Die Erklärung einer Krankheit durch göttlichen Zorn. Julian, Brief an Photinos, Nr. 30 ed. Weis.

Lat. und deutscher Text aus: Julian, Briefe. Griechisch - deutsch. Hg. von Bertold K. Weis, München 1973. S. 86 - 89.

Deutsche Übersetzung:

Julianus, der Christus abtrünnnig gewordene Kaiser, schreibt an den Erzhäretiker Photinus gegen Diodorus folgendermaßen: "Du, Photinus, hast gewiß den Anschein der Wahrheit fur dich und bist dem Heil am nächsten; denn du hast recht, wenn du den, der nach deinem Glauben ein Gott ist, nicht im Leib einer Mutter wohnen läßt. Diodoros aber, der Magier des Nazareners, hat mit zurechtschminkenden Gauklerkünsten den Widersinn als Scharfsinn zurechtgemacht und sich als gewitzter Lehrmeister einer ungeschlachten Religion vorgestellt."

Und kurz darauf führt er aus:

"Ihn will ich, wenn die Götter und Göttinnen und die Musen alle und auch Fortuna mir beistehen, als schwache Figur, als Verfälscher der Gesetze und Einrichtungen, der hellenischen Mysterien und der Unterweltsgottheiten entlarven; von seinem neuen Gott aus Galilaea, den er fabelnd als den ewigen verkündet, werde ich nachweisen, daß er durch sein schmähliches Sterben und Begräbnis seiner von Diodoros erfundenen Gottheit entkleidet ist."

So wie Irrende, wenn man sie widerlegt, vorzutäuschen pflegen, daß sie mehr durch Kunstgriffe als durch die Wahrheit überwunden seien, fährt er fort und sagt:

"Denn zum Schaden des Interesses der Allgemeinheit fuhr dieser Mensch zu Schiff nach Athen, verlegte sich auf die Philosophie, nahm ohne Verständnis an den musischen Disziplinen teil und wappnete seine hassenswerte Zunge mit den Entdeckungen der Rhetorik zum Kampf gegen die himmlischen Götter. Dabei zeigte er eine hochgradige Unkenntnis der Mysterien der Hellenen und sog sich, wie man sagt, mit dem ganzen Irrwahn seiner primitiven, unwissenden Fischer-Theologen voll.

Deshalb währt es schon lange, daß er von den Göttern selbst bestraft wird. Denn seit vielen Jahren in Lebensgefahr versetzt und mit einer verderblichen Brustkrankheit behaftet, ist er nun bei einem Zustand quälendsten Leidens angelangt. Sein ganzer Körper ist ausgezehrt. Seine Wangen sind eingefallen, Falten haben sich tief in seinen Körper eingegraben. Darin zeigt sich jedoch nicht die Spur philosophischer Gedankenarbeit an, wie er den von ihm Betrogenen vorspiegeln möchte, sondern mit Sicherheit die der Gerechtigkeit und der Strafe der Götter, von der er in gebührender Weise geschlagen wird, indem er bis zum letzten Augenblick seines Lebens ein dorniges, bitteres Dasein ertragen muß und ein von fabler Blässe entstelltes Antlitz."

Lateinischer Text:

Iulianus etenim Christo perfidus imperator sic Photino haeresiarchae adversus Diodorum scribit:

"Tu quidem, o Photine, verisimilis videris et proximus salvari, bene faciens nequaquam in utero inducere quem credidisti deum. Diodorus autem, Nazaraei magus, eius pigmentalibus manganis acuens inrationabilitatem, acutus apparuit sophista religionis agrestis."

Et post paululum:

"Quem, si nobis opitulati fuerint dii et deae et Musae omnes et Fortuna, ostendemus infirmum et corruptorem legum et rationum et mysteriorum paganorum et deorum infernorum et illum novum eius deum Galilaeum, quem aeternum fabulose praedicat, indigna morte et sepultura denudatum confictae a Diodoro deitatis."

Sicut autem solent errantes convicti fingere, quod arte magis quam veritate vincantur, sequitur dicens:

"Iste enim malo communls utilitatis Athenas navigans et philosophans imprudenter musicarum participatus est rationum et rhetoricis confectionibus odibilem adarmavit linguam adversus caelestes deos, usque adeo ignorans paganorum mysteria, omnemque miserabiliter imbibens, ut aiunt, degenerum et imperitorum eius theologorum piscatorum errorem.

Propter quod iam diu est quod ab ipsis punitur diis. lam enim per multos annos in periculum conversus et in corruptionem thoracis incidens, ad summum pervenit supplicium. Omne eius corpus consumptum est. Nam malae eius conciderunt, rugae vero in altitudinem corporis descenderunt. Quod non est philosophicae conversationis indicio, sicut videri vult a se deceptis, sed iustitiae pro certo deorumque poenae, qua pereutitur competenti ratione usque ad novissimum vitae suae finem asperam et amaram vitam vivens et faciem pallore confectam."


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)