Kap. 2: Das antike christliche Glaubensbekenntnis in seiner theologischen Entwicklung.

I. Nicht-christliche Formen antiker 'Theologie' ('Mythologie').

Nicht nur im Christentum gibt es 'heilige Schriften', Bekenntnisse und systematisierte Formen des Nachdenkens über religiöse Traditionen, Erkenntnisse und Erfahrungen. Manche Elemente, die aus dem christlichen Glauben bekannt sind, finden sich anderwärts, manchmal sogar gehäuft wieder (siehe dazu Kap. 4). Als Beispiel dafür sei, um an dieser Stelle die religionsgeschichtlich-vergleichende Perspektive nur zu erwähnen, eine Stelle aus dem 'Gilgamensch-Epos' (Tafel 12) zitiert *), einer in ihren sprachlich verschiedenartigen und verschiedenen Zeiten seit 2000 v. Chr. entstammenden Bruchstücken zusammengesetzten Dichtung. Deren Held ist der Gottmensch Gilgamesch, der unter vielem anderem, was er erlebt und durchleidet, auch mit göttlicher Hilfe wegen seines gestorbenen Freundes Enkidu in das Totenreich gelangt und daraus wieder zurückkommt. Die mythischen Muster, Gottmenschlichkeit, gottmenschliches Leiden, gottmenschliche Totenfahrt und Rückkehr haben eine gewissen Ähnlichkeit mit der denen der 'Höllenfahrt' und Auferstehung des menschgewordenen, leidenden Gottessohns Jesus Christus.

II. Zu den Sprachen antiken christlichen Glaubensbekenntnisses.

Die christliche Theologie entsteht im Zusammenhang von Abgrenzungsstreitigkeiten zwischen unterschiedlichen geistigen Strömungen, die teilweise von der hebräischen bzw. jüdischen Religionstradition, teilweise von anderen religiösen und philosophischen Traditionen des vorderorientalisch-mediterranen Raumes ausgehen. Entsprechend sind die Sprachen, in denen die kanonischen Schriften verfaßt sind und die Theologie sich ausbildet, anfänglich auch das Hebräische (des Alten Testaments), vor allem aber das Griechische und das Lateinische.

TEXTBEISPIELE:

Abb.: Hebr.Text Genesis 1, 1 - 18

Deutsche Umschrift zweier Sätze aus dem hebräischen Text Genesis 1. 1 - 18.

Abb.: Griech. Text: Paulus Ep.1
Abb.: Lat. Text Johannes 20 f.

III. Christliche Bekenntnisformeln und die Stufen ihrer Entwicklung in vier Jahrhunderten.

Die Ausdifferenzierung des Christentums als deutlich vom Judentum unterschiedener Religion beginnt im ersten Jahrhundert n. Chr. Seither gibt es darin einen eigenen 'Schriftenkanon' (Neues Testament), eine 'Glaubensregel' und ein 'apostolisches Amt'. Im zweiten Jahrhundert beginnt die Ausgrägung einer (antik-wissenschaftlich-philosophisch fundamentierten) 'Theologie'. Im vierten Jahrhundert entstehen die seither maßgeblich gebliebenen Glaubensbekenntnisse von Nicaea und Konstantinopel. Zu dieser Zeit findet auch die gesetzliche Festlegung der römischen Staatsreligion auf das 'rechtggläubige Christentum' und die damit verbundene Ausschließung nicht-christlicher Religionen von der öffentlichen Kultausübung statt.

A. Matthäus-Evangelium 5 f. (das Das 'Vater unser'').

B. Johannes-Evangelium 20 f.( Jesu Auferstehung).

C. Johannes-Evangelium 1, 1 - 18.(Jesus Christus als Logos).

D. Apostelgeschichte des Neuen Testaments:

Kap 9 (Paulus' Berufung).

Kap. 17 (Paulus' Predigt in Athen).

E. Paulusbrief des Neuen Testaments an die Römer 1 (Paulus' Selbstbeschreibung)

F. Aus dem ersten Petrusbrief des Neuen Testaments 1 (Über Auferstehung, Gericht und ewiges Leben)

G. Septimius Florens Tertullianus, Adversus Iudaeos 6 (Die Ablösung einer nur partikular gültigen jüdischen Religionstradition durch eine universelle christliche Botschaft).

H. Konzilsbeschluß von Nicaea (325 n. Chr.): Lat. und griech. Text. (Bekenntnisformel)..

I. Konzilsbeschluß von Konstantinopel (381 n. Chr.): Lat. und griech.Text..(Bekenntnisformel).

K. Grundsätze der christlich-römischen Staatsreligion in byzantinischer Zeit. Aus dem Codex Iustinianus, Buch 1, Titel 1 (De summa trinitate et de fide catholica).

IV. Abgrenzunges des (später 'orthox' werdenden) christlichen Glaubens im Laufe der antiken Entwicklung

A. vom Judentum,

B. von christlich-gnostischen Richtungen,

C. von der 'marcionitischen' Sonderkirche,

D. von den Montanisten,

E. von den Arianern,

F. von den Monophysiten,

G. von den Pelagianern.

V. Literatur-, Medien- und Quellenverzeichnis.
*) Obiger Textausschnitt ist entnommen aus: Das Gilgamensch-Epos. Der älteste überlieferte Mythos der Geschichte. In der Übersetzung von Hermann Ranke. Neugesetzte und überarbeitete Ausgabe nach der Ausgabe 1924, Marix-Verlag 2011 11., S. 111 f.

Autor dieses WWW-Skripts: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP:christian.gizewski@.tu-berlin.de

(Bearbeitungsstand: 31. Okt. 2011).

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