Die restlose Vernichtung der von Spartacus geführten aufständischen Sklavenmengen durch Crassus und Pompeius i. J. 73 v. Chr.


Plutarch, Crassus 11.

11. Jetzt [nachdem Spartacus' Macht durch Zulauf immer stärker geworden war] fürchtete Crassus, Spartacus könnte auf den Einfall kommen, gegen Rom zu ziehen. Doch faßte er wieder Mut, als ein Teil des Sklavenheeres rebellierte, sich von Spartacus trennte und gesondert an dem Lukanischen See lagerte, dessen Wasser sich, wie es heißt, von Zeit zu Zeit verwandelt, süß und dann wieder salzig und untrinkbar wird. Diese Leute überfiel Crassus und drängte sie alle von dem See ab, wurde aber an ihrer Verfolgung und Niedermetzelung dadurch gehindert, daß plötzlich Spartacus erschien und die Flucht zum Stehen brachte. Zuvor hatte Crassus schon dem Senat geschrieben, es sei nötig, Lucullus aus Thrakien und Pompejus aus Spanien herbeizurufen. Das bereute er jetzt und eilte, den Krieg, bevor jene kämen, zu Ende zu bringen, weil er wußte, daß sonst dem, der zu ihm gestoßen wäre und Hilfe gebracht hätte, nicht ihm selbst, der Ruhm des Sieges zufallen würde. Er beschloß nun, zuerst die von Spartacus Abgefallenen, die, geführt von Gaius Cannicius und Castus, gesondert lagerten, anzugreifen, und sandte sechstausend Mann aus, um einen Hügel vorweg zu besetzen, mit der Weisung, sich nach Möglichkeit verborgen zu halten. Diese versuchten zwar, sich der Beobachtung zu entziehen, indem sie die Überzüge auf den Helmen ließen. Sie wurden aber von zwei Frauen, die es mit der gegnerischen Seite hielten, gesehen. Sie wären dadurch in große Gefahr gekommen, wenn nicht Crassus rasch herzugeeilt wäre und die erbittertste von allen Schlachten geliefert hätte, in der er zwölftausenddreihundert Feinde erlegte: unter ihnen fand er nur zwei, die am Rücken verwundet waren, die anderen waren alle an ihrem Posten verharrend und gegen die Römer kämpfend gefallen.

Als nach der Niederlage dieser Abteilung Spartacus den Rückzug nach den petilinischen Bergen hin antrat, folgten ihm die Unterführer des Crassus, Quintus und der Qaestor Scrofa, in enger Fühlung. Als er plötzlich kehrtmachte, kam es zu einer allgemeinen Flucht der Römer. Nur mit Mühe konnten sie den Qaestor verwundet noch mitnehmen und sich in Sicherheit bringen. Aber dieser Sieg bewirkte letztlich den Untergang des Spartacus, da er den entlaufenen Sklaven neuen Mut einflößte. Sie wollten nicht länger dem Kampf ausweichen und gehorchten ihren Führern nicht, sondern schon auf dem Marsch umringten sie sie mit den Waffen in der Hand und zwangen sie, wieder zurück durch Lucanien gegen die Römer zu ziehen. Dami kamen sie den Wünschen des Crassus entgegenkamen. Denn schon kam die Meldung, daß Pompejus im Anzuge sei, und es gab bereits nicht wenige, die darauf wetteten, ihm komme der Sieg auch in diesem Kriege zu; denn sobald er da sei, werde er sofort kämpfen und dem Krieg ein Ende machen. Crassus beeilte sich also, eine Entscheidung herbeizuführen, schlug sein Lager nahe den Feinden auf und ließ einen Graben ziehen. Dagegen liefen die Sklaven an und belästigten die Arbeitenden. Als nun ständig mehr Leute von beiden Seiten den Ihren zur Hilfe eilten, erkannte Spartacus die Notwendigkeit und stellte das ganze Heer in Schlachtordnung. Das erste dabei war, daß er, als ihm sein Pferd vorgeführt wurde, sein Schwert zog und mit den Worten, siege er, so werde er viele gute Pferde haben, die der Feinde nämlich, unterliege er aber, so brauche er keins, das Pferd niederstach. Hierauf drängte er durch viele Waffen und Wunden gegen Crassus selber los, erreichte ihn zwar nicht, tötete aber zwei Centurionen, die ihm entgegentraten, und als schließlich alle um ihn flohen, stand er allein noch und wurde von vielen umringt und schloeßlich niedergehauen, wobei er sich noch immer wehrte..

Obwohl Crassus so seine Stunde wahrgenommen, den Krieg meisterhaft geführt und auch seine Person der Gefahr ausgesetzt hatte, so kam der Ruhm des Sieges doch Pompejus zugute. Denn die aus der Schlacht entronnenen fünftausend Mann liefen ihm in die Hände und wurden vernichtet, woraufhin er an den Senat schrieb, in offener Schlacht habe Crassus die entlaufenen Sklaven besiegt, er, Pompeius, aber habe die Wurzel des Krieges ausgerottet. Pompejus feierte nunmehr über Sertorius und Spanien einen glänzenden Triumph, Crassus hingegen wagte es selbst nicht einmal, den großen Triumph zu fordern, und auch der kleine Triumph zu Fuß, den er feierte, Ova genannt, galt für schmählich und unverdient, da es sich ja um einen Sklavenkrieg handelte.


LV Gizewski WS 2007/08

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de