Kap. 9: Römische 'Ordnungs'-Kriege gegen Sklaven und Seeräuber im 2. und 1. Jh. v. Chr. Ihre Bedeutung für eine Rechtsordnung römischer Sklavenhaltung und eine römisch-völkerrechtliche Verkehrsordnung.

INHALT:

1. Übersichten

2. Die Bekämpfung der Seeräuber durch Rom im 2. und 1. Jh. v. Chr. als 'Pazifikations'-Krieg.

3. Die Sklavenkriege Roms des 2. und 1. Jhs., insbesondere der 'Spartacus-Krieg' d. J. 73 - 71 v. Chr., als 'Polizei'-Kriege.

4. Die Bedeutung der Sklaven-und der Seeräuberkriege für die eine römisch-rechtliche Ordnung der Sklavenhaltung und eine römisch dominierte antik-völkerrechtlichen Verkehrsordnung.

5. Literatur, Medien, Quellen.

1. Übersichten.

See- und Landräuberei entwickelt sich während des Altertums zumeist dort, wo politische Herrschaft die Sicherheit von See- und Landverhehrswegen und örtlichen Siedlungsverhältnissen gegen individuelle und organisierte räuberische Übergriffe nicht zu sichern vermögen und auch der Selbstschutz der Betroffenen dafür nicht ausreicht. - So ist es etwa Ende des 2. Jhs. und im 1. Drittel d. 1. Jh. v . Chr. im Nordosten des Mittelmeerraums. In einer relativ langen Zeit unentschiedener Herrschaftsverhältnisse konkurrieren dort einerseits der Restbereich des Seleukidenreiches in Syrien, das Königreich Pontos, das - auf Zypern präsente - Prolemäerreich, das in Mesopotamien präsente Partherreich und die Römer - in der seit 133/129 bestehenden Provinz Asia - miteinander, und es entsteht andererseits an der Südküster Kleinasiens (Kilikien, Pisidien, Lykien) und auf Kreta eine staatlich weitgehend unkontrollierte Zone, in der sich - unterhalb der Ebene staatlicher Organisation, aber mit Flottenmacht ausgestattet und bewaffnet -eine Anzahl von 'Seeräuber'-Unternehmen bilden und behaupten. - Erst i. J. 67 v. Chr. vermag Pompeius die vorher erfolglosen langjährigen römischen Bemühungen zur Bekämpfung der Piraterie im gesamten Mittelmeerraum aufgrund einer ihm verliehenen außerordentlichen und umfassenden militärischen Befehlsgewalt zu beenden. - Seither und während der ganzen Kaiserzeit bis zur Spätantike ist es eine zentrale Aufgabe des römischen Staatswesens, die Binnenstruktur des Verkehrs- und Siedungswesens durch geeignete militärisch-polizeiliche Vorkehrungen (militärisch-polizeiliche Stationen an Landwegen und in größeren Siedlungen; Flottenstützpunkte am Meer und an Flüssen) gegen rechtswidrige Übergriffe zu sichern; dies ist ein Teilaspekt der 'pax Romana'.

2./1. Jh. v. Chr. Die im römischen Wirtschaftsleben - in der Stadt und vor allem auf dem Lande - in großem Umfang üblich werdende ökonomisch-systematische Ausbeutung rechtloser Arbeitssklaven durch private Halter hat u. a. einge längere und größern Sklavenaufstände zur Folge, die nur mit staatlicher Hilfe unterdrückt werden können. - 136 - 133 v. Chr. Sklavenaufstand unter Führung des Eunus auf Sizilien. - 104 - 101 v. Chr. Zweiter sizilischer Sklavenaufstand - 73 - 71 v. Chr. Sklavenaufstand unter Führung des Spartacus in Italien.

2. Die Bekämpfung der Seeräuber durch Rom im 2. und 1. Jh. v. Chr. als 'Polizei'-Krieg.

Übung 9 A.

Aufgaben:

a) Wie erklärt Thukydides die Entstehung des Seeräuberwesens? Welche Folgen hat es für die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen antiken Bevölkerungen?

b) Welche wirksamen Schutzmittel gibt es für die betroffenen Bevölkerungen gegen Raub und Seeraub, und welche Nachteile haben diese wiederum?

Zur historischen Entwicklung von Raub und Seeraub. Thukydides, Peloponnesischer Krieg, 1, 5 - 8.

Deutsche Übersetzung nach: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Herausgegeben und übersetzt von Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 1, S. 25 - 27

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 29.

3. Die Sklavenkriege Roms des 2. und 1. Jhs., insbesondere der 'Spartacus-Krieg' d. J. 73 - 71 v. Chr., als 'Polizei'-Kriege.

Karte entnommen aus: Atlas zur Geschichte. hg. vom Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, bearb. von L. Berthold u. v. a., Gotha, Leipzig 1976, Bd. 1 (Von den Anfängen der menschlichen Gesellschaft bis zum Vorabend der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917), S. 14

Übung 9 B.

Aufgaben:

a) Welche auslösenden und fördernden Bedingungen gibt es nach Plutarchs Darstellung für den Ausbruch des Spartakus-Aufstandes? Warum und inwiefern wird aufseiten der römischen Militärbefehlshaber die militärische Tüchtigkeit der Aufständischen unterschätzt? Worin liegt deren Stärke und Schwäche?

b) Welche sinnvollen, d. h. nicht im Untergang endenden Kriegsziele hätten die Aufständischen Ihres Erachtens vielleicht verfolgen können? Was stellte sich ihrer Verwirklichung in den Weg?

c) Welche Strategien und bemerkenswerten taktischen Manöver registrieren Sie auf beiden Seiten? Wie beurteilen Sie die Führungsfähigkeiten des Spartakus und die der römischen Militärbefehlshaber?


Der Spartakuskrieg in der Darstellung Plutarchs: Crassus 8 - 11.

Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Große Griechen und Römer. Eingeleitet und übersetzt von Konrat Ziegler, Bd. 2, Zürich und Stuttgart 1954, Nikias - Crassus, S. 199 - 294 (252 - 258)

4. Die Bedeutung der Sklaven-und der Seeräuberkriege für eine römisch-rechtliche Ordnung der Sklavenhaltung und eine römisch dominierte antik-völkerrechtlichen Verkehrsordnung.

Übung 9 C.

Aufgaben:

a) Stellen Sie auf der beigefügten Karte die Lokalisierung der Flotten im Römischen Reich der früheren Kaiserzeit fest und stellen Sie begründete Vermutungen darüber an, aus welchen Gründen sie vorgenommen wurden.

b) Beurteilen Sie in gleicher Weise die Lokalisierung der Legionen im Römischen Reich.

c) In welchem Maße sind neben See- und Landräuberei andere Gründe für das militärisch-polizeiliche Sicherheitssystem erkennbar?

Die Verteilung der Flotten und Heereseinheiten im Imperium Romanum.

Karte entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 34.

Übung 9 D.

Aufgaben:

a) Worum geht es in dem unten wiedergegebenen lateinischsprachigen Text Ihres Erachtens, und welcher Zeit bzw. welchen Zeiten ordnen Sie die einzelnen Textpassagen zu? Versuchen Sie, mit Ihren gegebenen Sprachkenntnissen ungefähr den Inhalt der einzelnen Textpassagen zu ermitteln.

b) Inwiefern geht es dort um eine Ordnung, die man auch als Ergebnis der Sklavenkriege des 2. und 1. Jhs. v. Chr. betrachten kann?

Codex Iustinianus VI, 1.

Text entnommen aus: Corpus Iuris Civilis. Editio stereotypas sexta, volumen secundum. Codex Iustinianus. Recognovit Paulus Krueger. Berolini apud Weismannos MDCCCXCV, S. 237 f.

5. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

H. Pohl, Die römische Politik und die Piraterie im östlichen Mittelmeer vom 3. bis zum 1. Jh. v. Chr., Berlin, New York 1993.

R. Günther, Der Aufstand des Spartacus, Köln 1980.

Hans-Joachim Diesner, Kriege desAltertums. Griechenland und Rom im Kampf um den Mittelmeerraum, [1974] Berlin 1985, S. 125 - 141 (Die Sklavenkriege des 2. Jahrhunderts und der Spartakuskrieg).

W. Z. Rubinsohn, Die großen Sklavenaufstände der Antike. 500 Jahre Forschung, Darmstadt 1993.

Klaus Meister, Die Interpretation historischer Quellen. Schwerpunkt Antike, Bd. 1: Griechenland , Bd. 2: Eom, Paderborn u. a. O. 1997 und 1999, Bd. 2, S. 199 - 216 (mit genauerer Interpretation der für den Spartakus-Krieg ebenfalls einschlägigen Quellenstelle Florus, Bella Romana 2, 8, 1 ff.)

Medien:

Atlas zur Geschichte. hg. vom Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, bearbeitet von L. Berthold u. v. a., Gotha, Leipzig 1976, Bd. 1 (Von den Anfängen der menschlichen Gesellschaft bis zum Vorabend der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917), S. 14.

Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. und bearbeitet von H. E. Stier u. v. a., Westermann-Schulbuchverlag Braunschweig, Sonderausgabe München1990, S. 29 und 34.

Quellen:

Plutarch, Crassus 8 - 11. Deutsche Übersetzung nach: Plutarch, Große Griechen und Römer. Eingeleitet und übersetzt von Konrat Ziegler, Bd. 2, Zürich und Stuttgart 1954, Nikias - Crassus, S. 199 - 294 (252 - 258).

Thukydides, Peloponnesischer Krieg, 1, 5 - 8. Deutsche Übersetzung nach: Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges. Herausgegeben und übersetzt von Peter Landmann, 2 Bde., München 1973, Bd. 1, S. 25 - 27.

Codex Iustinianus VI, 1. Text entnommen aus: Corpus Iuris Civilis. Editio stereotypas sexta, volumen secundum. Codex Iustinianus. Recognovit Paulus Krueger. Berolini apud Weismannos MDCCCXCV, S. 237 f.


LV Gizewski SS 2005 und WS 2005/2006

Autor: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .