Aus Septimius Florens Tertullianus, Adversus Iudaeos (Kap. 6).


Auszug ausschließlich zum Zwecke wissenschaftlichen Zitats entommen aus der von H. Tränkle erarbeiteten lateinisch-deutschen Textausgabe Quintus Septimius Florens Tertullianus, Adversus Iudaeos, hg. von Regina Hauses, Turnhout. Brepols-Verlag, 2007, Kap. 6. C. G..

Lateinischer Text.

Cap. VI. [1] Igitur cum manifestum sit et sabbatum temporale ostensum et sabbatum aeternum praedicatum, circumcisionem quoque carnalem praedictam et circumcisionem  spiritalem praeindicatam, legem quoque temporalem et legem aeternalem denuntiatam, sacrificia carnalia et sacrificia spiritalia praeostensa, sequitur ut praecedenti tempore datis omnibus istis praeceptis carnaliter populo Israeli superveniret tempus, quo legis antiquae et caeremoniarum veterutn praecepta cessarent et novae legis promissio et spiritalium sacrificiorum agnitio et novi testamenti pollicitatio superveniret fulgente nobis lumine ex alto qui sedebamus in tenebris et inumbra mortis detinebamur.

[2] Itaque necessitas nobis incumbit ut, quoniam praedicatam novam legem a prophetis praediximus et non talem, qualis iam data esset patribus eorum eo tempore quo eos de terra Aegypti produxit, ostendere et probare debeamus tam illam legem veterem cessasse quam legem novam promissam  nunc operari: et quidem primum quaerendum, an expectetur novae legis lator et novi testamenti heres et novorum sacrificiorum sacerdos et novae circumcisionis purgator et aeterni sabbati cultor, qui legem veterem compescat et novum testamentum statuat et nova sacrificia offerat et caeremonias antiquas reprimat et circumcisionem veterem cum suo sabbato compescat et novum regnum quod non corrumpatur adnuntiet.

[3] Nam etiam novae legislator sabbati spiritalis cultor sacrifiorum  aeternorum antistes regni aeterni dominator quaerendum an venerit an necne, ut si iam venit serviendum sit illi, si necdum venit sustinendus sit, dummodo manifestum sit adventu eius comprimi legis veteris praecepta et oriri debere novae legis exordia. [4] Et in primis definiendum est non potuisse cessare legem antiquam et prophetas, nisi venisset is qui per eandem legem et per eosdem prophetas venturus adnuntiabatur.

Deutscher Text

Kap. 6. (1) Da es also klar ist, daß ein bloß temporärer Sabbat anbefohlen und ein ewiger verkündet, daß eine fleischliche Beschneidung vorhergesagt und eine geistige vorher angezeigt, ein bloß zeitweiliges und ein ewiges Gesetz angemeldet, fleischliche und geistige Opfer vorgezeigt worden sind, so folgt daraus, daß, nachdem in der vorangegangenen Zeit alle diese Vorschriften dem Volke Israel in fleischlicher Weise gegeben waren, eine Zeit kommen würde, wo die Vorschriften des alten Gesetzes und die früheren Zeremonien aufhören und das Versprechen eines neuen Gesetzes, die Anerkennung der geistigen Opfer und die Verheißung eines neuen Bundes eintrifft, wozu uns, die wir in Finsternis saßen und vom Schatten des Todes gefesselt waren, das Licht von oben leuchtet.

(2) Weil wir also oben gesagt haben, es sei von den Propheten ein neues Gesetz angekündigt worden, und zwar eines von anderer Beschaffenheit als das bereits ihren Vätern zur Zeit ihrer Herausführung aus Ägypten gegebene, so liegt uns notwendig die Pflicht ob, zu zeigen und zu beweisen, daß jenes alte Gesetz aufgehört habe und das neue, das verheißene, nunmehr in Wirksamkeit stehe. Und zwar ist zuerst zu untersuchen, ob ein neuer Gesetzgeber erwartet wurde, ein Erbe des Neuen Bundes, ein Priester mit neuen Opfern, eine neue geläuterte Beschneidung und ein Beobachter des ewigen Sabbats, der das alte Gesetz überwinde, den Neuen Bund herstelle, die neuen Opfer darbringe, die alten Zeremonien beseitige, die alte Art der Beschneidung mit dem dazu gehörigen Sabbat unterdrücke und ein neues Reich, das nicht vergeht, ankündige.

(3) Ob dieser neue Gesetzgeber, dieser Pfleger des geistigen Sabbats, dieser Priester mit den ewigen Opfern, dieser ewige Herrscher eines ewigen Reiches, ob er, sage ich, gekommen sei oder nicht, das ist nun der Gegenstand der Untersuchung. Wenn er bereits gekommen ist, so muß man ihm dienen, wo nicht, ihn erwarten, wofern nur klar ist, daß mit seiner Ankunft die Vorschriften des alten Gesetzes unterdrückt werden und die Anfänge des neuen Gesetzes hervortreten müssen. Vor allem aber muß man den Satz festhalten, das alte Gesetz und die Propheten hätten nicht können aufhören, wenn nicht der, dessen Ankunft durch dasselbe Gesetz und dieselben Propheten angekündigt worden ist, bereits gekommen wäre.


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