Kap. 6: Roms kriegerische Machtkonkurrenz mit Karthago. Die Bedeutung der Kriege für die Entwicklung des Imperium Romanum.

INHALT:

1. Übersichten.

2. Ursachen und Abläufe der Punischen Kriege.

3. Die Bedeutung der Kriege für die Entwicklung des Imperium Romanum.

4. Literatur, Medien, Quellen.

1. Übersichten.

348 und 306 v. Chr. Verträge Roms und Karthagos über die Abgrenzung der Handelssphären im westlichen Mittelmeer. - 282 - 272 Kriegsbündnis Roms und Karthagos im Kampf gegen Pyrrhos von Epirus, der in Unteritalien und auf Sizilien ein griechisches Königreich begründen will. Am Ende - nach der faktischen Niederlage des Pyrrhus - steht Roms gefestigte Herrschaft über Unterialien und Karthagos gefestigter Einfluß auf Sizilien.

264 - 241 v. Chr. Erster Punischer Krieg. Die bei einem Konflikt zwischen sizilischen Griechenstädten militärisch dorthin, wo sie bisher nicht präsent waren, zuhilfe gerufenen Römer geraten in Konflikt auch mit den seit langem im Westteil Siziliens präsenten Karthagern, aus dem sich ein langjähriger Land- und Seekrieg entwickelt. Die Römer sind anfänglich - mit einer erstmalig gebauten größeren Kriegsflotte und einer neuen Seekriegstaktik - in zwei größeren Seeschlachten (bei Mylae, 260, und am Vorgebirge Ecnomus, 256) erfolgreich, was ihre militärische Präsenz auf Sizilien sichert und eine Landung in Nordafrika ermöglicht. Dort unterliegen sie allerdings in einer entscheidenden Landschlacht (bei Tunes, 255) und verlieren nach dieser auch noch durch einen Sturm ihre gesamte Flotte. - Der Neubau einer Flotte ist erst um 250 abgeschlossen; in den Jahren bis dahin führen die Römer allerdings einen zähen Landkrieg auf Sizilien, der den Karthagern nur wenige Stützpunkte auf der Insel übrig läßt. Die zunächst (bei Panormus, 250) siegreiche neue Flotte wird bald darauf (bei Drepanum, 249) wieder vernichtet. - Der Kleinkrieg auf Sizilien setzt sich wieder jahrelang fort, bis es den Römern nochmals mit äußerster Kraftanstrengung gelingt, eine Flotte zu bauen. Mit dieser erringen sie schließlich (bei den Ägatischen Inseln, 241) den Sieg in einer entscheidenden Seeschlacht, nach welcher der ebenfalls erschöpften karthagischen Seite nur die Bereitschaft zu einem nachteiligen Friedensschluß bleibt: Karthagos Besitz auf Sizilien wird - erste - römische Provinz.

238 v. Chr. Zwischenkrieg. Rom erklärt Karthago erneut den Krieg, um s. E. vertragswidrige Zustände auf Sardinien zu beenden. Es erzwingt die Herausgabe der Inseln Sardinien und später auch Korsika, beide bis dahin unter karthagischer Herrschaft, und macht sie zu neuen römischen Provinzen. - Seit 237 beginnt Karthago, unter militärischer Führung des Hamilkar und Hadrubal die südöstliche Küstenregion Spaniens als territorialen Ersatz für die Inseln zu erobern, wirtschaftlich zu nutzen und mit Kolonien wie Carthago Nova zu versehen. - Im Vertrag von 226 vereinbaren Rom und Karthago eine Begrenzung der karthagischen Expansion durch eine Linie am Fluß Ebro.

218 - 201 v. Chr. Zweiter Punischer Krieg. Der Streit um die Auslegung des Ebro-Vertrages wegen der Stadt Sagunt, welche der neue Befehlshaber der karthagischen Truppen in Spanien, Hannibal, trotz römischen Widerspuchs belagert und erobert, ist Auslöser eines beiderseits seit längerem geplanten neuen Krieges. Hannibal marschiert von Spanien aus mit einem für längere Operationen ausgelegten Expeditionsheer über Pyrenäen und Alpen und dringt nach Italien ein, wo er den Römern zunächst mehrere vernichtende Niederlagen (in den Schlachten am Ticinus 218, an der Trebia 218, am Trasimenischen See 218 und bei Cannae 216) beibringt. Die karthagischen Erfolge führen dazu, daß sich Philipp V. von Madedonien sowie einige größere Völkerschaften und Städte Italiens (Kelten, Samniten. Lukaner, Bruttier, Capua) Hannibal anschließen. - Allerdings vermag Hannibal nicht Rom zu erobern, und es kommt seit 216 wegen beiderseits fehlender Mittel zu einem jahrelangen unentschiedenen Kampf um den Gewinn mittelbar wichtiger strategischer Positionen in Italien (Syrakus, Tarent, Capua), Spanien (Carthago Nova) und Griechenland/Kleinasien (wo makedonenfeindliche Kräfte wie Epiros, der Ätolischer Bund, Elis, Messene, Sparta, dazu das Reich von Pergamon, sich mit Rom verbünden). - Erst seit 207/206 (Schlachten am Metaurus/Norditalien und bei Ilipa/Spanien) gewinnen die Römer in Italien und - unter Führung des weiterhin erfolgreichen P. Cornelius Scipio [späterhin mit dem agnomen 'Africanus' geehrt] - in Spanien das Übergewicht. Deshalb vermögen sie i. J. 204 ein Expeditionsheer unter Scipio nach Africa überzusetzen, wo der Numiderfürst Massinissa auf ihre Seite tritt; Hannibal wird dadurch genötigt, mit seinen Truppen aus Italien nach Africa zurückzukehren. Nach zwei römischen Siegen (bei Tunes 203 und in der entscheidenden Schlacht von Zama 202) sind die Karthager genötigt, sich einem römischen Friedendiktat zu unterwerfen, durch welches sie u. a. ihren gesamten Überseebesitz an Rom verlieren, ihre gesamte Kriegsflotte ausliefern, eine auf Jahrzehnte angelegte überlastende Entschädigung zahlen und sich außenpolitisch-militärisch römischer Letztentscheidung unterstellen müssen.

In der Folge des Zweiten Punischen Krieges ist Rom darauf bedacht, einem Wiederaufleben der karthagischen Handels- und Militärmacht durch dauernde Schwächung Karthagos und Beseitigung anderer von mächtigeren früheren Parteigängern Karthagos ausgehender Bedrohungen entgegenzuwirken: Verfolgung Hannibals bis zu dessen Selbstmord in Bithynien (183), Krieg gegen die oberitalischen Kelten (200 - 190), Kriege gegen Makedonien (200 - 197 und 171 - 168). Rom unterstützt auch den Konkurrenten Karthagos in Nordafrka, Massinissa, bei seinen Expansionsbestrebungen zulasten Karthagos. Als sich Karthago dagegen ohne die vertraglich vorgesehene römische Zustimmung wehrt, kommt es zum Dritten Punischen Kriege (149 - 146), in dem das unterlegene Karthago erobert und zerstört wird. Das karthagische Gebiet wird zur römischen 'provincia Africa'.

2. Ursachen und Abläufe der Punischen Kriege.

a) Die Entwicklung der Konfliktursachen und des Kriegsgeschehens.

Das karthagische Reich und die italische Wehrgemeinschaft.

Karte entnommen aus: Großer Historischer Weltatlas. Herausgegeben vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S. 37.

Zum Verlauf des ersten punischen Krieges.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 80.

Zum Verlauf des zweiten punischen Krieges.

Karten entnommen aus:Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 80 und 82.

Skizze der Schlacht bei Cannae.

Skizze aus: Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 133.

b) Kriegsmotive, Strategie und Taktik im römisch-karthagischen Konflikt.

Übung 6 A.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre der beiden folgenden Texte die folgenden Fragen:

a) Welchem Krieg und welcher Kriegslage ist die bei Aulus Gellius / Cato d. Ä. geschilderte Episode zuzuorden?

b) Wie läßt sich die ethische Grundhaltung des Militärtribunen charakterisieren, und was wirkt an ihr eindrucksvoll?

c) Wie hängt das Ideal militärischer Pflichterfüllung mit dem Wesen einer Bürger-Armee zusammen?

d) Worin sieht Livius die geschichtliche Bedeutung des Zweiten Punischen Kriegs?

e) Inwiefern paßt die Persönlichkeit Hannibals zu der Aufgabe, das karthagische Heer im Kriege mit Rom als Oberbefehlshaber zu führen?


Bürgerarmee, Vaterlandsliebe, militärische Disziplin und Tapferkeit im ersten punischen Kriege: Aulus Gellius 3, 7, 2f. , Aus Catos d. Ä. 'Origines'.

Deutsche Übersetzung nach: Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Herausgegeben von Otto Schönberger, München 1980, S. 199 - 203.


Ein Fortsetzungskrieg um Existenz und Vorherrschaft zwischen Rom und Karthago. Der Charakter des Feldherrn Hannibal: Livius, Ab urbe condita, Buch XXI, 1 - 4.

Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 13 - 17.

Ursachen und Ablauf der römischen Niederlage bei Cannae: Livius, Ab urbe condita, Buch XXII, 38 f. und 44 - 50.

Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 122 - 125 und 132 - 141.

c) Das römische Friedensdiktat gegenüber Karthago i. d. J. 202/201 v. Chr.

Übung 6 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie folgende Fragen:

a) Wie verläuft die von Livius geschilderte Schlacht bei Zama? Inwiefern handelt es sich bei dieser Schlacht um eine 'Entscheidungsschlacht'? Was verstehen Sie unter diesem Begriff?

b) Inwiefern zeichnen die Friedensbedingungen Roms für Karthago die Veränderung der Machtverhältnisse im westlichen Mittelmeerraum und dabei das Verschwinden Karthagos als politischer Macht vor?

c) Inwieweit ist durch das Ende des römisch-karthagischen Konflikts die Möglichkeit einer vermehrten Einflußnahme und Konfliktbereitschaft Roms nach Osten vorgezeichnet?

Die Entscheidungsschlacht bei Zama und das römische Friedensdiktat: Livius, Ab urbe condita, Buch XXX, 35 - 45.

Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXVI - XXX, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 222 - 235.

3. Die Bedeutung der Punischen Kriege für die Entwicklung des Imperium Romanum.

Wesentliche Folgen der kriegerischen Durchsetzung römischer Interessen gegenüber Karthago.

I. Die politisch-militärische Hegemonie Roms und die Entfaltung seiner Wirtschafts- und Handelsmacht im westlichen Mittelmeerraum.

II. Der Beginn und das Wachsen des römischen Einflusses im östlichen Mittelmeerraum.

III. Die Grundlegung der provinzialen Ordnung des römischen Imperiums.

Die Entwicklung des Römischen Reiches nach dem Ende des römisch-karthagischen Konflikts.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitetet von H. E. Stier, E. Kirsten u. v. a., Sonderausgabe Braunschweig 1990, S. 28.

4. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur.

Michael Crawford, Die römische Republik [1978]. Übersetzung aus dem Englischen von Barbara und Silke Evers, München 1987 3.

Hans-Joachim Diesner, Kriege des Altertums. Griechenland und Rom im Kampf um den Mittelmeerraum, [1974] Berlin 1985, S. 77 - 124 (Die Punischen Kriege).

Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 2. Teil: Die Römer, München 1928, Abschnitt II B (Zeit des Milizheeres, Zeit der 'Manipulartaktik') S. 288 ff.

Medien:

Großer Historischer Weltatlas. Herausgegeben vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S. 37.

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 80 und 82.

Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 133 (Skizze der Schlacht bei Cannae).

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitetet von H. E. Stier, E. Kirsten u. v. a., Sonderausgabe Braunschweig 1990, S. 28.

Quellen:

Aulus Gellius 3, 7, 2f. , Aus Catos d. Ä. 'Origines'. Deutsche Übersetzung nach: Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Herausgegeben von Otto Schönberger, München 1980, S. 199 - 203.

Livius, Ab urbe condita, Buch XXI, 1 - 4. Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 13 - 17.

Livius, Ab urbe condita, Buch XXII, 38 f. und 44 - 50. Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXI und XXII, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 122 - 125 und 132 - 141.

Livius, Ab urbe condita, Buch XXX, 35 - 45. Deutsche Übersetzung nach: Livius, Römische Geschichte. Buch XXVI - XXX, Der zweite Punische Krieg. Übersetzt und eingeleitet von Walter Sontheimer, Stuttgart 1971, S. 222 - 235.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006.

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .