Altägyptischer, griechischer, römischer und persischer Staats- und Personenkult in Beispielen.


(1) Freiheitsvergessenes Sympathisieren mit den Makedonenkönigen Philipp und Alexander im Griechenland des 4. Jhts. v. Chr. Aus Demosthenes, Rede vom Kranze, 295 - 297.

295. (Es gab zur Zeit der Entfaltung der makedonischen Königsherrschaft überall in Griechenland eine Partei derer, die schon , als Philipps Macht noch schwach und gering war, während wir oft warnten und ermahnten und das Beste rieten, aus schmählicher Gewinnsucht das Wohl aller preisgaben und ihre Mitbürger betrogen und verführten, bis sie sie alle zu Sklaven gemacht hatten: die Thessalier Daochos, Kineas, Thrasydaos; die Arkader Kerkydas, Hieronymos, Eukampidas; die Argiver Myrtis, Teledamos, Mnaseas; die Eleier Euxitheos, Kleotimos, Aristaichmos; die Messenier Neon und Thrasylochos, die Söhne des den Göttern verhaßten Philiades; die Sikyonier Aristratos und Epichares; die Korinther Deinarchos und Demaretos; die Megarer Ptoiodoros, Helixos und Perilaos; die Thebaner Timolaos, Theogeiton, Anemoitas; die Euboier Hipparchos, Kleitarchos, Sosistratos; aber der Tag würde nicht lang genug sein, wollte ich alle Verräter mit Namen nennen. 296. Diese alle, ihr Männer von Athen, hegten in ihrer Heimat dieselben Absichten wie diese hier bei euch, Menschen mit Schande bedeckt, Schmeichler und Unheilstifter, von denen jeder sein Vaterland schmählich verstümmelte und die Freiheit erst Philipp, dann Alexander leichtsinnig preisgab, Leute, die nach dem Bauch und den schändlichsten Genüssen die Glückseligkeit abmaßen, die Freiheit aber, die für die früheren Hellenen Ziel und Maßstab des Guten war, die Freiheit von Gewaltherrschaft, vernichteten. 297. Von diesem schändlichen und berüchtigten Verein, von dieser Schlechtigkeit, oder vielmehr, wenn man die Wahrheit sagen will, von diesem Verrat an der Freiheit der Hellenen ist die Stadt durch meine Politik in aller Menschen Augen frei geblieben und ich in den euren.


(2) Politisch motivierte Vergöttlichung Caesars nach seinem Attentas-Tode. Aus: Plutarch, Caesar 67 - 69.

67. ... (Das Volk ) hörte (Brutus, als er in einer Volksversammlung das Attentat auf Caesar begründete) an und nahm das Geschehene ohne ein Zeichen der Mißbilligung, aber auch ohne Beifall auf. Durch tiefes Schweigen gaben die Bürger zu erkennen, daß sie großes Mitgefühl mit dem toten Caesar empfanden, daß sie aber auch Brutus ihre Achtung nicht versagen konnten. Der Senat setzte sich für eine allgemeine Amnestie und Aussöhnung ein und erließ die Verordnung, daß Caesar göttliche Ehren zuteil werden sollten sowie daß keine seiner Maßnahmen auch nur im geringsten angetastet werden dürfe. Brutus und seinen Freunden wies der Senat Provinzen zu und ließ ihnen angemessene Ehrungen zuteil werden. So glaubte man allgemein, daß sich die Lage wieder beruhigt habe und ein vollkommener Ausgleich erzielt sei....

68. ...

69. Caesar war 56 Jahre alt, als er starb, und er hatte Pompeius nur um knapp vier Jahre überlebt. Sein Leben lang hatte er unter so vielen Gefahren der Herrschaft und der höchsten Machtstellung nachgejagt, hatte sie schließlich mit so viel Mühe errungen, aber er erntete letzten Endes nichts davon als den bloßen Namen und einen Ruhm, der ihm den Haß seiner Mitbürger einbrachte.

Sein großer Schutzgeist jedoch, der ihn im Leben begleitet hatte, blieb auch im Tode noch bei ihm als Rächer des Mordes. Er jagte die Mörder über Land und Meer und heftete sich an ihre Spuren, bis keiner mehr am Leben war und alle von ihrer Strafe ereilt worden waren, die entweder selber mit Hand angelegt oder auch nur in irgendeiner Weise an dem Plan mitgewirkt hatten. Das auffallendste Zeichen im menschlichen Bereich war das Ende des Cassius: Nach seiner Niederlage bei Phillippi beging er Selbstmord mit demselben Dolch, den er zu der Ermordung Caesars benutzt hatte. Das eindrucksvollste Wunderzeichen im göttlichen Bereich war der große Komet - er zeigte sich sieben Nächte lang nach Caesars Ermordung, dann verschwand er wieder - und dazu die schwache Sonneneinstrahlung. Das ganze Jahr hindurch ging nämlich die Sonne nur bleich und ohne Strahlenglanz auf und gab nur schwache, kraftlose Wärme. Daher war die Luft immer dunstig und schwer, da die wärmenden Sonnenstrahlen zu schwach waren, um sie zu durchdringen. Wegen der kühlen Witterung welkten die Früchte vor der Zeit und fielen halbreif zu Boden. ...


(3) Altägyptische und spätantike Herrscherverherrlichung. Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte, 17. Buch, 4. Kap., 14 - 19 und 5. Kap., 1 - 15.

(4) (Ein von Kaiser Constantius zum Transport nach Rom vorgesehener altägyptischer Obelisk wurde erst längere Zeit nach dem Tode dieses Kaisers) .... auf ein Schiff verladen und gelangte über das Meer und die Fluten des Tiber, der gleichsam fürchtete, er könnte das Geschenk des ihm unbekannten Nils selbst kaum unter Gefahr seines Laufs an die Mauern seines Zöglings heranbringen, nach dem Vicus Alexandri transportiert, der drei Meilen von der Stadt entfernt ist. Dort wurde er auf Schleifen verladen und langsam durch das Ostia-Tor und die Piscina Publica in den Circus Maximus gebracht. Dort ging es dann um die Aufrichtung des Obelisken. Man erwartete kaum oder auch gar nicht, daß sie bewerkstelligt werden könne. Man stellte hohe Balken auf, so daß man einen Wald von Maschinen zu erblicken meinte, und knüpfte starke und lange Taue daran, die sich wie ein Netz von vielen Fäden in größter Dichte unter dem Himmel entlangzogen. An diese wurde jener Koloß, der mit Schriftzeichen bedeckt ist, angebunden und allmählich durch den leeren Raum in senkrechte Stellung gehoben. Lange schwebte er frei, während viele tausend Menschen gleichsam Mühlräder drehten, und kam dann in der Mitte des Zirkus zu stehen. Auf seine Spitze setzte man eine bronzene Kugel, die von Blattgold erglänzte. Diese wurde allerdings unmittelbar darauf von der Gewalt göttlichen Feuers (einem Blitz) getroffen und deswegen beseitigt. An ihrer Stelle wurde die Bronzenachbildung einer Fackel angebracht, die ebenfalls mit Gold verkleidet ist. Sie glänzt wie eine ungeheure Flamme. Nachfolgende Generationen haben andere Obelisken herantransportiert; einer von ihnen steht auf dem Vatikanberg, ein zweiter in den Gärten Sallusts und zwei sind am Grabmal des Augustus aufgerichtet. Den Text der Zeichen, der in den alten Obelisken eingemeißelt ist, den wir im Zirkus sehen, habe ich in griechischer Übersetzung nach dem Buch Hermapions hier hinzugefügt.

Die Übersetzung beginnt mit der Südseite; die erste Reihe besagt folgendes:

"Helios spricht zu König Ramses: 'Ich habe dir gegeben, über die ganze Welt mit Freude zu herrschen, dir, den Helios liebt.' "

Und:

" Apollon, der Mächtige, der die Wahrheit liebt, der Sohn Herons, der gottgeborene Gründer der Welt, derjenige, den Helios erwählt hat, (sagt): 'der tapfere Sohn des Ares, ist König Ramses; ihm ist die ganze Erde untergeordnet aufgrund seiner Stärke und Kühnheit - König Ramses, des Helios ewiger Sohn.' "

Die zweite Reihe:

"Apollon, der Mächtige, der auf der Wahrheit Stehende, Herr des Diadems, der Ägypten geehrt hat, das er besitzt, der herrlich gemacht hat des Helios Stadt und der gegründet hat die übrige Welt und der hochgeehrt hat die Götter in des Helios Stadt, die hier aufgerichtet sind, er, den Helios liebt."

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(5) Der Perserkönig war damals immer noch in den Grenzgebieten der entferntesten Völker beschäftigt, hatte aber bereits mit den schlimmsten von allen Kriegern, den Chioniten und Gelanen, ein Bündnis geschlossen und schickte sich an, in sein Land zurückzukehren. Da erhielt er den Brief Tamsapors mit der Nachricht, der römische Kaiser bitte um Frieden. Aus diesem Grund vermutete er, ein solcher Schritt sei nur infolge einer Schwächung des Reichs unternommen worden, und sein Stolz dehnte sich noch gewaltiger aus als zuvor. So rechnete er mit einem Frieden und schlug harte Bedingungen vor. Er schickte einen gewissen Narses als Gesandten mit Geschenken und gab ihm einen Brief an Constantius mit, in dem er nirgends von seinem angeborenen Hochmut abließ. Wie ich erfahren habe, war dessen Inhalt folgender:

"Ich, König der Könige, Sapor, der an den Sternen teilhat, Bruder der Sonne und des Mondes, ich grüße sehr den Cäsar Constantius, meinen Bruder. Ich freue mich, und es gefällt mir, daß du auf einen guten Weg zurückgekehrt bist und die unverletzliche Stimme der Gerechtigkeit anerkannt hast, nachdem du durch die Ereignisse erfahren hast, was für Verheerungen zuweilen hartnäckige Gier nach fremdem Besitz verursacht. Weil also das Verfahren der Wahrheit unbehindert und frei sein muß und die Hochgestellten ebenso reden sollen, wie sie denken, will ich meinen Vorschlag in kurze Worte fassen und möchte dabei daran erinnern, daß ich alles, was ich jetzt zu sagen habe, oftmals durchdacht habe. Daß meine Vorfahren ihr Reich bis zum Strymon und den Grenzen von Makedonien besessen haben, bezeugen sogar eure alten Schriften: Diese Länder zu fordern, kommt mir zu - möge es nicht anmaßend sein, was ich behaupte -, der ich an Pracht und einer Reihe von ausgezeichneten Taten den alten Königen überlegen bin. Jedoch liegt mir stets die Erinnerung am Herzen, in der ich von frühester Jugend an aufgewachsen bin und niemals etwas begangen habe, was verwerflich wäre. Daher muß ich Armenien und Mesopotamien zurückverlangen, die meinem Großvater durch hinterlistigen Betrug geraubt wurden. Niemals wird bei uns die Behauptung hingenommen werden, die ihr in eurem Übermut aufstellt, daß alle günstigen Kriegserfolge gelobt werden müssen, ohne Tüchtigkeit und Hinterlist zu unterscheiden. Wenn du schließlich einen guten Rat befolgen willst, achte den kleinen Teil gering, der immer Trauer brachte und Blut forderte, damit du dein übriges Reich in Sicherheit regieren kannst, und bedenke dabei, daß auch die gelehrten Ärzte zuweilen brennen und schneiden und sogar Körperteile amputieren, damit der Patient die übrigen Glieder unversehrt gebrauchen kann. Auch die wilden Tiere tun ein Gleiches: Wenn sie bemerken, was sie am meisten in der Falle festhält, trennen sie sich freiwillig davon, um danach ohne Furcht weiterleben zu können. Folgendes erkläre ich freilich für den Fall einer erfolglosen Rückkehr meiner Gesandtschaft, daß ich nach dem Ende der Winterruhe, umgeben mit all meinen Streitkräften, eilends kommen werde, sobald es die Vernunft zuläßt, wenn das Glück und die Gleichheit der Lage einen günstigen Erfolg mit Sicherheit erwarten lassen."

Lange wurde über diesen Brief beraten; dann erteilte man mit geradem Herzen, wie man so sagt, und wohlerwogen folgende Antwort:

"Ich, der Sieger zu Wasser und zu Lande, Constantius, stets der Erhabene Kaiser (Augustus), grüße sehr meinen Bruder, den König Sapor. Zu deinem Wohlbefinden beglückwünsche ich dich als dein zukünftiger Freund, wenn du willst. Deine stets ungebeugte und weithin um sich greifende Begierde muß ich jedoch heftig anklagen. Du forderst Mesopotamien als dein Eigentum und dazu Armenien und gibst mir den Rat, von einem gesunden Körper einige Glieder abzutrennen, damit dessen Gesundheit daraufhin sicher begründet werde. Das muß ich aber zurückweisen und kann es durch keine Zustimmung bestätigen. Vernimm daher die Wahrheit; sie ist durch kein Blendwerk verhüllt, sondern durchsichtig und kann durch keine leeren Drohungen geschreckt werden. Mein Praefectus Praetorio war der Meinung, er könne ein Werk in Angriff nehmen, das dem öffentlichen Nutzen förderlich wäre. Er hat mit deinem Feldherrn durch Vermittlung einiger unbekannter Leute, ohne mich um Rat zu fragen, Besprechungen über einen Frieden gepflogen. Einen solchen weisen wir nicht zurück und lehnen ihn nicht ab. Möge er eintreten, jedoch mit Anstand und Ehre und ohne unserm Ehrgefühl und unserer Majestät Abbruch zu tun. Es wäre nämlich absonderlich und töricht, jetzt, wo uns eine Reihe von Taten vielfachen Ruhm gebracht hat - mögen die Ohren des Neides sich dennoch beruhigen -, und wo nach der Vernichtung der Usurpatoren uns die gesamte römische Welt gehorcht, die Gebiete aufzugeben, die wir lange unbestritten als unser Eigentum bewahrt haben, als wir uns auf den Osten beschränken mußten. Mögen, bitte, die Schreckgespenster weichen, die sich gewöhnlich gegen uns richten; wie niemand bezweifeln kann, haben wir nicht aus Trägheit, sondern aus Selbstbeschränkung zuweilen lieber den Kampf abgewartet als von uns aus begonnen und unser Eigentum, sooft wir gereizt wurden, mit größter Tapferkeit - und obschon wir grundsätzlich guten Willens sind - verteidigt. Wir wissen nämlich aus Erfahrung und aus Büchern, daß die Sache Roms in Schlachten selten gewankt hat, daß sie aber im Ergebnis eines Krieges niemals eine Niederlage erlitten hat."

Die erwähnte Gesandtschaft wurde, ohne daß sie etwas erreicht hatte, zurückgeschickt, denn man konnte auf die zügellose Begehrlichkeit des Königs nichts weiter antworten. Wenige Tage darauf folgten ihr der Comes Prosper, der Tribun und Notar Spectatus und auf Betreiben des Musonianus der Philosoph Eustathius, der als Meister der Überredungskunst galt. Sie brachten das Schreiben des Kaisers und Geschenke und sollten sich bemühen, inzwischen die Vorbereitungen Sapors durch irgendein geschicktes Verhalten zu verzögern, damit seine Nordprovinzen nicht übermäßig befestigt würden.


LV Gizewski WS 2007/08

Autor des Skripts und Dozent der LV: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de