Kap. 1.2: Typische Formen antiker Angriffs- und Expansionskriege.

(Die hier einstweilen nur skizzierte Konzeption wird im Verlaufe der Vorlesung und weiterhin angemessen ausgeführt)

1. Zur Bedeutung antiker Angriffs- und Expansionskriege in der Kriegführung verschiedener Epochen der Alten Geschichte.

A. Allgemeine Überlegungen.

Folgende häufig vorkommenden Fallgruppen in den verschiedenen Epochen der antiken Geschichte lassen sich überblickartig zusammenstellen.

1 ) unter dem Aspekt 'Kriegsmotive':

- die Eroberung von Siedlungsgebieten,
- die Sicherung von Territorien durch präventive kriegerische Ausschaltung äußerer Angreifer,
- die Niederwerfung aktueller oder potentieller Aufstände loyalitätsverpflichteter äußerer Völker und Reiche,
- die einseitige Gebietserweiterung eines Reiches aus strategischen oder ökonomischen Gründen,
- die Ausschaltung bedrohlicher oder dauerhaft lästiger politisch-militärischeer Konkurrenz;

2) unter dem Aspekt 'Kriegsformen':

- als Komplex nicht vollzogener, aber dennoch bereits wirksam werdender Kriegshandlungen ('Vorkrieg'): der indirekte Druck und die Drohung mit kriegerischen Handlungsmöglichkeiten und Kräften,
- als Komplex nicht vollzogener, aber dennoch bereits wirksam werdender Kriegshandlungen ('Vorkrieg'): die Durchdringung eines nicht-eigenen Raumes entgegen den Interessen anderer Völker und Reiche mit einem Netz politisch-strategischer Präsenzpositionen, etwa im Rahmen von Kolonisationsbewegungen oder von 'Grenzsicherungsaktionen' in einem Grenzvorfeld,
- als Komplex indirekt wirkender Kriegshandlungen: Verkehrs- und Handelsblockaden,
- 'Demonstrationskriege' gegen eine dritte Partei zur Verdeutlichung vorhandener Mittel und Kräfte gegenüber einem potentiellen Kriegsgegner,
- der konzentrierte kriegerische Einsatz aller sinnvoll verfügbaren militärischen und politischen Mittel zur Herbeiführung der Niederlage eines Kriegsgegners,
- der langfristige oder zeitweilig wiederholte Einsatz kriegerischer Mittel zur Abnutzung oder Demoralisierung der Kriegskraft eines Gegners;
3) unter dem Aspekt 'Kriegsmittel':
- der Einsatz 'eigener' Truppen
- die Kriegführung zusammen mit den Truppen Verbündeter,
- die Kriegführung mit nicht i. e. S. militärisch organisierten Kampfverbänden ('Volkskrieg', 'Guerilla-Krieg'),
- die Kriegführung mit Landtruppen (Fußtruppen, Reiterei, Geschütz-Truppen u. a.),
- die Kriegführung mit Flotten von Kriegsschiffen und Seetransportschiffen für militärische Expeditionen über See.
B. Zu Typen und Häufigkeit der Angriffs- und Expansionskriege in altorientalischen Reichen.
Kartenmaterial zur exemplarischen Erörterung:

1) Großreiche im Alten Orient.

2) Völkerbewegungen im Alten Orient.

Abb. entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier, E. Kirsten, W. Wühr, H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, H. Pinnow und H. Ebeling. Berab. von H. E. Stier, E. Kirsten. H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, E. Aner, G. Asmus, B. Spuler, W. Kuhn, W. Haberland, G. Hatz, H. Münscher, R. Schreiber u. a., Braunschweig Sonderausgabe 1990, S. 8 und 9.

C. Zu Typen und Häufigkeit der Angriffs- und Expansionskriege griechischer Gemeinwesen.

Kartenmaterial zur exemplarischen Erörterung:

1) Das attische Seereich.

2) Das Alexander-Reich und die Diadochen-Reiche.

Abb. entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier, E. Kirsten, W. Wühr, H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, H. Pinnow und H. Ebeling. Berab. von H. E. Stier, E. Kirsten. H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, E. Aner, G. Asmus, B. Spuler, W. Kuhn, W. Haberland, G. Hatz, H. Münscher, R. Schreiber u. a., Braunschweig Sonderausgabe 1990, S. 16 . - Atlas zur Geschichte in zwei Bänden, Hg. Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR, Bd. 1, Gotha/Leipzig 1976, S. 11.

D. Zu Typen und Häufigkeit der Angriffs- und Expansionskriege des Imperium Romanum.

Abb. entnommen aus: Großer Atlas zur Weltgeschichte, hg. von H. E. Stier, E. Kirsten, W. Wühr, H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, H. Pinnow und H. Ebeling. Berab. von H. E. Stier, E. Kirsten. H. Quirin, W. Trillmich, G. Czybulka, E. Aner, G. Asmus, B. Spuler, W. Kuhn, W. Haberland, G. Hatz, H. Münscher, R. Schreiber u. a., Braunschweig, Sonderausgabe 1990, S. 28 und 34.

2. Einige mögliche Beispiele zur Erörterung im einzelnen.

A. Die Expansion des Perserreichs am Beispiel des Perserzugs unter Xerxes nach Griechenland.

ÜBUNG A.

AUFGABEN:

a) In welche Zeit und unter welche politisch-militärische Konstellation zwischen dem Perserreich und den griechischen Staaten sind die von Herodot geschilderten Vorgänge nach Ihrer Kenntnis anzusetzen?

b) Wie zeigt sich in den von Herdot dargestellten Redebeiträgen eine Tendenz zur expansiven Angriffskriegsführung?

c) Wie wird von den am Kriegsrat des Xerxes Beteiligten nach Herodot die Bereitschaft der potentiellen Gegner auf griechischer Seite zur Kriegführung gegen das Perserreich eingeschätzt?

Herodot, Historien, 7. B., Kap. 4 - 12.

Deutsche Übersetzung: A. Horneffer. Neu herausgegeben und erläutert von H. W. Haussig. Einleitung: W. F. Otto. Stuttgart 1971 4, S. 436 - 443. Mit einigen Kürzungen und Modifikationen d. Skriptbearbeiters.

B. Die Expansion des Alexander-Reichs am Beispiel einer Episode des Alexanderzugs in den Nahen Osten (Schlacht bei Gaugamela).

ÜBUNG B.

AUFGABEN:

a) Wie erscheint in Plutarchs Darstellung Alexanders Charakter und sein politisch-militärisches Tun von der Bereitschaft zu einer aggressiv-expanisven Kriegführung geprägt?

b) Welche Erwartungen verbinden sich bei Alexander und den Griechen mit einem Sieg über Dareios?

c) Wie bereitet sich, soweit Sie es aus dem Textauszug entnehmen können, der Aufbau einer neuen Großreichsbildung 'in Asien' vor? Wie unterscheidet sie sich von der bisherigen persischen Reichsbildung, und wo setzt sie persische Traditionen fort?

Plutarch, Alexander-Biographie, 31 - 35.

Deutsche Übersetzung und Hg.: Marion Giebel, Stuttgart 2001. S. 44 - 49. Mit einigen Kürzungen und Modifikationen d. Skriptbearbeiters.

C. Die Expansion des Römischen Reichs am Beispiel des 'gallischen Krieges' Caesars .

ÜBUNG C.

AUFGABEN:

a) Beschaffen Sie sich eine Ausgabe des 'Bellum Gallicum' von Caesar, welche den lateinischen Text, eine deutsche Übersetzung, Anmerkungen und sonstige Erklärungen zum Gesamtwerk enthält. Als in diesem Sinne nutzbare Ausgabe wird hier etwa verwendet: Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico - Der Gallische Krieg. Lateinisch / Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Marieluise Deissmann, Stuttgart (Reclam) 1991.

b) Lesen Sie in dem Werk die Kap. 1 - 15 des ersten Buches aufmerksam und unter Nutzung aller Hilfsmittel durch, sodaß Sie sich ein Bild von den Interessen und Absichten der am entstehenden Konflikt Beteiligten machen können.

c) Wer verfolgt Ihres Erachtens in der von Caesar dargestellten Situation des Kriegsbeginns expansive kriegerische Absichten? Welche kürzer- und längerfristigen politischen Perspektiven für ihr Handeln im gesamten gallischen Raum lassen sich bei den verschiedenen beteiligten Parteien darüberhinaus annehmen?

Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico 1. 1 - 15: Zum Beginn des Kriegsgeschehens.

Lateinischer Text.

Deutsche Übersetzung.

3. Zu Literatur, Medien und Quellen.

LITERATUR:

Josef Wiesehöfer, Das antike Persien. Von 550 v. Chr. bis 650 n. Chr., Düsseldorf und Zürich 1998, S. 25 - 162.

Johann Maier, Das Judentum. Von der biblischen Zeit bis zur Moderne, München 1988 3.

Malcolm Errington, Geschichte Makedoniens. Von den Anfängen bis zum Untergang des Königreichs, München 1986.

Siegfried Lauffer, Alexander der Große, München 1981 2.

Jochen Bleicken, Geschichte der römischen Republik, München 19924.

Karl Christ, Caesar, Annäherungen an einen Diktator, 1994.

E. Mensching, Caesars Bellum Gallicum. Eine Einführung, Frankfurt a. M. 1988.

Historisches Hintergrundswissen:

Fischer-Weltgeschichte, Bde. 2 - 9 (betr. die Altertumgsgeschichte).

dtv-Geschichte der Antike, Bde. 4400, 4401, 4402, 4403, 4404, 4405, 4421, bearbeitet von Oswyn Murray, John K. Davies, Frank W. Walbank, Robert M. Ogilvie, Michael Crawford, Colin Wells, Averil Cameron.

dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Französischen Revulution, Bd. 2: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, München 199933.

MEDIEN:

Das aus verschiedenen oben zitierten Kartenwerken entnommene Kartenmaterial dient ausschließlich der prinzipiell vorübergehenden Illustration des Vorlesungsvortrags, nicht irgendeiner Form unstatthafter publizistischer Verbreitung, sei es durch den Skript-Autor sei es durch Nutzer des WWW-Skripts.

EINIGE ZUR LEKTÜRE ENPFOHLENE QUELLEN:

Gaius Iulius Caesar, De bello Gallico.

Plutarch, Bioi paralleloi - Alexander / Caesar.

Arrianos, Der Zug Alexanders.

Herodot, Historien.


LV Gizewski WS 2007/08

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de