Ein Bericht über Vernichtungs- und Drangsalierungsaktionen verschiedener Veantwortlicher gegenüber römischer Provinzialbevölkerung in Kleinasien (i. d. J. 89 - 84. v. Chr.)


Plutarch, Sulla 24 - 26.

24. ... [Nach einem seinen Invasions- und Vernichtungsaktionen in der römischen Provinz Asien d. J. 89 - 84 v. Chr. folgenden kapitulationsähnlichen Friedensschluß mit dem zweiten zu seiner Bekämpfung mit einem Heer nach Asien gesandten römischen Feldherrn - Sulla - kehrte der König von Pontos, Mithratdates VI., nachdem er der römischen Seite als Pfand und Verfügungsmasse Streitkräfte in der Menge von siebzig Schiffen und] hundert Bogenschützen übergeben hatte, nach Pontos zurück. Sulla merkte bald, daß seine Soldaten über dieses Paktieren [mit einem eigentlichen Feinde] sehr ungehalten waren; denn sie hielten es für eine Schande, den feindseligsten unter allen Königen, durch den hundertfünfzigtausend Römer in Asien an einem Tage ermordet worden waren, mit Beute und Reichtümern beladen aus Asien absegeln zu sehen, das er vier ganze Jahre lang geplündert und ausgesogen hatte. Sulla entschuldigte sich aber ihnen gegenüber damit, daß er nicht imstande gewesen wäre, mit [einem seiner römischen Bürgerkriegsgegner, der sich zu dieser Zeit mit einem anderen römischen Heere im Gebiet der westkleinasiatischen Küste befand, nämlich] Fimbria und Mithridates zugleich Krieg zu führen, wenn sich beide gegen ihn verbündet hätten.

25. Nun zog er gegen Fimbria, der bei Thyateira stand, schlug in der Nähe sein Lager auf und ließ es mit einem Graben befestigen. Die Soldaten Fimbrias kamen im bloßen Unterkleid aus ihrem Lager heraus, begrüßten die des Sulla und halfen ihnen eifrig bei ihrer Arbeit. Wegen dieser veränderten Gesinnung unter den Truppen brachte sich Fimbria, der Sulla als einen unversöhnlichen Feind fürchtete, in seinem Lager selbst ums Leben.

Sulla legte nun ganz Asien eine Geldlast von zwanzigtausend Talenten auf; außerdem aber richtete er noch fast jedes einzelne Haus durch den Übermut und die Habsucht der einquartierten Soldaten zugrunde. Denn er erließ den Befehl, daß der Wirt dem bei ihm einquartierten Soldaten täglich sechzehn Drachmen bezahlen müsse, und nicht nur ihn, sondern auch seine Freunde, so viele er auch einlade, zu bewirten habe. Ein Hauptmann mußte täglich fünfzig Drachmen bekommen und noch zwei Kleider, das eine für zu Hause, das andere für den Ausgang.

26. Hierauf segelte er mit allen Schiffen von Ephesos ab und lief am dritten Tage in den Hafen Piraeus ein. Zu Athen ließ er sich in die eleusinischen Mysterien einweihen und eignete sich die Büchersammlung des Apellikon von Teos an, worin sich die meisten Schriften des Aristoteles und Theophrast befanden, die damals noch sehr wenig bekannt waren. Diese Büchersammlung wurde nach Rom geschaffl, und der Grammatiker Tyrannion soll den größten Teil davon in sein Haus gebracht haben, der Rhodier Andronikos aber, der von ihm Abschriften erhielt, soll sie herausgegeben und die noch heute gebräuchlichen Inhaltsangaben verfertigt haben. ....


LV Gizewski WS 2007/08

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de