Kap. 7: Die politischen Traditionen der Antike in der Neuzeit.


INHALT:

1. Nachwirkung politischer Sprache und Symbolik, Theoriebildungen und Typologien der Antike.

2. Wirkungsgeschichte politischer Mächte und Gesellschaften der Antike.

3. Politische und militärische Akteure und Aktionen der Antike mit prägender Wirkung noch für unsere Zeit.

4. Literatur, Medien, Quellen.

1. Nachwirkung politischer Sprache und Symbolik, Theoriebildungen und Typologien der Antike.

a) Zur Nachwirkung politischer Sprache der Antike in unserer Zeit.

Übung 7 A.

Aufgaben:

a) Versuchen Sie, mit ihrem gegebenen sprachlichen Wissen, die antike Herkunft der im folgenden aufgeführten politischen oder politiknahen, in der deutschen Sprache verwendeten Lehnwörter, Lehnübersetzungen und Fremdwörter herauszufinden.

b) Gibt es für diese Wörter gebräuchliche, angemessen kurze und sinnentsprechende Ausdrucksalternativen im Deutschen? Können Sie irgendwelche Gemeinsamkeiten oder Gruppen in dem sprachgeschichtlichen Übernahmegut entdecken?

b) Nachwirkung antiker Bildelemente in politischer Symbolik unserer Zeit.

Wiederholung: Übung A aus Kap 1 .

Aufgaben:

a) Welche Farben, Formen, Bildsymbole und sprachlich formulierten Devisen stellen Sie auf den im folgenden zusammengefaßten Staatswappen moderner Staaten fest?

b) Was soll die jeweilige Symbolik an kulturellem und politischem Selbstverständnis des symbolisch repräsentierten Staates zum Ausdruck bringen?

c) Wo vermuten Sie in der jeweiligen Symbolik und ihren einzelnen Elementen gewollte oder auch evtl. unbewußte Traditionsbezüge zu antiken Ideen- und Bildmotiven?

d) Wie erklären Sie sich diese Wirkungskraft antiker Ideen- und Bildmotive? Wie ist ihre geschichtliche Entwicklung von der Antike bis in unsere Zeit nachweisbar?

Staatswappen moderner Staaten mit ganz oder teilweise antik vorgeprägter Bildsymbolik.

Abbildungen entnommenntnommen aus: dtv-Lexikon politischer Symbole A - Z in einem Band. Einleitung von A. Rabbow. Graphische Gestaltung: Harald und Ruth Bukor, München 1970, Bildteil nach S. 160.

c) Nachwirkung antiker politischer Theoriebildungen und Typologien.

aa) Der Souveränitätsbegriff.

Übung 7 B.

Aufgaben:

a) Von welchem antiken oder nachantiken Autor stammt Ihres Erachtens der in der Anlage auszugsweise wiedergegebene Text? Begründen Sie Ihre Auffassung.

b) Auf welche antike Autoren bezieht sich der Verfasser? Inwiefern ist dies Ihres Erachtens von Bedeutung.

c) Teilen Sie die Auffassung des Verfassers, ein Volk könne die Staatsgewalt über sich selbst aufgeben und an bestimmte Personen oder an andere Völker übertragen? Was spricht dafür, was dagegen? Gehört diese Frage dem Recht zu? In welchen wissenschaftlichen Fachgebieten wird sie heute erörtert?

bb) Die Typologie der Staatslehre.

Übung 7 C.

Aufgaben:

a) Aus welcher Zeit und von wem stammt Ihres Erachtens der beigefügte Textausschnitt?

b) Welche Staatsverfassungen hebt der Autor typologisierend hervor? Welchen gegenüber hat er gewisse strukturelle Bedenken oder gar spürbare Antpathien? In welchem politischen Lager seiner - und übertragen sogar unserer - Zeit würden Sie ihn insoweit einordnen? Wo sieht er einen Ausweg aus strukturellen Defiziten der von ihm erörterten Staatstypen?

d) Welche politische Entwicklung seiner Zeit deutet sich Ihres Erachtens im Denken des Autors an?

e) Welche politisch-philosophischen und politisch-ideologischen Vorgänger und Nachfolger hat der Autor mit seinem Denken gehabt?

cc) Die Präsenz des antiken Begriffs des 'Reiches' und seiner Komponenten (> imperium, provincia, occupatio) in neuzeitlichen und modernen Recigs- und Staatenbildungen..

dd) Die Präsenz des antiken Begriffs des 'Kaisertums' (> Caesar, Imperator, Augustus, lege solutus, suprema potestas) in absolutistisch-monarchischen und caesaristischen ('diktatorischen') Herrschaftskonzepten der Neuzeit und Gegenwart .

ee) Die Präsenz des antiken Begriffs der 'Urbanität' (> Urbs [Roma], barbari, regimen orbis) in neuzeitlichen und gegenwärtigen Konzepten 'politischer Kultur' .

2. Langanhaltende Wirkungsgeschichte politischer Mächte und Gesellschaften der Antike.

Themenbeispiele für eine solche Nachwirkung:

Israel,
das 'klassische' Hellas,
das Perser- und das Alexanderreich,
das Imperium Romanum der Republik und der Kaiserzeit,
antike Barbarenvölker wie Kelten und Germanen.

Übung 7 D.

Aufgaben:

a) Welche historische Epoche zeigt das Bild? Was hebt es zu diesem Zweck im einzelnen hervor? Wie wirkt das Bild auf Sie? Welcher Stilepoche würden Sie es zuordnen?

b) Warum - insbesondere wegen welcher neuzeitgeschichtlicher politischer Entwicklungen und Ereignisse - könnte der Maler das Motiv aufgegriffen haben?

Gemälde 'Die Akropolis des Perikles' von Vicenzio Lanza. Um 1830.

Abb. entnommen aus: Mythen der Nationen. Ein europäisches Panorama. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung März - Juni 1998 in Berlin. Hg. von Monika Flacke. S. 337 (Kommentierung S. 152 ff.).

3. Politische und militärische Akteure und Aktionen der Antike von bis in unsere Zeit bestehender exemplarischer Wirkungsmacht.

Themenbeispiele: Perikles, Alexander, Caesar, Augustus. Die punischen Kriege und die Zerstörung Karthagos. Caesars 'Gallischer Krieg'. Die Begründung der augusteischen Kaiserherrschaft. Die politische Einführung des Christentums durch Kaiser Konstantin. Die Herrschaft des Gotenkönigs Theoderich in Italien.

Übung 7 E.

Aufgaben:

a) Auf welches historische Ereignis bezieht sich das Bild von Anton von Werner?

b) Welche aus der Antike stammenden bildthematischen und ornamentalen Elemente sind in dem Bild verwendet. Auf welche Herrscher antiker Geschichte nimmt das Bild letztlich Bezug?

c) Was will der Maler mit diesen Bildbezügen politisch zum Ausdruck bringen?

Gemälde 'Die Kaiserproklamation in Versailles' von Anton von Werner. Fassung 1885.

Abb. entnommen aus: Mythen der Nationen. Ein europäisches Panorama. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung März - Juni 1998 in Berlin. Hg. von Monika Flacke. S. 333 (Kommentierung S. 120 ff.).

Übung 7 F.

Aufgaben:

a) Versuchen Sie, den beigefügten Textausschnitt geschichtlich einzuordnen. Wer ist der Autor? Wozu schreibt er den Text?

b) Stellen sie aus dem lateinischen und dem griechischen Text Worte zusammen, die Ihnen sprachlich bekannt vorkommen, und unter diesen besonders solche, die heute poliische oder politiknahe Bedeutung haben.

c) Wie sieht die in dem Text beschriebene Macht- und Herrschaftsstellung aus, nach 'außen' und nach 'innen'.

d) Was an dieser Stellung hat Ihres Erachtens in spätere Zeiten fortgewirkt? Was sogar in unsere Zeit?

4. Literatur, Medien, Quellen.

a) Zur wissenschaftlichen Bedeutung der antiken Quellensprachen für eine Wirkungsgeschichte antiker politischer Ideen.

Übung 7 G.

Aufgaben:

a) Ordnen Sie den beigefügten Text historisch ein. Gehört er der Antike zu oder späteren Zeiten? Worum geht es dort, soweit Sie es mit Ihren gegenwärtig gegebenen Sprachkenntnissen beurteilen können? In welchen Zeiten hat dieser Text rechtliche Bedeutung entfaltet?

b) Welche Bedeutung könnte der Text für einige thematische Aspekte dieses Kapitels haben? Was bedeuten insbesondere die Begriffe 'dominium', 'occupatio', 'ius gentium', 'ratio naturalis', 'hostis', 'servitus'?

c) Gibt es nach Ihrer Kenntnis ein Okkupationsrecht im heutigen deutschen Zivilrecht? Was ist sein Inhalt? Gibt es nach Ihrer Kenntnis heute ein völkerrechtliches Okkupationsrecht? Was ist sein Inhalt?

b) Literatur.

H. Fenske, D. Mertens, W. Leonhard, K. Rosen, Geschichte der politischen Ideen. Von der Antike bis zur Gegenwart, Frankfurt M 1997.

Bernhard Kytzler, Lutz Redemund, Unser tägliches Latein. Lexikon des lateinischen Spracherbes, Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd, 52, Mainz 2002 6.

Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seibold, Berlin, New York 1995 23 .

dtv-Lexikon politischer Symbole A - Z in einem Band. Einleitung von A. Rabbow. Graphische Gestaltung: Harald und Ruth Bukor, München 1970, Bildteil nach S. 160.

Hans Schlossrer, Grundzüge der Neueren Privatrechtsgeschichte. Ein Studienbuch. Völlig überarbeitete und erweiterte Auflage des von E. Molitor begründeten Werks, Heidelberg, Karlsruhe 1979.

Wilhelm G. Grewe, Epochen der Völkerrechtsgeschichte, Baden-Baden 1988 2.

c) Medien:

Mythen der Nationen. Ein europäisches Panorama. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung März - Juni 1998 in Berlin. Hg. von Monika Flacke. S. 333 (152 ff.) und 337 (152 ff.) .

d) Quellen:

Cicero, De re publica. Vom Gemeinwesen. Lateinisch - Deutsch,. Übersetzt und herausgegeben von Karl Büchner, Stuttgart 1981.

Augustus, Res gestae, Tatenbericht. Lateinisch - Griechisch - Deutsch. Übersetzt, herausgegeben jnd kommentiert von Marion Giebel, Stuttgart 1980.

Hugo Grotius, De Jure Belli ac Pacis. Libri tres. Drei Bücher vom Rechte des Krieges und des Friedens. Paris 1625. Nebst einer Vorrede von Christian Thomasius zur ersten deutschen Ausgabe des Grotius vom Jahre 1707. Neuerer deutscher Text und Einleitung: Walter Schätzel, Tübingen 1950 (Über die 'suprema potestas' / 'Souveränität').

Corpus Iuris Civilis. Editio stereotypa septima. Volumen primum: Institutiones, recognovit Paulus Krueger. Digesta, recognovit Theodorus Mommsen. Berolini apud Weidmannos MDCCCXCV (iS. 644).


LV Gizewski SS 2006 und WS 2006/2007

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de