Ethnische Zusammensetzung und Stärke, Waffengattungen, Befehlsstruktur und Gliederung, Bewaffungsarten und Troß des persischen Expeditionsheeres. Herodot, Historien 7. 59 - 100.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 460 - 471.


59. ... Unterdessen veranstaltete Xerxes in Doriskos eine Zählung des Heeres. 60. Wie groß die Zahl der einzelnen Heerhaufen war, kann ich nicht genau angeben. Nirgends wird darüber etwas berichtet. Als Zahl des gesamten Landheeres aber wurde gefunden: eine Millionundsiebenhunderttausend Mann. Diese Zahl wurde auf fogende Weise festgestellt: man sammelte zehntausend Mann auf einem Fleck, ließ sie sich möglichst zusammendrängen und zog ringsherum einen Kreis. Dann wurden sie herausgelassen und die Stelle rings umzäunt, so daß der Zaun etwa bis an den Nabel reichte. Nun trieb man andere Leute in den umzäunten Platz hinein, bis auf diese Weise das ganze Heer gezählt war. Als die Zählung vorüber war, wurde das Heer nach Volksstämmen geordnet.

61. Folgende Stämme nahmen am Kriege teil. Zuerst kamen die Perser, die folgendermaßen gerüstet waren. Auf dem Kopf trugen sie die sogenannte Tiara, einen weichen Hut, am Körper einen farbigen, mit Ärmeln versehenen Panzerrock aus fischartigen Eisenschuppen, um die Schenkel Hosen. Sie hatten geflochtene Schilde, unter denen der Köcher hing, kurze Lanzen, große Bogen mit Rohrpfeilen. Außerdem hing an der rechten Hüfte ein Dolch vom Gürtel herab. Sie standen unter Anführung des Otanes, des Vaters der Gemahlin des Xerxes, Amestris.

Die Perser hießen in alter Zeit bei den Hellenen Kephener; sie selber nannten sich Artaier; auch ihre Nachbarn nannten sie Artaier. Als Perseus dann, der Sohn der Danae und des Zeus, zu Kepheus, dem Sohn des Belos, kam und dessen Tochter Andromeda zum Weibe nahm, gab er seinem Sohne den Namen Perses und ließ ihn dort im Lande zurück; denn Kepheus war ohne männliche Nachkommen. Nach Perses haben die Perser ihren Namen.

62. Die Meder trugen dieselbe Rüstung wie die Perser, die eigentlich-die medische, nicht die persische ist. Der Führer der Meder war der Tigranes aus der Sippe des Achaimenes. In alten Zeiten hießen sie allgemein die Arier; als aber die Kolcherin Medeia aus Athen zu den Ariern kam, vertauschten sie ihren Namen, so berichtet die eigene Uberlieferung der Meder.

Die Kissier zogen ebenfalls in der Rüstung der Perser ins Feld; nur trugen sie statt des Hutes die Mitra. Ihr Führer war Anaphes, Sohn des Otanes. Auch die Hyrkaniers6 waren persisch ausgerüstet und hatten zum Führer den späteren Statthalter von Babylon, Megapanos.

63. Die Ayrier trugen auf dem Kopf eherne Helme, die auf eine fremdländische Art geflochten sind, die sich nicht gut beschreiben läßt. Sie hatten Schilde, Lanzen, Schwerter, ähnlich den ägyptischen Dolchen, ferner eisenbeschlagene Holzkeulen und leinene Panzer. Sie hießen bei den Hellenen Syrier, aber die Barbaren nennen sie Assyrier. Ihr Anführer war Otaspes, Sohn des Artachaies.

64. Die Baktrier trugen auf dem Kopf einen ganz ähnlichen Hut wie die Meder, hatten aber baktrische Bogen aus Rohr und kurze Lanzen.

Die Saken, ein skythischer Volksstamm, trugen auf dem Kopfe steife, spitz in die Höhe laufende Tiaren und trugen ebenfalls Hosen, hatten aber ihre besonderen Bogen und Schwerter, dazu Streitäxte. Dieser Skythenstamm wurde Saken genannt, heißt aber Amyrgier. Denn die Perser nennen alle Skythen Saken. Führer der Baktrier und Saken war Hystaspes, ein Sohn des Dareios und der Kyrostochter Atossa.

65. Die Inder trugen Kleider, die aus Wolle von Bäumen hergestellt sind, hatten Bogen und Pfeile aus Rohr, mit einer Eisenspitze versehen. Das war die ganze Bewaffnung der Inder. Sie standen unter Führung des Pharnazathres, Sohnes des Artabates.

66. Die Arier waren mit medischen Bogen bewaffnet, sonst wie die Baktrier. Führer der Arier war Sisamnes, Sohn des Hydarnes.

Die Parther, die Chorasmier, die Sogder, die Gandarier und die Dadiker hatten ebenfalls dieselbe Ausrüstung wie die Baktrier. Anführer der Parther und der Chorasmier war Artabazos, Sohn des Pharnakes, Anführer der Sogder Azanes, Sohn des Artaios, der Gandarier und Dadiker Artyphios, Sohn des Artabanos.

67. Die Kaspier kamen in Fellen und hatten heimische Rohrbogen und persische Säbel. Das war ihre Ausrüstung. Ihr Führer war Ariomardos, der Bruder des Artyphios.

Die Saranger fielen durch farbige Gewänder auf. Ihre Schuhe reichtn bis ans Knie, sie trugen Bogen und medische Lanzen. Die Saranger wurden befehligt durch Pherendates, Sohn des Megabazos.

Die Paktyer waren auch in Felle gekleidet und hatten heimische Bogen und Schwerter. Zum Anführer hatten sie Artayntes, Sohn des Ithamitres.

68. Die Utier, die Myker und die Parikanier waren ebenso gerüstet wie die Paktyer. Führer der Utier und Myker war Arsamenes, Sohn des Dareios, Führer der Parikanier Siromitres, Sohn des Oiobazos.

69. Die Araber waren in einen langen, aufgeschürzten Burnus gekleidet, und an der rechten Seite trugen sie zurückschnellende Bogen von großer Länge. Die Aithioper hatten Pantherund Löwenfelle umgetan. Ihre Bogen waren aus Palmstreifen gemacht und nicht weniger als vier Ellen lang; dazu hatten sie kurze Rohrpfeile, deren Spitze nicht Eisen, sondern Stein war, wie man ihn auch zum Schneiden der Siegelringe benutzt. Ferner hatten sie Lanzen, denen ein zugespitztes Antilopenhorn als Spitze diente. Auch beschlagene Keulen führten sie. Für die Schlacht färbten sie ihren Körper zur Hälfte mit Kreide, zur anderen Hälfte mit Mennig. Führer der Araber und der südlich von Ägypten wohnenden Aithioper war Arsames, Sohn des Dareios und der Attystone, Tochter des Kyros, die Dareios von seinen Frauen am meisten liebte; er hatte von ihr ein Standbild machen lassen. Also die jenseits von Ägypten wohnenden Aithioper und die Araber führte Arsames.

70. Die Aithioper des Ostens dagegen - von jenen getrennt - hatten sich den Indern angeschlossen. Sie sahen ganz so aus wie die anderen Aithioper, nur Sprache und Haarwuchs waren anders. Die Aithioper des Ostens haben schlichtes Haar, die libyschen so wolliges wie kein anderes Volk. Die Rüstung der asiatischen Aithioper war in der Hauptsache der indischen gleich, doch trugen sie auf dem Kopf eine Pferdekopfhaut, an der auch Ohren und Mähne saß. Die Mähne vertrat die Stelle des Helmbuschs; die Pferdeohren waren in die Höhe gerichtet. Als Schutzwaffe diente ihnen statt des Schildes eine Kranichhaut.

71. Die Libyer kamen in ledernen Rüstungen und hatten Wurfspieße mit gebrannter Spitze. Zum Führer hatten sie Massages, den Sohn des Oarizos.

72. Die Paphlagoner zogen mit geflochtenen Helmen ins Feld, hatten kleine Schilde und kurze Lanzen, ferner Wurfspeere und Schwerter. An den Füßen trugen sie heimische Schuhe, die bis zur Hälfte des Schienbeins hinaufgingen.

Die Ligyer, die Matiener, die Mariandyner und die Syrier waren ebenso gerüstet wie die Paphlagoner. Bei den Persern heißen die Syrier übrigens Kappadoker. Die Paphiagoner und Matiener führte Dotos, Sohn des Megasidros, die Mariandyner, Ligyer und Syrier Gobryas, Sohn des Dareios und der Artystone.

73. Ganz ähnlich wie die Ausrüstung der Paphlagoner war auch die der Phryger. In Makedonien erzählt man, die Phryger hätten, solange sie Europäer gewesen und im Lande der Makedonen gewohnt, Briger geheißen. Bei der Auswanderung nach Asien hätten sie mit dem Lande auch den Namen vertauscht und sich Phryger genannt.

Die Armenier, Abkömmlinge der Phryger, hatten dieselbe Rüstung wie diese. Beide wurden geführt von Artochmes, einem Schwiegersohn des Dareios.

74. Der hellenischen Bewaffnung kam die der Lyder am nächsten. Ehemals hießen die Lyder Meioner; ihren jetzigen Namen erhielten sie nach Lydos, dem Sohne des Atys.

Die Myser trugen heimische Helme auf dem Kopf, kleine Schilde ünd Wurfspeere mit gebrannter Spitze. Sie sind Abkömmlinge der Lyder und heißen nach dem Berge Olympos Olympiener. Führer der Lyder und Myser war Artaphernes, Sohn jenes Artaphernes, der mit Datis den Einfall bei Marathon gemacht hatte.

75. Die Thraker zogen mit einem Fuchspelz auf dem Kopf zu Felde. Bekleidet waren sie mit einem Unterkleid, über das sie einen bunten Burnus warfen. Füße und Unterschenkel waren in Stiefel aus Hirschleder gehüllt. Sie trugen Wurfspeere, leichte Schilde und kurze Schwerter. Sie hatten nach ihrer Auswanderung nach Asien den Namen Bithyner erhalten. Vorher hatten sie, wie sie selbst sagen, Strymonier geheißen, weil sie am Strymon wohnten. Die Teukrer und Myser sollen sie aus ihren Sitzen vertrieben haben. Diese asiatischen Thraker führte Bassakes, Sohn des Artabanos.

76. Die [Textlücke; möglicherweise ist von den Pisidiern de Rede] hatten kleine Schilde aus ungegerbtem Rindsleder. Jeder Mann trug zwei in Lykien verfertigte Jagdspeere und auf dem Kopf einen ehernen Helm. An dem Helm waren Ohren und Hörner eines Stiers in Bronze angebracht; auch ein Helmbusch war daran. Die Beine hatten sie in buntes Tuch gewickelt. Im Gebiete dieser Männer liegt eine Orakelstätte des Ares.

77. Die Kabeler"4, ein meionischer Stamm, auch Lasonier genannt, hatten dieselbe Ausrüstung wie die Kiliker, die ich unten beschreiben werde, wenn ich zu der kilikisdien Heeresabteilung komme.

Die Milyer hatten kurze Lanzen und mit Spangen befestigte Mäntel. Einige unter ihnen führten auch lykische Bogen und aus Fellen gefertigte Helme. Alle diese Stämme führte Badres, Sohn des Hystanes.

78. Die Moscher trugen Helme aus Holz, hatten Schilde und kurze Lanzen mit langer Spitze. Die Tibarener, Makroner und Mossynoikerzogen in der gleichen Bewaffnung ins Feld wie die Moscher. Sie standen unter folgenden Führern: die Moscher und Tibarener unter Führung des Ariomardos, Sohnes des Dareios und der Parmys, Tochter des Kyrossohnes Smerdis, die Makroner und Mossynoiker unter Führung des Artayktes, Sohnes des Cherasmis, der Statthalter von Sestos am Hellespontos war.

79. Die Marer hatten auf dem Kopfe geflochtene heimische Helme, kleine Schilde aus Leder und Wurfspeere.

Die Kolcher trugen hölzerne Helme, Schilde aus ungegerbter Rindshaut und kurze Lanzen, außerdem Dolche. Anführer der Marer und Kolcher war Pharandates, Sohn des Teaspis.

Die Alarodier und Saspeirer waren ausgerüstet wie die Kolcher. Ihr Führer war Masistios, Sohn des Siromitres.

80. Die Inselbewohner aus dein Roten Meere, von jenen Inseln her, auf denen der König die sogenannten Verpflanzten ansiedelt, waren ganz ähnlich gekleidet und bewaffnet wie die Meder. Ihr Führer war Mardontes, Sohn des Bagaios, der zwei Jahre später als Heerführer in der Schlacht bei Mykale fiel.

81. Das waren die Stämme des Festlands, die das Fußvolk in Xerxes' Heer bildeten. Die Führer dieses Fußvolks habe ich schon genannt. Sie ordneten und zählten auch ihre Truppen und ernannten Chiliarchen und Myriarchen, letztere ernannten Hekatontarchen und Dekarchen. Außerdem hatten noch die einzelnen Heereskörper und Stämme ihre Häuptlinge.

82. Über den genannten Führern und dem gesamten Fußvolk standen Mardonios, Sohn des Gobryas, ferner Tritantaichmes, Sohn jenes Artabanos, der gegen den hellenischen Feldzug gesprochen hatte, Smerdomenes, Sohn des Otanes - diese beiden waren Brüdersöhne des Dareios, Vettern des Xerxes -, Masistes, Sohn des Dareios und der Atossa, Gergis, Sohn des Ariazos, und Megabyzos, Sohn des Zopyros.

83. Das waren die Oberfeldherrn des gesamten Fußvolks, ausgenommen jener 'Zehntausend'. Diese zehntausend auserlese- nen Perser standen unter Führung des Hydarnes, Sohnes des Hydarnes. Man nannte sie die 'Unsterblichen', weil im Falle einer Lücke, infolge von Tod oder Krankheit, sofort ein Ersatzmann eintrat, so daß die Zahl dieser Zehntausend immer voll war.

Die Perser waren von allen Truppenteilen am reichsten geschmückt und waren auch am tapfersten. Ihre Rüstung habe ich schon beschrieben; außerdem leuchteten sie durch reichen Goldschmuck hervor. Reisewagen führten sie mit sich, in denen sich ihre Kebsweiber und eine große, wohlausgerüstete Dienerschaft befanden. Kamele und Zugtiere führten ihnen - dem ganzen anderen Heere aber nicht - Lebensmittel nach.

84. Viele Stämme des Reiches kämpfen auch zu Pferde. Unter diesen hatten die folgenden Reiterei gestellt: zunächst die Per- ser, in derselben Ausrüstung wie das persische Fußvolk, nur daß einige getriebene Erz- und Eisenkappen auf dem Kopf trugen. 85. Ferner gibt es einen persischen Nomadenstamm, Sagartier genannt, die auch persisch sprechen. Ihre Ausrüstiing hält sich in der Mitte zwischen der persischen und der der Paktyer. Sie hatten achttausend Reiter gestellt, führen aber außer einem Schwert keinerlei eherne oder eiserne Waffen. Aus Riemen geflochtene Seile haben sie; damit ziehen sie in den Krieg. Die Kampfesweise dieses Stammes ist folgende. Im Handgemenge werfen sie die mit einer Schlinge versehenen Seile aus und ziehen, was sie nun fangen, Roß oder Mann, zu sich heran. Wie das Wild in der Schlinge muß es dann sterben. Diese Sagartier waren der persischen Abteilung eingereiht.

86. Die medische Reiterei hatte dieselbe Ausrüstung wie das Fußvolk, ebenso die der Kissier. Auch die indischen Reiter kamen in derselben Ausrüsfifrig wie die Fußkämpfer. Sie hatten nicht nur Reitpferde, sondern auch Wagen, an die Pferde oder wilde Esel gespannt waren.

Die Baktrier zu Pferde waren ebenfalls ausgerüstet wie das Fußvolk, ebenso die Kaspier und die Libyer. Auch diese alle führten Wagen mit. Ähnlich war es auch mit den Parikaniern.

Auch die berittenen Araber hatten dieselbe Ausrüstung wie ihr Fußvolk. Sie ritten ausschließlich Kamele, die den Pferden an Schnelligkeit nichts nachgeben.

87. Nur diese Stämme bildeten die Reiterei. Die Gesamtzahl betrug achzigtausend, Kamele und Wagen nicht eingerechnet.

Die Reiter waren in Glieder geordnet, nur die Araber standen im Hintergrunde abseits, damit die Pferde nicht scheu werden sollten, die ja den Anblick von Kamelen nicht ertragen können.

88. Reiterführer waren Harmamithres und Tithaios, Söhne des Datis. Der dritte Reiterführer, Pharnuches, war krank in Sardes zurückgeblieben. Beim Ausmarsch aus Sardes hatte sich ein widriger Unglücksfall ereignet. Ein Hund lief zwischen die Füße seines Pferdes, das erschreckt sich bäumte und Pharnuches abwarf. Er fiel und spie Blut, und schließlich ging die Krankheit in Schwindsucht über. Mit dem Pferd hatte man gleich nach dem Fall getan, was er befohlen hatte. Die Diener führten es an die Stelle, wo es den Herrn abgeworfen hatte, und schlugen ihm die Beine unterhalb der Knie ab. So war es denn um die Feldherrnschaft des Pharnuthes geschehen.

89. Die Zahl der Dreiruderer betrug eintausendzweihundertsieben. Folgende Stämme hatten Schiffe gestellt. Die Phoiniker samt den Syriern in Palästina hatten dreihundert gestellt. Die Mannschaften waren folgendermaßen ausgerüstet. Auf dem Kopf hatten sie Helme von beinahe hellenischer Art. Sie trugen leinene Panzer, Schilde ohne Rand und Wurfspeere. Diese Phoiniker wohnten vor alters, wie sie selber berichten, am Roten Meer, kamen dann herübergezogen und wohnen jetzt an der syrischen Küste. Dieser Teil Syriens bis ganz hinunter nach Ägypten hat den Namen Palästina.

Die Ägypter stellten zweihundert Sdiiffe. Sie trugen geflochtene Helme, gewölbte Schilde mit breitem Rand; Schiffsspeere und große Äxte. Der größte Teil hatte auch einen Panzer und ein langes Messer.

90. Die Kyprier stellten hundertfünfzig Schiffe. Ihre Ausrüstung war folgende: die Könige trugen Binden um den Kopf gewickelt, die übrigen hatten Röcke und alles andere wie die Hellenen. Die kyprischen Stämme setzen sich nach eigener Uberlieferung der Kyprier zusammen aus Salaminiern und Athenern, aus Arkadern, aus Kythniern, aus Phoinikern und Aithiopern.

91. Die Kiliker stellten hundert Schiffe. Sie hatten wiederum Helme eigener Form, Tartschen aus Rindshaut statt schwerer Schilde und wollene Röcke. Jeder hatte zwei Wurfspeere und ein Schwert von ähnlicher Form wie die ägyptischen Messer. Ursprünglich hießen die Kiliker Hypachaier; ihren jetzigen Namen erhielten sie nach dem Phoiniker Kilix, dem Sohn des Agenor.

Die Pamphyler stellten dreißig Schiffe und waren auf hellenische Art bewaffnet. Diese Pamphyler stammen von Amphilochos und Kalchas und ihren Scharen ab, die auf der Heimkehr aus Troia hierher verschlagen wurden.

92. Die Lykier stellten fünfzig Schiffe. Sie trugen Panzer und Beinschienen, hatten Bogen aus Kornelkirschholz, nichtbefiederte Rohrpfeile und Wurfspeere. Um die Schultern hatten sie ein Ziegenfell geschlungen und auf den Kopf einen federbekränzten Hut gesetzt. Auch Dolche und Sichelmesser führten sie. Die Lykier sind aus Kreta gekommen und hießen Termilenh; ihren jetzigen Namen erhielten sie nach dem Athener Lykos, dem Sohn des Pandion.

93. Die kleinasiatischen Dorier stellten dreißig Schiffe. Sie sind hellenisch bewaffnet und stammen aus der Peloponnes. Die Karer stellten siebzig Schiffe; auch sie hatten hellenische Bewaffnung, doch führten sie noch Sichelmesser und Dolche. Wie die Karer in früherer Zeit hießen, habe ich in den ersten Büchern meines Werkes erzählt.

94. Die Ioner stellten hundert Schiffe und waren gerüstet wie die Hellenen. Solange die Ioner in der Peloponnes wohnten, im heutigen Achaia, also noch vor dem Erscheinen des Danaos und Xuthos in der Peloponnes, hießen sie - so erzählt man in Hellas - Aigialeer und Pelasger. Nach Ion, dem Sohne des Xuthos, wurden sie dann Ioner genannt.

95. Die Bewohner der Inseln stellten siebzehn Schiffe und waren bewaffnet wie die Hellenen. Auch sie sind ein pelasgischer Stamm und wurden später aus demselben Grunde Ioner genannt wie die aus Athen ausgewanderten Bewohner der zwölf ionischen Städte.

Die Aioler stellten sechzig Schiffe. Auch sie waren ausgerüstet wie die Hellenen und wurden, nach hellenischer Uberlieferung, vor Zeiten Pelasger genannt.

Die Hellespontier mit Ausnahme von Abydos - die Bewohner von Abydos waren vom König beauftragt worden, daheim zu bleiben und die Brücken zu bewachen -, alle anderen Bewohner der Küstenstädte stellten hundert Schiffe und waren ausgerüstet wie die Hellenen. Diese Städte sind teils ionischen, teils dorischen Ursprungs.

96. Auf allen Schiffen befand sich außerdem persische, medische und sakische Besatzung. Die bestbemannten Schiffe waren die phoinikischen und unter den phoinikischen die aus Sidon.

Alle diese Volksstämme, auch die des Fußvolks, hatten jeder ihren eigenen Volkshäuptling, deren Namen ich jedoch nicht aufführe, da sie für die Schilderung des weiteren Verlaufs nicht erforderlich sind. Nicht jedes Stammeshaupt war von Be- deutung, auch hatte jede einzelne Stadt wieder ihren besonderen Führer, und sie alle zogen nicht als Feldherrn mit, sondern als einfache Soldaten. Die wirklichen Führer, die Oberfeldherrn sowie die der einzelnen Stämme, habe ich schon genannt, soweit sie Perser waren.

97. Führer der Flotte waren Ariabignes, Sohn des Dareios, Prexaspes, Sohn des Aspathines, Megabazos, Sohn des Megabates, und Achaimenes, Sohn des Dareios. Und zwar stand die ionische und karische Flotte unter dem Befehl des Aria- bignes, Sohnes des Dareios und der Tochter des Gobryas; die ägyptische unter dem Befehl des Achaimenes, Xerxes' Vollbruder, und die übrigen Flotten unter dem Befehl der beiden anderen.

An sonstigen Schiffen: Dreißigruderern, Fünfzigrüderern, Kerkuren [leichten Transportschiffen] und langen Transportschiffen für die Pferde hatten sich dreitausend zusammengefunden.

98. Nach den Flottenführern waren die namhaftesten Männer in der Flotte: Tetramnestos, Sohn des Anysos, aus Sidon, Matten, Sohn des Siromos, aus Tyros, Merbalos, Sohn des Agbalos, aus Arados, der Kiliker Syennesis, Sohn des Oromedon, der Lykier Kyberniskos, Sohn des Sika, die Kyprier Gorgos, Sohn des Chersis, und Timonax, Sohn des Timagoras, die Karer Histiaios, Sohn des Tymnes, Pigres, Sohn des Hysseldomos, und Damasithymos, Sohn des Kandaules.

99. Die weiteren Gruppenführer der Flotte nenne ich nicht, da es unnötig ist, nur Artemisia muß ich erwähnen, eine Frau, die an dem Zuge gegen Hellas teilnahm und die ich hoch bewundere. Nach dem Tode ihres Gatten übernahm sie selber die Herrschaft und war mutig und heldenhaft genug, selber in den Krieg zu ziehen, obwohl ein Sohn im Jünglingsalter vorhanden und sie gar nicht dazu gezwungen war. Ihr Name war Artemisia; sie war eine Tochter des Lygdamis und stammte väterlicherseits aus Halikarnassos, mütterlicherseits aus Kreta. Sie hatte die Führung über die Schiffe aus Halikarnassos, Kos, Nisyros und Kalydna, zusammen fünf Schiffe, die aber nach den Schiffen aus Sidon die vorzüglichsten in der ganzen Flotte waren. Auch waren die Ratschläge, die sie dem Könige gab, besser als die aller anderen Bundesgenossen. Die Bevölkerung der Städte, die, wie ich sagte, unter ihrer Führung standen, ist, wie ich noch anführen will, rein dorisch; denn die Halikarnassier sind aus Troizen gekommen, die übrigen aus Epidauros. Soviel sei über die Flotte gesagt.

100. Als das Heer gezählt und geordnet war, wollte Xerxes selber es mustern und in Augenschein nehmen. Das tat er, fuhr auf seinem Wagen von Stamm zu Stamm und fragte nach jedem Namen, den die Schreiber aufschrieben, bis er von dem einen Ende des Reiter- und Fußheeres bis zum anderen gelangt war. Als er damit fertig war, mußten die Schiffe ins Meer gezogen werden, und Xerxes verließ den Wagen, bestieg ein Schiff aus Sidon, nahm unter einem goldenen Zeltdach Platz und fuhr der Reihe nach am Bug der Schiffe vorüber. Auch hier fragte er nach den Namen der Stämme und ließ sie aufschreiben. Die Schiffsführer hatten die Flotte vier Plethren vom Strande vor Anker gelegt, alle Schiffe in einer Linie, die Schnäbel dem Lande zugekehrt, und die Mannschaften hatten ihre Kriegsrüstung angelegt. Zwischen den Schiffen und dem Strande fuhr er entlang und betrachtete die Flotte.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .