Kap. 7: Bildmythen in Musik, Malerei, Plastik, Architektur und Städtebau.

ÜBERSICHT

1) Die Nähe i. w. S. bildlicher (nicht-verbaler) Sprachen zu mythischen Aussagen aller Art.

2) Arten antiker bildsprachlicher Mythen.

3) Zu den Ausdrucksmitteln antiker Bildmythen.

e) Literatur, Medien, Quellen.

1) Die Nähe i. w. S. bildlicher (nicht-verbaler) Sprachen zu mythischen Aussagen aller Art.

Es sei hier angenüpft an die Ausführungen des vorigen Kapitels (Kap. 6, 1. Abschnitt) , in denen sprech- und schriftsprachliche Mythen einerseits und bildsprachliche Mythen i. w. S. andererseits begrifflich voneinander unterschieden werden.

'Bildsprachliche' Ausdrucksmittel i. w. S. sind danach solche 'nicht-verbaler' Art, die nicht nur optisch wahrnehmbare gestaltete Abbildungen (Malerei, Plastik), sondern auch akustische (Musik) , mimische und gestische Expressionen (Theater), Zeremonien und Prozessionen (des religiösen Kults oder der Politik) oder räumlich-formale Gegenstandanordnungen (Architektur und Städtbau) einschließen.

Bildsprachlichen Ausdrucksmitteln fehlt die der Sprech- und insbesondere der Schriftsprache, wie erwähnt, zumindest potentiell innewohnende Fähigkeit zur Bildung objektivierbarer realitätsangemessener Begriffe und wahrer, logischer Aussagen; denn diese Fähigkeit setzt die semantischen und grammatischen Grundstrukturen einer Sprech- oder Schreibsprache notwendig voraus. Man kann sagen, objektiverbare Erkenntnis und sprachlicher Ausdruck hängen notwendig zusammen.

Dennoch vermögen bildsprachliche Ausdrucksmittel näherungsweise Vorstellungen, Begriffe und Urteile zu vermitteln. Die entsprechenden Botschaften bedürfen jedoch, um eindeutig zu werden, der sprachlichen Kommentierung durch den Autor bzw. der verstehenden sprachlichen Interpretation durch den Rezipienten.

Die Stärke bildsprachlicher Ausdrucksmittel für die zwischenmenschliche Verständigung im Vergleich zur Sprech- und Schriftsprache liegt dagegen in ihrer relativen Kürze, sinnlichen Anschaulichkeit und Einprägsamkeit.

Die mit der Übersetzung bildsprachlicher Botschaften in schreib- und sprechsprachliche Aussagen verbundenen Schwierigkeiten und die in ihrer unmittelbaren Wirkung liegende Einprägsamkeit machen sie nicht nur für die Übermittlung aller möglichen alltäglichen Irrtümer und Täuschungen, sondern auch für die Übermittlung und Verstärkung publikumswirksamer, ja geschichtlich bedeutsamer Mythen besonders geeignet. Die bildsprachliche Formulierung kommt der Natur des Mythos als einer in einem wahrheitsindifferenten oder -resistenten Meinungsbildungsverfahren erzeugten Aussage oder Aussagenverbindung in besonderem Maße entgegen.

Übung 7.

AUFGABEN:

Untersuchen Sie die unter 2) wiedergegebene Darstellung der 'Athena Promachos' unter folgenden Aspekten:

a) Welchen religiös-kultischen und welchen politisch-repräsentativen Zweckbestimmungen dient das Bild Ihres Erachtens?

b) Welche Bildelemente treten nach Ihrem Eindruck als wichtige hervor, und was bedeuten sie? Mit welchen plastischen und - vermutugsweise - raumgestalterischen Mitteln wird die Bedeutung der Bildelemente unterstrichen?

c) Welche mythischen Aussagenelemente religiöser und politischer Art enthält das Götterbild?


2) Arten antiker bildsprachlicher Mythen.

Das wird deutlicher, wenn man Gattungen kunstgerechter Anwendung der Bilddsprachen i. w. S. definiert und auf ihre Nähe zu mythischen Aussagen hin untersucht. Unterscheiden lassen sich dabei im Hinblick auf das vorliegende Thema zweckmäßigerweise:

a) die Bildallegorie,

b) die bildsprachliche Imagination,

c) die bildsprachliche symbolische Repräsentation,

d) die Bilderzählung,

e) die Personifikation,

f) die Numinisierung.

Unter Bildallegorie in einem weiteren, alle Bildsprachen einbeziehenden Sinne ist die alternative Formulierung einer sprech- oder schriftsprachlichen Mitteilung mit den Ausdrucksmitteln einer Bildsprache zu verstehen, also zum Beispiel die Mitteilung der Bedeutung eines politischen oder militärischen Sieg an ein Publikum durch öffentliche Aufstellung einer Victoria-Statue oder durch öffentliche Aufführung einer musikalischen Siegeshymne (wobei hier nur der rein musikalische Aspekt, nicht ein mit diesem verbundener sprachlicher Text zu beurteilen ist). Bildallegorien in diesem Sinne eignen sich für die Vereinfachung des Problematischen und Schwerverständlichen oder für die Veranschaulichung des Abstrakten und nicht sinnlich Faßlichen. Aus diesem Grunde sind sie für die Übermittlung sprech- oder schriftsprachlicher Mythen disponiert; denn sie blenden die in der Sprache liegenden o. e.wahrheitsbezogenen Kontrrollpotentiale aus und über ihre Übermittlungswirkung unmittelbar aus.

Bildallegorie auf das immer, auch auf See, siegreiche makedonische Herrscherhaus: Nike von Samothrake.

Hauptfigur von einer inmitten des seit Philipp II. zum Herrschaftsbereich des Makedonenhauses gehörenden Hauptortes der Insel Samothrake in Gestalt eines Schiffsbugs errichteten Brunnenanlage. Entstehungszeit: 2. Jh. v. Chr. Heutiger Standort: Loevre, Paris. Abb. entnommen aus: T. B. L. Webster, Hellenismus, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', übersetzt von Ulrike Timme, (1966) Baden-Baden 1979, Titelseite.

Unter bildsprachlicher Imagination ist die imaginäre Darstellung von etwas nicht sinnlich oder begrifflich unmittelbar Zugänglichem durch bildsprachliche Ausdrucksmittel zu verstehen. Die Unzugänglichkeit kann etwa darauf beruhen, daß der Gegenstand der Darstellung einer unaufgehellten Vergangenheit, einer unvorhersehbaren Zukunft oder einer angenommenen übersinnlichen Sphäre, insbesondere der Götter- und Geisterwelt, angehört. Der gesamte Bereich derartiger Imagination ist durch menschliche Phantasien und, soweit diese allgemeine Verbreitung und Wirksamkeit finden, mythisch bestimmt.

Athene Parthenos, Schutzgöttin Athens. Kleinkopie des von Phidias geschaffenen,. i. J. 438 v. Chr. im neuen Pathenon-Tempel der Athener Akropolis aufgestellten Standbildes der Göttin.

Heutiger Standort der sog. 'Varvakion-Statuette: Athen, Nationalmuseum'. Abb. entnommen aus: Heiner Knell, Mythos und Polis. Bildprogramme griechischer Bauskulptur, Darmstaft 1990, S. 97.

Seitenansicht.

Abb. entnommen aus: Walter-Herwig Schuchhardt, Geschichte der griechischen Kunst. Mit 310 Abbildungen im Text und 3 Übersichtsplänen., Stuttgart 1971, S. 329. Dort - S. 328 - 331 - auch eine eingehende Bildbeschreibung.

Die bildsymbolische Repräsentation schafft sinnlich wahrnehmbare Zeichen, die für komplexe Institutionen, Geschehnisse, Handlungszusammenhänge, Ideensysteme oder Überzeugungen stehen, d. h. sie einem Publikum in Kurzform als bestehend oder richtig vermitteln, sie 'repräsentieren' sollen. Bildsymbole dieser Art sind zum Beispiel

der Adler als repräsentatives Zeichen für die Präsenz eines der göttlichen Sphäre nahestehenden Herrschers

oder der siebenarmige Leuchter als jüdisches Symbol des Glaubens an die Manifestation des unsichtbaren und menschlicher Erkenntnis unzugänglichen Gottes in der an sieben Tagen erschaffenen Welt

oder die griechischen Buchstaben Alpha und Omega in Verbindung mit einem Christusbild als Bekenntnis zur uranfänglichen und unendlichen Göttlichkeit des in Jesus Christus menschgewordenen Gottesssohns

Da die Bildsymbolik einerseits für alle Inhalte offen, d. h. wahrheitsindifferent, andererseits sehr kurz und einprägsam zu sein pflegt, eignet sie sich weniger für die Einführung und Erläuterung neuer als für die Verbreitung und Verstärkung bereits bekannter öffentlichkeitswirksamer Mythen aller Art.

Adlermotive im Laufe der Geschichte.

PDF-Datei mit Bildnachweisen und genauerer Motiv-Beschreibung.


Eine jüdische symbolisch-bildliche Darstellung Jahves.

Bildausschnitt aus einer Wandmalerei an der Westwand der jüdischen Synagoge von Dura-Europos, entstanden um 250 n. Chr. Abb. entnommen aus: A. Nachama, G. Sievernich (Hg.), Jüdische Lebenswelten, Katalog zur Ausstellung 'Jüdische Lebenswelten' im Martin-Gropius-Bau Berlin 1991, Bd. 1, Berlin 1991, S. 52.


Eine frühchristliche Darstellung des Jesus Christus als Anfangs und Endes der Welt.

Abbildung auf einem Wandgemälde in der Katakombe S. Commodilla, südlich von Rom, aus dem 4. Jh. n. Chr., in: John Mc Manners (Hg.), Geschichte des Christentums, deutsche Übersetzung von Wolfdietrich Müller, Frankfurt, New York 1993, S. 45.

Die Gattung der bildsprachlichen Erzählung schildert Geschehensabläufe oder Zustände, die in der Sprech- oder Schreibsprache historisch, rhetorisch, dramatisch oder in Form einer Fabel, Parabel oder romanhaften Erzählung gestaltet zu werden pflegen, mit bildsprachlichen Ausdrucksmitteln. Als Beispiele können antike Historienbilder wie etwa die 'Alexanderschlacht' oder realitätsbezogene Städte-, Landschafts- und Personendarstellungen dienen. Sie sind in demselben Maße offen für die Übermittlung von Mythen wie ihre sprech- und schriftsprachlichen Parallelformen, ja in höherem Maße; denn ihre Anschaulichkeit darf nicht nur nicht mit Wahrheit verwechselt werden, sondern erhöht nur einen Glaubwürdigkeitsschein, der die Verbreitung mythischer Botschaften besonders begünstigt.

Der Mythos von Alexander: Historistisch-pathetische Darstellung der 'Alexanderschlacht' (Schlacht bei Issos i. J. 333 v. Chr.).

Pompejanisches Mosaik, Entstehung: 1. Jh. n. Chr. Heutiger Standort: Nationalmuseum Neapel. Abb. entnommen aus: Peter Green, Alexander der Große. Mensch oder Mythos?, dt. Übersetzung von Ernst F. Podlesnigg, Freiburg i. B. 1974, S. 126 f.


Der divinisierte Augustus auf der 'Gemma Augustea'.

Entstehung: Augustus-Zeit, ursprünglich vermutlich Besitz des Augustus. Heutiger Standort: Wien. Abb. entnommen aus: Heinz Kähler, Rom und sein Imperium, Reihe Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, Baden-Baden 1979 3, S. 63.

Die 'Personifikation' ist zwar scheinbar nur ein Unterfall 'bildsymbolischer Repräsentation'. Die Personalität des bildsprachlich dargestellten Wesens geht aber über den fremdbestimmten Charakter eines Symbolzeichens weit hinaus, weil sie dem Dargestellten die Züge einer eigenständig, zielbestimmt und sinnvoll handelnden Wesenheit oder Kraft zuschreibt. Beispiele dafür sind personifizierenden Darstellungen von Landschaften, Städten und Völkern, aber auch von Tugenden und anderen menschlichen Fähigkeiten, Ordnungen und Kräften. Personifikationen dieser Art eignen sich besonders für die Vermittlung völker-, gesellschafts- oder menschenbezogener Mythen, ja oftmals sind sie ihr einziger relativ kurzer und anschaulich faßlicher Ausdruck. Sie können auch der mythischen Überhöhung bestimmter Menschen - etwa als Verkörperungen eines göttlichen Auftrags oder einer menschheitsbewegenden Idee - dienen.

Beispiel dafür sei einmal die dem 3. Jh. v. Chr. zugehörende monumentale pergamenische Darstellung eines Kelten, der sich mit seiner Frau angesichts des nach verlorener Schlacht drohenden Ehr- und Freiheitsverlustes selbst umbringt - Personifikation eines unbedingten, das Leben und die Familie zurückstellenden Freiheitsdrangs und Ehrbewußtseins, das den Kelten Kleinasiens von ihren pergamenischen Bezwingern ebenso bewundernd wie selbst- und siegesbewußt nachgesagt wird.

Ein anderes Beispiel ist die im Antoninus-Pius-Tempel Roms des 2. Jhs. n. Chr. aufgestellte Personifikation der römisch provinzialisierten Gebiete Germaniens in Gestalt einer nach germanischer Weise gekleideten, mit verschränkten Armen wartend und sinnend dastehenden jungen Frau. Im Gegensatz zu dem den Römern aus der 'Germania libera' immer wieder entgegenschlagenden Trotz, Haß und Angriffsgeist treten an der personifizierten 'Provinzial-Germania' bildlich vor allem ihre Sittsamkeit, ihre Nachdenklichkeit und ihre Fähigkeit, Nötiges abzuwarten und hinzunehmen, hervor - ein römisches Wunschbild des 2. Jh. n. Chr. wohl ebenso wie ein Hinweis auf die auch an einem Barbarenvolk erkannte Neigung zu den Werten und Tugenden einer 'höheren Kultur'.

Die vergleichsweise dargestellte 'Germania'-Personifikation des 19. Jhs. knüpft sowohl ein ein anderes aus der Antike überliefertes personifizierendes Germania-Bild - nämlich das eines zumeist männlich, kriegerisch und wild dargestellten 'freien Germanien' - als auch an das der oben beschriebenen sittsamen und friedlichen 'Provinzial-Germania' an und macht aus ihnen eines, nämlich das einer kriegerischen und zornigen 'freien Germania', die sich am Rhein gegen den - wie einst die Römer - von Westen erwarteten, nunmehr französischen Feind aufstellt.

'Der Kelte' als überwundener Feind.

Vermutlich antike Kopie des zentralen Teils des 'Gallierdenkmals', das Attalos I. von Pergamon nach seinem Sieg über die Gallier i. J. 241/240 v. Chr. in seiner Residenzstadt errichten ließ. Die Kopie wurde nach Fragmentierung später fehlerhaft rekonstruiert (erkennbaretwa am Schulterteil des Kelten). Heutiger Standort: Thermenmuseum Rom. Abb. entnommen aus: Walter-Herwig Schuchhardt, Geschichte der griechischen Kunst. Mit 310 Abbildungen im Text und 3 Übersichtsplänen., Stuttgart 1971, S. 460.


1) Römische 'Germania'-Darstellung des 2. Jhs. n. Chr.

und

2) deutsche 'Germania'-Darstellung des 19. Jhs.

Abb. zu 1: Germania-Statue an dem i. J. 145 n. Chr. für den verstorbenen Kaiser Hadrian von seinem Nachfolger Antoninus Pius geweihten Tempel, darstellend eine Allegorie des römisch-provinzialisierten Germanien, also nicht der von Tacitus so genannten 'Germania libera' rechts des Rheins. Photo entnommen aus: Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990, S. 69.

Abb. zu 2): Lorenz Clasen, Germania auf der Wacht am Rhein, 1860. Krefeld, Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld. Photo entnommen aus: Marianne und Germania 1789 - 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten - Eine Revue. Katalog zur Ausstellung der Berliner FestspieleGmbH im Martin-Gropius-Bau, Sept. 1996 - Jan. 1997, hg. von Marie Louise von Plessen, Berlin 1996, S. 39.

Die Numinisierung' ist in ähnlicher Weise wie die 'Personifikation' mehr als die bildsprachliche Setzung eines bloßen Symbolzeichens. Vielmehr werden Gegenständen der sinnlich wahrnehmbaren oder der Ideenwelt wie Farben, Zahlen, Elementen, Sternen, Tieren, Pflanzen, Reliquien u. a.., aber auch bestimmten Orten, Bau- und Kunstwerken, Jahreszeiten oder wiederkehrenden Terminen, wie z. B. Geburts- oder Jahrestagen, besondere, zumeist weitreichende Hintergrundbedeutungen, ja eine eigene numinose Wirkungsmacht attribuiert. Die 'Numinisierung' ist im Rahmen magischer, astrologischer, alchimistischer, zahlenspekulativer oder mystischer Denkweisen von besonderer Bedeutung und Mittel ihrer jeweiligen Mythenbildungen. Aber auch in der politischen Mythenbildung - zum Beispiel bei einer gelegentlich stattfindenden 'Numinisierung' von Hoheitsszeichen oder Herrschaftsinsignien - kann ihnen besondere Bedeutung zukommen.

Der Tierkreis in der Astrologie des Astronomen Ptolemäus.

Darstellung des antiken Tierkreises in einer byzantinischen Handschrift der 'Tetrabiblos' des Ptolemaios aus dem 8. Jht. n. Chr. mit leicht christianisierter Modifikation der vorchristlichen Vorstellung vom 'Schicksal'. Abb. entnommen aus:Warren Kenton, Astrologie. Eine Bilddokumentation. Aus dem Englischen übersetzt von Karin Schreiner, Farnkfurt M. 1976, Abb. Nr. 15 hinter S. 32.

3) Zu den Ausdrucksmitteln antiker Bildmythen.

Für die Ausdrucksmittel verschiedenartiger bildsprachlicher Zeichensysteme - in Musik, Malerei, Plastik, Architektur, Bau- und Raumanordnung, Mimik, Gestik, demonstrativen Handlungsanordnungen und Bewegungsformen (Kult, Prozesessionen) und in ihren gewissermapen 'multimediale' Verbindung - mögen die nachfolgenden Beispiele stehen. Sie bedürfen zur genaueren Analyse der in ihnen verwenendeten Ausdrucksmittel einer eingehenden Interpretation, die, obschon sinnvoll, an dieser Stelle nicht geleistet werden kann. Der Betrachter möge sie daher auf sich wirken lassen und sich unter Berücksichtigung der erklärenden Notozen fragen, worin genau ihre Wirkung beruht und was diese unter antiken Verhältnissen wohl hat bewirken wollen. Auf die angegebene Literatur wird verwiesen.

a) Musik.

Das nachfolgende Beispiel verbindet einen panegyrischen Hymnen-Text mit einer feierlichen, getragenen, gewissermaßen götternahen Tonart und Rhythmik.

Lyrische Panegyrik für einen Herrscher anläßlich einer Stadtgründung: Pindars 'erste pyhische Ode für Hieron von Syrakus nach seinem Siege mit dem Wagen'.

Die deutsche Übersetzung lehnt sich an an: Pindar, Oden. Ins Deutsche übertragen und erläutert von Ludwig Wolde, München 1958, S. 66 ff.. Gegenüber der poetisch-einfühlsamen und auf Erhaltung der Strophenstruktur des altgriechischen Gedichts bedachten Übersetzung L. Woldes enthält sie jedoch zahlreiche und weitreichende Modifikationen. Zum einen geht es um eine bessere deutschsprachige Verständlichkeit der im Altgriechischen oftmals poetisch-ästhetisch verstellten religiös- und politisch-mythischen Botschaft Pindars an Hieron, Deinomenes und das Publikum, zum anderen um eine Unterteilung der Ode, welche vor allem den Sinneinheiten dieser Botschaft, also nicht primär den Normen des altgriechischen Vers- und Strophenaufbaus, gerecht werden soll. Die Lektüre der Übersetzung Woldes wird daher empfohlen, wenn für den Leser deren Präferenzen von Interesse sind. C. G.

Musikalische Rekonstruktion der Lyrabegleitung für die ersten Verse der Ode.

Nach einer im Kloster S. Salvatore in Messina überlieferten Handschrift mit einer antiken Musiknotation. Entnommen aus: 'Musique de la Grèce antique. Atrium Musicae de Madrid. Gregorio Paniagua', harmonia mundi, France, 1901015, Arles 1979, Nr. 14. Umarbeitung für den Internetgebrauch zur wav-Datei und einer mit ihr verbundenen mov-Datei : C. Gizewski.

b) Malerei und Verwandtes.

Das nachfolgend wiedergegeben Mosaik-Bild aus dem 1. Jh. v. Chr. gibt - gewissermaßen paradigmatisch - die selbstbewußte, siegesgewisse Angiffsweise des berufenen Herrschers Alexander und die furchtsame Haltung des von einer ihm vorherbestimmten Niederlage gezeichneten Großkönigs Dareios wieder. Es enthält eine Kombination histroischer Überlieferung von den Schlachten bei Issos und Gaugamella (333 und 332 v. Chr.)

Der Mythos von Alexander: Historistisch-pathetische Darstellung der 'Alexanderschlacht' (Schlacht bei Issos i. J. 333 v. Chr.).

Pompejanisches Mosaik, Entstehung: 1. Jh. n. Chr. Heutiger Standort: Nationalmuseum Neapel. Abb. entnommen aus: Peter Green, Alexander der Große. Mensch oder Mythos?, dt. Übersetzung von Ernst F. Podlesnigg, Freiburg i. B. 1974, S. 126 f.

c) Plastik.

Die hier präsentierte, berühnte 'Nike'-Statue aus dem 2. Jh. v. Chr.repräsentiert die siegreiche Päsenz des Makedonen-Herrscherhauses auch zur See. Sie enthält eine in eine angenehme, ästhetisch beeindruckende Form gebrachte Warnung an an die Bewohner der unter nakedonische Herrschaft gebrachten Insel Samothrake, dies nicht zu vergessen.

Bildallegorie auf das immer, auch auf See, siegreiche makedonische Herrscherhaus: Nike von Samothrake.

Hauptfigur von einer inmitten des seit Philipp II. zum Herrschaftsbereich des Makedonenhauses gehörenden Hauptortes der Insel Samothrake in Gestalt eines Schiffsbugs errichteten Brunnenanlage. Entstehungszeit: 2. Jh. v. Chr. Heutiger Standort: Loevre, Paris. Abb. entnommen aus: T. B. L. Webster, Hellenismus, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', übersetzt von Ulrike Timme, (1966) Baden-Baden 1979, Titelseite.

d) Architektur.

Die in den den 40er Jahren des 5. Jhs. v. Chr. erfolgende Neuanlage des Parthenon-Tempels in Athen ist - unter Verwendung einer zu ihrer Zeit neuen Raumproportion - auf das neue große Athene-Standbild in seinem Inneren ausgelegt. Zu dessen Gestaltung: siehe oben zu 2 (Athene Parthenos, Schutzgöttin Athens. Kleinkopie des von Phidias geschaffenen,. i. J. 438 v. Chr. im neuen Pathenon-Tempel der Athener Akropolis aufgestellten Standbildes der Göttin.). Die zentrale Position des Athene-Tempels im Ensemble der Sakralbauten der Akropolis wiederum geht aus dem nachfolgenden, allerdings dem 2. Jh. n. Chr. entstammenden Pausanias-Text hervor.

Der Parthenon-Tempel auf der Akropolis Athens.

Rekonstruktion der architektonischen Gestalt des Parthenon in griechisch-klassischer Zeit.

Abb. entnommen aus: Werner Müller, Günther Vogel, dtv.-Atlas zur Baukunst, Bd. 1: Allgemeiner Teil. Baugeschichte von Mesopotamien bis Byzanz, München 1983 5, S f.


Architekturbestimmende Mythen: Pausanias über die Akropolis von Athen, Perihegesis 1, 21, 4 - 1, 27, 1.

Deutsche Übersetzung nach: Pausanias, Beschreibung Griechenlands. Übersetzt und unter Kürzungen mit Kommentierung herausgegeben von Ernst Meyer, 2 Bde, München 1972, Bd. 1, S. 73 - 81.

e) Komplexe bildsprachliche Aktionen.

Die unten präsentierte antike Abbildung einer szenischen Darstellung aus einem Drama soll darauf hinweisen, daß sich bei der Aufführung der Komödie und Tragödie sprechsprachliche mit mehreren bildsprachlichen Aussagesystemen - Musik, Malerei, Mimik, Gestik, 'Aktionskunst' - verbinden

Wiedergabe einer dramatischen Szene aus dem Theater.

Wandmalerei aus Herculaneum. Enstanden um 300 v. Chr. Heutiger Standort: Museo Nazionale, Neapel. Abb. entnommen aus: T. B. L. Webster, Hellenismus. Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Thimme, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', (1966) Baden-Baden 1979, S. 39.

f) Städtebau.

Die im unten wierdegegebenen Stadtplan des kaiserzeitlichen Rom erkennbare Anordnung

der Mauerumgrenzung der Stadt,

der Sakralbauten,

der dem politischen Lelben und der politischen Selbstdarstellung dienenden Foren, Basiliken, Kaiserpaläste, Grabanlagen, Triumphbögen und sonstigen Monumente,

der dem Geschäftsleben dienenden, Foren, Markthallen, Marktstraßen, Stapelanlagen und Hafenanlagen,

der den öffentlichen Spielen und Unterhaltungsbedürfnissen dienenden Gärten, Wasserspiele, Theater, Amphitheater, Thermen, Flaniermärkte und -straßen

und der Militäranlagen

ist ein immer wieder bewußt gestaltete, vielfach von raumsymbolischen Akzentsetzungen und Rangdifferenzierungen bestimmte Gestaltung der 'Stadtlandschaft' aus alltagspraktisch-zweckbezogenen, in besonderem Maße aber auch aus religigiös- und politisch-ideelen Gründen.

Deutlich ergeben diese sich etwa aus der bei Sueton wiedergegebenen Baupolitik des Kaisers Augustus in Rom.

1) Stadtplan des kaiserzeitlichen Rom.

2) Das politisch-religiöse Zentrum Roms.

Kartenbilder entnommen aus: Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a., Westermann-Verlag, Braunschweig 1997; S. 33.


Augustus bauliche Umgestaltung Roms. Sueton, Vita caesarum, Augustus 28 - 30.

Deutsche Übersetzung aus: Sueton, Leben der Caesaren. Übersetzt und herausgegeben von André Lambert, München 1972, S. 72 - 72.

4) Literatur, Medien, Quellen.

L

Herbert Hunger, Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart, Hamburg 1974; Jean-Pierre Vernant, Mythos und Gesellschaft im alten Griechenland, deutsche Übersetzung von Gustav Roßler, (1974), Frankfurt M. 1987.

Walter-Herwig Schuchhardt, Geschichte der griechischen Kunst. Mit 310 Abbildungen im Text und 3 Übersichtsplänen., Stuttgart 1971.

T. B. L. Webster, Hellenismus, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', übersetzt von Ulrike Timme, (1966) Baden-Baden 1979.

W. Schuller (Hg.), Demokratie und Architektur. Der hippodamische Städtebau und die Entstehung der Demokratie, München 1989.

Heiner Knell, Mythos und Polis. Bildprogramme greichischer Bauskulptur, Darmstadt 1990.

Jean-Marie André, Griechische Feste, Römische Spiele. Die Freizeitkultur in der Antike. Aus dem Französischen übersetzt von Katharina Schmidt, (1994) Leipzig 2002.

Filippo Coarelli, Rom. Ein archäologischer Führer, Freiburg i. Br. u. a. O. 1975.

P. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, München 1987.

A. Alföldy, Insignien und Tracht der römischen Kaiser, und ders., Die Ausgestaltung des monarchischen Zeremoniells am römischen Kaiserhofe, in: ders., Die monarchische Repräsentation im römischen Kaiserreiche, Darmstadt 1970.

Wolfgang Bauer, Irmtraud Dümotz, Sergius Golowin, Lexikon der Symbole. Wiesbaden 2003 19.

Georges Ifrah, Universalgeschichte der Zahlen. Dt. Übersetung von Alexander von Plasen, (1981) Köln 1998, Teil V: Zeichen, Ziffern und Zauberei, Mystik und Weissagung).

Jürgen Werlitz, Das Geheimnis der heiligen Zahlen. Ein Schlüssel zu den Rätseln der Bibel, München 2002.

Hans Biedermann, Lexikon der magischen Künste (von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert). Alchemie. Sterndeutung. Hexenglaube. Geheimlehren. Mantik. Zauberkunst, 3. Auflage, Wiesbaden um 1990.

Helmut Gebelein, Alchemie, München 2000.

M

Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a., Westermann-Verlag, Braunschweig 1997.

Werner Müller, Günther Vogel, dtv.-Atlas zur Baukunst, Bd. 1: Allgemeiner Teil. Baugeschichte von Mesopotamien bis Byzanz, München 1983 5.

Warren Kenton, Astrologie. Eine Bilddokumentation. Aus dem Englischen übersetzt von Karin Schreiner, Farnkfurt M. 1976.

Q

Pausanias über die Akropolis von Athen, Perihegesis 1, 21, 4 - 1, 27, 1: Deutsche Übersetzung nach: Pausanias, Beschreibung Griechenlands. Übersetzt und unter Kürzungen mit Kommentierung herausgegeben von Ernst Meyer, 2 Bde, München 1972, Bd. 1, S. 73 - 81.

Sueton, Vita caesarum, Augustus 28 - 30. Deutsche Übersetzung aus: Sueton, Leben der Caesaren. Übersetzt und herausgegeben von André Lambert, München 1972, S. 72 - 72.

Stadtplan des antiken Rom: Der große Atlas Weltgeschichte, hg. von E. Stier u. a., Westermann-Verlag, Braunschweig 1997; S. 33.

Siebenarmiger Leuchter: A. Nachama, G. Sievernich (Hg.), Jüdische Lebenswelten, Katalog zur Ausstellung 'Jüdische Lebenswelten' im Martin-Gropius-Bau Berlin 1991, Bd. 1, Berlin 1991, S. 52.

Nike von Samothrake: T. B. L. Webster, Hellenismus, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', übersetzt von Ulrike Timme, (1966) Baden-Baden 1979, Titelseite.

Pompejanisches Mosaik 'Alexanderschlacht': Peter Green, Alexander der Große. Mensch oder Mythos?, dt. Übersetzung von Ernst F. Podlesnigg, Freiburg i. B. 1974, S. 126 f.

Wiedergabe einer dramatischen Szene aus dem Theater. Wandmalerei aus Herculaneum: T. B. L. Webster, Hellenismus. Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Thimme, Reihe 'Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen', (1966) Baden-Baden 1979, S. 39.

'Varvakion-Statuette' der Athene Promachos: Heiner Knell, Mythos und Polis. Bildprogramme greichischer Bauskulptur, Darmstaft 1990, S. 97, und: Walter-Herwig Schuchhardt, Geschichte der griechischen Kunst. Mit 310 Abbildungen im Text und 3 Übersichtsplänen., Stuttgart 1971, S. 329.

Adler-Motive im Laufe der Geschichte: Internet-Publikation. PDF-Datei ( http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Auditorium/BAntMyth/SO9/Adler.pdf ); dort Einzelaufführung und Herkunftsnachweise. Zusammenstellung: C. Gizewski.

'Gemma Augustea': Heinz Kähler, Rom und sein Imperium, Reihe Kunst der Welt. Ihre geschichtlichen, soziologischen und religiösen Grundlagen, Baden-Baden 1979 3, S. 63.

(Vermutete) Kopie eines Teils des pergamenischen 'Gallierdenkmals': Walter-Herwig Schuchgardt, Geschichte der griechischen Kunst. Mit 310 Abbildungen im Text und 3 Übersichtsplänen., Stuttgart 1971, S. 460.

Germania-Statue vom Tempel des diviniseirten Kaisers Antoninus Pius: Herwig Wolfram, Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Berlin 1990, S. 69.

Eine frühchristliche Darstellung des Jesus Christus als 'Alpha und Omega', d. h. als Anfangs und Endes der Welt.: John Mc Manners (Hg.), Geschichte des Christentums, deutsche Übersetzung von Wolfdietrich Müller, Frankfurt, New York 1993, S. 45.

Der Tierkreis in der Astrologie des Astronomen Ptolemäus. Darstellung des antiken Tierkreises in einer byzantinischen Handschrift der 'Tetrabiblos' des Ptolemaios aus dem 8. Jht. n. Chr.:Warren Kenton, Astrologie. Eine Bilddokumentation. Aus dem Englischen übersetzt von Karin Schreiner, Farnkfurt M. 1976, Abb. Nr. 15 hinter S. 32.

'Germania auf der Wacht am Rhein', Bild von Lorenz Clasen: Marianne und Germania 1789 - 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten - Eine Revue. Katalog zur Ausstellung der Berliner FestspieleGmbH im Martin-Gropius-Bau, Sept. 1996 - Jan. 1997, hg. von Marie Louise von Plessen, Berlin 1996, S. 39


LV Gizewski WS 2002/2003

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de