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Die Befreiung der Griechen auf den ägäischen Inseln und in Kleinasien als Ergebnis des Mißlingens der zweiten persischen Expedition nach Griechenland. Herodot, Historien 9. 96 - 107 und 114 - 122.

Deutsche Übersetzung nach: Herodot, Historien. Deutsche Gesamtausgabe. Übersetzt von A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von W. F. Haussig. Mit einer Einleitung von W. F. Otto, S. 622 - 627 und 629 - 632.


96. Da das Opfer günstig ausfiel, segelten die Hellenen von Delos in Richtung auf Samos ab, Vor Kalamisa anf Samos angelangt, gingen sie bei dem Heratempel vor Anker und rüsteten sich zur Schlacht. Als die Perser von ihrer Annäherung Kunde erhielten, setzten auch sie sich in Bewegung, fuhren aber nach dem Festland und schickten die phoinikischen Schiffe nachhause. Sie hatten den Entschluß gefaßt, keine Seeschlacht zu liefern, weil sie den Hellenen nicht gewachsen zu sein glaubten, und segelten nach dem Festland, um unter dem Schutze ihres Landheeres zu sein, das auf Befehl des Xerxes von dem Hauptheer abgeteilt und zum Schutze loniens zurückgelassen worden war. Es waren sechzigtausend Mann, die unter Führung des Tigranes, eines hervorragend schönen und hochgewachsene Persers standen. Unter den Schutz dieses Heeres beschlossen die Flottenführer sich zu begeben; sie wollten die Schiffe ans Land ziehen und einen Wall aufwerfen, um die Schiffe und sich selber hinter ihm zu bergen.

97. In dieser Absicht stachen sie also in See. Als sie bei dem Göttinnenheiligtum in Mykale angelangt waren, in der Gegend des Gaison und des Ortes Skolopoeis, wo ein Tempel der eleusinischen Demeter steht, den Philistos, der Sohn des Pasikles, der mit dem Kodrossohn Neileus zur Gründung Milets ausgezogen war, erbaut hat, da zogen sie die Schiffe auf das Land und zogen einen Wall aus Stein und Holz herum. Sie hieben sogar Fruchtbäume um, errichteten ein Pfahlwerk rings um den Wall und bereiteten sich sowohl auf eine Belagerung wie auf eine Schlacht vor, in der sie zu siegen hofften .

98. Als die Hellenen von der Abfahrt der Barbaren nach dem Festlande Kunde erhielten, waren sie ungehalten, daß die Flotte ihnen entkommen sei, und sie schwankten, was nun zu tun sei, ob sie heimfahren oder nach dem Hellespontos segeln sollten. Endlich beschlossen sie, weder das eine noch das andere zu tun, sondern nach dem Festland zu fahren. So richteten sie denn Enterbrücken und alles andere her, was zur Seeschlacht nötig ist, und fuhren nach Mykale. Sie näherten sich dem Lager, aber keiner fuhr ihnen entgegen, vielmehr sahen sie die Schiffe in der Verschanzung am Ufer liegen und ein starkes Landheer in Schlachtordnung am Strande stehen. Da fuhr nun zunächst Leotycbides in seinem Schiffe so nahe als möglich an den Strand heran und ließ durch einen Herold folgende Worte an die Ioner richten:

»Ioner! Wer von euch mich vernimmt, der merke auf; die Perser verstehen ja nichts von dem, was ich euch hier entbiete Wenn die Schlacht beginnt, so denket vor allem anderen an eure Freiheit, und ferner merket auf unser Feldgeschrei: Hera. Und wer midi jetzt nicht hört, dem sage es der, der mich hört.«

Diese Maßnahme hatte denselben Sinn wie die des ThemistokIes bei Artemision. Denn entweder sollten die Barbaren nichts davon erfahren und die loner den Worten gehorchen oder, wenn es den Barbaren hinterbradit würde, diese mißtrauisch gegenüber den Hellenen machen.

99. Nachdem Leotychides diese Mahnung ausgesprochen hatte, landeten die Hellenen, stiegen aus den Schiffen und stellten sich zur Schlacht auf. Als die Perser sahen, wie die Hellenen zur Schlacht rüsteten und sich mit den Ionern verständigten, entwaffneten sie die Samier, die sie im Verdacht hatten, daß sie es mit den Hellenen hielten. Damals, als von der Barbarenflotte jene gefangenen Athener nach Samos gebracht wurden, die in Athen zurückgeblieben und von den Scharen des Xerxes gefangen genommen waren, kauften die Samier sie alle frei und schickten sie, mit Wegzehrung versehen, nach Athen zurück. Dies vor allem, also daß sie fünfhundert Mann persischer Feinde loskauften, hatte Verdacht erregt. Ferner übertrugen die Perser den Milesiern die Deckung der Engpässe, die nach Mykale hinaufführen, scheinbar weil die Milesier die Gegend am besten kannten, in Wirklichkeit, um sie nicht im Lager zu haben. Nachdem sie sich gegen diese beiden ionischen Abteilungen, denen sie Treulosigkeit zutrauten, falls die Möglichkeit zur Treulosigkeit gegeben war, auf diese Weise geschützt hatten, stellten die Perser ihre Schilde zusammen, als Brustwehr gegen die Feinde.

100. Die Hellenen rückten heran, als sie alle Vorbereitungen beendet hatten. Da verbreitete sich plötzlich ein Gerücht durch das ganze Heer, und man sah einen Heroldstab in der Brandung schwimmen. Das Gerücht lief von Mund zu Mund, daß die Hellenen in Boiotien den Mardonios geschlagen hätten. Man sieht, durch wie mannigfache Zeichen sich die göttliche Fügung offenbart: jetzt entstand, während doch die Schlacht bei Plataiai an demselben Tage stattfand, da die Schlacht bei Mykale geschlagen werden sollte , das Gerücht von jenem Siege hier unter den Hellenen; es erhöhte gewaltig ihren Mut und ihre Bereitwilligkeit, die Schlacht zu wagen.

101. Auch das war ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in der Nähe beider Schlachtfelder ein Heiligtum der eleusinischen Demeter lag. Die Schlacht bei Plataiai fand ja, wie ich früher erwähnt habe, dicht am Demetertempel statt, und dasselbe sollte jetzt bei Mykale der Fall sein. Das Gerücht von dem gewonnenen Siege des Pausanias war ganz richtig; denn die Schlacht bei Plataiai fand schon am Morgen statt, die bei Mykale erst nachmittags. Daß wirklich die beiden Schlachten auf denselben Tag desselben Monats gefallen sind, das bestätigte sich den Hellenen durch Nachfragen sehr bald. Bevor das Gerücht sich verbreitete, war das hellenische Heer in Sorge gewesen, weniger um sich selber als um die Hellenen daheim, daß Hellas dem Mardonios erliegen möchte. Jetzt aber, wo jene Vorbedeutung von Mund zu Mund flog, schritten sie um so kühner und schneller auf den Feind los. So eilten Hellenen und Barbaren in den Kampf, denn als Siegespreis winkten die Inseln und der Hellespontos.

102. Die Athener und ihre Nachbarn bis zur Mitte der Schlachtlinie hatten am Strande, auf ebenem Boden zu marschieren, während der Flügel der Lakedaimonier durch Schluchten und über Berge klettern mußte. Während die Lakedaimonier noch die Hindernisse umgingen, war der rechte Flügel schon im Gefecht. Solange die Brustwehr der Perser stand, wehrten diese sich tapfer und waren den Hellenen keineswegs unterlegen. Als aber die Scharen der Athener und ihrer Nachbarn einander ermahnten, sie und nicht die Lakedaimonier müßten das Beste tun, als sie hitziger vordrangen, änderte sich die Gefechtslage. Sie durchbrachen die Brustwehr und fielen in geschlossenem Haufen über die Perser her, die, ohne zu weichen, noch längere Zeit kämpften, aber endlich in die Verschanzung flüchteten. Und die Athener, Korinthier, Sikyonier, Troizenier - in dieser Reihenfolge standen sie nebeneinander - folgten und drängten mit in den Wall hinein. Als auch das Lager genommen war, dachten die Barbaren nicht mehr an Kampf; sie begaben sich alle, mit Ausnahme der Perser, auf die Flucht. Die Perser kämpften in kleinen Trupps gegen die immerfort ins Lager strömenden Hellenen weiter. Von den persischen Feldherren entkamen zwei, und zwei fielen. Artayntes und Ithamitres, die Führer der Flotte, entkamen; Mardontes und der Führer des Landheeres, Tigranes, blieben auf dem Platze.

103. Die Perser kämpften noch, als die Lakedaimonier und ihr Flügel erschien, die nun den Sieg entschieden. Es fielen jetzt aber auch viele Hellenen, namentlich Sikyonier und deren Führer Perilaos. Die samischen Truppen im persischen Heere, die man entwaffnet hatte, taten, sobald sie nur gewahr wurden, daß der Sieg sich auf die Seite der Hellenen neigte, alles, was sie konnten, um die Hellenen zu unterstützen. Und die übrigen loner folgten dem Beispiel der Samier, sagten sich von den Persern los und drangen auf sie ein.

104. Die Milesier hatten von den Persern Auftrag erhalten, die Engpässe zu bewachen, damit das Heer sich im Falle einer Niederlage, die ja auch eintrat, unter Deckung und Führung der Milesier auf die Höhen von Mykale retten könnte. Ferner waren die Milesier auch deshalb aus dem Lager geschickt worden, um eine Meuterei zu verhindern. Aber die Milesier taten genau das Gegenteil von dem, was ihnen aufgetragen worden war; sie führten die Fliehenden Wege, die zu den Feinden hinliefen, und schließlich enthüllten sie sich selber als die grimmigsten Feinde. So fiel Ionien zum zweitenmal von Persien ab.

105. In dieser Schlacht taten sich im hellenischen Heere am meisten die Athener hervor und unter den Athenern Hermolykos, Sohn des Euthoinos, ein Meister im Ringkampf. Später, im Kriege Athens mit Karystos, hatte dieser Hermolykos das Schicksal, daß er in einer Schlacht bei Kyrnos auf Karystos fiel und in Geraistos begraben wurde. Nach den Athenern zeichneten sich die Korinthier, Troizenier und Sikyonier am meisten aus.

106. Als die Hellenen die meisten Barbaren, im Kampfe und auf der Flucht, erschlagen hatten, legten sie die Schiffe und die Verschanzungen gänzlich in Asche. Vorher hatten sie die Beute an den Strand geschafft, auch einige Geldkästen gefunden. Nach Verbrennung der Befestigungen und der Schiffe fuhren sie davon. In Samos angekommen hielten die Hellenen Rat über die Räumung des ionischen Landes; sie erwogen, wo in Hellas, soweit man des Landes Herr sei, die loner angesiedelt werden könnten; denn Ionien müsse man den Barbaren überlassen. Sie fanden es ganz unmöglich, daß die Hellenen Ionien dauernd unter ihrer Obhut halten sollten, und doch durfte man nicht hoffen, daß die loner ohne solchen Schutz sich ungestraft von Persien freimachen könnten. Da meinten denn die peloponnesischen Führer, man solle die handeltreibenden Hellenenstämme, die es mit den Persern gehalten, verjagen und ihr Land den lonern geben. Die Athener dagegen wollten überhaupt nichts von einer Räumung loniens hören und nicht dulden, daß Peloponnesier über athenische Pflanzstädte befänden. Ihrem heftigen Widerstande gaben denn auch die Peloponnesier nach. So wurden die Samier, Chier, Lesbier und anderen Inselbewohner, die sich dem hellenischen Heere anschlossen, in den hellenischen Bund aufgenommen. Sie mußten sich durch einen Eid verpflichten, daß sie treu sein und nicht abtrünnig werden wollten. Nach Ablegung des Eides fuhren die Hellenen nach dem HeIlespontos, um die Brücken abzubrechen, die sie noch vorhanden wähnten.

107. Die geflüchteten Barbaren hatten sich auf die Gipfel von Mykale gerettet und zogen sich - es waren nicht viele - nach Sardes zurück. Unterwegs machte Masistes, ein Sohn des Dareios, der die unglückliche Schlacht mitgemacht hatte, dem Feldherren Artayntes viele bittere Vorwürfe. Er sei feiger als ein Weib, so elend sei seine Führung gewesen, und er verdiene die schwerste Strafe, so übel habe er dem Hause des Königs mitgespielt. Nun gibt es bei den Persern keine schwerere Beleidigung, als wenn man jemandem sagt, er sei feiger als ein Weib. Artayntes, der lange geschwiegen hatte, brauste auf und zog den Säbel, um Masistes niederzuhauen. Xeinagoras, Sohn des Praxilaos aus Halikarnassos, der hinter Artayntes stand, sah ihn auf jenen losstürzen, faßte ihn um den Leib, hob ihn empor und warf ihn zur Erde. Inzwischen kamen auch Masistes' Leibwächter herzu. Für seine Tat erntete Xeinagoras von Masistes und Xerxes, dem er ja seinen Bruder gerettet hatte, vielen Dank. Der König machte ihn zum Statthalter von ganz Kilikien. Sonst fiel auf dem Wege nichts vor, und die Perser langten in Sardes an. ....

114. ... Die von Mykale nach Hellespontos segelnden Hellenen gingen zuerst bei Lekton vor Anker, weil die Winde sie hinderten. Dann kamen sie nach Abydos und fanden die Brücken zerstört, die sie noch stehend gewähnt hatten und um deretwillen sie vornehmlich nach dem Hellespontos gekommen waren. Da beschlossen denn Leotychides und die Peloponnesier nach Hellas zurückzukehren, während die Athener und ihr Führer Xanthippos bleiben und die Chersonesos angreifen wollten. Jene fuhren also heim, und die Athener fuhren von Abydos nach der Chersonesos hinüber und belagerten Sestos.

115. In Sestos, der stärksten Festung in jener Gegend, versammelten sich auf die Kunde von der Annäherung der Hellenen die persischen Besatzungen aller umliegenden Städte; auch der Perser Oiobazos kam aus Kardia und brachte die Taue der Brücken mit. Bewohner der Stadt waren die Aioler dort im Lande; dazu kamen aber Perser und große Mengen der anderen Bundesvölker.

116. Herr dieser Satrapie war der Statthalter des Xerxes, Artayktes, ein Perser, ein harter gottloser Mann, der sogar den König auf dem Zuge gegen Athen betrogen hatte. Er raubte die Tempelschätze des Heros Protesilaos, Sohnes des Iphikles, aus Elaius. Bei Elaius auf der Chersonesos nämlich liegt das Grab des Protesilaos, umgeben von einem Heiligtum, in welchem sich große Reichtümer, goldene und silberne Schalen, Erzbilder, Gewänder und andere Weihgeschenke befinden. Diese raubte Artayktes mit Erlaubnis des Königs, den er durch folgende Worte hintergangen hatte:

»Herr! Ein Hellene hat hier ein Haus, der gegen dein Land ins Feld gezogen ist, wobei ihn die gerechte Strafe, der Tod, ereilt hat. Schenk' mir sein Haus, damit sich jeder, hütet, gegen dein Land ins Feld zu ziehen !«

Durch diese Worte ließ sich Xerxes leicht bereden, ihm das Haus zu schenken; er ahnte ja nicht, was jener meinte, Artayktes hatte aber die Worte, der Hellene sei gegen das Land des Königs gezogen, im Sinne der Perser gesagt, die des Glaubens sind, daß ganz Asien ihr und des jeweiligen Königs Eigentum sei.

Als er die Erlaubnis erhalten hatte, ließ er die Tempelschätze von Elaius nach Sestos schaffen, ließ in dem heiligen Bezirk säen und ernten, und wenn er selber nach Elaius kam, schändete er in dem heiligen Gemach die Frauen.

Jetzt also wurde er von den Athenern belagert. Er war für die Belagerung nicht gerüstet und hatte die Hellenen nicht erwartet. Nun gab es kein Entrinnen.

117. Die Belagerung aber dauerte bis zum Spätherbst, und die Athener wurden schon ungeduldig über die lange Abwesenheit von der Heimat und die erfolglose Belagerung. Sie baten schon die Feldherren, sie nach Hause zu führen; aber diese sagten, sie würden nicht eher abfahren, als bis sie die Stadt erobert hätten oder von der Gemeinde Athen abberufen würden. So viel war ihnen an der Stadt gelegen.

118. Und die Belagerten waren auch schon in der höchsten Not, so daß sie das Leder von ihren Sesseln aßen. Als auch das aufgezehrt war, flohen eines Nachts die Perser samt Artayktes und Oiobazos. Sie stiegen an der Rückseite der Stadt herab, wo am wenigsten Feinde standen. Als der Tag kam, verrieten die Bewohner der Chersonesos durch Zeichen von der Mauer, was geschehen war, und öffneten die Tore. Der größere Teil des Heeres machte sich an die Verfolgung, die anderen besetzten die Stadt.

119. Oiobazos, der nach Thrakien geflüchtet war, wurde von den thrakischen Apsinthiern ergriffen und nach ihren Bräuchen dem Stammesgott Pleistoros geopfert. Seine Begleiter wurden auf andere Weise getötet. Artayktes mit seinem Gefolge, der erst später geflohen war, wurde kurz hinter Aigospotamoi eingeholt, und nach längerer Gegenwehr wurden die einen getötet, die anderen gefangen genommen. Die letzteren führten die Hellenen gebunden nach Sestos; auch Artayktes und sein Sohn befanden sich darunter.

120. Da geschah, so erzählt man auf der Chersonesos, als einer der Wächter sich gepökelte Fische briet, etwas Wunderbares. Die Salzfische in der Pfanne sprangen und zappelten, als würden sie eben erst gefangen. Alles kam herbeigelaufen und wunderte sich. Artayktes aber, der auch dies Wunder sah, rief dem Mann, der die Fische briet, zu und sagte:

»Freund aus Athen! Wegen des Wunders sei unbesorgt. Es gilt nicht dir, sondern mir. Protesilaos von Elaius will mir zu verstehen geben, daß er noch als ausgetrockneter Leichnam mit göttlicher Macht begabt ist, sich an seinen Beleidigern zu rächen. Darum will ich Reugeld für meinen Frevel zahlen: hundert Talente will ich der Gottheit für das, was ich aus dem Tempel genommen habe, weihen und zweihundert Talente den Athenern geben, wenn sie mich und meinen Sohn am Leben lassen.«

Aber auf dies Anerbieten ging der Feldherr Xanthippos nicht ein. Die Elaiusier forderten als Sühne für Protesilaos seinen Tod, und derselben Meinung war auch der Feldherr. Sie führten ihn an die Stelle der Küste, wo Xerxes die Brücke geschlagen hatte - andere sagen, auf die Höhe oberhalb der Stadt - und schlugen ihn ans Kreuz. Den Sohn steinigten sie vor den Augen des Artayktes.

121. Darauf fuhren die Athener heim nach Hellas. Sie führten die Beuteschätze mit, darunter die Brückentaue, die sie in die Tempel stiften wollten. In diesem Jahre hat sich dann nichts weiter ereignet.

122. Der Großvater dieses gekreuzigten Artayktes war jener Artembares, der den Persern einen Rat gab, den sie gut fanden und Kyros vorlegten. Sie sagten zu Kyros:

»Da Zeus den Astyages gestürzt hat und den Persern die Herrschaft übergibt, unter den Persern aber dir, o Kyros, - wohlan, so laß uns unser kleines und so rauhes Land verlassen und auswandern in ein schöneres. Viele Länder liegen vor unseren Augen, viele andere in der Ferne; wenn wir deren eines erobern, wird unser Ruhm und Ansehen noch wachsen. So ziemt es einem Herrenvolke! Wann sollte uns auch eine schönere Gelegenheit dazu winken als jetzt, wo wir Herren vieler Völker und des ganzen Asien sind?«

Kyros fand diesen Rat nicht rühmenswert und meinte, sie sollten ihren Plan nur ausführen, sich aber darauf gefaßt machen, daß sie aus Herren zu Knechten werden würden. Weichliche Länder pflegten weichliche Menschen zu erzeugen. Denn nie würde ein Land zugleich herrliche Früchte und kriegstüchtige Männer hervorbringen. Das erkannten die Perser als richtig an und gingen davon; Kyros hatte sie überzeugt. Sie wollten lieber in einem mageren Lande Herren als in einem üppigen Knechte sein.


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .