Die strategische Entscheidung für die Seeschlacht bei Salamis. Herodot, Historien 8. 52 - 72.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 544 - 551 .


52. Die Perser besetzten den der Akropolis gegenüberliegenden Hügel, den die Athener Areios-Pagos nennen, und suchten die Akropolis dadurch zu erobern, daß sie Werg um die Pfeile wickelten und sie auf das Verhau abschossen. Die belagerten Athener gerieten in die höchste Bedrängnis, da das Verhau sie nicht schützen konnte, hielten aber trotzdem stand. Sie nahmen auch den Vergleichsvorschlag, den die Peisistratiden machten, nicht an und sannen auf neue Verteidigungsmittel. Sie rollten den gegen das Tor andringenden Barbaren große Steine entgegen, und Xerxes war geraume Zeit ratlos, wie er die Burg einnehmen sollte.

53. Endlich fanden die Barbaren aus ihrer Verlegenheit einen Ausweg. Denn nach göttlicher Fügung sollte nun einmal das ganze festländische Attika in den Besitz der Perser kommen. An der Vorderseite der Akropolis, dem Tore und der Eingangsseite entgegengesetzt, stiegen einige Perser hinauf. Dort hielt niemand Wache, weil man nicht für möglich hielt, daß ein Mensch dort hinaufklettern könne. Es war in der Nähe des Tempels der Aglauros, Kekrops' Tochter, wo die Felsen sehr steil sind. Als die Athener die Feinde oben auf der Akropolis sahen, stürzten sich die einen von der Mauer herab und gaben sich den Tod; die anderen flüchteten in das Innere des Tempels. Die heraufgestiegenen Perser wandten sich zuerst zu dem Tore und öffneten es, dann töteten sie die Athener, die um Gnade baten. Als alle erschlagen waren, plünderten sie den Tempel und zerstörten die ganze Akropolis durch Feuer.

54. Im völligen Besitz von Athen schickte nun Xerxes einen reitenden Boten nach Susa, um Artabanos die errungenen Erfolge zu melden. Am Tage nach der Absendung des Herolds aber berief er die athenischen Verbannten, die sich seinem Zuge angeschlossen hatten, zu sich, und befahl ihnen, auf die Akropolis zu gehen und nach ihrer heimischen Weise ein Opfer darzubringen. Entweder hatte ihm ein Traumbild diesen Auftrag gegeben oder er bereute, den Tempel verbrannt zu haben. Die athenischen Verbannten handelten nach seinem Befehl .

55. Ich will den Grund angeben, weshalb ich dies erwähnt habe. Auf der Akropolis in Athen steht ein Tempel des Erechtheus, des Erdgeborenen, wie man ihn nennt, mit einem Olbaum und einem Brunnen mit Meerwasser. Die athenische Sage erzählt, daß Poseidon und Athena bei ihrem Streite um das Land sich auf diese beiden Dinge berufen hätten. Nun geschah es, daß mit dem Tempel auch dieser Olbaum von den Barbaren verbrannt wurde. Als aber am Tage nach dem Brande die mit dem Opfer beauftragten Athener in den Tempel kamen, sahen sie, daß aus dem Stumpf ein ellenlanger Sprößling emporgewachsen war. Das meldeten sie dem König.

56. Als den Hellenen in Salamis die Einnahme der Akropolis von Athen gemeldet worden war, entstand eine solche Verwirrung, daß einige Feldherren die Entscheidung über den ferneren Kriegsplan gar nicht abwarteten, sondern zu ihren Schiffen eilten und die Segel hißten, um davonzufahren. Die Zurückbleibenden faßten den Beschluß, die Schlacht vor dem Isthmos zu liefern. Die Nacht brach ein, und die Versammelten trennten sich und bestiegen ihre Schiffe.

57. Als Themistokles zu seinem Schiffe kam, fragte ihn Mnesiphilos, ein Athener, was man beschlossen habe. Als er hörte, daß der Rückzug zum Isthmos und eine Schlacht vor der Peloponnes beschlossen sei, sagte Mnesiphilos:

»Wenn die Flotte Salamis verläßt, wird es überhaupt nicht zur Schlacht um unser Vaterland kommen. Jeder wird in seine Stadt zurückkehren. Weder Eurybiades noch sonst ein Mensch kann dann verhindern, daß die Flotte sich auflöst. Hellas wird durch seine Torheit zugrunde gehen. Drum, wenn es irgendein Mittel gibt, so geh und suche den Beschluß rückgängig zu machen. Vielleicht kannst du Eurybiades überreden und zum Bleiben bestimmen.«

58. Dieser Vorschlag gefiel dem Themistokles sehr. Ohne eine Antwort zu geben, ging er zu dem Schiffe des Eurybiades. Dort sagte er, er wolle eine allgemeine Angelegenheit mit ihm besprechen. Eurybiades lud ihn zu sich auf sein Schiff: er möge nur sprechen. Da setzte sich Themistokles zu ihm und wiederholte alles, was Mnesiphilos ihm gesagt hatte, aber als seine eigene Meinung, fügte auch noch viel hinzu, bis sich Eurybiades bewegen ließ, auszusteigen und die Feldherren zur Versammlung zu rufen.

59. Vor den Versammelten hielt nun Themistokles, ehe noch Eurybiades den Grund, weswegen er die Feldherren berufen hatte, auseinandersetzen konnte, eine lange Rede, wie sie die Not ihm eingab. Der korinthische Feldherr Adeimantos, Sohn des Okytos, aber unterbrach den Redner und sagte:

»Themistokles, bei den Wettkämpfen wird mit Ruten gestrichen, wer zu frühzeitig zum Kampfe antritt.«

Themistokles antwortete, um sich zu entschuldigen:

»Aber wer beim Wettlauf zurückbleibt, bekommt keinen Kranz.«

60. So antwortete er dem Korinthier freundlich. Aber was er vorher zu Eurybiades gesagt hatte, daß die Flotte sich auflösen würde, wenn man Salamis verließe, wiederholte er jetzt nicht; denn es ziemte sich nicht, vor den Bundesgenossen eine solche Anklage zu erheben. Er führte andere Gründe ins Feld und sagte:

»In deiner Hand, Eurybiades, liegt es jetzt, Hellas zu retten! Folge mir und liefere hier die Seeschlacht, führe nicht, wie die anderen wollen, die Flotte zum lsthmos! Denn halte doch nur beides gegeneinander! Am Isthmos mußt du auf offenem Meere kämpfen, was für uns ganz ungünstig ist, da wir schwerfälligere Schiffe haben und an Zahl geringer sind. Und Salamis, Megara, Aigina sind verloren, selbst wenn uns das Glück dort günstig ist; denn mit der Flotte rückt ja auch das Landheer vorwärts, du lockst es also selber nach der Peloponnes hin und bringst ganz Hellas in Gefahr. Tust du dagegen, was ich dir rate, so ergeben sich die größten Vorteile daraus: erstens kämpfen wir mit wenigen Schiffen gegen viele auf einem engen Raum, können also mit Wahrscheinlichkeit auf einen vollständigen Sieg rechnen. Denn ein Kampf auf engem Raum ist unser, ein Kampf auf weitem Raume des Gegners Vorteil. Dazu bleibt auch Salamis in unserer Hand, wohin wir unsere Kinder und Weiber gebracht haben. Und auch das wird erreicht, woran euch so viel gelegen ist: wenn du hier bleibst, kämpfst du ebenso gut für die Peloponnes wie am Isthmos, und bist klug genug, die Feinde nicht nach der Peloponnes zu locken. Wenn das geschieht, was ich hoffe, wenn wir zur See den Sieg davontragen, dann kommen die Barbaren nie zu euch an den lsthmos. Sie werden nicht über Attika hinaus vorrücken, sondern schmählich abziehen. Und wir erreichen dadurch, daß Megara, Aigina und Salamis unser bleibt. Bei Salamis hat uns auch ein Orakelspruch den Sieg über die Feinde verheißen. Wenn die Menschen vernünftige Entschlüsse fassen, so pflegt ihnen alles, was sie vorhaben, zu gelingen; fassen sie aber unvernünftige Entschlüsse, so pflegt die Gottheit menschlichem Beginnen keinen Beistand zu leihen.«

61. Als Themistokles so gesprochen hatte, griff ihn der Korinthier Adeimantos von neuem an und sagte, wer kein Vaterland habe, solle schweigen; Eurybiades solle einen heimatlosen Menschen nicht mit abstimmen lassen. Ehe Themistokles Anträge stelle, müsse er sagen, für welche Stadt er spreche. Adeimantos zielte mit diesen Vorwürfen darauf hin, daß Athen erobert und in Feindes Hand war. Da sagte denn Themistokles ihm und den Korinthiern viele harte Wahrheiten; er legte dar, daß die Stadt Athen und das Land Attika größer seien als Korinth, daß Athen zweihundert Schiffe ausgerüstet habe. Keine einzige hellenische Stadt würde sich eines Angriffs Athens erwehren können.

62. Nach dieser Erklärung wandte er sich wieder an Eurybiades und sprach noch offener als vorher:

»Bleibe hier und sei ein Mann! Wenn nicht, stürzest du Hellas ins Unglück; denn die Entscheidung in diesem Kriege liegt bei der Flotte. Darum folge mir! Weigerst du dich, so nehmen wir, ohne uns weiter zu besinnen, Weiber und Kinder und wandern aus nach Siris in Italien . Die Stadt ist seit alten Zeiten unser, und Weissagungen verkünden uns, daß wir uns in Siris ansiedeln sollten. Wenn ihr uns nicht mehr zu Bundesgenossen habt, werdet ihr an meine Worte denken!«

63. Durch diese Rede des Themistokles ließ Eurybiades sich umstimmen; ich glaube, es war hauptsächlich die Furcht, daß die Athener sie im Stich lassen würden, wenn er die Flotte nach dem Isthmos führe. Und ohne die Athener konnten die Hellenen keine Schlacht wagen. Genug, Eurybiades trat Themistokles bei, daß man bleiben und dort die Schlacht liefern müsse.

64. Nach solchen Wortgefechten also rüstete man sich auf Befehl des Eurybiades zum Seekampf. Als der Tag kam und die Sonne aufging, trat ein Erdbeben ein: Land und Meer bebten. Man beschloß, zu den Göttern zu beten und den Schutz der Aiakiden anzurufen. Das geschah; zu alten Göttern wurde gebetet und man holte von Salamis her die Bilder der Aiakiden, Aias und Telamon, herbei, schickte auch ein Schiff nach Aigina zu Aiakos selber und den anderen Aiakiden ab.

65. Dikaios, der Sohn des Theokydes, ein athenischer Verbannter, der bei den Persern zu jener Zeit, als Attika von dem Heere des Xerxes verwüstet und von den Athenern aufgegeben worden war, in hohem Ansehen stand, hat erzählt, daß er damals - er befand sich gerade mit dem Lakedaimonier Demaratos in der thriasischen Ebene - von Eleusis her eine Staubwolke habe kommen sehen, als nahe eine Schar von dreißigtausend Menschen. Sie hätten sich gewundert, von was für Menschen diese Staubwolke herrühren möchte, da hätten sie auch Stimmen gehört, und es habe geklungen wie der feierliche Jubelgesang des mystischen Chores. Demaratos, der von den heiligen Festen in Eleusis nichts wußte, habe ihn gefragt, was diese Töne bedeuteten. Er habe erwidert:

»Demaratos! Dem Heere des Königs droht ein furchtbares Unglück! Da Attika menschenleer ist, können die Töne nur von der Gottheit kommen, die von Eleusis her den Athenern und ihren Bundesgenossen zu Hilfe heranzieht. Wenn sie nach der Peloponnes zu zieht, so ist der König selber und das Landheer in Gefahr; wendet sie sich aber nach den Schiffen bei Salamis, so wird des Königs Flotte zugrunde gehen. Das eleusinische Fest feiern die Athener jedes Jahr, der Meter und Kore zu Ehren, und jeder Athener und Hellene kann, wenn er will, die Weihen nehmen. Die Töne, die du hörst, sind der Jubelgesang, der an dem Feste gesungen wird.«

Darauf habe Demaratos erwidert:

»Sei still und verrate niemandem etwas davon! Wenn deine Worte zum König dringen, ist dein Kopf verloren, und kein Mensch auf der Welt, auch ich nicht, kann dich retten. Halten wir uns ruhig und überlassen das persische Heer den Göttern!«

Als Demaratos so gemahnt, habe sich der Staub und Lärm in eine Wolke verwandelt, die aufwärts stieg und in der Richtung nach Salamis zu der hellenischen Flotte davonflog. Daraus hätten sie ersehen, daß die Flotte des Xerxes dem Untergang geweiht war. So erzählte Dikaios, der Sohn des Theokydes, und berief sich auf Demaratos und andere Zeugen.

66. Als die Flottenmannschaften des Xerxes die gefallenen Lakedaimonier betrachtet hatten und von Trachis nach Histiaia übergesetzt waren, verweilte die Flotte dort drei Tage, fuhr dann durch den Euripos und gelangte in weiteren drei Tagen nach Phaleron. Ich glaube, die persische Kriegsmacht war, als sie ihr Ziel, Attika, erreicht hatte und zu Lande wie zu Wasser auf attischem Boden anlangte, nicht schwächer, als sie bei Sepias und Thermopylai gewesen war. Denn die Verluste, die die Perser durch den Seesturm und durch die Kämpfe bei Thermopylai und Artemision erlitten hatten, wurden ausgeglichen durch die später hinzukommenden Verstärkungen. Die Malier, die Dorier, die Lokrer, der ganze boiotische Heerbann mit Ausnahme von Thespiai und Plataiai hatten sich dem Heere angeschlossen, ebenso wie Karystos, Andros, Tenos und die übrigen Inseln außer den fünf von mir früher angeführten der Flotte. Je tiefer die Perser in Hellas eindrangen, um so mehr Volksstämme zogen ja mit.

67. Als die ganze Flotte vor Athen erschienen war - mit Ausnahme der parischen Schiffe, die in Kythnos zurückgeblieben waren und den Ausgang des Kampfes abwarten wollten -, als alle anderen in Phaleron vor Anker gegangen waren, kam Xerxes selber an die Küste, um sich mit den Schiffsführern zu unterreden und ihren Rat einzuholen. Er setzte sich zur Beratung nieder, und die Stammeskönige und Flottenführer, die auf seinen Ruf erschienen, setzten sich in der Reihenfolge, die der König bestimmte, zu ihm, obenan der König von Sidon, dann der von Tyros und so die anderen. Und als sie nach Rang und Würde geordnet dasaßen, schickte Xerxes den Mardonios herum und ließ alle nacheinander fragen, ob er eine Seeschlacht liefern solle oder nicht.

68. Mardonios ging und fragte zuerst den König von Sidon, dann der Reihe nach die anderen. Alle erklärten sich einmütig für die Schlacht, nur Artemisia sprach folgende Worte:

»Mardonios, sage dem König, daß ich, die ich in den Schlachten bei Euboia gewiß nicht feige gewesen bin und gewiß nicht am wenigsten Tapferkeit bewiesen habe, ihm folgendes entbiete. - Herr! Meine Pflicht ist es, dir wahr und aufrichtig zu sagen, was meiner Meinung nach dir am meisten frommt. Darum sage ich: schone deine Schiffe und meide eine Schlacht! Dies Volk ist deinen Völkern zur See so überlegen wie Männer den Weibern. Warum mußt du es überhaupt auf eine Seeschlacht ankommen lassen? Ist nicht Athen dein, um dessentwillen du den Krieg unternommen hast? Ist nicht das übrige Hellas dein? Niemand tritt dir in den Weg. Die, welche sich dir entgegenstellten, haben empfangen, was sie verdient haben. Ich will dir sagen, was es mit den Feinden für ein Ende nehmen wird. Wenn du dich nicht auf eine Seeschlacht einläßt, sondern die Schiffe hier liegen bleiben und du in Attika bleibst oder nach der Peloponnes vorrückst, Herr, so wird dir ohne Mühe alles zufallen, weswegen du nach Hellas gekommen bist. Die Hellenen können dir unmöglich lange gegenüber lagern; sie werden auseinandergehen und jeder sich in seine Stadt flüchten. Sie haben, wie ich höre, keine Lebensmittel auf der Insel, und wenn du mit dem Landheere nach der Peloponnes ziehst, ist nicht zu erwarten, daß die Leute aus der Peloponnes bei der Flotte aushalten; sie werden um Athens willen keine Seeschlacht liefern wollen. Wenn du aber gleich jetzt auf einer Seeschlacht bestehst, wird es, fürchte ich, deiner Flotte übel ergehen und wird auch dein Landheer mit ins Verderben gezogen werden. Und noch eines solltest du bedenken, o König! Gute Herren pflegen schlechte Diener zu haben, und schlechte Herren gute Diener. Du bist der edelste und wackerste Herr auf der Welt, darum sind deine Diener, die sich deine Bundesgenossen nennen, schlecht, diese Ägypter, Kyprier, Kiliker und Pamphyler, die ganz und gar nichts wert sind!«

69. Als Artemisia so sprach, waren alle, die ihr wohlgesinnt waren, betrübt; denn sie glaubten, ihr Abraten von der Schlacht würde ihr vom König übel verdacht werden. Ihre Neider aber, die es ihr nicht gönnten, daß der König sie unter allen Bundes- genossen am höchsten in Ehren hielt, freuten sich über ihren Widerspruch, der ihr Verderben sein würde. Aber als die Meinungen der Führer dem Xerxes mitgeteilt wurden, war er über Artemisias Rat hocherfreut und achtete sie, die er schon vorher als eine kluge Frau erkannt hatte, noch höher. Trotzdem befahl er, nach dem Rat der Mehrheit zu handeln. Er dachte, wenn die Flotte auch bei Euboia, wo er nicht zugegen war, feige gewesen sei, werde sie doch hier, wo er der Schlacht zuschauen wollte, sich tapfer zeigen.

70. Der Befehl zur Abfahrt wurde gegeben und die Schiffe brachen nach Salamis auf, wo sie sich in Ruhe zur Schlacht auf- stellten und ordneten. Doch reichte der Tag für die Schlacht nicht mehr hin, denn die Nacht kam bereits heran. Sie rüsteten sich also für den nächsten Tag. Die Hellenen waren voller Furcht und Besorgnis, namentlich die Peloponnesier. Sie sollten hier in Salamis sitzen und sich für das Land der Athener schlagen, sollten, wenn sie unterlagen, auf der Insel sich einschließen und belagern lassen, während ihr Heimatland ohne Schutz und Verteidiger war! Aber das Landheer der Barbaren setzte sich in derselben Nacht nach der Peloponnes in Bewegung.

71. Freilich waren dort alle erdenklichen Vorkehrungen getroffen, um den Barbaren das Eindringen zu Lande zu wehren. Denn sobald die Nachricht von dem Untergang der Schar des Leonidas in der Peloponnes eingetroffen war, eilte alles aus den Städten herbei und besetzte den Isthmos. Führer des Heeres war Kleombrotos, Sohn des Anaxandrides, der Bruder des Leonidas. Sie lagerten sich am Isthmos, machten die skironische Straße ungangbar und bauten, nachdem der Plan beraten und beschlossen war, quer über den Isthmos eine Mauer. Weil es ein Heer von vielen Tausenden war und jeder mit Hand anlegte, rückte der Bau schnell vorwärts. Steine, Ziegel, Balken und Körbe voller Sand wurden herbeigetragen, und die Arbeit wurde ununterbrochen, bei Nacht und bei Tage fortgesetzt.

72. Folgende hellenischen Stämme und Städte waren es, die mit ihrem ganzen Heerbann zur Verteidigung des lsthmos ausgerückt waren: die Lakedaimonier, alle Stämme der Arkader, die Eleier, die Korinthier, die Sikyonier, die Epidaurier, die Phliasier, die Troizenier und die Hermioner. Das waren die Städte, die in Sorge um das bedrängte Hellas herbeigeeilt waren. Die übrigen Peloponnesier kümmerten sich nicht um den Krieg, obwohl das olympische und das Karneiafest bereits vorüber waren.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .