Kap. 6: Philosophie und Religion zur Zeit des antiken Christentums.

I. Allgemeines zu philosophischen Lehren in der gemeinreligiösen Umwelt des Christentums in der Antike.

Wie die Gemeinreligiosität des römisch-imperialen Raumes so enthält auch das Christentum, das ja von dieser Gemeinreligiosität geprägt ist, eine Anzahl popularisierter antiker Philosopheme verschiedener Schulen, die folgende Themenkreise betreffen:

die Weltentstehung und das Weltende,

die Weltordnung und ihre Vernunft,

die Formen der 'Ideen' und der 'objektiven' Realität,

die Formen der Ursachen, aus denen sich Ideenwelt und 'objektives' Weltgeschehen erklären lassen, und

die die Tugenden (griech. 'aretai', lat. 'virtutes'). und die ethischen Lehren.

Übung 6.1

Beantworten Sie folgende Fragen:

1) Wer ist der Autor des nachfolgenden Textes?

2) Welche Vorstellungen hat er von der göttlichen Welt und ihrer Bedeutung für die menschliche Sittlichkeit?

3) Auf welche Gelehrte seiner oder früherer Zeiten betieht sich der Auror bei seinen Ausführungen?

Zu diesen Tugenden gehören: vor allem:

> Die Voraussicht und Vorsorge (griech. 'phronsis', lat. 'prudentia').

> Die Gerechtigkeit (griech. 'dikaiosyne', lat. 'iustitia').

> Die Selbstbeherrschung (griech. 'mesotes'. lat. 'moderatio').

> Die Beschränkung der individuellen Bedürfnisse auf ein anderen gegenüber rücksichtsvolles und zweckmäßiges Maß.

> Die Selbstüberwindung (greich. 'andreia', lat. 'fortitudo').

> Die geistige Ausprägung des Menschen (griech. paideia).

> Der 'rechte' religiöse Glauben (griech. pistis', 'orthodoxia', lat. 'fides').

> Die Menschenliebe (griech 'agape'. lat. 'humanitas').

> Die Hoffnung auf göttliche und menschliche Güte und Erlösung (lat. 'spes').

> Die Autonomie des venünftigen menschlichen Geistes (philosophia).

> Die Bedürfnislosigkeit (griech. kynismos) und die Bereitschaft, den Besitz mit Bedürftigen zu teilen.

> Der 'Gehorsam' gegenüber der gerechten Staatsgewalt und ihren Gesetzen.

> Das Streben nach vertiefter Kenntnis des Göttlichen (griech. gnosis, theologia).

Übung 6.2

Beantworten Sie folgende Fragen:

1) Wer ist der Autor des nachfolgenden Textes? Warum und für wen äußert er sich schriftlich?

2) Welche Tugenden erachtet er für seine Person als prägend, und woher kommen seine Orientierungen?

3) In welchem Verhältnis könnten seine moralischen Überzeugungen zu seinem historischen Wirken gestanden haben?

II. Zu den Grundlagen einer christlichen Ethik.

Übung 6.3

Lesen Sie den nachfolgenden Text genau durch.

1) Warum geht es inhaltlich, wer hat den Text, soweit bekannt, verfaßt, wie zuverlassig sind seine Mitteilungen?

2) Handelt es sich eher um Moral oder um Ethik?

3) Was hebt der Text an mitmenschlichen Pflichten hervor und was ist die Begründung und Zielsetzung einer Schwerpunktsetzung?

III. Zum Vergleich moralischer und ethischer Maximen antiker vorchristlicher Philosophie und christlichen Denkens.

Einige in den gemeinreligiösen Ethik-Philosophemen des römisch-imperialen Raumes vertretenen Tugenden decken sich auch mit Maximen christlicher Moral und Morallehre (Ethik). Doch haben christliche Botschaft und christlich-theologisch Morallehre wegen ihrer Orientierung auf das 'Reich Gottes' deutlich eine anderere Gewichtung.
In den Tugendvorstellungen vorchristlicher Epochen - treten bei einem Vergleich mit antikem Christentum zum Beispiel deutlich mehr hervor die Tugenden:

> eines politisch autonomen Bürger-Handeln,

> einer professionellen ökonomischen Tüchtigkeit und Verantwortung (griech. 'oikonomia').

> einer professionell oder durch gesellschaftlichen Umgang speziell ausgeprägten literarischen und wissenchaftliche Bildung (griech. 'paideia', lat.'eruditio') und

> einer 'Kultur' des 'Lebensgenusses' (lat. 'luxuria', griech. 'hedonismos').

Dies hängt damit zusammen, daß es sich bei diesen Tugenden in der griechischen und römischen Antike vor allem um Tugenden sozial 'gehobener' Stände, nicht um solche der breiten Volksschichten handelt. Man daraus ableiten, daß das Christentum der Antike in der Zeit vor der Christianisierung der römischen Staatsgewalt vor allem eine Religion der breiten Volksschichten ist.

IV. Zum Verhältnis der Ethik des Christentums und der platonischen Ideenlehre.

Das ideelle Sein.

Der Logos.

Die Idee des Guten und seine Göttlichkeit.

Der Eros

Methexis , Koinonia.

Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Politeia.

V. Zum Verhältnis der Ethik des Christentums und der stoischen Ethik.

Die 'Ataraxia'.

Der Tugendkatalog 'prudentia. iustitia, moderatio, fortitudo'.

Die Allseele 'pneuma'.

Die Kritik des 'Aberglaubens' als 'suasio malorum'.

VI. Zum Verhältnis der Ethik des Christentums und der epikuräischen Ethik.

Die Bedürfnislosigkeit als philosophisches Prinzip.

Die Negativbewertung der 'sarx'.

Die Negativbewertung der Zivilisation.

Die geistige Autarkie des Philosophen.

VII. Dem Christentum fernerstehende philosophische Systeme der Antike.

Die kyrenaisch-hedonistische Philosophie als philosophische Form des Gestaltung einer durch den Tod begrenzten knappen Lebenszeit steht wegen ihres Desinteresses an einem 'Jenseits' oder einem 'Reich Gottes' in einem Gegensatz zu den Begründungen christlicher Ethik.Wegen eines in ihr partiell betonten 'Realismus' ('Materialismus') befindet sie sich in Distanz zu einer eher 'ideen-orientierten' christlichen Weltdeutung, in der das 'Materielle' nach dem 'Sündenfall' zum 'Schlechten' oder gar 'Bösen' geworden ist.

Auch zwischen einer 'naturwissenschaftlich'-'systematisch'-'empirisch' orientierten peripatetischen Philosophie mit ihrer theoretischen Begründung einer 'eigenmächtigen' Erkenntnis des erkenntnisfähigen Individuums ("Von den Göttern weiß ich nichts, weder daß sie sind, noch das sie nicht sind." Aristoteles).

Beide christentumsferne antike Philosophietraditionen werden in späteren Epochen zur Grundlage einer philosophischen 'Aufklärung'.

VIII. Literatur-, Medien- und Quellenverzeichnis.

Autor dieses WWW-Skripts: Christian Gizewski, Prof. Dr., TU Berlin, Fakultät I, Alte Geschichte, FG Geschichte, Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel.:030-8337810, EP:christian.gizewski@.tu-berlin.de

(Bearbeitungsstand: 8. Febr. 2012).

Die ständige Bearbeitung und Fortentwicklung des WWW-Textes führt zu gelegentlichen Schreibfehlen, deren Beseitigung manchmal erst nach längerer Zeit möglich ist, weil sie erst bei späterer Kontrollektüre auffallen. Der Autor ist für entsprechende Hinweise dankbar.