Der Bar-Kochba-Aufstand aus Sicht eines christlichen Kirchenhistorikers. Eusebios von Caesarea, Kirchengeschichte, 4. Buch, 5 f.

Text der deutschen Übersetzung nach: Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte. Herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft. Übersetzung von Philipp Haeuser, neu durchgesehen vin Hans Armin Gärtner, Darmstadt 1967, S. 196 - 198.

Über die Jahre der Bischöfe in Jerusalem konnte ich überhaupt keine schriftliche Nachricht ausfindig machen; dieselben haben allerdings nach der Überlieferung nur kurze Zeit gelebt. So viel habe ich jedoch aus Aufzeichnungen erfahren, daß bis zur Niederwerfung der Juden unter Hadrian sich in Jerusalem 15 Bischöfe gefolgt sind. Sie sollen alle von Geburt Hebräer gewesen sein, aber die Lehre Christi aufrichtig angenommen haben, weshalb sie des bischöflichen Amtes von den maßgebenden Personen für würdig erklärt worden waren. Es habe nämlich damals noch die ganze kirchliche Gemeinde [scil. in Jerusalem] aus Hebräern bestanden, angefangen von den Aposteln biszur erwähnten Niederwerfung, in der die Juden nach ihrem abermaligen Abfall von den Römern in bedeutenden Schlachten unterworfen wurden. Da damals die Bischöfe aus der Beschneidung aufhörten, so dürfte es am Platze sein, diese von Anfang an hier aufzuzählen: 1. Jakobus, der sog. Bruder des Herrn, 2. Symeon, 4. Zachäus, 5. Tobias, 6. Benjamin, 7. Johannes, 8. Matthias, 9. Philippus, 10. Senekas, 11. Justus, 12. Levi, 13. Ephres, 14. Joseph, 15. Judas. Dies sind die Bischöfe Jerusalems von den Aposteln an bis zur angegebenen Zeit; sämtliche waren [i. S. der jüdischen Tradition] beschnitten.

Im zwölften Jahre der kaiserlichen Regierung folgt auf dem bischöflichen Stuhle in Rom Telesphorus als siebter Nachfolger der Apostel dem Xystus, nachdem dieser zehn Jahre im Amte tätig gewesen war. Ein Jahr und einige Monate später trat in der Kirche zu Alexandrien Eumenes als sechster die bischöfliche Würde an, nachdem sein Vorgänger elf Jahre regiert hatte.

Als sich die Abfallsbewegung der Juden von neuem gewaltig ausdehnte, trat Rufus, der Statthalter von Judäa, nachdem ihm der Kaiser militärische Verstärkung geschickt hatte, in rücksichtsloser Ausnützung ihres törichten Gebarens dagegen auf, indem er auf einmal Zehntausende von Männern, Kindern und Frauen vernichtete und ihren Grundbesitz nach dem Kriegsrecht einzog. Führer der Juden war ein Mann namens Barkochba, was »Stern« bedeutet. Er war zwar eine rechte Mörder- und Räubernatur, aber kraft seines Namens wurde er sklavisch als das 'Licht' verehrt, das den Bedrängten vom Himmel herabgestiegen und ihnen aufgeleuchtet sei. Als im 18. Jahre der kaiserlichen Regierung der Kampf gegen Beth-ther [heute Bittir, ca. 15 km südwestlich Jerusalem] , eine kleine, stark befestigte, nicht weit von Jerusalem entfernte Stadt, seinen Höhepunkt erreicht, sich die Belagerung immer mehr in die Länge gezogen, Hunger und Durst die Aufständischen ins äußerste Verderben gebracht hatte und der Urheber des Wahnsinnes in verdienter Weise bestraft worden war, wurde durch Gesetzesbestimmung und durch Verordnungen Hadrians dem gesamten Volke verboten, das Gebiet um Jerusalem von nun ab überhaupt noch zu betreten. Nach der Weisung Hadrians sollten die Juden den heimatlichen Boden nicht einmal mehr aus der Ferne sehen. So berichtet Ariston von Pella . Nachdem auf solche Weise die Stadt vom jüdischen Volke entblößt und der alten Einwohner vollständig beraubt worden war und Fremde sie bevölkert hatten, änderte die nun erstandene römische Stadt ihren Namen und nannte sich zu Ehren des Kaisers Aelius Hadrianus Aelia.

Da nun die Kirche in Jerusalem aus Heiden sich zusammensetzte, wurde dort als erster Bischof, der nicht mehr zum Kreise der [i. S. der jüdischen Tradition ] Beschnittenen gehörte, Markus mit dem Dienst an den dort Zugewanderten betraut.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .