Der Bar-Kochba-Aufstand aus Sicht eines offiziös berichtenden römischen Historikers: Cassius Dio, Epitome des Buches 69: Xiphilinos 248, 17 - 249, 27.

Text der deutschen Übersetzung nach: Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. V, Epitome der Bücher 61 - 80. Übersetzt von Otto Veh, Zürich und München 1987, S. 233 - 235.

12 (1) In Jerusalem ließ Hadrian für die bis auf den Grund zerstörte Stadt eine neue anlegen und gab ihr den Namen Aelia Capitolina. Als er nun an dem Platze, wo Tempel des Gottes gestanden hatte, einen anderen zu Ehren Juppiters errichtete, kam es zu einem weder geringfügigennoch kurzen Krieg. (2) Denn die Juden konnten sich damit nicht abfinden, daß Fremdstämmige in ihrer Stadt angesiedelt und fremde Heiligtümer dort errichtet würden [131 n. Chr.]. Solange Hadrian nahe in Ägypten und wiederum in Syrien weilte, hielten die Juden Ruhe; nur die Waffen, deren Anfertigung ihnen anbefohlen worden war, stellten sie absichtlich mangelhaft her, damit die Römer diese zurückwiesen und sie dann selber sich ihrer bedienen könnten. Als nun der Kaiser sich weiter entfernte, kam es bei ihnen zur offenen Empörung. (3) Zwar wagten sie es nicht, sich mit den Römern in einer Feldschlacht zu messen, doch besetzten sie die günstigen Punkte im Land und verstärkten sie durch unterirdische Gänge und durch Mauern. Damit wollten sie sich für Zeiten der Bedrängnis Zufluchtsorte und außerdem die Möglichkeit schaffen, um unbeobachtet unter der Erde gegenseitige Verbindungen aufzunehmen. Zu diesen Stollen führten sie dann von oben aus Schächte hinab, damit sie Luft und Licht bekämen.

13 (1) Die Römer kümmerten sich zunächst nicht weiter um die Juden, doch als ganz Judäa vom Aufruhr erfaßt war, die Juden allenthalben Unruhe zeigten und sich zusammenrotteten, zahlreiche Gewaltakte, teils heimlich, teils offen, gegen die Römer verübten, (2) auch viele Angehörige fremder Völker aus Gewinnsucht mit den Rebellen gemeinsame Sache machten und darüber fast die ganze Erde in Bewegung geriet, da erst [132 n. Chr.] schickte Hadrian seine besten Generale gegen sie ins Feld. Die erste Stelle unter ihnen nahm Julius Severus ein, der von Britannien, seiner Provinz, gegen die Juden abkommandiert wurde. (3) Angesichts der Masse und der todesmutigen Entschlossenheit seiner Gegner wagte er es nirgendwo im offenen Kampfe ihnen entgegenzutreten, er begnügte sich vielmehr damit, dank der überlegenen Zahl seiner Soldaten und Unterführer einzelne Gruppen abzuschneiden, die Lebensmittelzufuhr zu unterbinden und die Gegner einzukreisen. So konnte er sie zwar ziemlich langsam, aber doch ohne größere Gefahr in die Enge treiben, ermatten und schließlich vernichten.

14 (1) Nur ganz wenige jedenfalls kamen von ihnen mit dem Leben davon. Fünfzig ihrer wichtigsten Festungen und 985 der bedeutendsten Ansiedlungen wurden dem Erdboden gleich gemacht, ferner fanden 80000 Mann bei den einzelnen Angriffen und Schlachten den Tod; die Zahl der durch Hunger, Krankheit und Feuer zugrunde Gegangenen war nicht festzustellen. (2) So wurde fast ganz Judäa zur Einöde, wie es ja den Juden schon vor dem Kriege deutlich verkündet worden war: Salomons Grabmal, das die Juden hoch verehren, löste sich nämlich von selbst auf und fiel in Trümmer, und viele Wölfe sowie Hyänen drangen heulend in ihre Städte ein. (3) Es mußten aber auch viele Römer in diesem Kriege sterben. Deshalb verwendete Hadrian in seinem Schreiben an den Senat nicht die bei den Kaisern übliche Einleitungsformel, nämlich: «Wenn ihr und euere Kinder gesund seid, dann ist es wohl recht; ich und die Legionen fühlen uns gesund.» (4) Den Severus [134 n. Chr.j aber entsandte der Kaiser nach Bithynien, das keine Heeresmacht, wohl aber einen gerechten, verständigen und angesehenen Statthalter brauchte; all diese Eigenschaften besaß der Mann. Und Severus betrieb und verwaltete die öffentlichen wie privaten Angelegenheiten der Einwohner auf eine Art und Weise, daß wir auch heute noch immer bewundernd seiner gedenken. Pamphylien aber wurde statt Bithynien dem Senat überlassen und künftig durchs Los vergehen.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .