Zum Inhaltsverzeichnis
  AGiW TITELSEITE
  AGiW REGISTER
 

Vorwort zum Skript 'Antike Wirtschaft'.

Zielrichtung und Aufbau dieses WWW-Skripts zur antiken Wirtschaftsgeschichte gehen wesentlich darauf zurück,

1) daß es sich um den Stoff einer Vorlesung (Vorlesungsskript) zur Einführung in diesen Themenkomplex (TU Berlin, SS 1997) handelt,
2) daß es im Rahmen eines experimentellen Projekts zur Nutzung des Internet für Zwecke der Hochschullehre auf einer WWW-Seite im Internet präsentiert wird.

Zu beiden Aspekten sind einige Vorbemerkungen zu machen.

 

Zu 1)

Eingeführt werden soll überblicksartig, systematisch und quellenbezogen-illustrativ in Funktionszusammenhänge, Rechtsprinzipien und handlungsleitende Ideen "antiken Wirtschaftens", die sowohl dem praktischen als auch dem theoretischen Wirtschaftsdenken unserer Zeit nicht selbstverständlich sind, obwohl sie darin auf vielfältige und letztlich bestimmende und charakteristische Weise fortwirken. Dargestellt werden sollen wirtschaftsgeographischen Rahmenbedingungen, typische Techniken, Verfahrens- und Organisationsweisen der Produktion, des Handels und des wirtschaftsrelevanten Staatshandelns, Typen der 'Verkehrsgemeinschaften, ' typische Rechtsinstitute wirtschaftlich-sozialer Ordnung und ideelle Konzepten der 'Ökonomie' in der Antike. Angesprochen werden vor allem Studenten der Geschichte und der Wirtschaftswissenschaften und andere Interessenten, die sich mit 'Wirtschaftsordnungen' der Vergangenheit als systematischen Zusammenhängen beschäftigen möchten und in ihnen eine historisch-erklärende Perspektive für spätere Wirtschaftsordnungen und Wirtschaftstheorien einschließlich derer der Gegenwart suchen.

Es gibt heute eine Anzahl wissenschaftlich hochangesehener Darstellungen antiker Wirtschaftsgeschichte, die mit ungleich größerer Detailgenauigkeit und Quellenbasis, als sie in dieser Zusammenfassung angestrebt oder zugrundegelegt werden, die griechische, die römische oder auch die die altorientalische oder die altägyptische Wirtschaftsgeschichte - bzw. zeitliche und thematische Teilbereiche daraus - behandeln. Mit diesen Werken beabsichtigt das vorliegende Skript in keiner Weise in Konkurrenz zutreten. Es setzt ihre Existenz vielmehr voraus und schöpft vielfältig aus ihnen. Der Versuch einer zusammenfassende Darstellung ist jedoch für den Studienbetrieb sinnvoll und auch im Rahmen des vielfältig differenzierten Forschungsprozesses zur antiken Wirtschaftsgeschichte nötig, um so etwas wie eine "Antike Wirtschaftsgeschichte" als abgrenzbaren thematischen Komplex mit verschiedenartigen eigentümlichen und zumeist historisch-traditionsbildenden Phänomenen, Begriffen und Typen faßbar zu machen und nicht über der Fülle des forschungsbezogen- feingegliederten historischen Stoffes dessen in den Bewegungen und Veränderungen der Geschichte sich herausbildenden, dauerhafteren antiken Ordnungsmuster als ganze aus dem Blick zu verlieren.

Diese im Zusammenhang verständlich zu machen und, soweit nötig, exemplarisch mit ausreichend ausführlichen wirtschaftshistorischen Quellentexten zu illustrieren, ist das Hauptanliegen dieses buchartigen - im Ausdruck ungefähr 230 Seiten umfassenden - WWW-Skripts.

Um die Ausgangsbasis für eine dermaßen zusammenfassende Darstellung übersichtlich zu halten, wird die römische Kaiserzeit als ihre Haupt-Bezugs-Epoche gewählt. Frühere Epochen der Antike finden zwar ebenfalls Berücksichtigung, aber letztlich im Blick auf die verschiedenartigen Wirtschaftsstrukturen, in denen sie im römischen Kaiserreiche fortwirken. Die römische Kaiserzeit dient auch als Haupt-Ausgangsbasis für die traditions- und rezeptionsgeschichtlichen Ausführungen dieses Buches, die spätereEpochen der Wirtschaftsgeschichte in Europa betreffen.

 

Zu 2)

Diese Publikation hat die für das Fachgebiet 'Alte Geschichte' relativ neue und daher noch zu erprobende und möglichst sinnvoll auszuschöpfende und fortzuentwickelnde Form eines wissenschaftlichen 'WWW-Skripts', d. h. einer wissenschaftlichen Darstellung, die sich der Möglichkeiten des WWW möglichst konsequent bedienen will und sich daher nicht primär an der Buchform ausrichtet - obwohl sie einer solchen prinzipiell auch nicht entgegensteht. Gegenstände der Alten Geschichte in einem scheinbar so zukunftsfixierten Medium wie dem Internet zu präsentieren, stellt nicht nur für den individuellen Althistoriker einen paradoxalen Reiz dar. Es bedeutet zugleich die allgemeinere Herausforderung an das Fachgebiet 'Alte Geschichte', ein Medium wie das Internet für die Wissenschaft wirklich und praktisch verfügbar zu machen, d. h. auch den wohlverstandenen und wohlbegründeten Prinzipien geisteswissenschaftlicher Arbeit in diesem - viele Möglichkeiten bergenden - Rahmen Geltung zu verschaffen, soweit man ihn nutzt. Das scheint mir möglich- trotz verschiedener nicht ganz geringer Nachteile, die die WWW-Publikation gegenüber dem wissenschaftlichen Buch auch wieder hat. 'WWW' bedeutet insbesondere nicht notwendig multimediale Verwirrung, bildliche und sprachliche Simplifizierung, sonstige Demagogie, Unübersichtlichkeit, wissenschaftliche Qualitätsminderung oder rein marktbezogene Anpassung der Themen. Vielmehr ermöglicht das Medium m. E. wenigstens geradezu jeweils auch das Gegenteil, und jedenfalls kann man damit prinzipiell ein höheres Maß an Eigenverantwortlichkeit, Gestaltungsfreiheit und Effizienz in fast allen Formen des wissenschaftlichen Austausches realisieren, als es in der Wissenschaft bisher als möglich galt.

Angesichts dieser beachtlichen - und oft faszinierenden - neuen Möglichkeiten mag - und sollte es m. E. - für alle Lehrenden und Studierenden des Hochschulbereichs - und für alle anderen Teilnehmer an der Wissenschaft - von Interesse sein, exemplarisch an einem wissenschaftlich komplexen Thema wie dem vorliegenden nachzuprüfen und auch von ihren Interessen ausgehend zu überlegen, wie es als WWW-Skript am nutzbringendsten für die verschiedenen Abnehmergruppen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu präsentieren wäre. Der Text des früheren Vorlesungsskripts ist in der jetzigen Skriptfassung zwar noch weithin unverändert geblieben. Er wird allerdings mit der Zeit eine fortgesetzte Weiterbearbeitung und -veränderung erfahren. Der Autor erwartet dabei jeden kritischen Einwand gegen und jeden konstruktiven Vorschlag für den von ihm beschrittenen Weg ins Internet mit Interesse.

Im Aug. 1998, Christian Gizewski, (gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de).


LV Gizewski SS 1997

Autor: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)