Christian Gizewski, Segmente der Bevölkerung in der heutigen Gegenwartsgesellschaft.

Bei der Abrenzung von 'Segmenten' einer Bevölkerung sind verschiedene Kriterien möglich. Am offensten für die Vielfalt der zu berücksichtigenden 'objektiven sozialen Existenzbedingungen' erscheinen zwei Kriterien, die miteinander verbunden werden können, nämlich

1) die hautptsächlich lebensbestimmende Art der individuellen Arbeit bzw. des individuellen Zeiteinsatzes für überindividuelle Zwecke ,

2) die Art und Höhe des Einkommens und Vermögens der gesellschaftszugehörigen Menschen.

Mit dieser Kriterienverbindung lassen sich typsierend folgende Gruppen (Segmente, Teile) der heutigen Bevölkerung in Deutschland unterscheiden:

A. Weisungsabhängige Dienstleister und Fachkräfte im privatwirtschaftlichen Bereich (andere Bezeichnungen: 'Arbeiter', 'Angestellte', 'Kurzarbeiter', 'Auftragsarbeiter und -dienstleister);

B. Staatsangestellte (Beamte, Richter u. a. Verrichter öffentlicher Aufgaben in öffentlichen Organisationen);

C. Kleinere und größere Unternehmer ('Selbstständige') im privatwirtschaftlichen Bereich (Industrie, Handel, Bankwesen, Handwerk);

D. Renten- und Pensionsempfänger;

E. Sozialhilfeempfänger und andere Zuwendungsbedürftige ohne ausreichendes Einkommen und Vermögen ('Arme');

F. Verwalter und Nutzer größerer privater Vermögen ('Reiche');

G. Intellektuelle (Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller ohne Dienstabhängigkeit oder andere innere Begrenzungen ihrer Geistestätigkeit);

H. Künstler (Maler, bildende Künstler, Unterhaltungskünstler)

I. 'Geistliche' und andere von Berufs wegen religiös oder spirituell Handelnde;

K. Säkular motivierte Akteure für das Gemeinwohl und andere überpersönliche Interessen (Politiker, Verbandsfunktionäre, ehrenamtlich Arbeitende).

Es ist selbstverständlich, daß auch andere Abgrenzungen vorgenommen werden können und daß es zwischen den hier gebildeten Gruppen überall gewisse Überschneidungen gibt. Diese Gruppenabgrenzung hat aber den Vorteil, daß sie einerseits ungerechtfertigte gesellschaftliche Unterschiede nicht kategorial (wie z. B. im 'Oben-Unten-Schema' von 'Schicht'-Begriffen) auf Dauer stellt und andererseits eine Verbindung nüchterner Gesellschaftsstrukturanalyse mit der Entwicklung gesamtgesellschaftlich-allgemeinwohlbezogen sinnvoller Veränderungsperspektiven ermöglicht .


Zur LV Gizewski im WS 2008/2009 und SS 2009.

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de