Über Ziele und Methoden reichsweiter Christenverfolgungen.

Deutsche Übersetzungen von Cyprian stammender lateinischer Texte. Sie sind entnommen aus: Texte der Kirchenväter. Eine Auswahl, nach Themen geordnet. Zusammengestellt und herausgegeben von Alfons Heilmann und Heinrich Kraft, 5 Bde., Bd. 4, München 1964, S. 88 f. (2) und 100 f. (1).


(1) Das Martyrium vor Augen. Aus einem Brief des Cyprian an Bischof Successus.

Valerianus hat an den Senat die Verordnung erlassen, die Bischöfe, Presbyter und Diakone sollten sofort hingerichtet werden, die Senatoren aber und die angesehenen Männer und römischen Ritter sollten ihrer Würde und ihrer Güter verlustig gehen, und wenn sie auch nach der Einziehung ihres Vermögens noch weiter Christen blieben, sollten sie gleichfalls mit dem Tode bestraft werden. Vornehme Frauen solle man unter Verlust ihrer Güter in die Verbannung schicken, alle kaiserlichen Beamten jedoch, die schon früher das Bekenntnis abgelegt hätten oder es jetzt noch ablegten, solle man absetzen und gefesselt samt den Akten auf die kaiserlichen Besitzungen bringen lassen. Kaiser Valerianus hat seiner Verfügung auch noch eine Abschrift des Briefes beigefügt, den er unseretwegen an die Statthalter der Provinzen gerichtet hat. Täglich hoffen wir auf das Eintreffen dieses Schreibens, indem wir kraft unserer Glaubensstärke aufrecht stehen, bereit, das Leiden zu ertragen, und von der Hilfe und Gnade des Herrn die Krone des ewigen Lebens erwarten. Wisset aber, daß Papst Sixtus II. am 6. August auf einem Friedhof, zusammen mit vier Diakonen, hingerichtet worden ist. Aber diese Verfolgung setzen die Präfekten in Rom noch täglich fort, und alle, die ihnen angezeigt werden, werden mit dem Tode bestraft und ihre Güter vom Staat eingezogen.

Ich bitte euch, dies auch unseren anderen Amtsgenossen bekanntzugeben, damit allenthalben die Brüder durch ihre Ermahnung gestärkt und zum geistlichen Kampf vorbereitet werden können, damit jeder einzelne von den Unsrigen weniger an das Sterben als an die Unsterblichkeit denkt und, mit vollem Glauben und ganzer Kraft dem Herrn geweiht, sich auf dieses Bekenntnis eher freut als fürchtet. Wissen sie doch, daß Gottes und Christi Streiter dabei nicht getötet, sondern gekrönt werden.


(2) Danksagung für das Ende der Verfolgung. Aus Cyprians Schrift 'Über die Abgefallenen' (1f.).

Den Frieden, geliebteste Brüder, seht ihr der Kirche wiedergegeben, und - was vor kurzem noch den Ungläubigen schwer und den Abtrünnigen unmöglich erschien - dank der göttlichen Hilfe und Rache ist unsere Sicherheit wiederhergestellt. Freude zieht wieder ein in die Herzen, verscheucht ist der Sturm und die Wolke der Bedrängnis, und von neuem lacht ein ruhiger, heiterer Himmel. Lauter Preis gebührt Gott; seine Wohltaten und Gaben haben wir mit Danksagung zu feiern, obwohl ja unser Mund auch in der Zeit der Verfolgung nicht abgelassen hat, ihm zu danken. Denn so viel Macht kann dem Feinde nicht verstattet sein, daß wir, die wir Gott aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele und aus allen Kräften lieben, seinen Segen und sein Lob nicht immer und überall rühmend verkündigten. Erschienen ist der von uns allen so sehnlich erwünschte Tag, und nach dem grauenvollen und schrecklichen Dunkel einer langen Nacht ist die Welt, von des Herrn Licht bestrahlt, zu neuem Glanz erwacht.

Mit freudigen Blicken sehen wir auf die Bekenner, die sich durch den Ruf eines guten, unbefleckten Namens und durch das Lob ihrer Glaubensstärke Ansehen und Ruhm erworben haben; mit heiligen Küssen umfassen und umarmen wir in göttlichem und unersättlichem Verlangen die Heißersehnten. Da steht die glänzende Schar der Streiter Christi, welche die stürmische Wut der drängenden Verfolgung in unerschütterlichem Kampf gebrochen haben, bereit, die Schrecken des Kerkers zu erdulden, und gerüstet, sogar den Tod zu erleiden. Heldenmütig habt ihr der Welt widerstanden, ein ruhmvolles Schauspiel habt ihr Gott geboten, ein Vorbild habt ihr gegeben allen Brüdern, die euch nachfolgen wollen. Eure gottesfürchtigen Lippen haben von Christus Zeugnis abgelegt, an den sie einst zu glauben bekannt haben. Eure unbefleckten Hände, die nur an göttliche Werke gewöhnt waren, haben sich den gotteslästerlichen Opfern widersetzt; der durch die himmlischen Speisen geheiligte Mund hat nach dem Genuß des Leibes und Blutes unseres Herrn die sündige Befleckung mit den Oberresten der Götzenopfer voll Abscheu gemieden.Von der ruchlosen und frevelhaften Hülle [der Kränze], mit der dort die Opfernden ihr geknechtetes Haupt bedeckten, ist euer Haupt frei geblieben. Euere durch Gottes Zeichen [das heißt das Kreuzeszeichen] geschützte, reine Stirne konnte unmöglich die Krone des Teufels tragen: nein, sie erhielt sich würdig für die Krone des Herrn.

Mit welcher Freude nimmt euch euere Mutter, die Kirche, bei euerer Rückkehr aus dem Kampfe wieder in ihren Schoß auf! Wie selig, wie froh öffnet sie euch ihre Pforten, damit ihr in geschlossenem Zug zusammen einzieht mit den Trophäen des Sieges über den niedergestreckten Feind! .......


LV Gizewski WS 2007/08

Autor des Skripts und Dozent der LV: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de