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Die Siege des christlich gewordenen Kaisers Konstantin gegen seine heidnischen Widersacher und die Gottgewolltheit seiner Herrschaft in der kirchenhistorischen Darstellung seiner Zeit. Eusebios, Kirchengeschichte, Bücher 9, 9 und 10, 9.

Text der deutschen Übersetzung nach: Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte. Herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft, übersetzt von Philipp Haeser (1932) und durchgesehen von Hans Armin Gärtner, Darmstadt 1967, S. 398 - 401 und S. 440 f.

[Zum Krieg zwischen Konstantin und Maxentius i. J. 312 n. Chr.]

Nachdem so der große und himmlische Gott, der für die Christen streitet, durch die erwähnten Schicksalsschläge seine Drohung und seinen Unwillen gegen alle Menschen wegen der Leiden, die man uns im Übermaß zugefügt, kundgegeben, da sandte er uns wiederum den milden und freundlichen Strahl seiner Fürsorge. Wie aus tiefer Finsternis ließ er uns in gar wunderbarer Weise das Licht des Friedens aus sich aufleuchten und machte allen Menschen offenbar, daß Gott selbst immer der Hüter unserer Geschicke war, sein Volk für eine Zeit wohl heimsuchend und durch Leiden zurechtweisend, nach genugsanier Züchtigung aber wieder gnädig und mild sich zeigend denen, die auf ihn ihre Hoffnung setzen.

Konstantin, Kaiser und einem Kaiser entsprossen, wie wir schon früher berichteten, fromm und der Sohn des frömmsten und allerverständigsten Vaters, und Licinius, der zweite nach ihm, beide ausgezeichnet durch Klugheit und Gottesfurcht, waren vom König der Könige, dem Gott des Alls und Erlöser, erweckt worden, zwei gottgeliebte Männer gegen zwei gottlosesten Tyrannen. Da sie in der gebotenen Form den Krieg gegen sie erklärten und Gott auf ganz wunderbare Weise mit ihnen stritt, unterlag Maxentius zu Rom der Macht Konstantins. Der Tyrann des Ostens [scil. Maximinus] überlebte ihn nicht lange und fand, in der Gewalt des Licinius, der damals noch nicht dem Wahnsinn verfallen war, ein schimpfliches Ende.

Fürs erste empfand Konstantin, der Oberste im Reiche an Würde und Rang, Mitleid mit den bedrückten Einwohnern Roms. Nachdem er Gott, der im Himmel ist, und sein Wort, den Erlöser aller, Jesus Christus, im Gebete zu Hilfe gerufen hatte, rückte er mit der ganzen Streitmacht vor, um den Römern die von den Ahnen ererbte Freiheit zu wiederzubringen. Maxentius, der mehr auf Zauberkünste als auf die treue Gesinnung seiner Untertanen baute, wagte nicht, auch nur den Fuß vor die Tore der Hauptstadt zu setzen. An jeden Platz und in jeden Flecken und jede Stadt, die im Umkreis von Rom und in ganz Italien von ihm unterjocht waren, hatte er eine ungezählte Menge von Schwerbewaffneten und unzählige Abteilungen von Legionären gelegt. Im Vertrauen auf den göttlichen Beistand griff der Kaiser [scil. Konstantin] die erste, zweite und dritte Stellung des Tyrannen an, die er alle spielend nahm; dann marschierte weiter im Inneren Italiens vor und kam bis in die Nähe Roms. Um Konstantin den Kampf mit den Römern, der ihm des Tyrannen wegen bevorstand, zu ersparen, zog Gott selber den Tyrannen wie an Ketten weit aus den Toren der Stadt heraus. Damit fanden jene uralten Erzählungen gegen die Gottlosen, wie sie in den heiligen Büchern niedergeschrieben sind - sehr viele erachten sie zwar als Fabel und verweigern den Glauben, die Gläubigen jedoch halten sie für glaubwürdig -, durch ihre eigene Klarheit bei allen, um es mit einem Worte zu sagen, Gläubigen wie Ungläubigen, ihre Bestätigung, da sie das Wunderbare mit Augen schauten.

Wie Gott zur Zeit des Moses, als das Volk der Hebräer noch gottesfürchtig war, "die Streitwagen des Pharao und seine Heeresmacht, die auserlesenen Streiter, auch wenn sie zu dritt [scil. auf jedem Streitwagen] waren, ins Meer stürzte, sodaß sie im Roten Meere versanken und die Wasser sie bedeckten" , so sanken Maxentius und seine Krieger und Garden "wie ein Stein in die Tiefe" [Ex. 15, 4 f.]. Als er aber vor der göttlichen Macht, die sich mit Konstantin verbündete, floh und über den auf seinem Marschwege liegenden Fluß setzen wollte, wurde ihm die Schiffbrücke, die er sorgfältig über denselben hatte schlagen lassen, zum Verderben. Von ihm konnte man sagen: "Eine Grube hat er gegraben und sie aufgeworfen: er wird hineinfallen in das Loch, das er gemacht hat. Sein Schaffen wird sich gegen sein Haupt wenden, und seine Ungerechtigkeit auf seinen Scheitel niedersteigen." [Ps. 7, 16 f.] Denn die über den Fluß gelegte Brücke löste sich, der Boden wich unter den Füßen, und die Boote mitsamt der Mannschaft verschwanden in derTiefe, und zwar er, der Allergottloseste, zuerst, und dann seine Leibwache, entsprechend der göttlichen Prophezeiung "Sie gingen im tiefen Wasser unter wie Blei." [Ex. 15, 10] Mit Recht sangen daher die, welchen Gott den Sieg verliehen, gleich den Gefährten des großen Dieners Moses, wenn nicht mit Worten, so durch die Tat das Lied, das jene gegen den gottlosen Tyrannen der alten Zeit gesungen, und sprachen: "Lasset uns singen dem Herrn! Denn wunderbar hat er sich verherrlicht. Pferd und Fahrer stürzte er ins Meer. Der Herr ist mir Helfer und Beschützer geworden, um mich zu retten. Wer ist gleich dir, o Herr, unter den Göttern? Wer ist dir gleich? Du bist verherrlicht unter den Heiligen; wunderbar bist du in deiner Herrlichkeit, du Wundertäter!" [Ex. 15, 1. 2. 11] Solche und ähnliche Lieder sang Konstantin durch seine Taten dem allwaltenden Gott, dem Urheber seines Sieges, und rückte im Triumphe in Rom ein, wo ihn alle Bewohner samt den Weibern und Kindern, die Senatoren und die übrigen hohen Beamten und das ganze römische Volk herzlich und strahlenden Auges als Erlöser, Heiland und Wohltäter unter Freudenrufen und unermeßlichem Jubel empfingen. Konstantin aber ließ sich bei der ihm angeborenen Frömmigkeit gegen Gott durch die Zurufe überhaupt nicht irreführen und durch die Lobpreisungen nicht zu Hochmut verleiten, sondern befahl alsogleich in dem festen Bewußtsein, daß Gott ihm geholfen habe, daß man seinem Standbilde das Zeichen des heilbringenden Leidens in die Hand gebe. Und da sie ihn tatsächlich mit dem heilbringenden Zeichen in der Rechten an dem belebtesten Platze in Rom aufstellten, gebot er folgende Inschrift in lateinischer Sprache anzubringen:

"Durch dieses Zeichen des Heiles, den wahren Prüfstein der Tapferkeit, habe ich eure Stadt vom Joche des Tyrannen errettet und befreit und dem Senate und Volke der Römer mit der Freiheit die alte 'Würde und den alten Glanz wiedergegeben"

[scil: Diese lat. mit “hoc signo" beginnende Inschrift ist später Gegenstand einer von Eusebios erst in seiner 'Lebensbeschreibung des Konstantin' (1, 37 - 40) wiedergegeben 'frommen Legende' über eine Lichterscheinung des Kreuzes vor Konstantin in der Schlacht an der Milvischen Brücke d. J. 312 n. Chr. geworden]

Da sie Gott, dem sie all ihre Erfolge dankten, gnädig gestimmt hatten, erließen daraufhin beide, Konstantin selbst und mit ihm Kaiser Licinius, dessen Geist damals noch nicht von dem Wahnsinn getrübt war, in den er später verfiel, in einhelligem Willen und Entschlusse ein vollständiges und umfassendes Gesetz zugunsten der Christen. An Maximinus, der noch über die Volker des Ostens regierte und ihnen gegenüber Freundschaft heuchelte, sandten sie einen Bericht über die Wunder, die Gott an ihnen gewirkt, und über den Sieg, den sie über den Tyrannen erfochten, sowie das erwähnte Gesetz . Er, der Tyrann, war ob dieser Nachrichten allerdings sehr bestürzt. Und da er einerseits den Schein vermeiden wollte, als füge er sich andern, anderseitsaber auch aus Furcht vor den Auftraggebern den Befehl nicht zu unterschlagen wagte, so erließ er an die ihm untergebenen Statthalter notgedrungen, aber scheinbar aus eigenem Antrieb zugunsten der Christen [ein Schreiben, das seiner religiösen Überzeugung und seinen politischen Absichten widersprach].

[Zum Krieg zwischen Konstantin und Licinius i. J. 323 n. Chr.]

Gott schenkte vom Himmel herabkonstantin als verdienten Lohn für seine Frömmigkeit Triumph und Sieg über die Gottlosen, den Frevler [scil. den von seiner früheren Position zum Christentum abgewandten Augustus Licinius] aber streckte er samt allen seinen Ratgebern und Freunden zu Boden und legte ihn Konstantin zu Füßen. Da es Licinius in seinem Wahnsinn bis zum äußersten getrieben hatte, glaubte es der Kaiser, der Freund Gottes, nicht mehr länger ertragen zu dürfen. Er ging mit sich in kluger Weise zu Rate und entschloß sich, die Strenge des Gerechten mit Güte verbindend, denen, welche unter dem Tyrannen schmachteten, zu Hilfe zu kommen. Durch Beseitigung einiger Bösewichte wollte er so rasch den größten Teil der Menschheit retten.

Ehedem hatte er nur Mitleid walten lassen und übte Erbarmen mit dem, der kein Mitgefühl verdiente [scil. Licinius]. Damit kam er aber nicht zum Ziele. Denn Licinius ging von seiner Bosheit nicht ab, steigerte vielmehr noch seine Raserei gegen die ihm untergebenen Völker. Und den übel behandelten Menschen war keine Hoffnung auf Erlösung mehr belassen. Lagen sie doch unter der Gewalt eines schrecklichen Untiers. Daher rückte der Beschützer der Guten, den Haß gegen das Böse mit der Liebe zum Guten vereinend, zugleich mit seinem Sohne Krispus, dem menschenfreundlichsten Caesar, aus, und bot allen, die dem Untergange nahe waren, die rettende Hand. Sodann teilten beide, Vater und Sohn, das gegen die Gotteshasser rings aufgestellte Heer und errangen, da ihnen Gott, der höchste König, und Gottes Sohn, der Erlöser aller, Führer und Mitstreiter war, mit Leichtigkeit den Sieg [scil. in der Schlcht bei Byzanz d. J. 323 n. Chr.]. Der ganze Verlauf des Kampfes hatte sich durch Gottes Fügung ihrem Plane gemäß gestaltet. Und die gestern und vorgestern noch Tod und Drohung schnaubten, waren plötzlich und schneller, als man es sagen konnte, nicht mehr. Selbst ihrer Namen geschieht heute keinerlei Erwähnung mehr, und ihre Bilder und Ehrenmale traf [schon damals] die verdiente Schändung. Was Licinius [ursprünglich] bei den früheren gottlosen Tyrannen mit eigenen Augen hatte sehen können, das erlitt er nun in gleicher Weise selber. Da er weder selbst Zucht annahm noch sich durch die [göttlichen] Strafen für [falsch handelnde] Menschen neben ihm sich zur Besinnung bringen ließ, sondern wie jene den Weg der Gottlosigkeit wandelte, wurde er mit Recht so wie sie in den Abgrund gestürzt.

So lag Licinius niedergeschmettert am Boden. Konstantin aber, der mächtigste Sieger, ausgezeichnet durch jegliche Tugend der Gottesfurcht, nahm mit seinem Sohne Krispus, dem gottgeliebtesten Kaiser, der dem Vater in allem ähnlich war, den ihm zugehörenden Osten in Besitz und schuf so wieder nach alter Weise ein einziges und einheitliches Reich der Römer, indem sie ringsum alle Lande des Erdkreises vom Aufgange der Sonne bis zum äußersten Westen samt dem Norden und Süden ihrem friedlichen Szepter unterwarfen. Genommen war nun von den Menschen jede Furcht vor denen, die sie einst bedrängt hatten. In Glanz und Prunk begingen sie festliche Tage. Alles war von Licht erfüllt. Und diejenigen, die sich zuvor niedergeschlagen anblickten, sahen sich nun mit freudelächelndem Antlitz und strahlenden Auges an. In Reigen und Liedern gaben sie in Städten wie auf dem Lande vor allem Gott, dem König der Könige, die Ehre, wie sie gelehrt wurden, sodann dem frommen Kaiser mit seinen gottgeliebten Söhnen. Die alten Leiden waren vergessen, und begraben jede Erinnerung an Gottlosigkeit. Man freute sich der gegenwärtigen Güter und harrte dazu der künftigen. Und allerorten wurden [scil. christenfreundlichen] Erlasse des siegreichen Kaisers, voll von Menschenfreundlichkeit, angeschlagen und Gesetze, die da Zeugnis gaben von seiner Freigebigkeit und echten Gottesfurcht.

Als so alle Tyrannei beseitigt war, verblieb Konstantin und seinen Söhnen allein, fest und unangefochten, das Reich, das ihnen gehörte. Und diese tilgten zu allererst den Gotteshaß aus dem Leben und zeigten, eingedenk des Guten, das sie von Gott erfahren, ihre Liebe zur Tugend und zu Gott und ihre Frömmigkeit und Dankbarkeit gegen die Gottheit durch Taten, die sie offen vor den Augen aller Menschen vollbrachten.


LV Gizewski WS 2005/2006.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .