Kap. 5: Politik und Religion im Imperium Romanum und in seiner Nachbarschaft.

I. Allgemeines zur religösen Begründung der Politik und zur politischen Einflußnahme auf die Religion.

Die politische Ordnung einer Gesellschaft pflegt sich nicht aus reinen Macht- oder gar Gewaltverhältnissen und nicht einmal nur aus Zweckerwägungen wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Art ihres Lebensraums herzuleiten. Für ihre Begründung spielen vielmehr auch kulturell-ideelle und dabei in starkem Maße religiöse Traditionen und Bewegungen eine wichtige Rolle. Denn nur aus diesen entsteht eine Art Freiwilligkeit in der Anerkennung faktischer Herrschaft als hinzunehmender Ordnung der Ungleichheit bzw. der Über- bzw. Unterlegenheit unter Menschen.

Auf religiösen Wegen kommt es zu unterschiedlichen historischen Systemen der Legitimation priesterlicher Herrschaft, der religiösen Legitimation weltlich-dynastischer Herrschaft und der Bildung politisch-religiöser Ideologien mit Massenwirkung. Als ein Beispiel kann der Typus der Gottnähe des Pharao im alten Ägypten und des gottverordneten, selbstverleugnenden Gehorsams seiner Untertanen gelten. Aber auch die Legitimation nicht-hierarchischer und nicht-vereinheitlichter politischer Ordnungen von Völkern und Staaten kann über religiöse Grundideen erfolgen. So hatte zum Beispiel die vin vielen Konflikten beherrschte Römische Republik ihre eigene, sie legitimierende Staatsreligion.

Die Einflußnahme der Politik auf die religiöse Sphäre setzt jedoch zumindest irgendeine dafür geeignete staatsreligiöse Grundlage voraus. Davon ausgehend kommt es dann

Die historische Entwicklung des Christentums im Römischen Reich vollzieht sich in mehreren Zuständen, dem einer politisch tolerierten, dem einer politisch und rechtlich unterdrückten und schließlich dem einer politisch und rechtlich dominanten Religion.

Die anderen antiken Religionen im Umkreis des Christentums, sei es im Römischen Reich selbst, sei es außerhalb seiner Grenzen (siehe Kap. 4), sind im Laufe ihrer Entwicklung in vergleichbarer Weise im Wechsel von herrschaftlicher Förderung, Duldung und Unterdrückung betroffen.

Im folgenden kann es nur darum gehen, einzelne ideelle Aspekte religiöser Staatsnähe und politischer Religionsherreschaft in verschiedenen antiken Religionen exemplarisch hervorzuheben und zu erörtern.

II. Politik und Religionen innerhalb des Römischen Reiches.

Übung 5.1

Beantworten Sie folgende Fragen:

1) Welche historische Persönlichkeit äußert sich in der beigefügten Textquelle, welcher Zeit der Antike ist sie zuzuordnen, welchem Staat und welcher Religion der Antike steht sie nahe?

2) Welchen Charakter und Zweck hat der Text? Wie wird historisch gewöhlich genannt?

3) Inwiefern nehmen der Autor des Textes bzw. die Autoren eines Textzusatzes politischen Einfluß auf den religiösen Kultus ihrer Zeit?.

A. Die vorchristlich-römische Staatsreligion.

> Das etruskische Religionserbe in der imperialen Roma-Tradition ("tu regere imperio Romane memento" - Vergil, Aeneis).

> Der oberste Staats-Gott Jupiter.

> Die römisch-religiösen Triaden ( > Tropos des 'lakonischn Trikolon').

> Der vergöttlichte Kaiser.

B. Die politische Seite griechisch-hellenistischer Götterkulte im Römischen Reich.

> Der sich gegen die Götter barbarischer Völker durchsetzende Gott Zeus.

> Die Zeus 'eingeborene' Göttin Athene.

> Die hoheitlich-'jungfäulichen' Göttinnen, die Stadt-Göttin Athene und die Natur-Göttin Artemis.

> Die gottmenschlichen Heroen (wie Herakles).

> Die göttliche Herkunft der 'Polis-Idee'.

> Die in Notsituationen, politischen Konflikten und kriegerischen Gefahren zu Hilfe kommenden Götter (griech. 'parakletoi').

C. Die politische Seite anderer Religionen und Kulte im Römischen Reich.

Übung 5.2

Beigefügt finden Sie zwei lateinischsprachige Textquellen aus dem Bereich des Römischen Rechts, die religiöse Fragen zum Inhalt haben. In dem ersten Text geht es um die Abgrenzung der römischen Staatsreligion von sog. 'Häresien', in dem zweiten um die Abgrenzung von 'Iudaei und caelicolae'. Versuche Sie, mit Ihren sprachlichen Kenntnissen, so gering sie auch sein mögen, sich ein Bild von dem Inhalkt dieser Texte zu machen.

1) Was erfahren wir über die jeweils gemeinten religionsrechtlich verbotenen Kultgemeinschaften, was wird verboten und mit welchen Sanktionen?

2) Welche Gründe sind für solche Abgrenzungen, einschließlich der Unterscheidung zwischen 'Iudaei und 'haeretici', denkbar und welche in späteren Epochen fortwirkenden religionsrechtlichen Traditionen könnten sie nach Ihrer Einshcätzung begründet haben?

> Die Abgrenzung der römischen Staatsreligion von anderen Religionen in vor-christlicher und in christlicher Zeit..

> Die römisch-loyalen Mithras-Mysterien.

> Die römisch-loyalen Formen phönikischer und kanaanäischer Religionstraditionen in Nahen Osten und in Nordafrika.

> Die römisch-loyalen und widerständigen Formen samaritanischer und jüdischer Religion.

> Die römisch-loyale Tradition der Isis-Osiris-Mysterienreligion.

- Die ägyptisch-religiöse Triade

- Tod und Auferstehung des Osiris.

> Die römisch-loyalen thrakischen Religionstraditionen [an der Donau-Militärgrenze].

> Die römisch-loyalen keltischen Religionenstraditionen [in den gallischen Provinzen].

> Die römisch-loyalen germanischen Religiontraditionen im römisch-imperialen Herrschaftsbereich [an der Rheingrenze].

III. Politik und Religionen in der Nachbarschaft des Römischen Reiches.

A. Im Parther- und das Sassanidenreich.

> Mithras als der Gott des Reiches, des Friedens und des umfassenden Rechts.

> Der die religiöse Tradition kritisierende, heilsbringende, politisch-religiöse Prophet Zarathustra.

> Eine Hinterlassenschaft: der altmesopotamischen Stadtreligionen: Der aus der Menschheit herausragende, zur Herrschaft berufene, teilweise göttliche Mensch (des Typus 'Gilgamensch')

> Eine priesterherrschaftlich reglementierte schriftliche Überlieferung religiösen Wissens in der Tradition der Veden-Religion.

B. in Herrschafts- und Reichsbildungen des aramäischen und arabischen Raumes.

A. Zur Unabhängigkeit aramäischen Religionstraditionen von römischem und iranischem politischen Einfluß.

B. Zur Unabhängigkeit nabatäischer und andere arabischer Religionstraditionen von römischem und iranischem politischen Einfluß.

C. In keltischen und germanischen Herrschaftsbildungen im westlichen Europa außerhalb des römischen Reichs.

A. Zur politischen Autonomie in den keltischer Stammesreligionen außerhalb römischen Einflusses in Britannien und Ierne.

Übung 5.3

Beantworten Sie folgende Fragen:

1) Wer ist der Autor des in der Anlage wiedergegebenen Quellentexts und wie kommt er zu seinen Kenntnissen über die keltische Religion und Gesellschaft!

2) Was sagt der Text über die keltische Religion, zum Beispiel über den ' Kriegsgott Teutates' oder den 'Himmels- und Unterweltsgott Tanaros (Taranos') aus? Welche Stellung haben dem Text zufolge die Druiden in der Gesellschaft?

3) Äußern Sie Vermutungen darüber, wie religiöse Ordnungen und Gewohnheiten, wie sie die Textquelle beschreibt, im religiösen Leben des keltischen Bereichs nach dessen Romanisierung und späterer Christianisierung fortgewirkt haben könnten (Heiligen-, Geister- und Jenseits-Vorstellungen, Festbräuche, Klosterwesen, Kirchenrecht).

B. Zur politischen Autonomie der germanischen Stammesreligionen in der 'Germania libera'.

> Beispiele: 'Heiligtum Irminsul', 'Donars-Eichen'

VI. Herrschafts- und Reichsbildungen außerhalb des Römischen Reiches im Schwarzmeer- und Kaukasusbereich sowie auf dem Balkan.

A. Unabhägige Religionstraditionen in Armenien.

B. Unabhängige Religionstraditionen im thrakischen Raum nördlich der Donaugrenze.

C. Unabhängige keltische Religionstraditionen in Kleinasien außerhalb der Reichsgrenzen.

VII. Literatur-, Medien- und Quellenverzeichnis.


Autor dieses WWW-Skripts: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP:christian.gizewski@.tu-berlin.de

(Bearbeitungsstand: 3. Jan. 2012).

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