen und Mittleren Osten.

5. Literatur, Medien, Quellen.

2. Die Kriege zur Expansion des makedonischen Herrschaftsbereichs auf dem Balkan und zur Begründung der makedonischen Hegemonie in Griechenland.

1. Übersichten.

359 - 336 v. Chr. Regierungszeit Philipps II. von Makedonien, 336 - 323 v. Chr. Regierungszeit Alexanders d. Gr. von Makedonien.

I. d. J. 358 - 342 v. Chr. Einigung Makedoniens (358) durch Philipp, verbunden mit politisch-militärischen Reformen, Eroberung von Städten und Territorien auf der Chalkidike und einer Politik zur indirekten Schwächung Athens: Austritt von Chios, Rhodos, Kos, Byzanz und Euboea aus dem 2. Attischen Seebund. Makedonischer Eingriff in die innergriechischen Angelegenheiten im 'Phokischen Krieg', Gewinn Thessaliens, Eroberung Thrakiens. 340 v. Chr. auf athenische Initiative (Demosthenes) Gründung des 'Hellenenbundes' als Defensivbündnis gegen makedonisches Hegemonialstreben, 338 Schlacht bei Chaironeia, 337 Gründung des 'Korinthischen Bundes' aller Griechenstaaten mit dem makedonischen König als 'Hegemon', einer gesamtgreichischen Bundesrats- und Friedensordnung unter der Festlegung einer antipersischen Politik (Kriegsbereitschaft).

Nach Ermordung Philipps i. J. 336 v. Chr. Ablösungsbestrebungen im makedonischen Herrschafts- (Thrakien, Illyrien) und Hegemonialbereich (Theben, Athen, peloponnesische Stadtstaaten und Bünde), denen der Nachfolger Philipps Alexander militärisch entgegentritt: 335 exemplarische Zerstörung Thebens, Wiederherstellung des Korinthischen Bundes, Fassung eines neuen Kriegbeschlusses gegen das Perserreich, den Alexander auch sofort umsetzt. Alexanderzug mit Entscheidungsschlachten am Granikos (334), bei Issos (333), bei Gaugamela (331); Eroberung Kleinasiens, des Levante-Bereichs, Ägyptens, Mesopotamiens, des Iran, des Industals und Transoxaniens. Nach Abschluß der Feld- und Expeditionszüge Schritte zu einer einheitlichen Gestaltung des eroberten Reichgebiets außerhalb Griechenlands (Nachfolge des Großkönigs, militärbasierte Königsherrschaft, Gleichbehandlung von Persern und Griechen, auch im Heere, Reformen in Währung und Finanzverwaltung, separate Militär- und Zivilverwaltung. Zahlreiche Städtegründungen Alexanders und Kolonisation mit griechischen Siedlern auch in abgelegensten Teilen des Reiches. Plötzlicher Tod Alexanders ohne Nachfolgeregelung i. J. 323.

Der Aufstieg Makdoniens.

Karte. entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 20.

Zu Ursachen, Ablauf und Folgen der Schlacht bei Chaironeia i. J. 338 v. Chr.: Diodorus Siculus, Bibliotheke, Buch 16, 84 - 88.

Deutsche Übersetzung unter Berücksichtigung der Bibliotheke-Übersetzung von J. F. Wurm 1827 - 1840 und unter sprachlicher Hervorhebung bzw. [in eckigen Klammern erfolgender] Ergänzung kriegsgeschichtlich wesentlicher Aspekte des Berichts: Christian Gizewski.

Die beschworenen Vertragsbedingungen des 'Korinthischen Bundes' d. J. 338 v. Chr. als krieggeschichtliche Quelle.

Wissenschaftliche Edition der fragmentarisch überlieferten Inschrift: IG II 2 236. Kommentierender Text: Justin, Epitoma 9. 5. 1 - 6. - Deutsche Übersetzung beider Texte nach: E. Badian, Robert K. Sherk (Ed.), Translated Documents of Greece and Rome, Vol. 2: From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus, Cambridge u. a. O., 1985, S.123 f.

3. Der Krieg zur Eroberung des Perserreichs.

Der Eroberungskrieg Alexanders und die Begründung seines Reichs.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 64.

Übung 5 A.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre des Textes folgende Fragen:

a) Wie geht Alexander in der Schlacht taktisch vor, und warum fällt ihm der Sieg zu?

b) Welche Charaktereigenschaften treten an Alexander hervor?


Über die Persönlichkeit Alexanders. Aus: Plutarch, Alexander (Auszug).

Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Alexander - Caesar. Lebensbeschreibungen. Aus dem Griechischen übersetzt von Friedrich Salomon Kaltwasser. Überarbeitet von Wolgang Ritschel, Berlin, Weimar 1982, S. 42 - 47, 56 - 59.

4. Politische und kulturelle Folgen der Kriege Philipps und Alexanders für Griechenland, den Nahen und Mittleren Osten.

Wesentliche Folgen der Begründung der makedonischen Hegemonie über Griechenland und der kriegerischen Entstehung des Alexander-Reichs:

I. Die Überlagerung der griechischen Polis-Ordnungen durch monarchische Reichsbildungen neuer Art.

2. Die politisch-militärischen Zentrifugalkräfte nach dem Tode Alexanders und die Entstehung separater Diadochen-Herrschaften

3. Der kulturelle 'Hellenismus'.

Übung 5 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre der unten wiedergegebenen Textpassagen aus Plutarchs 'Demetrios' folgende Fragen:

a) Was sind die Anlässe und Gründe, Art und Ziele der von Antigonos und Demetrios geführten Kriege?

b) Wie würden Sie den Typus des Herrschers charakterisieren, den Demetrios darstellt?

c) Was ist Ihres Erachtens an dem Herrscherverhalten des Demetrios und dem Verhalten der von ihm Beherrschten neuartig gegenüber den Herrschaftsstrukturen vor der Entstehung der makedonischen Hegemonie und des Alexanderreichs?


Charakter und Schicksal eines Diadochen-Herrschers. Aus: Plutarch, Parallelbiographien, Demetrios - Antonius, Auszüge aus: Demetrios (1, 5, 8, 10, 12, 33 - 35, 39, 41 - 45).

Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Lebensbeschreibungen, Übersetzung von J. F. Kaltwasser (1799 - 1806 )in der Bearbeitung von Hans Floerke (1913), Gesamtausgabe in sechs Bänden, Bd. 6, München o. D. (um 1960), aus S. 51 - 103.

Übung 5 C.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre des Textes folgende Fragen:

a) Welche Arten von Königtum unterscheidet Aristoteles.?

b) Versuchen Sie, die Herrschaftsmacht Alexanders oder die des Demetrios (s. o) in diese Begrifflichkeit einzuordnen.

Staatstheorie vom Königtum im 4. Jh. v. Chr.: Aristoteles, Politik 3, 13 f.

Deutsche Übersetzung nach: Aristoteles, Politik. Übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Eugen Rolfes. Mit einer Einleitung von Günter Bien,[1880] ND Hamburg 1990. S. 108 - 112.

Die Diadochen-Reiche um 303 v. Chr.

Karte entmommen aus: Großer Historischer Weltatlas. Herausgegeben vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S. 37.

Die hellenistische Kulturdiffusion am Beispiel der Stadtegründungen hellenistischer Herrscher.

Karte entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas. Herausgegeben vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S. 37.

Übung 5 D.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre des Textes folgende Fragen:

a) Entdecken Sie bei Aristoteles Positionen, mit denen Sie nicht übereinstimmen? Wo stimmen Sie andererseits mit ihm überein? Ist Aristoteles' Tugendlehre religiös begründet? Welche Bedeutung haben Aristoteles' Ausführungen Ihres Erachtens im griechischen Geistesleben und in der alltäglichen Sitte?

b) Versuchen Sie, die Lebensführung und Regierungstätigkeit des Demetrios (s. o) nach den Richtlinien der aristotelischen Tugendlehre zu beurteilen. In welchem Ausmaße läßt sich bei Herrschern wie Demetrios ein Widerspruch zwischen ihrem Verhältnis zu den Kardinaltugenden und ihrer politisch-religiösen Selbstdarstellung ausmachen? Was entnehmen Sie daraus für die Validität moralischer Legitimation solcher Herrscher und ihr inneres Verhältnis zu wichtigen moralischen und ethischen Traditionen des Griechentums in der Zeit des 'Hellenismus'?

Aristoteles über die ethischen und dianoetischen Kardinaltugenden und ihren Handlungsbezug: Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch 2, 1 f. und 6, 1 f.

Deutsche Übersetzung nach: Aristoteles, Nikomachische ethik. Übersetzung und Nachwort von Franz Dirlmeier. Anmerkungen von Ernst A. Schmidt, Stuttgart 1969, S. 34 - 37 und 153 - 156.

5. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Frank W. Walbank, Die hellenistische Welt [1981]. Übersetzung aus dem Englischen von Christian M. Barth unter Mitarbeit von K. Brodersen, München 1989 3.

Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 1. Teil: Die Griechen, München 1928, Abschnitt II C (Makedonisch-hellenistische Zeit) S. 95 ff.

Medien:

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 64.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 20.

Großer Historischer Weltatlas. Herausgegeben vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S. 37.

Quellen:

Diodorus Siculus, Bibliotheke, Buch 16, 84 - 88. Deutsche Übersetzung unter Berücksichtigung der Bibliotheke-Übersetzung von J. F. Wurm 1827 - 1840 und unter sprachlicher Hervorhebung bzw. [in eckigen Klammern erfolgender] Ergänzung kriegsgeschichtlich wesentlicher Aspekte des Berichts: Christian Gizewski.

Plutarch, Alexander (Auszug). Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Alexander - Caesar. Lebensbeschreibungen. Aus dem Griechischen übersetzt von Friedrich Salomon Kaltwasser. Überarbeitet von Wolgang Ritschel, Berlin, Weimar 1982, S. 42 - 47, 56 - 59.

Wissenschaftliche Edition der fragmentarisch überlieferten Inschrift: IG II 2 236. Kommentierender Text: Justin, Epitoma 9. 5. 1 - 6. - Deutsche Übersetzung beider Texte nach: E. Badian, Robert K. Sherk (Ed.), Translated Documents of Greece and Rome, Vol. 2: From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus, Cambridge u. a. O., 1985, S.123 f.

Aristoteles, Politik 3, 13 f. Deutsche Übersetzung nach: Aristoteles, Politik. Übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Eugen Rolfes. Mit einer Einleitung von Günter Bien,[1880] ND Hamburg 1990. S. 108 - 112.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006.

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .