Kap. 3: Zur Fortwirkung der Sprache und des Wissens der Antike.


INHALT:

1. Sprachbildend und als Bildungsgut bis heute fortwirkende antike Sprachen.

2. Heutiges Wissen i. w. S. mit merklichem antiken Traditionseinfluß, auch auf die jeweiligen spezialsprachlichen Terminologien.

3. Bis heute fortwirkende antike Wissens- und Bildungsdisziplinen i. e. S. ('artes liberales', 'enkyklios paideia') mit theoretischer und 'praktischer' Zwecksetzung.

4. Die Bibel als über die Antike hinaus fortwirkende Schriftgrundlage des Glaubens und der Theologie in Judentum und Christentum.

5. Literatur, Medien, Quellen.

1. Sprachbildend und als Bildungsgut bis heute fortwirkende antike Sprachen.

Übung 3 A.

Aufgaben:

a) Versuchen Sie, den unten links stehenden lateinischen Wörtern heutige, oft verwendete deutsche Wörter oder Namen zuzordnen.

b) Welcher Zeit ordnen Sie die Übernahme der aufgeführten lateinischen Worte in das Deutsche oder eine Vorgängersprache des heutigen Deutschen zu?

c) Was läßt sich daraus an kulturellem Anpassungsbedarf der Sprecher dieser Sprache entnehmen?

cuticula
coquina
caupo
cuprum
census
flagellum
speculum
aequare
calcatura
mustum
pilucare
traiectorium
vivarium
vinitor
plastrum
catinus
milia
toloneum
simila
discus
radix
acetum
Basilia
Colonia
Antunacum

Übung 3 B.

Aufgabe:

Versuchen Sie, die unten aufgeführten Wörter des heutigen Deutschen mit antik-griechischen Wörtern, aus denen sie abgeleitet sind und die Sie wenigstens zum Teil kennen dürften, in Verbindung zu setzen.

Archiv
Butik
Blamage
Brille
Bombe
Bursche
brav
Büchse
Diät
Desaster
Echo
Embryo
Grotte, Gruft
Griffel
Hanf
Kanone
Talent
Kretin
Murmel
Zither

2. Heutiges Wissen i. w. S. mit merklichem antiken Traditionseinfluß, auch auf die jeweiligen spezialsprachlichen Terminologien.

a) Zur Geschichte der Übertragung antiken Sprachguts und mit ihm verbundenen Wissens in die deutsche Sprache.

Im folgenden sollen Wort- und Begriffsbeispiele aus der heutigen deutschen Sprache die unterschiedlichen Wege verdeutlichen, auf denen eine Vielfalt antiken Wissens und Denkens zur Grundlage des Wissens und Denkens auch unserer Zeit geworden ist. Es handelt sich jeweils nur um wenige Beispiele aus einer größeren in Frage kommenden Zahl. Statt der deutschen Sprache könnte man auch andere europäische Sprachen(wie das Französische, Engkische, Schwedische oder Russische) zum Gegenstand einer etymologischen Untersuchung machen; dabei würden sich die Übertragungswege in einigen Aspekten erheblich anders (wie z. B. bei den Anfängen des antiken Spracheinflusses und bei den späteren kulturellen Kontakten mit romanisch oder griechisch geprägten Nachbarländern), abei in wichtigen Aspekten auch ähnlich darstellen (wie z. B.bei den sprachlichen und begrifflichen Folgen der Christianisierung oder des Humanismus oder der neologistisch geprägten Spezialterminologtien in Bildung, Wissenschaft und Technik).

Die deutsche Sprache ist als Teilgruppe der 'indogermanischen' (welche surch die gruppenbildenden Merkmalen 'flektierend' und 'synthetisch' von anderen Sprachgruppen auf der Welt abgegernzt wird) und innerhalb dieser der 'germanischen' Sprachen wahrscheinlich im Zusammenhang mit der West- und Südbewegungim Bereich der Elbe, Weser und Ems siedelnder germanischer' Stämme (Alamannen, Bajuwaren, Franken) seit der Epoche der 'Völkerwanderung' entstanden, durch welche der Siedlungs- und damit auch Sprachzusammenhang mit den Germanen der ursprünglichen Siedlungsgebiete in Jütland und dem heutigen küstennahen Norddeutschland zerriß. Dortige Germanenstämme (Jüten, Angeln, Sachsen) verlegten ihre Siedlungsgebiete darüberhinaus teilweise nach England. Soweit sie oder andere im Lande blieben, behielten sie zwar ihre 'niederdeutschen', dem Englischen ähnlichen Dialekte bei, gerieten jedoch später unter die politisch-militärische Hoheit der Franken und damit auch unter den sprachlichen Einfluß der von diesen, soweit sei sich nicht romanisierten, gesprochenen '(alt)hochdeutschen' Sprache. Von der Sprache ihrer Sprachverwandten in Norddeutschland und Jütland unterschied sich das 'Althochdeutsche' durch einen Lautwandel, zu welchem u. a. die regelmäßigeVerwandlung der Konsonanten p, t und k in pf, tz, und kch gehörte ( 'zweite', sog. deutsche Lautverschiebung'. Diese Lautverschiebeung wird sprachgeschichtlich als Anfang der 'deutschen' Sprache betrachtet.

Als ihr vorausgehend wird bei enigen indogermanischen Völkerschaften eine wahrscheinlich ungefähr in das 5. - 3. Jh. v. Chr. anzusetzende 'erste', sog 'germanische Sprachverschiebung' (u..a. - weitgehend - von p zu f, t zu 'engl.'-th, k zu ch, tz zu z, f zu b, von 'engl.'-th zu d) angenommen. Durch diese sieht die heutige wissenschaftliche Sprachgeschichte eine deutliche Abgrenzung des germanischen von romanischen und keltischen und Sprachbereichen eingetreten. Von anderen - östlicheren - Sprachzweigen der indogermanischen Sprachgruppen (sog. 'satem'-Sprachen, im Gegensatz zu den westlichen 'Kentom'-Sprachen) traten frühere Abgrenzungen ein.

Diejenigen Germanenvölker, die relativ grenznah zum Imperium Romanum siedelten und mit den Römern jenseits der Grenze sowohl in friedlichem Verkehr standen als auch in kriegerische Konflikte gerieten, wurden schon lange vor Beginn der zweiten - deutschen - Lautverschiebung von der Spache und Alltagskultur der Römer beeinflußt. Zahlreiche zunächst als Fremdwörter in die Vorgängersprachen des Altdeutschen eingegangene, später zu Lehnwörtern gewordene Wörter lateinischer Herkunft, vor allem aus dem Bereich der Alltagskultur und des Handels, des römischen Grenzregimes und des Militärwesens, lassen sich im heutigen Deutschen finden und aufgrund des in ihrer Lautfolge zum Ausdruck kommenden sprachgeschichtlichen Lautwandels als vor der 'deutschen' Lautverschiebung übernommen nachweisen.

Die 'Völkerwanderung', mit der der Beginn der 'deutschen' Lautverschiebung im Bereich der der römischen Grenze an Rhein und oberer Donau nahen und sie überschreitenden germanischen Stämme (Bajuwaren, Alamannen, Franken) angenommen wird, führt sowohl zu einer Durchdringung bisher römischer Territorien mit germanischen Völkerschaften als auch zu einer zeitweiligen oder längerfristigen germanischen Herrschaft dort. Das bedeutet nicht nur ein noch intensiveres Bekanntwerden der precher germanischer Sprachen in diesen Bereichen mit der lateinischen Sprache der dortigen Bewohner und mit deren römisch-mediterran geprägten Alltgskultur, sondern auch in verschiedener Weise die Übernahme von Herrschaftsfunktionen in Bevölkerungen, die teils lateinischsprachig, teils germanischsprachig sind. So kommt es einerseits zu sprachlichen Anpassungen, aus denen späterhin stark germanisch geprägte Typen romanischer Sprachen werden (wie im Französischen), andererseits zur Übernahme römischer Regierungseinrichtungen mitsamt der lateinischen Amts- und Gerichtssprache, um die Verordnungs- und Rechtsprechungstätigkeit der neuen Instanzen verständlich zu machen und zu legitimieren. Dies bedeutet ferner auf Dauer ein weiteres Eindringen lateinischstämmiger und sonst antiker Sprachelemente im Bereich von Regierung, Administration und Rechtsprechung in die germanisch bleibenden Sprachen der betroffenen Germanenvölker.

Eine weitere sprachliche Beeinflussung des germanischen Sprachbereichs bringt die zunächst - bereits in der Spätantike - die germanischen Eroberervölker, später auch andere europäische Völker erreichende Christianisierung mit sich. Die Verbreitung einer neuen, in starkem Maße auf einer 'altsprachlichen' 'Heiligen Schrift', lateinisch-griechisch geprägten Gebets- und Glaubensformeln, Kultformen und Kircheneinrichtungen beruhenden Religion verankert deren Sprache und Begrifflichkeit in starkem Maße in den Sprachen der missionierten Völker. Generell ist der Raum der Kirche im Mittelalter im Westen des vormaligen römischen Reichsgebiets stark lateinisch-sprachig gepägt, zumindest was die Frömmigkeits- und Amtsausübung der 'Kleriker' und Mönche betrifft. De 'Laien' pflegen ihre angestammte Alltagssprache zu sprechen; allerdings wird auch diese in ihrem Wortbestand und ihrer Begriffswelt (Lehnworte und Lehnbedeutungen) stark 'christianisiert' und damit 'lateinisch-mediterran' beeinflußt.

Mit der kirchlich-theologischen Bildung, Begriffs- und Sprachwelt verbindet sich das im Mittelalter zunächst bei Kloster- und Domschulen organisierte 'höhere' Schulwesen, d. h. ein Ausbildungssystem, in dessen Mittelpunkt geistlich-geistige Themen und Orientierungen stehen. In dessen Rahmen werden nicht nur die Fähigkeiten des sprachlichen (d. h. durchweg nur lateinischen) und geistigen Zugangs zu den (in das Lateinische übersetzten) Schriften des Alten und Neuen Testaments der Bibel und zu (lateinischsprachigen) kirchlichen Traditionen, Dokumenten und Literaturwerken, etwa der Kirchenväter, vermittelt, sondern auch - in unterschiedlicher Intensität und Qualität - Kenntnisse der aus der Antike überlieferten 'artes liberales' (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Geometrie, Arithmetik, Musik, Astronomie) und einiger Werke lateinischer oder (ins Lateinische übersetzter) griechischer Autoren (Cicero, ,Aristoteles). Mit diesen Einrichtungen der Kirche beginnt die Existenz einer von der Alltagssprache in Wortbestand und Denkweisen deutlich unterschiedenen, deutlich antik geprägten Bildungs- und Wissenschaftswelt im Bereich des Deutschen und anderer europäischer Sprachen. Die bereits in der Alltagskultur vorhandene starke Prägung der Sprache durch antikes Erbe wird dabei um ein Vielfaches vermehrt.

Dies findet eine nochmalige Steigerung in der seit dem 12. Jh. n. Chr. vor sich gehenden Herausbildung eines - dem damals 'normalen' höheren Schulwesen gegenüber - weitergehenden Bildungs- und Wissensansprüchen genügenden 'Universitäts'-Wesens, in dessen 'Fakultäten' sich die Ausbildungs- und Forschungsbedürfnisse sowohl theoretischer als auch praktischer Wissenschaftsgebiete (theologische, philosophische, juristische, medizinische) in gemeinsamer Organisation (Universität) zu verbinden pflegen. Die organisatorische Trennung der Fakultäten ist aber auch ein Grund für die Zurückführung einer ursprünglichen Dominanzstellung der Theologie und einer akzentuierten Wertschätzung der 'humaniora' in den aus der Antike stammenden Traditionen der Wissenschaften, Literatur und Künste, welche seit dem 14. Jh. einen besonderen 'Humanismus', d. h. ein besonderes, ausgeprägtes Interesse an Sprachen, Literatur, und Überlieferungen aller Art aus der Antike, begründet. Dazu gehört auch das neu erwachende Interesse an dem griechisch-sprachigen Erbe aus der Antike, das mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken i. J. 1453 von zahlreichen in den Westen gefohenen byzantinischen Gelehrten dort vermittelt wird. Es beginnt ferner, dadurch aisgelöst, in Europa die allgemeinkulturelle Bewegung der 'Renaissance'.

Allgemeinkulturell wird die deutsche Sprache aber in allen Epochen ihrer sprachgeschichtlichen Entwicklung seit ihrem Beginn in der Völkerwanderungszeit, was die Vermittlung des antiken Erbes betrifft, immer wieder auch stark geprägt von den Sprachen der romanischen Nachbarvölker, insbesondere aus dem Italienischen, Französischen und -stark französisch gepägten - Englischen, in welchen sich 'vulgärlateinische' Spätformen der provinzialen lateinischen Sprache späterhin zu besonderen 'romanischen' Sprachen forgebildet haben.

Gegen die verschiedenen Formen einer 'romanisierungsartigen' Prägung der deutschen Sprache haben sich in allen Epochen der sprachlichen Entwicklung Gegen- und Übersetzungsbewegungen gebildet, die von einer Verdeutschung der Kirchen- und Glaubenssprache des hohen Mittelalters über die Bibelübersetzung Martin Luthers im Rahmen der Reformation bis zu den deutschen Sprachvereinen der Aufklärungszeit und weiter gehen. Auch Übersetzungen von Fremd- und Lehnworten ins Deutsche haben aber durchweg nicht ändern können und wohl zumeist auch nichts äündern wollen an ihren direkt oder indirekt antik geprägten 'Lehnbedeutungen'.

Eine heutige Form des Weiterwirkens antiken Spracherbes sind die zumeist aus der Bildungs- und Wissenschaftssprache hervorgehenden 'Neologismen', die durch heutige Zusammensetzung griechisch-lateinischer Wortelemente entstehen, d. h. in der Antike noch nicht vorhanden waren. Sie entstehen auch im Bereich der Alltagskultur (Elektrizität', Telephon', 'Automobil', 'Computer') und im Bereich der Politik (z. B. 'Repräsentation', 'multilateral', 'Integration', 'Diskriminierung') prägen aber vor allem alle Wissensgebiete mit besonders ausgeprägten Fachterminologien (wie z. B. die Philologie, Philosophie, Jurisprudenz, Medizin, Chemie, Geologie, technischen und Naturwissenschaften).

b) Beispiele für die direkte oder indirekte sprachliche Prägung der heutigen deutschen Sprache durch antikes Sprach- und Gedankengut

Im folgenden werden folgende Abkürzungen verwendet, um den Weg der Prägung der deutschen Sprache anzudeuten: lat. = aus dem Lateinischen, vlat. = aus dem Vulgärlateinischen, gr. = aus dem Griechischen, fr. = aus dem Französischen, it. = aus dem Italienischen, engl. = aus dem Englischen, Nl = Neologismus.

I. Verfassung und Politik.

Nation, Staat, Konstitution, Republik, Demokratie, Demagogie, Monarchie, Krone, Thron, Residenz, Devotion, Diktatur, Parlament (vlat., fr.), Repräsentant, Debatte (vlat, fr.) Plebiszit, Plebejer, Patrizier, zivil, Elite (lat., fr.) Kaste, Publikum, Forum, Exekutive, Legislative, Dekret, Finanzen (vlat.), Magistrat, Kommune, Provinz, Region, Majorität, Kompromiß, Partei, Koalition, Opposition, Pakt, Diplomatie (gr., lat., fr.), Ressort (lat., fr.), Reform (lat., fr.), Propaganda, Kapitulation, Kontribution, Faschismus (Nl, it.), Sozialismus (Nl), Nationalismus (Nl), Konservativismus (Nl), Imperialismus (Nl).

II. Rechtsprechung und Verwaltung.

Justiz, Legalität, Norm, Administration, Kanzler, Kompetenz, Prozeß, Kalender, Datum, Polizei, Sentenz, Formular, Vogt, Advokat, Notar, Kollegium, Krminalität, Makel, Karzer, Pein, Kompensation, Kontrakt, privat, Hypothek (gr.), Testament, Rente (lat,. it.), Titel, Revers, Pfründe, Termin.

III. Militärwesen.

Armee (lat., fr.), Front, Kommando (lat, it.), General, Munition, Pfeil, Proviant, Sold, Posten, Uniform, Korps (lat., fr.), Division, Bataillon (vlat, fr.), Kompanie (vlat, it.), Revanche (lat., fr.), Terror, Strategie, Taktik, Defenive, Offensive.

IV. Literatur, Musik, Bildende Kunst, Mode.

Literatur, Schrift, Text, Poesie, Prosa, Lyrik, Elegie - Instrument, Posaune (lat., fr.), Tuba, Pfeife, Gitarre, Leier, Orgel, Konzert, Noten, Strophe, Proportion, Diskant (lat., it.), Tenor (lat., it.), Bass (lat, it.), Bariton (gr.), Alt (lat., it.), Sopran (lat. it.) - Theater, Drama, Oper Lat., it), Pose (vlat., fr.) - Porträt (lat., fr.), Idyll, Ornament - Mode (lat., fr.), Eleganz (lat., fr.), Kappe, Mantel, Pelz, Stola, Dekolleté (lat., fr.).

V. Schule und Wisssenschaften.

Universität, Schule, Pädagogik, Fakultät, Akademie, Seminar, Studium, Konvikt, Kolleg, Lektüre, Empirie, Theorie, Skepsis, Logik, Dialektik, Idee, Maximen, Prinzipien, Hypothese, Postulat, Objektivität, Realität, Kompendium, Traktat, Disposition, Problem, Thema, Philosophie, Dialektik, Rhetorik, Logik, Grammatik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie, Allotria, Nonsens.

VII. Kirchliches Leben und Moral.

Evangelium, Bibel, Kreuz, Marter, Trinität, Sakrament, Engel, Teufel, Satan, Kirche, Kathedrale, Dom, Messe, Predigt, Ritus, Fest, Priester, Bischof, Papst, Orden, Mönch, Nonne, Kloster, Laien, Pilger, Nimbus, Hostie, kasteien, Konfession, Firmung, Almosen, spenden, keusch. - Toleranz, Humanität, Liberalität, falsch, Korruption, Dekadenz, Spelunke, Kuppelei, Kriminlität.

VIII. Bauwesen und andere Technik.

Architektur, Pfeiler, Mauer, Fenster, Pforte, Fassade (lat., it.), Zisterne, Pfalz, Kastell, - Technik, Fabrik, Metall, Mörtel, Gips, Zement, Marmor, Meiler, Zwillich, Drillich, Seide(vlat.), Keramik, Porzellan (lat., it.), Mineralien, Papier, Tinte, Pulver (Bw).

IX. Medizin, Krankenfürsorge.

Körper, abdominal, zerebral, Bronchien, Poren, Muskeln, Nerven, Vene, Arterie, Hospital, Infektion, Fieber, Diarrhöe, Cholera, Epilepsie Asthma, Diabetes, Polyp, Scharlach (lat.. it.) Malaria (lat.-gr., it.) Migräne (gr. fr.), Kolik, Indikation, Operation, Patinent, morbide, Konvaleszenz, Kur.

X. Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Bankenwesen.

Weiler, Mühle, Weiher, Kübel, Molle, Pflanze, Kartoffel (Bw), Pflaume, Propf, Rettich, Zwiebel, Pfirsich, Aprikose, Kürbis, Minze, Majoran, Malve, Ptersilie, Lavendel, Wein, Öl, Essig, Rose, Lilie, Veilchen, Pfau, Terrier (lat., fr.), Kastration - Maschine (lat., fr.), Fabrik, Konditor, Konfekt, Glas, Juwelen, Papier, Modell, Elektrizität (Nl) - Pfeffer, Ingwer, Diamant, Aquamarin, Rubin - Pfund, Münze, prima, Firma, Risiko, Kosten, Preis, Profit (lat., fr.), Kasse, Fazit, Rest (lat., it.), Manko (lat., It.), Provision, Prokura, Liquidität, Dividende, Chef (vlat., fr.), Manager (lat., it., engl.) Reklame (lat., fr.).

XI. Verkehrswesen.

Straße, Platz, Karren, Kontrolle (lat., fr.), Tonne, Kiste, Esel, Station, Hotel (lat., fr.), Karte, Mole, Küste, Kurs, Kompaß (Bw) , Grad, Globus, Automobil (Nl), Telephon (Nl, Elektrizität (Nl).

XII. Häuslicher Bereich, Privatleben, Geselligkeit.

Onkel (lat., fr.), Tante (lat. fr.), Villa, Foyer (vlat, fr.), Küche, Zimmer, Keller, Pfanne, Tiegel, Tisch, Möbel, Becher, Pulle, Utensil, Semmel, - Abenteuer (vlat., fr.) , Sport (vlat., it.), Feier, Humor, Prost.

3. Das fortwirkende Erbe antiker Wissenschaft in unserer Zeit.

a) Wissenschaftliche Prinzipien, Institutionen, Verfahrensweisen und Sprache.

Noch stärker als die oben erörterten, verschiedenen Bereiche der 'Allgemeinkultur' ist die Sprache der heutigen Wissenschaft von antiken Traditionen gepägt. Sie finden sich in einer und ohne fachliche Spezialisierung kaum unübersehbaren Fülle sowohl fundamentale , institutions- und Verfahrensbezogener als auch spezieller Wissenschaftsterminologien wieder, die teilweise in Fremdworten deutlich erkennbar sind, und zwar in solchen, die direkt oder indirekt - über andere europäische Sprachen - der Antike entstammen (Beispiele: Logik, Dialektik, Kritik, Skepsis, Aporie, Empirie, Theorie, Dogma, Idee, Kategorie, Materia, Substanz, Existenz, Phänomen - Schule, Studium, Universität, Fakultät, Kolleg, Lektion/Vorlesung, Magister, Doktor, Student, Literatur, Analyse, Diagnose), oder die als wissenschaftliche 'Neologismen' im Rahmen vor allem der neuzeitlichen Wissenschaftsentwicklung neu synthetisiert (Beispiele: 'Ökologie', 'Informatik', 'Medien'-Wissenschaften) wurden; ein Anschauungsbeispiel für die Fülle neologistisch neugebildeter Fachausdrücke sei der unten widergegebenen Ausschnitt aus dem 'Klinischen Wörterbuch' von Pschyrembel, Stichwort 'Malaria'.

Medzinischer Fortschritt und antik geprägte medizinische Wissenschaftssprache.

Stichwort 'Malaria', in: W. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch mit klinischen Syndromen und einem Anhang Nomina Anatomica, 253. Aufl. Berlin, New York 1977, S. 733 f.

Es gibt auch eine Fülle wissenschaftssprachlicher Lehnwörter oder deutscher Wörter mit antik geprägten Lehnbedeutungen, in welchen das wissenschaftliche Erbe der Antike fortwirkt. Sie reicht ebenfalls von stark antik geprägten wissenschaftlich-philosophischen Grundbegriffen (Beispiele: Wahrheit, Wirklichkeit, Sein, Wesen, Notwendigkeit, Möglichkeit, Widerspruch), wie sie etwa mit der Lektüre des Aristoteles in mittelalterlichen 'höheren' Schulen und Universitäten in das deutschsprachige Bildungsleben übertragen wurden, über wissenschaftlich-institutions- und verfahrensbezogene (Beispiele: Schule, Lehrer, Wissenschaft, Begriff, Verfahren), bis zu wissenschaftlichen Fachbegriffen der unten wiedergegebenen Fächer.

b) Bis heute fortwirkende antike Wissens- und Bildungsdisziplinen i. e. S. ('artes liberales', 'enkyklios paideia') mit theoretischer und 'praktischer' Zwecksetzung.

Übersicht.

I. Grammatik.

II. Rhetorik.

III. Philosophie (Dialektik).

IV. Arithmetik.

V. Geometrie.

VI. Musik.

VII. Astronomie.

VIII. Geschichte.

IX. 'Naturalis Historia'.

X. Geographie und Ethnographie.

XI. Jurisprudenz.

XII.Medizin.

XIII. 'Architektur'

(als Gesamtheit antiker Techniken).

XIV. Theologie.

a) Beispiel 1: Geometrie.

Übung 3 C.

Aufgabe:

Welche Elemente des im folgenden wiedergegebenen Auszugs aus einem lexikalischen Kompendium der Teilgebiete der Mathematik, stammen Ihres Erachtens aus der Antike?

b) Beispiel 2: Grammatik.

Übung 3 D.

Aufgaben:

Was bedeuten die unten wiedergegebenen, aus einem grammatischen Lehrwerk (Kurt Haussig, Paul Troll, Kurzausgabe Lateinische Sprachlehre, Frankfurt M. u. a. O.1966) entnommenen Begriffe, und welche von ihnen entstammen Ihres Erachtens der Antike?

Nomen, Pronomina personalia, possesiva, demontrativa, interrogativa, relativa, Adjektiv, Komparativ, Superlativ, Deklination, Kasus, Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Verb, Konjugation, Infinitiv, Partizip, Tempora, Praesens, Imperfekt, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur, Indikativ, Imperativ, Konjunktiv, Adverb, Numeral, Subjekt, Prädikat, Objekt, Konjunktionen, oratio obliqua.

c) Beispiel 3: Astronomie.

Über die Lage der Erde im Raum. Aristoteles, Vom Himmel, 292 b, 293 a.

Dt. Übersetzung aus: Aristoteles, Vom Himmel. Von der Seele. Von der Dichtkunst. Übersetzt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Olof Gigon, München 1983, S. 124 f.

d) Beispiel 4: Geographie.

Übung 3 E.

Aufgaben:

a) Welche Elemente der im folgenden wiedergegebenen, rekonstruierten Erdkarte aus der Antike bestimmen auch noch heute unser Weltbild, welche sind nach unserer heutigen Erkenntnis fehlerhaft?

b) Worauf beruhen die Kenntnisse des antiken Geographen Eratosthenes, und was hat demgegenüber zu unserem heutigen Kenntnisstand geführt?

Antike Erdkarten (Rekonstruktionen).

Großer historischer Weltatlas, hg. vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S.12 und 13.

e) Beispiel 5: Medizin.

Antike 'Krankheitbilder'.

Abb. entnommen aus: Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006, S. 56 f.

Antike medizinische Versorgung.

Abb. entnommen aus: Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006, S. 60 und 67.

Antike medizinische Lehrschriften.

Abb. entnommen aus: Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006, S. 77.

Galenos' Kreislauf- und Organfunktionsmodell.

Schema entnommen aus: Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006, S. 89

4. Literatur, Medien, Quellen:

Literatur:

Rudolf E. Keller, Die deutsche Sprache und ihre historische Entwicklung. Bearbeitet und übertragen aus dem Englischen, mit einem Begleitwort und einem Glossar versehen von K. H. Mulagk, Hamburg 1995 2.

Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebald, Berlin, New York 1995 23.

A. Schirmer, W. Mitzka, Deutsche Wortkunde. Kulturgeschichte des deutschen Wortschatzes, Sammlung Göschen, Berlin 1965.

Adolf Henne, Das lateinische Sprachmaterial im Wortschatze der deutschen, französischen und englischen Sprache, 1904, ND Hildesheim, New York 1979.

Bernhard Kytzler, Lutz Redemund, Unser tägliches Latein. Lexikon des lateinischen Spracherbes, Kulturgeschichte der antiken Welt Bd. 52, Mainz 1992.

F. E. Petri, Handbuch der Fremdwörter in der deutschen Schrift- und Umgangssprache, Leipzig 1879.

Manfred Fuhrmann, Latein und Europa. Die fremdgewordenen Fundamente unserer Bildung. Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Köln 2001 2.

Arpad Szabo, Das geozentrische Weltbild. Astronomie, Geographie und Mathematik der Griechen, München 1992.

Helmut Gericke, Mathematik in Antike, Orient und Abendland, Wiesbaden 2003 6.

Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006.

Medien:

Stichwort 'Malaria', in: W. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch mit klinischen Syndromen und einem Anhang Nomina Anatomica, 253. Aufl. Berlin, New York 1977, S. 733 f.

Fritz Reinhard, Heinrich Soeder, dtv-Atlas zur Mathematik, Tafeln und Texte, Bd. 1: Grundlagen Algebra und Geometrie, S. 162 (Geometrie, Affine Abbildungen).

Kurt Haussig, Paul Troll, Kurzausgabe Lateinische Sprachlehre, Frankfurt M. u. a. O.1966 (passim).

Antike Erdkarten, Großer historischer Weltatlas, hg. vom Bayerischen Schulbuch-Verlag, 1. Teil: Vorgeschichte und Altertum, München 1972 5, S.12 und 13.

Theodor Mayer-Steinegg, Karl Sudhoff, Illustrierte Geschichte der Medizin. Von der Vorzeit bis zur Neuzeit, 5. Aufl., hg. von R. Herrlinger und F. Kudlien, München 2006, S. 56 f., 60, 67. 77. 89

Quellen:

Über die Lage der Erde im Raum. Aristoteles, Vom Himmel, 292 b, 293 a. Dt. Übersetzung aus: Aristoteles, Vom Himmel. Von der Seele. Von der Dichtkunst. Übersetzt, herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Olof Gigon, München 1983, S. 124 f.


LV Gizewski SS 2006

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de