Zwei religiöse Ableitungen grundsätzlicher Moralnormen.


19, 16 Am dritten Tage nun, als es Morgen wurde, da fing es an zu donnern und zu blitzen; schweres Gewölk lag auf dem Berge, und mächtiger Posaunenschall ertönte. Da erbebte das ganze Volk im Lager. 17 Moses aber führte das Volk aus dem Lager heraus Gott entgegen, und sie stellten sich auf am Fuße des Berges. 18 Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil Jahve im Feuer auf ihn herabgefahren war; der Rauch stieg von ihm auf wie der Rauch eines Schmelzofens, und der ganze Berg erbebte heftig. 19 Der Posaunenschall wurde immer stärker und stärker. Moses redete, und Gott antwortete ihm im Donner. 20 Als nun Jahve auf den Berg Sinai herabgefahren war, auf den Gipfel des Berges, berief Jahve den Moses auf den Gipfel des Berges, und Moses stieg hinauf. 21 Da sprach Jahve zu Moses: "Steige hinab und schärfe dem Volke ein, nicht zu Jahve durchzubrechen, um Ihn zu schauen; sonst würde eine große Zahl von ihnen umkommen. 22 Auch die Priester, die Jahve nahen dürfen, sollen sich heiligen, damit Jahve nicht gegen sie losbreche." 23 Moses gab Jahve zur Antwort: "Das Volk kann den Berg Sinai nicht hinaufsteigen, denn Du hast uns eingeschärft, um den Berg eine Grenze zu ziehen und ihn für unnahbar zu erklären." 24 Jahve aber sprach zu ihm:"Steig nur hinunter, und dann komme mit Aaron wieder herauf! Die Priester aber und das Volk dürfen die Schranken nicht durchbrechen, um zu Jahve emporzusteigen, damit Er nicht gegen sie losfahre!" 25 stieg Moses zum Volke hinunter und berichtete es ihm.

20, 1 Hierauf gab Jahve all die folgenden Gebote: 2 "Ich, Jahve, bin dein Gott, der dich herausgeführt hat aus Aegypten, aus dem Hause der Knechtschaft. 3 Du sollst keine anderen Götter neben Mir haben! 4 Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen, keinerlei Figur von Dingen, die am Himmel droben oder auf der Erde drunten oder im Wasser unter der Erde sind! 5 Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und sie nicht verehren. Denn Ich, Jahve, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Missetat der Väter an den Kindern heimsucht bis ins dritte und vierte Geschlecht derer, die Mich hassen, 6 der aber Gnade erweist bis ins tausendste Geschlecht derer, die Mich lieben und Meine Gebote halten. 7 Du sollst den Namen Jahves, deines Gottes, nicht leichtsinnig aussprechen! Denn Jahve wird den nicht ungestraft lassen, der Seinen Namen leichtsinnig ausspricht. 8 Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heilig haltest! 9 Sechs Tage magst du arbeiten und alle deine Geschäfte besorgen. 10 Doch der siebte Tag ist ein Ruhetag zu Ehren Jahves, deines Gottes. Da darfst du keinerlei Arbeit tun, du selbst nicht, noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Knecht noch deine Magd, auch nicht dein Vieh, noch der. Fremdling, der bei dir innerhalb deiner Tore weilt.11 Denn in sechs Tagen hat Jahve den Himmel und die Erde geschaffen, das Meer und alles, was in ihnen ist; am siebten Tage jedoch hat Jahve geruht. Darum hat Jahve den Sabbattag gesegnet und für heilig erklärt. 12 Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf daß du lange lebest in dem Lande, das Jahve, dein Gott, dir geben wird! 13 Du sollst nicht töten! 14 Du sollst nicht ehebrechen. 15 Du sollst nicht stehlen. 16 Du sollst gegen deinen Nächsten kein falsches Zeugnis ablegen. 17 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, noch seinen Knecht, seine Magd, sein Rind, seinen Esel, noch irgendetwas , was deinem Nächsten gehört!

18 Als aber das Volk das Donnern und Blitzen, den Posaunenschall und den rauchenden Berg wahrnahm, da fürchtete es sich ; sie zitterten und blieben in der Ferne stehen. 19 Und sie sprachen zu Moses: "Rede du mit uns, so wollen wir hören; Gott aber möge nicht zu uns reden, sonst sterben wir. 20 Moses aber antwortete dem Volke: "Seid ohne Furcht! Denn nur um euch zu prüfen, ist Gott gekommen, und damit die Furcht vor ihm in euch lebendig bleibe, auf daß ihr nicht sündigt." So blieb das Volk in der Ferne stehen. Moses aber nahte sich dem Wolkendunkel in dem Gott war.


211hr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: 'Du sollst nicht töten, wer aber tötet, soll dem Gerichte verfallen'. 221ch aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder zürnt, soll dem Gerichte verfallen. Wer zu seinem Bruder sagt: 'Du Dummkopf!', soll dem Hohen Rate verfallen. Und wer zu ihm sagt: 'Du Gottloser!', soll der Feuerhölle verfallen. 23 Wenn du also deine Gabe zum Altare bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so laß deine Gabe dort vor dem Altare, geh hin und versöhne dich zuvor mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe. 25 Versöhne dich schnell mit deinem Widersacher, solange du mit ihm unterwegs bist, damit der Widersacher dich nicht dem Richter übergebe, der Richter dem Gerichtsdiener, und du in den Kerker geworfen werdest, 26 Wahrlich, ich sage dir, du wirst da nicht herauskommen, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast. - 27 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht ehebrechen. 281ch aber sage euch: Wer eine [vergebene] Frau begehrlich ansieht , hat schon in seinem Herzen Ehebruch mit ihr begangen. 29 Wenn dein rechtes Auge dich zum Bösen reizt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, daß eines deiner Glieder verlorengehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. 30 Und wenn deine rechte Hand dich zum Bösen reizt, so haue sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, daß eins deiner Glieder verloren gehe, als daß dein ganzer Leib in die Hölle komme. - 31 Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau entläßt, gebe ihr einen Scheidebrief. 321ch aber sage euch: Jeder, der seine Frau entläßt, ausgenommen wegen Ehebruchs, macht sie zur Ehebrecherin. Auch wer eine [wegen Ehebruchs] Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. - lhr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt worden ist: 'Du sollst nicht falsch schwören und dem Herrn deine Schwüre halten.' 34 Ich aber sage euch: Ihr sollt überhaupt nicht schwören, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, 35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs. 36 Auch bei deinem Haupte sollst du nicht schwören, denn du kannst nicht ein einzeiges Haar darauf weiß oder schwarz machen. 37 Eure Rede sei vielmehr: Ja, ja, nein, nein, alles Weitere ist vom Übel. - 381hr habt gehört, daß gesagt worden ist: 'Auge um Auge, Zahn um Zahn.' 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht. Vielmehr, wer dich auf die rechte Backe schlägt, dem wende auch die andere zu. 40 Wer mit dir rechten und dir den Rock nehmen will, dem laß auch den Mantel. 41 Wer dich zwingt zu einer Meile, mit dem gehe zwei. 42Wer dich bittet, dem gib, wer von dir borgen will, den weise nicht ab. - 43 Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: 'Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.' 44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger, 45 damit ihr Kinder eures himmlischen Vaters werdet, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen und über Gerechte und Ungerechte regnen lässt. 46 Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was für ein Verdienst habt ihr davon? Tun das nicht auch die Zöllner? 47Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? 48 Tun das nicht auch die Heiden? Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.


LV Gizewski SS 2006 und WS 2006/2007

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de