Kap. 5: Zur Wirkungsgeschichte alltäglich-moralischer und ethischer Sinnorientierungen der Antike.


INHALT:

1. Zur Historizität der Geltung moralischer Gebote.

2. Zur Wirkungsgeschichte der Typen 'alltäglicher' antiker Sinnorientierungen und Moraltraditionen.

3. Zur Wirkungsgeschichte der religiösen Begründung von Moralnormen (theologische Ethik).

4. Zur Wirkungsgeschichte philosophischer Begründung von Moralnormen (philosophische Ethik).

5. Zur Wirkungsgeschichte der Ausdrucksmittel für moralische Postulate.

6. Literatur, Medien, Quellen.

1. Zur Historizität der Geltung moralischer Gebote.

Übung 5 A.

Aufgaben:

a) Untersuchen Sie die beiden folgenden Texte daraufhin, was an ihnen gleich oder ähnlich und was an ihnen unterschiedlich ist. Welcher Zeit würden Sie sie jeweils historisch ungefähr zuordnen? Können Sie die Texte aus eigenem Vorwissen identifizieren?

b) Was finden Sie selbst an den beiden Formeln als moralisch verbindlich für sich selbst und für den Kreis der Gemeinten? Aus welchen Gründen?

c) Aus welchen Gründen sind Ihres Erachtens die beiden Formeln zu ihrer Zeit hervorgegangen?

d) Was bedeutet die Form eines Gelöbnisses bzw. eines Eides für denjenigen, der sich ihrer bedient, und für andere Menschen?

2. Zur Wirkungsgeschichte 'alltäglicher' antiker Sinnorientierungen und Moraltraditionen.

Beispiele für spezifische Bereiche heutigen menschlichen Handelns unter stark wirkungsgeschichtlich geprägten Sinnorientierungen und Moralnormen:

Familiensinn.

Frömmigkeit.

'Nächstenliebe' und Humanität.

Verantwortungsvolle Klugheit und Fürsorge, Verständnisbereitschaft und Einsicht im menschlichen Umgang.

Gerechtigkeitssinn und soziales Bewußtsein.

Politisches Engagement und verantwortliche Herrschafts- und Amtsausübung.

Tapferkeit, Einsatz- und Opferbereitschaft im Interesse legitimer, dem individuellen Interesse übergeordneter Ziele.

Pädagogische Verantwortung.

Wissenschaftliches Verantwortung.

Übung 5 B.

Aufgaben:

a) Auf welche historische Person bezieht sich der Text, und welcher Autor hat ihn Ihres Erachtens geschrieben?

b) Inwiefern enthält der Text auch eine philosophische Grundstruktur? Was ist an ihm religiös? Was 'alltäglich'?

c) Welche von den im Text vertretenen moralischen und politischen Überzeugungen könnte auch noch in unsere Zeit passen, welche weniger? Wie würden Sie in unserer Zeit politisches Engagement begründen?

3. Zur Wirkungsgeschichte der religiösen Begründung von Moralnormen (theologische Ethik).

Übung 5 C.

Aufgaben:

a) Wo würden Sie die beiden im folgenden wiedergegebenen Texte historisch einordnen? Welche Gemeinsamkeiten haben sie ? Worin sind sie unterschiedlich?

b) Welche in ihnen vertretenen Grundüberzeugungen wirken Ihres Erachtens bis in unsere Zeit fort, einmal im religiösen Leben, zum anderen außerhalb des religiösen Lebens?

c) Was erscheint ihnen in den wiedergebenen Textausschnitten unrichtig, unbeachtlich oder übertrieben, was akzeptabel oder richtig?

4. Zur Wirkungsgeschichte der philosophischen Begründung von Moralnormen (philosophische Ethik).

a) Beispiele für wichtige Reflexions- und praktische Anwendungsbereiche:

Systematische Lehre von den Werten und Tugenden.

Differenz der Ansätze philosophischer Moralbegründung.

Sozial und politisch motivierte Ethiksysteme.

Literarische und sonst künstlerische Formen moralischen 'Engagements'.

b) Axiomatische Grundpositionen traditioneller und 'moderner‘ Moral- und Ethiksysteme.

Zusammenfassung: Christian Gizewski.

Bildliche Übersicht entnommen aus: Putzger. Atlas und Chronik zur Weltgeschichte. Hg. von Cornelsen-Verlag unter Mitarbeit von E. Bruckmüller, P. C. Hartmann und Redaktion von R. Kasper und G. Schwarzrock. Große Ausgabe, Berlin 20021, S. 40 f. (Griechische Literatur und Philosophie im Überblick).

c) Beispiel: Zur wirkungsgeschichtlichen Tradition philosophisch-ethischer Unbeugsamkeit gegenüber einer 'unvernünftigen' Umwelt.

Text der deutschen Übersetzung nach: Platon, Apologie des Sokrates. Griechisch - Deutsch. Übesetzt und herausgegeben von Manfred Fuhrmann, Stuttgart 1992, S.4 - 89.

d) Beispiel: Zur wirkungsgeschichtlichen Tradition einer vernünftigen Bestimmung persönlicher Sinnorientierung und Moral.

Text der deutschen Übersetzung nach: Seneca, Von der Kürze des Lebens. Über den Zorn. Von der Muße. Übersetzt von H. M. Endres, München um 1960, S. 9 - 35.

5. Zur Wirkungsgeschichte der künstlerischen Ausdrucksmittel für moralische Prinzipien.

Übung 5 D.

Aufgaben:

a) Vergleichen Sie die beiden im folgenden wiedergegebenen Löwendarstellungen miteinander und ordnen Sie sie, soweit möglich, historisch ein.

b) Welche wirkungsgeschichtlichen Zusammenhänge könnten zwischen beiden Plastiken bestehen?

Übung 5 E.

Aufgaben:

a) Auf welchen der Antike entstammenden Text bezieht sich das im folgenden wiedergegebene Bild? Was zeigt es im einzelnen?

b) Welche moralische und politische Kritik kommt in dem Bild zum Ausdruck, und für welche positiven Werte menschlichen Verhaltens umgekehrt setzt es sich womöglich ein? Wieso wird dafür der Rückgriff auf ein antikes Motiv gewählt? Wieso konnte Ihres Erachtens das Bild seinerzeit zum Gegenstand einer politischen Kampagne werden?

Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Hg. von T. Schwegler, A.Herzog und J. Perk, Zürich u. a. O. 1974 4, S. 1428 f.

Übung 5 F.

Aufgaben:

a) Welcher Kunstgattung welcher Zeit würden Sie den im folgenden wiedergegeben Textausschnitt zuordnen?

b) In welcher Weise und für welche mutmaßlichen Zwecke nimmt der Text Ihres Erachtens auf welche moralisch beispielgebenden Figuren aus der antiken Mythologie Bezug?

Abb. entnommen aus: D. M. Field, Die Mythologie der Griechen und Römer, Deutsche Ausgabe, Zollikon/Schweiz 1977, S. 166

6. Literatur, Medien, Quellen.

Literatur:

Karl Vorländer, Geschichte der Philosophie. Mit Quellentexten. in 3 Bänden (Antike; Mittelalter und Renaissance; Neuzeit bis Kant). Auf der Grunndlage der Bearbeitung von Erwin Metzke und Hinrich Knittermeyer und der Auswahl von Quellentexten durch Ernesto Grassi und Eckhard Kessler neu herausgegeben von Herbert Schnädelbach unter Mitarbeit von Anke Thyen, (1949) Hamburg 1990.

Jan Rohls, Geschichte der Ethik, Tübingen 1991.

Alasdair MacIntyre, Geschichte der Ethik im Überblick (Teil der 1966 in New York erschienenen amerikanischen Originalausgabe ' A Short History of Ethics. A history of moral philosophy from the Homeric age to the twentieth century', übersetzt von Hans-Jürgen Müller , Frankfurt M. 1991.

Medien:

G. Mann, P. Kluke. W. Conze, O. E. Schüddekopf, K. D. Bracher, H. A. Jacobsen, H. Herzeld, D. Srothmann, W. Zill, Unser Jahrhundert im Bild, Gütersloh 1964, S. 418: Lovis Corinth, Ecce homo (1925).

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791), Ascanio in Alba, KV 111. Festa teatrale in zwei Teilen. Textwiedergabe in einem Begleitheft zur Berliner Erstaufführung im Nov. 2006, S. 7 ff. (14).

Putzger. Atlas und Chronik zur Weltgeschichte. Hg. von Cornelsen-Verlag unter Mitarbeit von E. Bruckmüller, P. C. Hartmann und Redaktion von R. Kasper und G. Schwarzrock. Große Ausgabe, Berlin 20021, S. 40 f. (Griechische Literatur und Philosophie im Überblick).

D. M. Field, Die Mythologie der Griechen und Römer, Deutsche Ausgabe, Zollikon/Schweis 1977, S. 166 (Pompejanisches Fresko mit Darstellung der Venus, des Aeneas und des Ascanius).

Preußen. Kunst und Architektur. Hg. von G. Streit und P. Feierabend. Photographien von K. Frahm und H. Immel. Beiträge vo, E. Badstübner, G. Bartoschek u. v. a. , Köln 1999, S. 504 f. (Grab Gustav von Scharnhorsts auf dem Invalidenfriedhof in Berlin).

Quellen:

Matthäus-Evangelium, Kap. 5, 21 - 48. Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Hg. von T. Schwegler, A.Herzog und J. Perk, Zürich u. a. O. 1974 4, S. 1428 f.

Matthäus-Evangelium, Kap. 27, 11 - 30. Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Hg. von T. Schwegler, A.Herzog und J. Perk, Zürich u. a. O. 1974 4, S. 1460.

2. Buch Mose, Kap. 19, 16 - 20, 18. Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Hg. von T. Schwegler, A.Herzog und J. Perk, Zürich u. a. O. 1974 4, S. 116 f.

Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und Römer. Auswahl, Übersetzung, Einleitung und Anmerkubgen von Jutta Kollesch und Diethard Nickel, S. 42 f.

'Genfer Gelöbnis', formuliert 1948 vom Weltäztebund; zugleich Präambel der Berufsordnungen der einzelnen deutschen Ärztekammern.

Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia. Denkwürdige Taten und Worte. Lateinisch - Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Ursula Blank-Sangmeister, Stuttgart 1991.

Marcus Tullius Cicero, De re publica - Vom Gemeinwesen. Lateinisch - Deursch. Übersetzt und herausgegeben von Karl Büchner, Stuttgart 1981, S. 334 - 353.

Seneca, Von der Kürze des Lebens. Über den Zorn. Von der Muße. Übersetzt von H. M. Endres, München um 1960, S. 9 - 35.


LV Gizewski SS 2006

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de