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3. Kap.: Typische Produktions- und Verteilungsformen im Überblick.

Übersicht:
1. Viehhaltung, Jagd, Fischfang.
2. Ernährungs- und Nutzpflanzenbau.
3. Rohstoffgewinnung aus Bodenschätzen.
4. Techniken, 'Industrien', Erwerbstätigkeiten.
5. Vorratshaltung, Produktverteilung, Handelsplätze und -wege.
6. Literatur, Medien und Quellen.

 

1. Viehhaltung, Jagd, Fischfang.

a) Viehhaltung.

Die Kulturbildungen des Menschen als Gattungswesens beruhen überall erheblich darauf, daß er sich einen Teil der Tierwelt für verschiedene Zwecke seines Lebens untertan macht, schon in der Antike nicht nur als Last- Zug- und Wachtiere, Fell-, Woll-, Milch- und Fleischlieferanten, sondern auch für ganz spezielle Nutzungen wie z. B. Honig- und Wachs-, Purpur- und Seidenherstellung. Einige Tierarten befanden sich aus diesen Gründen in einer dauernden Symbiose mit dem Menschen (Domestikation), andere wurden als wildlebende oder in Zwischenstufen der Anpassung genutzt.

Zu den im mittelmeerisch-nahöstlichen Kulturkreis der Antike verbreiteten Haustier- oder sonst domestizierten Arten gehörten vor allem:

Aus der Antike überkommene Hundetypen:

Jagdhund: Cirneco

Kampfhund: Mastino 

Wachhund: Volpino

Abb. entnommen aus: B. Wilcox, C. Walkowicz, Kynos-Atlas Hunderassen der Welt, deutsche Bearbeitung: H. und D.Fleig, Kynos-Verlag, Mürlenbach/Eifel, 1991 2 , S. 298, 619 und 850.

 

Zu den sonst dort genutzten, wild oder unter Kontrolle lebenden Arten gehörten vor allem:

All diese Tierarten vervielfältigten die den antiken Kulturformationen für die Deckung ihres materiellen Bedarfs zur Verfügung stehenden, berechenbaren und systematisch nutzbaren Energie- und Naturstoffpotentiale gegenüber theoretisch denkbaren vorlandwirtschaftlichen und auch rein bäuerlichen Kulturzuständen erheblich. Gegenüber den Energie- und den Naturstoffpotentialen einer industrialisierten Welt waren wiederum diejenigen der Antike relativ klein; moderne Technik hat dennoch die teils aus der Antike, teils aus archaisch-bäuerlichen Kulturen überkommenen Formen der Tiernutzung nur in einigen Bereichen verdrängt; in anderen wurden sie fortgeführt und teilweise systematisch stark weiterentwickelt.

Jagd oder Schlachtung einiger Tierarten war in verschiedenen Regionen der Antike aus religiösen Gründen in unterschiedlicher Weise eingeschränkt: so z. B. die des Delphins, des Schweines und des Pferdes. Andere Tierarten wurden aus religiösen Gründen in unterschiedlicher Weise und aus unterschiedlichen Anlässen als Opfertiere bevorzugt: so z. B. Rind, Schwein, Schaf oder auch der Hund.

Die antiken Verfahren und Einrichtungen der - ortsfesten, gelegentlich transhumierenden oder ausschließlich nomadisierenden - Vieh- und Nutztierhaltung, oder der Wachs- und Honig-, Purpur- und Seidengewinnung beruhten schon damals auf sehr langen, manchmal jahrtausendealten Traditionen. Die mit ihnen verbundenen Bearbeitungsformen, Siedlungsweisen, Zug- und Handelswege unterschieden sich wie stets, so auch in der Antike nach Klima, Bodenbeschaffenheit und religiösen oder ethnischen Kulturmustern.

 

b) Jagd

Die Jagd auf größere Wildtiere in den zahlreichen Wald- und Einödgebieten des antiken Raums dürfte für die Gesamternährung der Populationen nur einen als relativ klein einzuschätzenden Ertrag gebracht haben. Als bedeutungsvoller ist - ausweislich etwa der Warenliste des Diokletianischen Preisedikts - die Kleintierjagd auf Hasen (lepores), Kaninchen (cuniculi) und Vögel anzusehen sein. Dasselbe gilt für das Sammeln von Schnecken (cochleae) und Eiern (ova).

 

c) Fischfang

Der Fischfang ist eine bedeutende Ernährungsgrundlage der antiken Welt. Insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten waren auf ihn angewiesen; einige weit verbreitete Fische galten als 'Braten des kleinen Mannes' ('ptochikon opson'). Zu den im Schwarzen Meer und im Mittelmeer am häufigsten gefangenen Fischarten gehörten: die Makrele (skombros, kolias), die Sardine (sarda, sardina), der Thunfisch (thynnos, pelamys), der Mugil-Fisch (kestreus), der Schwertfisch (xiphias), der Stör (antakaios), die Meergrundel (kobios), der Schattenfisch (korakinos), die Rotbarbe (trigle, mullus), der Ährenfisch (atherine) und der Aal (egchelys, anguilla). Hering, Kabeljau, Lachs standen dagegen eher nur in den kühleren nördlicheren Meeren - oder als Süßwasserfische in Gebirgsregionen - zur Verfügung. Als Meerestiere genutzt wurden ferner: Auster (ostra), Klappmuschel (spondylus), Seeigel (echinus) und Tintenfisch (polypos, teuthis, sepia, lolligo; dieser als Speisetier und zur Tintengewinnung). Von den zahlreichen im Süßwasser vorkommenden Fischarten wurden einige auch in der Antike auch fischzüchterisch gehalten (Varro, rust. 3, 17; Columella 8, 16 ff.), so z. B. der der Karpfen (kyprinos) und der Aal. Der Fischfang geschah als privater Nebenerwerb oder gewerblich in größerem Maßstabe für die Märkte. Die Anlage von Handelsplätzen und Kolonien - etwa am Nordrand des Schwarzen Meeres - konnte durch regelmäßig gut nutzbarere Fischlaichgebiete befördert werden. Fisch wurde im lokalen Rahmen als Frischfisch , sonst meist als Pökel- (tarichos) und wohl auch in käseartiger Form als Trockenfisch (tyros xeros, caseus siccus) verschiedener Güte- und Verarbeitungsklassen angeboten und u. U. weit transportiert.

 

2. Ernährungs- und Nutzpflanzenbau.

a) Ernährungspflanzen.

Die folgenden Aufstellungen (zu 4. und 5.) enthalten nur jeweils eine Auswahl aus den in der Antike wirtschaftlich genutzten, auch bedeutenderen Pflanzenarten.

Zu den in der Antike oft genutzten Nahrungspflanzen gehörten :

als Obstpflanzen oder -früchte: Kirsche (cerasum), Jujube (zizyphum), Pfirsich (persicum), Birne (pirum), Pflaume (prunum), Granatapfel (granatum), Zitrone (citrium) Weintrauben (uvae), Rosinen (uvae passae), Oliven (olivae) , Feigen (ficus), Datteln (dactuli, palmulae), Maulbeere (morum).

 Gemüsearten und -preise im diokletianischen Preisedikt.

Edictum Diocletiani 6. 2 - 26.

Auch als Viehfutter (pastus) wurden verschiedene Wiesen- und Wald-Weidepflanzen wie z. B Wicken (viciae) oder Heu und Stroh (pabulum) systematisch angebaut, geeerntet und verkauft.

 

b) Nutzpflanzen.

Außer für die Ernährung wurden in der Antike Pflanzen vielfältig für Bau- und Heizzwecke, für die Herstellung von Geräten und Gebrauchsgegenständen, für die Erzeugung von Textilien, Seilen und Papier, für medizinische oder kosmetische Zwecke, für die Herstellung von Farben, Dichtungs- und Klebemitteln genutzt.

Exemplarisch können dabei hervorgehoben werden:

 

3. Rohstoffgewinnung aus Bodenschätzen.

a) Eisen (ferrum).

Eisenhaltiges Gestein wurde in verschiedenen Abbauverfahren gewonnen: durch einfaches Graben (Rasenerz), Tagebau und, vor allem bei größerer und längerer Nutzung - wie zumeist im griechischen und römischen Bereich - durch Stollenabbau. Die Entschlackung eisenhaltigen Gesteins in einem Ausschmelzprozeß konnte in einfachen 'Rennöfen', aber auch in größeren Ofenanlagen geschehen. Für sie benutzte man in der Regel Holzkohle und öfters den Blasebalg. Holzkohle mußte vorab in Meilern hergestellt werden. Der in den Verhüttungsverfahren gewonnene, relativ weiche Eisenrohstoff konnte durch die Anreicherung von Kohlenstoff im Metall oder auch durch Verbindung des Eisens mit geeigneten Metallen (z. B. Nickel) zu Stahl in einem längeren Schmiedevorgang oder durch das Zusammenschmieden von Weicheisen-und Stahlbändern für verschiedenartige Gebrauchszwecke des Geräte- und Waffenbaus weiterenwickelt werden.

b) Kupfer (cuprum, chalkos), Zink (cadmia), Zinn (album, stannum), Blei (plumbum).

Kupferhaltige Gesteine wurden wegen der starken Nachfrage nach dem Metall früh (schon in der Kupfer- und Bronzezeit) in Schachtanlagen abgebaut. Dasselbe gilt für Zinn und Zink (Galmei) als für die Erzeugung von Bronze (aes) oder Messing (aurichalcum) aus Kupfer nötige Legierungsmetalle. Bleihaltige Gesteine (vor allem Bleiglanz) kommen zumeist zusammen mit Silber vor und wurden oft mit ihm zusammen in Schachtanlagen (z. B. des Laureion-Gebirges in Attika) gewonnen. Die Schmelze von Kupfer, Zinn und Zink erfolgte ähnlich wie die von Eisen. Der Schmelze von Blei ging eine Zerkleinerung, Zermahlung und Röstung der bleiglanzhaltigen Gesteine voraus. Wenn nötig gelang es, die Metalle weitgehend rein zu herzustellen. Doch wurde das relativ weiche Kupfer absichtlich mit Zink, Zinn oder auch Arsen legiert, um ein hartes, z. B. für die Waffenherstellung brauchbares Metall zu erzeugen. Auch die meisten Kuperfermünzen der Antike hatten (wohl) zu Härtungszwecken Beimengungen einiger Prozent Zink, Blei, Zinn und/oder Antimon (diese Anteile wurden konstant gehalten und nur bei gelegentlichen Münzwährungsmanipulationen aus Kostenersparnisgründen angehoben, was dann aber den auf dem Metallwert beruhenden Münzwert zumindest mittelfristig senkte). Auch für andere Zwecke wurden Legierungen entwickelt (Schweißmetalle, Metalle mit herabgesetztem Schmelzpunkt oder leichter Formbarkeit).

c) Gold (aurum), Silber (argentum).

Goldhaltige Gesteine wurden im Tagebau, in Schachtanlagen oder durch Waschen und Zerkleinern goldhaltiger Flußablagerungen (Flußseifen) gewonnen, Silber, soweit bekannt, nur in Schachtanlagen. Die Schmelzverfahren waren ähnlich wie beim Eisen. Die enstehenden Schmelzen enthielten zumeist kleinere Restmengen anderer Metalle, wurden aber auch absichtlich mit größeren Mengen anderer Edelmetalle legiert (so z. B. Gold häufig mit einigen Prozent Silber, Kupfer oder Elektron, einer Magnesium-Metall-Legierung). Für die Verschweißung wurden Metallegierungen mit niedrigerem Schmelzpunkt verwendet. Bei der Verbindung von Gold und Silber mit anderen Metallen (z. B. bei Blattgoldauflagen) entstanden technisch fortentwickelte Verfahren (wie z. B. die Quecksilberamalgamierung). Die Überprüfung des Edelmetallgehalts bzw. des Reinheitsgrades eines Metallstücks (z. B. von Münzen) war zuverlässig möglich; ebenso die Herstellung fast reiner Metallstücke (z. B. der 'obryza', des in der Metallschmelze durch verschiedenartige Ausfällungsverfahren fast ganz rein hergestellten Goldes, das im Diokletianischen Preisedikt erkennbar als definitorische Ausgangsgröße für die Wertmessung der Waren und die Festlegung der Währungseinheit Sesterz dient: 1 römische libra ganz reinen Goldes ist mit 10.000 HS festgesetzt).

d) Bau-, Werk- und Schmucksteine.

Die von der Natur erzeugten magmatischen, sedimentischen und metamorphen Gesteine eignen sich - auch innerhalb der vielfältigen Arten - nur unterschiedlich für den menschlichen Gebrauch. Für die Erzeugung von Geräten (Steinbeile, Klingen) ist der früheste Abbau besonderer Steinvorkommen schon vor 80.000 Jahren in der Sahara (Quarzitabbau) bezeugt. Geeignete Steinarten (Granit, Diorit, Obsidian, Feuerstein, Amphibolit) blieben im Altertum zur Herstellung harter und relativ bruchsicherer Geräte auch nach einer partiellen Verdrängung durch Bronze oder Eisen in Gebrauch, solange Metall nicht zur Hand war. Auch aus weniger harten Steinen (wie z. B. Sandstein) wurden ggf. Geräte gefertigt. Für die Herstellung von Gefäßen und Plastiken kamen stets bestimmte künstlerisch ansprechende Steinarten in Betracht (Porphyr, Marmor). Als Bausteine fanden in der Antike neben den harten Gesteinen Granit und Diorit auch weniger, aber ausreichend harte Formen des Marmors, Kalksteins, Sandsteins und sogar Tuffsteins Verwendung.

e) Tone, Kalk, Quarze.

Auch in der Antike gabe es bereits eine Kunststeinerzeugung, nicht nur bei Ziegelstein, Gips (gypsum), Mörtel (murtarium) und 'Zement' (caementum), sondern streng genommen auch bei Glas und Tonkeramik. Die dafür nötigen Ausgangsstoffe waren vor allem: Tonerden (Silikate), Kalk und bestimmte Qarzite. Tonerden fanden sich an oder in der Nähe von Flußläufen und Seen, brennbare Kalksteine in den Sedimentgsteinen erdgeschichtlicher Meere (z. B. der Jurazeit), geeignete Quarzsande in bestimmten Wüstengebieten und an vielen Flußläufen. Die verschiedenen zusätzlichen Stoffe, so die Magerungsmittel für die Tonherstellung (Asche, Sand, organische Stoffe) oder die Fluß-, Stabilisierungs- und Färbemittel für die Glasherstellung (Soda, Pottasche, Kalk u. a.) waren - je nach Region in verschiedener Form - im allgemeinen leicht zu beschaffen.

f) Edelsteine.

Von den vielen Edelsteinen und Halbedelsteinen, die in der Antike als Schmucksteine und Wertträger benutzt wurden, seien hier nur erwähnt: Diamant (adamas), Rubin (carbunculus; Bezeichnung auch für andere rote Edelsteine), Saphir (sapheiros, kyanos; Bezeichnungen auch für andere blaue Edelsteine wie z. B. den Lapislazuli), Malachit (chrysokolla - grün), Bergkristall (chrystallos).

Einige Edel- und Halbedelsteine wurden in zermahlener Form gelegentlich auch für die Herstellung von Farbpigmenten genutzt (z. B. Malachit, Lapislazuli).

Je nach ihrer Zusammensetzung konnten Edelsteine in der Nähe von Kupfer- (Malachit, Azurit)- , Eisen- (Granat), Aluminium- (Smarad, Rubin , Saphir) oder Quarzsand-Lagerstätten (Jaspis, Karneol, Achat, Amethyst) gefunden werden.

g) Salz.

Salz wurde im Bergbau aus Salzstöcken oder durch Abscheidung aus verdunstetem Meerwasser- oder Salzquellwasser in Trockenbecken und ggf. mittels weiterer Trockenvorrichtungen gewonnen. Salzbergwerke und Salzwasserverdunstungsanlagen hießen in römischer Zeit gleichermaßen 'salinae'. Haltbare Salzarten waren begehrt und führten u. U. zu langen Transportwegen (z. B. für das Salz aus der Ammons-Oase in Libyen).

h) Schwefel (sulfur) , Arsen, Antimon, Natrium (nitrum), Quecksilber und andere chemische Grundstoffe.

Nicht viele der heute bekannten und im 'periodischen System' eingeordneten, über 100 chemischen Elemente waren für die Antike von praktischer oder auch nur theoretischer Bedeutung. Neben Eisen, Kupfer, Zinn, Blei und Gold waren es nur noch Schwefel und Quecksilber und vermutlich Arsen, Antimon und Natrium. Außer bei der Metallherstellung (Arsen, Antimon) hatten die weniger bekannten z. B. Bedeutung für Haltbarmachungs- und 'Reinigungs'-Verfahren (Schwefelung), für die Herstellung von Glas (Soda als Flußmittel) und Mennig-Farbe (Quecksilber) oder für die Blattgoldamalgamierung (Quecksilber).

i) Kohle, Teer, Pech, Asphalt, Alaun, Arsenik, Zinnober, Natron und andere chemische Verbindungen oder Mischstoffe.

In der Regel hatte die Antike mit chemischen Verbindungen (wie z. B. Zinkblende, Edelsteinen) oder Vermischungen/Legierungen (Bronze, Messing, Kohle, Asphalt) zu tun, deren Verwendungsweisen auf rein handwerklich-praktischer Erfahrung beruhten und nicht nur aus der Sicht der heutigen angewandten Chemie rudimentär und unsystematisch wirken, sondern schon zumindest der antiken Philosophie als zufälliges, ungesichertes Wissen ('empeiria'- Aristoteles, met. 980 a ff.) galten. Sie fanden gelegentlich bei der Haltbarmachung von Lebensmitteln (Salz), zumeist aber in den verschiedenen Handwerkszweigen (Alaun für Gerbezwecke, Teer zu Heilzwecken, Pech als Klebe- und Dichtungsmittel, Asphalt beim Hausbau) und in der Kunst (Zinnober) eine meist sinnvolle und traditionsreiche Nutzung. Als Kohle (carbo, anthrax) diente durchweg die Holzkohle, die in Meilern (camini) gewonnen wurde. Steinkohle wurde gelegentlich und nur da, wo sie zufällig leicht verfügbar war, ausschließlich zu Heizwecken benutzt . Es gab in der Regel keinen Grund, sie systematisch abzubauen oder gar auf dem kostenträchtigen und für Schwertransporte meist ungeeigneten Landwege fortzubewegen.

 

4. Techniken, 'Industrien' und Erwerbstätigkeiten.

a) Die Techniken der Handwerke und sonstigen Arbeitssparten (technai, artes, opera, fabricae, industria).

Das Spektrum der 'Technik' der antiken Welt ist eng verbunden mit den Handwerkszweigen i. e. S. ; das Wort 'techne' hängt etymologisch mit 'teuchos' = Werkzeug zusammen. Natürlich entwicklten aber auch andere Arbeitssparten - von der Weidewirtschaft bis zu Handel und Verkehr oder Militärwesen ihre 'Techniken'. Die Differenzierung all dieser Sparten erzeugender Arbeit erfolgte einmal nach größeren, für antike Wirtschaftsordnungen charakteristischen Anwendungszusammenhängen , in denen sie jeweils benötigt wurden, zum andern nach bestimmten Ausgangsstoffen, mit denen sie in relativ stark traditionsgebundener Form vor allem zu arbeiten pflegen.

Übung :

Untersuchen Sie die beiden folgenden Textstellen aus Plinius (Naturalis Historia 33, 99 f.) und aus Vitruv (De archtitectura 10, 243 f.) eingehend daraufhin, welche Anwendungszusammenhänge gemeint sind und was man aus ihnen über den Charakter antiker Technik schlußfolgern kann.

 

1. (Plinius): "Est et lapis in his venis, cuius vomica liquoris aeterni argentum vivum appellatur. venenum rerum omnium est perrumpitque vasa permanans tabe dira. omnia ei innatant praeter aurum; id unum ad se trahit. ideo et optime purgat, ceteras eius sordes exspuens crebro iactatu fictilibus in vasis. ita vitiis eiectis, ut et ipsum ab auro discedat, in pelles subactas effunditur, per quas sudoris vice defluens perum relinquit aurum. ergo et cum aera inaurentur, sublitum brateis pertinacissmie retinet, verum pallore detegit simplices aut praetenues bratteas"

("In diesen Adern<scil. aus silberführendem Gestein> gibt es auch eine Steinart, deren ständig fließende Ausscheidung lebendiges Silber <scil. Quecksilber> genannt wird. Es wirkt als Gift für alles und zerstört auch Gefäße, indem es in einer unheimlichen Zersetzung durch ihre Wände sickert. Alles schwimmt auf ihm mit Ausnahme von Gold. Dies allein zieht es an sich und reinigt es deshalb auch am besten, indem es dessen Verunreinigungen ausspuckt, wenn man alles zusammen in irdenen Gefäßen eine Zeitlang heftig schüttelt. Sind so die unerwünschten Beimengungen ausgeschieden, gießt man es, um es selbst vom Gold zu trennen, auf dafür zurechtgemachte Felle. Durch deren Poren fließt es wie Schweiß ab, wobei es das reine Gold zurückläßt. Und wenn Bronze vergoldet werden soll, hält es, unter die Blättchen gestrichen, diese sehr fest, wobei es einfache und sehr dünne Blättchen an einer bläßlichen Farbe erkennbar macht."

 

2. (Vitruv): "Machina est continens e materia coniunctio maximas ad onerum motus habens virtutes. Ea movetur ex arte circulorum rotundationibus, quam Graeci kykliken kinesin appellant. Est autem unum genus scansorium, quod graece akrobatikon appellatur; alterum spirabile, quod apud eos pneumatikon appellatur; tertium tractorium, id autem Graeci baroulkon vocitant."

"Eine Maschine ist eine stabile, aus Holz zusammengesetze Vorrichtung, welche in höchstem Maße dazu geeignet ist, Lasten zu bewegen. Sie wird durch die Rotation kreisförmiger Elemente aufgrund einer Technik in Bewegung gesetzt, welche die Griechen 'kyklike kinesis' nennen. <Es gibt drei Arten: einmal die Baugerüstvorrichtungen>, die die Griechen 'Steigemaschine' nennen, zweitens die Gebläsevorrichtungen, die die Griechen 'Blasmaschine' nennen, und drittens die Zug- und Hebevorrichtungen; diese bezeichnen die Griechen als 'schweren Schlepper' .

 

Die im folgenden aus heutiger Sicht und im Hinblick auf den Vergleich mit heutigen Verhältnissen formulierten größeren Anwendungszusammenhänge sind nicht völlig deckungsgleich mit den von antiken Begriffen wie z. B. 'agricultura' oder 'architectura' gemeinten Aktivitäten, deren begriffliche Differenzierungen im übrigen viel weiter gehen und auch andere Aspekte (z. B. die Trennung ziviler und militärischer, privater und öffentlicher Arbeitsbereiche) berücksichtigen konnten:

Innerhalb dieser Anwendungsbereiche, oft aber auch sie übergreifend gab es die typischen berufsbildförmigen Arten differenzierter Handwerks- und sonstiger Erwerbstätigkeiten, die zumeist von irgendwelchen Stoffen oder Gruppen von Stoffen, mit denen sie schwerpunktmäßig zu tun haben (z. B, Holz, Stein, Textilien, Metalle, Korn, Früchte, Fleisch, Fisch), ausgingen, so etwa:

 

b) Integrierende Techniken und Wissensgebiete.

Besondere Techniken und Wissensgebiete übergriffen schon in der Antike das technische Wissen der einzelnen wirtschaftlichen Arbeitssparten, integrierten und fundierten es. Für ihre Entwicklung, Vermittlung und Anwendung waren in der Antike Spezialisten (z. B. Lehrer, Architekten oder Ärzte) tätig, deren Leistungen im allgemeinen ein höheres Entgelt erzielten und mit höherer sozialer Geltung ausgestattet waren als die der partiell und 'rein praktisch' bleibenden Arbeitssparten. Das waren etwa:

Ihnen funktionell verwandt waren verschiedenartige weitere Tätigkeiten, die der politischen, rechtlichen und geistig-kulturellen Sphäre und an sich nicht dem Wirtschaften zugerechnet wurden, weil sie primär nicht Ziele materieller Bedarfsdeckung zu verfolgen pflegten. Dennoch konnten auch sie immer wieder einmal in indirekter Weise Wirtschaftssysteme und Wirtschaftstätigkeiten steuern und ordnen (siehe Definition 'Wirtschaft' in Kap. 1) und insoweit 'Standortfaktoren' des Wirtschaftens sein. Ein Beispiel für die wirtschaftlich steuernde Bedeutung antiker Politik und Politikbetrachtung ist Xenophons Schrift 'Poroi'.

 Löhne, Werkpreise, Honorare der verschiedenen Berufsgruppen im diokletianischen Preoisedikt, Textauszug Teil 1 und Teil 2.

Edictum Diocletiani 7. 1 - 74.

 

5. Vorratshaltung, Produktverteilung, Handelsplätze und -wege.

a) Vorratshaltung.

Die relative Stabilität des witschaftlichen Gefüges in antik-hochkulturellen Wirtschaftssystemen beruhte in starkem Maße auf den schon damals gegebenen verschiedenen Formen der Lagerhaltung, die eine längerfristige Planung privaten und öffentlichen Wirtschaftens und zumeist - wenn auch nicht immer - die Umgehung von Versorgungsengpässen und Notlagen auch größeren Umfangs ermöglichten. Es sind drei Typen unterscheidbar:

 

b) Produktverteilung

Die Verteilung des gesamtgesellschaftlichen Produkts erfolgte in der Antike über verschiedenartige, inandergreifende normative Institute des sozialen Lebens, die nur teilweise Rechts- oder gar Gesetzesform hatten.

aa) Die Rechtsordnung und ihre Erwerbstitel.

Die Rechtsordnung regelte über ihre Institute wie z. B. das Eigentum ('dominium') oder den Kaufvertrag ('emptio/venditio') unter anderem auch, wer unter welchen Bedingungen Sachen i. w. S., d. h. auch Produkte, besitzen, über sie verfügen oder sie in irgendeiner Hinsicht beanspruchen konnte. Sie ließ auch in der Antike jeweils charakteristische, schichtenförmige Strukturen der Rechtsinhaberschaft (z. B. bei Landbesitz Schichten von Großgrundbesitzern, kleineren Landeigentümern, Pächtern und dienstpflichtigen Landbewohnern) entstehen.

bb) Die staatliche Münzwährung als Wertträger, Verteilungsinstrument und gelegentlicher Wertmanipulator.

Aus dem Marktwert von Edelmetallen (Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Messing, gelegentlich auch anderen) und ihrer Eignung als leicht transportabler und nicht verderblicher Wertträger für die Abwicklung auch kleinerer Kauf- und sonstiger Gegenleistungs-Geschäfte des Alltags entwickelte sich - wohl seit dem 7. Jht. v. Chr. - die staatlich genormte und in ihren standardisierten Münzwerten garantierte Münzwährung. Durch deklarierte oder manipulierte Veränderung des Edelmetallgehalts von Münzen konnten auch in der Antike - in mancher Hinsicht nicht steuerbare - Umverteilungsprozesse, auch zugunsten des Staates, ausgelöst werden. Der staatlich - auch indirekt über Preisregulierungen - garantierte Wert der Münzen ließ sich auf Dauer aber nicht vom Marktwert des in ihnen enthaltenen Edelmetalls getrennt bestimmen. In dieser Hinsicht besteht ein Unterschied zu 'modernen' Währungssystemen, für deren Deckung vom Staat nicht mehr eine Edelmetall-Grundlage verwendet wird.

 Metallgehalte römischer Sesterz-Münzen und ihre Veränderung während der Prinzipatszeit.

Schema entnommen aus: J. Riederer, Archäologie und Chemie (wie Literaturverzeichnis), S. 118.

 

cc) Die marktgemäße Preisbildung.

Auch in der Antike hatte als Modell für die Preisbildung die modern-volkswirtschaftliche 'Grenznutzen-Theorie' Bedeutung, nach der sich bei Abwesenheit von staatlichen Preisregulierungen auf abstrakten Märkten, die für alle potentiellen Anbieter offen und nicht physisch gestört sind, die Bildung von Preisen für Waren und Dienstleistungen nach der statistisch ermittelbaren Grenze der Bereitschaft von Abnehmern bestimmt, einen Nutzwert mit einem Geldwert zu bezahlen. Dies Prinzip führte - wie heute - in bestimmten Mangel- oder Seltenheitslagen zu oft unverständlichen, als Wucher oder Willkür empfundenen Preissteigerungen oder Preisverzerrungen, die öfters preisregulierende Gegenbewegungen aus dem politischen Raum provozierten (z. B. das Höchstpreisedikt Diokletians).

dd) Staatliche Preisvorschriften.

Staatliche Preisregulierungen konnten dazu eingesetzt werden,

Preisregulierungen setzten Kontroll- und Durchsetzungsverfahren voraus, die in der Antike in der Regel nur zeitweilig und örtlich begrenzt greifen konnten. Sie beseitigten als solche vorliegende Mangelsituationen nicht, sondern ermöglichten lediglich einen vorrangigen Zugriff bestimmter Empfängergruppen oder -instanzen auf knappe Güter.

ee) Staatliche Förder-, Produktions- und Handelsmonopole; staatliche Eigenbetriebe.

Soweit erkennbar, gab es in allen antiken Wirtschaftssystemen ein - allerdings unterschiedlich stark ausgeprägtes - ausschließliches Recht des Staates, bestimmte Naturstoffe (z. B. Salz oder Silber) zu fördern, bestimmte Waren und Geräte (z. B. Waffen oder Kriegsschiffe) herzustellen oder mit solchen (z. B. mit Seide und Purpur) Handel zu treiben. Auch ohne monopolartige Stellung verfügte der Staat ferner im allgemeinen in größerem Umfang über landwirtschaftlich genutzten Grundbesitz (fundi domininci, dominica, Domänen), über Bergwerke und Eigenbetriebe (z. B. zur Erzeugung von Waffen, Textilien oder Münzen).

ff) Staatliche Steuer- und Dienstleistungsansprüche.

Um seine zivilen und militärischen Bediensteten zu bezahlen, seine Einrichtungen zu unterhalten und gewisse Dienstleistungen für die Öffentlichkeit (z. B. mit Bauwerken oder mit der Getreideversorgung größerer Städte) zu erbringen, benötigte der Staat Einnahmen in Geld, Dienstleistungen und Gütern, die er ggf. durch Tributerhebung (von ehemaligen Kriegsgegnern), zum meist größeren Teil aber im Wege der Besteuerung und durch das Einfordern öffentlich angeordneter Dienstleistungen von seinen Bürgern/Untertanen beschaffen mußte. Damit diese Eingriffe in die Rechte der Bürger/Untertanen als gerecht und ordentlich empfunden werden konnten und nicht zu dauernden politischen Friktionen führten, bedurfte es genauer rechtlicher Eingriffstitel, genauer Steuerbemessungs- und Eintreibungsverfahren sowie einer genauen Haushaltskassenführung. All diese Elemente geordneter staatlicher Finanzen waren in allen antiken Staatssystemen - zumindest im Ansatz, d. h. unterschiedlich ausgeprägt - vorhanden, in relativ gut dokumentierter Form z. B. im römischen Kaisserreich der Spätantike (Steuersystem der 'capitatio - iugatio', eingehende Regelung der 'munera civilia', ausgeprägtes staatliches Kassenwesen - 'fiscus', 'sacrae largitiones', 'rationes').

gg) Einkommensverteilung durch den Staat.

Einige staatliche Systeme der Antike - so etwa die 'Bürgerstaaten' (Demokratien, Republiken) hatten nur relativ wenige, andere dagegen relativ viele zu besoldende Bedienstete: im ersten Fall pflegte sich staatliche Tätigkeit (außer über Tribute) schwerpunktmäßig über eigenfinanzierte Dienste und Leistungen seiner Bürger in Gang zu halten; im zweiten wurde sie schwerpunktmäßig mit zuvor oder hernach eingetriebenen steuerlichen Mitteln finanziert. Die Verteilung dieser Mittel an die militärischen oder zivilen Bediensteten pflegte auch in der Antike nach Besoldungsordnungen zu geschehen, die sich zwar grob an Marktpreisen für vergleichbare Dienstleistungen orientieren konnten, aber prinzipiell - aus bürokratieinternen Gleichheits- oder auch Rang- und Prominenzgründen - nicht nach Grenznutzenaspekten richteten.

In größerem Umfang konnte der Staat auch Zuwendungen an Bedürftige oder verdiente Bürger und Untertanen erbringen. Der Umfang der Donative römischer Kaiser geht exemplarisch aus den für Augustus genannten Zahlen in seinen 'res gestae' hervor: "die Gesamtsumme des Geldes, das er für die Staatskasse, das römische Volk oder die Veteranen ausgab, betrug 600 Millionen Denare" (r. g., app. 1).

hh) Familieninterne Güterverteilung und soziale Fürsorgeleistungen.

Ein erheblicher Teil der gesellschaftlichen Güterverteilung erfolgte außerhalb des Marktes im Wege familien- und verwandtschaftsinterner Zuweisung. In der Regel teilten die Haushaltungsvorstände (oikeioi, patres familias) das rechtlich ihnen persönlich zugeordnete Vermögen und Einkommen mit großen Familien und Verwandtschaften und gaben es im Erbwege an diese weiter.

Auch außerhalb der Familien- und Verwandtschaftsgruppen wurden Fürsorgeleistungen insbesondere reicher Bürger für ihre ärmereren Mitbürger über Stiftungen und Schenkungen wirksam.

 

c) Handelsplätze.

Das Rückgrat auch der antiken Wirtschaft - auch und gerade im Falle eines relativ hohen 'Staatsinterventionismus' antiker Art- waren die sich marktangemessen selbst organisierenden Wirtschaftsaktivitäten. In dem Maße, wie diese nicht stattfanden, pflegte das Wirtschaften überlokale Vernetzungen einzubüßen und im lokalen Rahmen auf 'oikoswirtschaftliche' Formen überzugehen, während zugleich in staatlichen und in städtischen Bereichen wegen Ausbleibens besteuerbaren Volkseinkommens die Eigenproduktion und -versorgung in separaten Zonen des Wirtschaftens (Domänenwirtschaft, 'Staatsbetriebe') zunehmen mußte. In der Zeit des 3. Jhts. n. Chr. und der späten Antike sind solche gesamtwirtschaftlichen Anpassungs- oder Reduktionsprozesse belegbar.

In dem Maße, wie nicht gegenläufige Staatseingriffe mit steuerlichen oder preispolitischen Belastungen vorlagen, konnten sich andrerseits lokale, regionale und überregionale Märkte für die in der Antike handelsüblichen Waren und Dienstleistungen - dann relativ unkontrolliert und unter Erzeugung von Preisrelationen, für deren Dynamik auch in der Antike die abstrakte 'Grenznutzen-Theorie' galt - entfalten. Die immer wieder einmal auch zum politischen Problem werdenden Ausschläge der Preisbildung (z. B. für Grundnahrungsmittel) bildeten dabei nicht nur Versorgungsengpässe, Notlagen und andere Mangelsituationen, sondern auch größere - z. B. kriegsbedingte - steuerliche Eingriffe des Staates in das 'Volkseinkommen' ab.

Die 'abstrakte Marktbildung' für bestimmte Waren- und Dienstleistungsarten erfolgte auch in der Antike an physischen Orten (Städten, Handelsplätzen, Stapelorten), wobei die einzelnen physischen Orte auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Umfang Funktionen im Gesamtsystem der Preisbildung auszuüben pflegten. Es liegt nahe, daß sich in den Metropolen der größeren Wirtschaftsräume, wie z. B. zu Zeiten in Athen, Rhodos, Alexandria, Karthago, Rom, Antiochia oder Konstantinopel, 'abtstrakte Marktfunktionen' in großem Umfang kumulierten; man bekam dort alles und zahlte dafür einen 'überregional üblichen' Preis. Daneben gab es aber auch abstrakte Spezialmärkte, z. B. für Schwarzmeerstör oder Carrara-Marmor, die sich notwendig nur an ganz bestimmten Orten bilden konnten.

 

d) Handelswege.

Auch bei den Handelsverbindungen lassen sich in der Antike physische von abstrakten unterscheiden. Abstrakte Handelslinien verbanden auch damals die abstrakten Märkte miteinander und ermöglichten eine überregionale Preisbildung (wie sie z. B. in dem für das ganze Römische Reich in Geltung gesetzten Diokletianischen Preisedikt d. 4. Jhts. n. Chr. als Ausgangsbasis für die staatliche Preisbeschränkungs-Anordnung erkennbar ist). Die Transportkosten und die Transportdauer waren dabei kalkulierbare Faktoren, die in die resultierende Preisbildung der abstrakten Märkte eingingen. Konkrete, physische Handelswege pflegten stetst mehrere abstrakte Handelslinien zu repräsentieren, so z. B. der Seeweg zwischen Alexandria und Rom in der römischen Kaiserzeit diejenigen für Getreide, Papyrus, Kalamus-Rohr, Fischkonserven, Leinen und verschiedene Drogen. Die Transportkosten der Seewege waren erheblich geringer als die der Flußwege, bei denen außerdem Aufwärts- und Abwärtsschiffahrt unterschieden wurden; am teuersten waren die Landwegtransporte. Die Kosten des Seetransports standen zu denen des Landtransports, rechnet man sie anhand der Quellenangaben (der Transport eines modius kastrensis auf dem 2100 km langen Seeweg von Alexandria nach Rom kostet im Edikt Diokletians 16 Denare, der Landtransport desselben Gewichts über 2 milia passum 2 Denare) grob auf eine bestimmte Entfernung und eine bestimmte Gewichtseinheit um, ungefähr im Verhältnis 4 : 35.

 Siehe die Wirtschaftskarte des Römischen Kaiserreiches in Kap. 2: Wirtschaftsgeographie des antiken Mittelmeerraums , unter P. 1 b.

 

6. Literatur, Medien und Quellen.

F. de Martino, Wirtschaftsgeschichte des Alten Rom (wie Literaturverzeichnis), S. 105 ff., 206 ff. (Landwirtschaft), S. 177 ff., 338 ff., 356 ff. (Gewerbe und Handel), S. 61 ff., 377 ff., 391 ff.) (Münzprägung, Geldumlauf, Währungskrisen), S. 466 ff. (Steuerordnung).
A. H. M. Jones, The Later Roman Empire (wie Literaturverzeichnis), auch die App. zum Diokletianischen Preisedikt.
J. Riederer, Archäologie und Chemie (wie Literaturverzeichnis).
J. G. Landels, Die Technik in der antiken Welt (wie Literaturverzeichnis).
B. Gahlen u. a., Volkswirtschaftslehre. Eine problemorientierte Einführung (utb 737), Tübingen 1977 10 , S. 28 ff. (Theoretische Modelle der Markt- und Preisbildung).
Großer Historischer Weltatlas (wie Literaturverzeichnis), S. 47.
Diokletians Preisedikt, hg. von S. Lauffer, Berlin 1971 (Texte und Kommentare. Eine altertumswissenschaftliche Reihe, Bd. 5).
Plinius, Naturalis historia.
Vitruv, De architectura.


LV Gizewski SS 1997

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)