LV-NACHRICHTEN
 AGiW-PORTAL
AGiW-REGISTER
LV-PORTAL

Die politischen Auswirkungen der Niederlage in einem Kriege: Die beschworenen Vertragsbedingungen des 'Korinthischen Bundes' d. J. 338 v. Chr. als krieggeschichtliche Quelle.

Wissenschaftliche Edition der fragmentarisch überlieferten Inschrift: IG II 2 236. Kommentierender Text: Justin, Epitoma 9. 5. 1 - 6. - Deutsche Übersetzung beider Texte nach: E. Badian, Robert K. Sherk (Ed.), Translated Documents of Greece and Rome, Vol. 2: From the end of the Peloponnesian War to the battle of Ipsus, Cambridge u. a. O., 1985, S.123 f.


Inschrift: IG II 2 236:

Eid: Ich schwöre bei Zeus, Ge, Helios, Poseidon, Athena, Ares und allen Göttern und Göttinnen: Ich werde mich dauerhaft an den Vertrag halten und ihn [auch in Einzelheiten] nicht verletzen. ... Ich werde nicht in feindlicher Absicht die Waffen gegen diejenigen ergreifen, die sich an ihre eidlich bekräftigten Verpflichtungen halten, weder zu Lande noch zur See. Weder eine Stadt noch ein Festung noch einen Hafenplatz werde ich mit der Absicht der Kriegführung einnehmen. Ich werde auch niemand von denen, die an diesem Friedensvertrag teilnehmen, auf irgendeine Weise in Haft oder kriegerisch gefangennehmen. Ebenfalls werde ich weder die Königsherrschaft Philipps und seiner Nachkommen noch die zur Zeit des eidlich bekräftigten Abschlusses dieses Friedensertrags in den einzelnen Teilnehmerstaaten existierenden Verfassungen zu beseitigen suchen. Ich persönlich werde in keiner Hinsicht auch nur irgendetwas tun, was diesem Vertrag widerspricht und derartiges auch niemand anderem erlauben, soweit es in meiner Macht steht. Sollte aber irgendjemand etwas ins Werk setzen, das den Vertrag verletzt, so werde in Übereinstimmung mit den Vertragsbedingungen denjenigen zuhilfekommen, die verletzt werden, und Krieg gegen denjenigen führen, der die Vertagsbestimmungen überschreitet, nach Maßgabe dessen, was die allgemeine Bundesversammlung beschließt und der Hegemon [d. h. der König von Makedonien] anordnet. Die gemeinsame Sache werde ich nicht verlassen. ...

[Es folgt die Aufführung der Zahl der von den Vertretern der einzelnen griechischen Vertragsstaaten geleisteten Eide].

Justin, Epitoma 9. 5. 1 - 6:

Als die Machtfragen in Griechenland geregelt waren, ersuchte Philipp alle griechischen Staaten darum, Bevollmächtigte nach Korinth zu entsenden, um in Verhandlungen die Bedingungen eines allgemeinen Friedensvertrages festzulegen. Dort bestimmte [scil. aber letztlich nur] er, je nach seiner Einschätzung der einzelnen Staaten, die Einzelheiten eines allgemeinen Friedens für Griechenland und setzte einen aus Vertretern aller Staaten gebildeten Rat ein, als eine Art gemeinsamen Senats. Nur die Spartaner wagten, sich dem Willen des Königs und seinen Regelungen zu entziehen, indem sie sich von dem Gedanken leiten ließen, daß es dabei eher um ein für die betroffenen Staaten unvorteilhaftes Diktat eines Siegers als um einen wirklichen Friedensvertrag gehe. Als nächstes wurden die militärischen Beiträge der einzelnen Staaten verbindlich festgelegt, für den Fall, daß der König einmal Hilfe gegen einen Angrif von dritter Seite benötige, oder für den Fall, daß unter seiner Führung einer dritten Seite der Krieg erklärt werde. Es unterlag dabei allerdings gar keinem Zweifel, daß diese Vorbereitungen sich faktisch allein das auf Perserreich bezogen. Die Gesamtheit der aushebbaren Truppen betrug danach 200000 Mann Fußtruppen und 15000 Mann Reiterei.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .