Roms Bestimmung im Mythos. Vergil, Aeneis, 6. Gesang, 823 - 854.

Dt. Übersetzung aus: Vergil, Aeneis, verdeutscht von Thassilo von Scheffer, Wiesbaden, um 1950, S. 186 f.- Lat. Text : P. Vergilii Maronis Aeneis, in usum scholarum recognovit Otto Ribbeck, Leipzig 1978, S. 214.


Deutsche Übersetzung:

"... Mächtige Ruhmbegierde und Vaterlandsliebe bleibt Sieger.

Druser und Decier schau, Torquatus auch drüben mit grimmem

Beil und Camillus dazu, der neu die Standarten erobert.

Jene jedoch, die dort im Glanz der Waffen erschienen,

Noch einträchtige Seelen, solang das Dunkel sie fesselt,

Wehe, wie werden sie sich so wild bekriegen, sobald sie

Droben im Licht, wie werden sie Kampf und Verderben entfesseln

Beide: der Schwäher, der dort vom Alpenwall und von Monoecus

Burg sich naht, und drüben der Eidam mit östlichem Kriegsvolk.

Kinder, gewöhnt doch nicht den Sinn an so schreckliche Kämpfe,

Wendet nicht gegen das Herz der Heimat die mächtigen Kräfte.

Übe Gnade zuerst du, Caesar, Götterentstammter,

Senke die Waffen, mein Blut!

Der da, Erobrer Korinths, er lenkt im Triumphe den Wagen

Aufwärts zum Kapitol, der große Achäerbesieger.

Jener wird Argos stürzen und Agamemnons Mykenae

Und auch den Aeakus-Enkel vom Stamme des Helden Achilles,

Trojas Ahnen zu rächen und Pallas' geschändete Tempel.

Großer Cato, wer könnte denn dich und Cossus vergessen,

Wer des Gracchus Geschlecht und wer des Scipio Sprossen,

Libyens Blitzbesieger, wer kann von Fabricius schweigen,

Stark durch Armut, und wer vom Saatensäer Serranus?

Wohin reißt ihr mich Müden, ihr Fabier? Maximus, du bist

Jener allein, der uns den Staat durch Zögern gerettet!

Andre mögen Gebilde aus Erz wohl weicher gestalten,

Dünkt mich, und lebensvoller dem Marmor die Züge entringen,

Besser das Recht verfechten und mit dem Zirkel des Himmels

Bahnen berechnen und richtig den Aufgang der Sterne verkünden:

Du aber, Römer, gedenke die Völker der Welt zu beherrschen,

Darin liegt deine Kunst, und schaffe Gesittung und Frieden,

Schone die Unterworfnen und ringe die Trotzigen nieder."

Also der Vater Anchises. ...


Lateinischer Text:

"...vincet amor patriae laudumque inmensa cupido.

quin Decios Drusosquc procul saevomque securi

aspice Torquatum et referentem signa Camillum

ille triumphata Capitolia ad alta Corintho

victor aget currum, caesis insignis Achivis.

eruet me Argos Agamemnionasque Mycenas

ipsumque Aeaciden genus armipotentis Achilli,

ultus avos Troiae templa et temerata Minervae.

quis te, magne Cato, tacitum aut te, Cosse, relinquat?

quis Gracchi genus aut geminos, duo fulmina belli,

Scipiadas cladem Libyae parvoque potentem

Fabricium vel te sulco, Serrane, serentem?

quo fessum rapitis Fabii? tun Max imus ille es,

unus qui nobis cunctando restituis rem?

excudent alii spirantia mollius aera

- cedo equidem - vivos ducent de marmore voltus

orabunt causas melius, caelique meatus

describent radio et surgentia sidera dicent:

tu regere imperio populos Romane, memento

- haec tibi erunt artes - pacique inponere morem,

parcere subiectis et debellare superbos."

Sic pater Anchises ...


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)