Kap. 7: Marius' Krieg gegen wandernde Germanenstämme und Caesars offensiver Grenzsicherungs - und Unterwerfungskrieg in Gallien, Britannien und Germanien. Die Bedeutung der römischen Kriege mit Kelten und Germanen für die römisch geprägte Kolonisierung und Urbanisierung dieser Völker.

INHALT:

1. Übersichten.

2. Die 'Nordvölker' als Gefahr für Rom und Italien.

3. Der römische Defensivkrieg unter Marius gegen die Kimbern und Teutonen.

4. Caesars offensiver Grenzsicherungs - und Unterwerfungskrieg in Gallien, Britannien und Germanien.

5. Die Bedeutung der römischen Kriege mit Kelten und Germanen für die römisch geprägte Kolonisierung und Urbanisierung dieser Völker.

6. Literatur, Medien, Quellen.

1. Übersichten.

Seit dem 4. Jh. v. Chr.: Keltische Landsuche und Eroberungszüge, ausgehend von dem Kernsiedlungsgebiet zwischen Rhône und mittlerem Donaulauf, nach Britannien, Spanien und Italien, auf den Balkan, an den Nordrand des Schwarzen Meeres und nach Kleinasien. Dauerhafter Verbleib im weiteren 'Gallien' und in Britannien, in Spanien ('Keltiberer'), Italien ('Gallia cisalpina'), auf dem Balkan und in Kleinasien ('Galatien'). 387 v. Chr. Römische Niederlage gegen ein beutemachendes keltisches Heer an der Allia; Eroberung und Verwüstung Roms. 279 - 277 v. Chr. Mehrere größere Schlachten und Städteroberungen keltischer Stämme im griechischen und kleinasiatischen Bereich (u. a. Eroberung von Delphi, Byzanz, Ephesus und Pergamon). Im 2. Punischen Kriege treten die Kelten des Rhône-Tals ebenso wie die Norditaliens auf die Seite Hannibals. Erst in einem langjährigen Kriege gelingt es Rom später (200 - 190), die keltischen Gegner in Oberitalien zu überwinden. Die Gallier-Stämme des Rhône-Tals (Allobroger und Averner) werden erst i. d. J. 122 - 117 v. Chr. römischer Herrschaft unterworfen; Einrichtung der 'provincia Narbonnensis' durch Cn. Domitius Ahenobarbus.

Für das 2. Jh. v. Chr. kann aufgrund archäologischer und sprachgeschichtlicher Schlußfolgerungen angenommen werden, daß außer in Skandinavien und Jütland und an einem breiten Küstenstreifen von Friesland bis Pommern auch in einigen ursprünglich wohl überwiegend dem keltischen Bereich zuzurechnenden binnenländischen Regionen zwischen Rhein und Oder sowie westlich des Rheins von den Niederlanden über Belgien bis zum Moselthal nach expansiven Bewegungen von Norden her Völkerschaften siedeln, die später zusammenfassend als 'Germanen' bezeichnet werden. Germanische Völkerschaften bewegen sich ferner im 2. und 1. Jh. v. Chr. auf der Suche nach Land und Beute in expansiver und kriegerischer Weise, vorzugsweise in Gegenden hinein, die kulturell höherstehende oder/und materiell hinreichende Lebensbedingungen für ihre Angehörigen bieten. - Am Ende des 2. Jhs. ziehen etwa in dieser Weise in einem Zehnjähreszeitraum die Völkerschaften der Kimbern, Teutonen und Ambronen, aus dem jütländischen Bereich kommend, an der Elbe entlang nach Südosten und dann von Osten nach Westen durch das keltisch besiedelte nördliche Voralpengebiet, durchwandern dann in geteilter Fomation - einerseits auf einem Weg durch die heutige Provence und das heutige Norspanien, andererseits direkt nach Norden hin - ganz Gallien bis zur Kanalküste, um nach Vereinigung dort in erneuter Trennung einerseits vom Rhonetal , andererseits von Noricum aus, einen Alpenübergang nach Italien zu unternehmen.

Schon i. d. J. 113, 109 und 105 v. Chr. (Schlachten bei Noreia, im Rhône-Tal und bei Arausio) und bei weiteren Gelegenheiten stoßen die wandernden Germanengruppen während dieses Zuges mit römischen Heeren zusammen und besiegen diese zumeist. Bei dem Vorhaben, nach Italien einzudringen, sind sie in einigen Zusammenstößen mit den Römern zunächst ebenfalls erfolgreichreich. Doch in Konfrontation mit den seit d. J. 104 v. Chr. unter dem Oberkommando des Marius stehenden römischen Heeresgruppen unterliegen sie schließlich nachhaltig in den entscheidenden Schlachten bei Aquae Sextiae und Vercellae (102 und 101 v. Chr.) .

Seit 70 v. Chr. unternehmen Teile des im heute thüringischen Bereichs siedelnden Volksstammes der Sueben kriegerische Züge nach Gallien, wohin sie von den keltischen Sequanern in einem Streit mit den keltischen Häduern gerufen worden sind. Durch die germanische Präsenz fühlen sich die keltischen Helvetier bedroht und veranlaßt, ihre Wohnsitze im Bereich der heutigen Schweis zu verlassen, um in der römischen provincia Narbonensis Unterkunft zu suchen.

Caesars achtjähriger 'Gallischer Krieg' (58 - 51 v. Chr.) beginnt mit der Abwehr des Helvetier-Übertritts in die römische Provence; er nötigt die Helvetier in der Schlacht bei Bibracte (58 v. Chr.), in ihre aufgegebenen Siedlungsgebiete zurückzukehren. Danach wendet er sich auf Ersuchen der Häduer gegen die in Gallien präsenten Sueben unter Führung des - zunächst von Rom als Bundesgenosse behandelten Königs - Ariovist und nötigt sie ebenfalls noch i. J. 58 (Schlacht bei Mühlausen/Elsaß) zu einem Rückzug auf das östliche Rheinufer. - Die weiteren Phasen des 'Gallischen Krieges' haben teils defensiven (Sicherung der Rheingrenze, Kontrolle der Kanalküste), teils expansiv-offensiven Charakter (Unterwerfung der Volksstämme der Gallier, Aquitanier und Belger unter römische Oberhoheit). Damit weitet Caesar des römische Herrschaftsgebiet aus und verstärkt zugleich seine innenpolitische Machtposition in Rom im Rahmen des 1. Triumvirats und seine militärischen Handlungsmöglichkeiten bei den später eintretenden Bürgerkriegskonflikten.

Mit der römischen Eroberung Galliens ist dessen 'Romanisierung' vorentschieden, zugleich aber auch der Horizont der römischen Reichsbildung weit nach Norden vorgeschoben; die nunmehr unmittelbare Nachbarschaft Britanniens und Germaniens rechts des Rheins stellt für die römische Außen- und Kriegspolitik künftig die Frage, ob und wie auch diese Gebiete in die römische Herrschaft einbezogen werden können oder müssen.

2. Die 'Nordvölker' als Gefahr und Entwicklungshemmnis für die römische Herrschaft in Italien und auf der Landbrücke zwischen Italien und Spanien.

Kelten und Frühgermanen in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 24.

Die Ausbreitung der Kelten im 1. Jt. v. Chr.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 76.

3. Der römische Defensivkrieg unter Marius gegen die Kimbern und Teutonen.

Der Zug der Kimbern und Teutonen am Ende des 2. Jhs. v. Chr.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 88.

Übung 7 A.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach der Lektüre des unten folgenden Quellentextes folgende Fragen:

a) Charakterisieren Sie den Eindruck, den die wandernden Germanenstämme auf die ihnen begegnenden römischen Truppen machen.

b) Warum ist in der Einschätzung des Marius der Krieg gegen die wandernden Germanenstämme etwas anderes als sonstige Kriege?

c) Wie führt Marius die Abwehr der germanischen Invasion durch?

Die Abwehr der Germanengefahr von Italien. Aus: Plutarch, Parallelbiographien, Pyrrhos - Marius, Marius 11 - 27.

Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Lebensbeschreibungen, Übersetzung von J. F. Kaltwasser (1799 - 1806 ) in der Bearbeitung von Hans Floerke (1913), Gesamtausgabe in sechs Bänden, Bd. 3, München o. D. (um 1960), aus S. 108 - 126.

4. Caesars offensiver Grenzsicherungs - und Unterwerfungskrieg in Gallien, Britannien und Germanien.

Machtverteilung und Kriegführung zur Zeit des 1. Triumvirats.

Karte entnommen aus: Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S. 90.

Gebiete und Ablaufe des Gallischen Krieges.

Karten entnommen aus: a) Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 29: b) Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S 90.

Die Belagerung der aufständischen Kelten in Alesia.

Karte. entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 29.

Übung 7 B.

Aufgaben:

Beantworten Sie nach Durchdenken des folgenden Textes die folgenden Fragen:

a) Aus welchem strategischen und taktischen Geschehen entwickelt sich die Belagerung Alesias und die dortige Schlacht zwischen Römern und aufständischen Kelten?

b) Mit welchen politischen und militärischen Zielen und mit welcher Taktik belagert und bekämpft Caesar die aufständischen Kelten innerhalb und außerhalb Alesias?

c) Inwiefern kündigt sich in der keltischen Niederlage und Caesars Kapitulationsbedingungen für die Besiegten das weitere politische Schicksal Galliens an?

Belagerung von und Entscheidungsschlacht bei Alesia. Aus: Caesar, De bello Gallico, Buch 7, 66 - 90.

Deutsche Übersetzung nach: Gaius Julius Caesar, De bello Gallico - Der Gallische Krieg. Lateinisch- deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Marieluise Deismann, Stuttgart 1991, S. 464 - 499.

5. Die Bedeutung der römischen Kriege mit Kelten und Germanen für die römisch geprägte Kolonisierung und Urbanisierung dieser Völker.

Wesentliche Folgen der kriegerischen Abwehr einer germanischen Invasion Italiens und Galliens sowie der kriegerischen Einfügung Galiens in den römischen Herrschaftsbereich:

I. Dauerhafte Sicherung des römischen Herrschaftsbereichs vor Invasionen der 'Nordvölker'.

II. Romanisierung und Urbanisierung zunächst Galliens, später auch eines Teils des rechtsrheinischen Germaniens und Britanniens.

III. Zusammenfassung militärischer Kräfte in einem Muster politisch-miltärischer Organisation, das späterhin als Vorlage für eine innenpolitische Etablierung des römischen Kaisertums dient.

Gallien, Germanien und Britannien in den ersten Jahrhunderten der Römerzeit.

Karten entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 36.

6. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Michael Crawford, Die römische Republik [1978]. Übersetzung aus dem Englischen von Barbara und Silke Evers, München 1987 3.

Colin Wells, Das Römische Reich [1984], Autorisierte Übersetzung und Bearbeitung der englischen Ausgabe von Kai Brodersen, München 1988 3.

Hans-Joachim Diesner, Kriege des Altertums. Griechenland und Rom im Kampf um den Mittelmeerraum, [1974] Berlin 1985, S. 142 (Die Kriege Caesars).

Johannes Kromeyer und Georg Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, 2. Teil: Die Römer, München 1928, Abschnitt II B (Zeit des Milizheeres, Zeit der 'Kohortentaktik'), S. 376 ff..

Medien:

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitete von Hans-Erich Stier u. v. a., Westermann Schulbuchverlag, Orbis-Sonderausgabe, Braunschweig 1990, S. 24 und 29.

Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französiscchen Revolution, dtv-Atlas Weltgeschichte, München 1999 33, S 76 und 90.

Quellen:

Plutarch, Parallelbiographien, Pyrrhos - Marius, Marius 11 - 27. Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Lebensbeschreibungen, Übersetzung von J. F. Kaltwasser (1799 - 1806) in der Bearbeitung von Hans Floerke (1913), Gesamtausgabe in sechs Bänden, Bd. 3, München o. D. (um 1960), aus S. 108 - 126.

Gaius Julius Caesar, De bello Gallico - Der Gallische Krieg. Lateinisch- deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Marieluise Deismann, Stuttgart 1991, S. 464 - 499.


LV Gizewski im SS 2005 und WS 2005/2006.

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .