Bürgerarmee, Vaterlandsliebe, militärische Disziplin und Tapferkeit im ersten punischen Kriege: Aulus Gellius 3, 7, 2 f., Aus Catos d. Ä. 'Origines'.

Deutsche Übersetzung nach: Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Herausgegeben von Otto Schönberger, München 1980, S. 199 - 203.


Der punische Feldherr rückte im Land Sicilien im ersten karthagischen Kriege dem römischen Heer entgegen vor, Hügel und günstige Plätze besetzte er als erster. In dieser Lage drangen die römischen Soldaten an einen Ort vor, der taktisch riskant, weil nur mit äußersten Verlusten zu verteidigen war. Der Tribun kommt zum Konsul, zeigt die Gefahr an, die aus dem ungünstigen Platz und der Umringung der Feinde entstehen muß. "Ich schätze", sagte er, "wenn du die Sache retten willst, läßt es sich nur so machen, daß du ungefähr vierhundert Mann zu jenem Höcker dort - so nämlich nennt Cato einen herausragenden und schwer zugänglichen Ort - befiehlst und sie mahnst, ihn besetzt zu halten. Wenn die Feinde das sehen, werden sich bestimmt die tapfersten und entschlossensten von ihnen zum Sturm und Nahkampf gegen sie wenden und sich einzig mit dieser Aufgabe befassen. Dabei werden ohne Zweifel alle die vierhundert niedergemacht werden. Solange aber die Feinde mit diesem Gemetzel beschäftigt sind, wirst du Zeit haben, das Heer aus der prekären Situation hier herauszuführen. Einen anderen Weg zur Rettung gibt es nicht." Der Konsul antwortet dem Tribunen, das sei sicherlich richtig vorhergesehen. "Aber", so fragt er, "wer soll es denn sein, der diese vierhundert Soldaten an jenen Ort, gegen die Angriffskeile der Feinde, führt?" Der Tribun erwidert: "Wenn du keinen anderen findest, kannst du mich für dieses Himmelfahrtsommando verwenden. Ich schenke dir und dem Staat mein Leben." Der Konsul spricht dem Tribunen Dank und Lob aus. Der Tribun und die vierhundert ziehen zum Sterben. Die Feinde wundern sich über ihre Kühnheit und warten ab, wohin sie ziehen. Als sich zeigt, daß sie den Marsch auf den 'Höcker' richten, um ihn zu besetzen, schickt der karthagische Feldherr Fußsoldaten und Reiter gegen sie, die besten Männer, die er im Heere hat. Die römischen Soldaten werden umzingelt. In der Umzingelung leisten sie Widerstand. Das Gefecht ist lange Zeit unentschieden. Schließlich siegt die Überzahl. Die vierhundert werden alle niedergekämpft, durchbohrt vom Schwert oder von Wurfgeschossen überschüttet. Während aber dieser Kampf tobt, weicht jedoch der Consul heimlich in sicheres und hochgelegenes Gelände aus.

Was aber jenem Tribunen, dem Anführer der vierhundert Soldaten, durch göttliche Wirkung in diesem Gefecht geschah, das lassen wir nun nicht mehr mit unseren, sondern mit Catos eigenen Worten folgen:

"Die unsterblichen Götter haben dem Kriegstribunen ein Geschick nach seinem Heldentum gewährt. Und das kam so: Er wurde dort zwar schwer verwundet, bekam aber dennoch keine tödliche Wunde. Später erkannte man ihn inmitten der Toten, ermattet von Wunden und Blutverlust. Sie hoben ihn auf, und er kam wieder zu Kräften. Und oft danach hat er dem Staat noch tapferen und tüchtigen Dienst geleistet. Durch jene Tat aber - weil er dieses Kommando mit den Soldaten übernahm - hat er das ganze Heer gerettet. Auf solche Großtaten kommt es hin und wieder an, und man sollte sie alle gleich hochschätzen.. Den Lakedaemonier Leonidas, der etwas Ähnliches bei Thermopylae tat, hat wegen seines Heldentums ganz Griechenland Ruhm und ein einzigartiges Ansehen zuteilwerden lassen und ihn mit Erinnerungsmalen erlauchtester Berühmtheit verherrlicht: mit Bildern, Statuen, Lobliedern, Erwähnung in Geschichtswerken und anderem Preis haben sie diese seine Tat im höchsten Ansehen gehalten. Aber dem Kriegstribunen, der doch das gleiche vollbracht und alles gerettet hat,.ist nur geringes Lob für seine Tat geblieben."


LV Gizewski SS 2005.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski. EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de .