Eine mythische Verkörperung jüdischen Widerstandgeistes in Kampf gegen die Seleukidenherrschaft. Judiths Siegeslied, Buch Judith, Kap, 16, 1 - 17.

Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments mit Einleitungen zu jedem der biblischen Bücher und erklärenden Anmerkungen zu den Texten. In ungekürzter Fassung herausgegeben von T. Schwegler und A. Herzog (Große Familien-Bibel), Zürich 1974, S. 591 f.

1 "Zu Ehren meines Gottes stimmet an mit Pauken!

Lobsingt dem Herrn mit Zimbelklang!

Ertönen lasset auf Ihn ein neues .Lied!

Erhebt und rufet Seinen Namen an!

2 Denn Gott ist Er, der Kriege endet,

Sein Name ist 'der Herr'.

Er schlug inmitten Seines Volks Sein Lager auf,

und mich entriß Er aus den Händen meiner Häscher.

3 Aus Nordlands Bergen kam Assur,

kam mit den Myriaden seiner Heeresmacht;

ihr Haufe verstopft' die Schluchten,

die Rosse deckten Hügel zu.

4 Versengen wollte er mein Gefilde,

wegraffen mit dem Schwerte meine jungen Männer,

zu Boden schmettern meine Säuglinge,

erbeuten meine Kinder, rauben meine Jungfrauen.

5 Da hat der Herr, der Allgewalt'ge, sie vernichtet durch eine Frauenhand.

6 Denn nicht durch junge Männer kam zu Fall ihr Führer,

noch Söhne von Titanen schlugen ihn zu Tod;

auch hochgewachsne Recken griffen ihn nicht an.

7 Ihr Witwenkleid, sie zog es aus,

um aufzuhelfen den Bedrängten Israels.

Mit feinstem Öle salbte sie ihr Antlitz

8 und flocht ihr Haar zusammen für den Kopfbund,

zog an ihr Linnenkleid, womit sie ihn betörte.

9 Ihr Schuh bezauberte sein Auge,

und ihre Schönheit nahm sein Herz gefangen:

da drang das Schwert ibm durch den Hals.

10 Ob ihrer Kühnheit packte Schauder die Perser,

und es entsetzten sich die Meder wegen ihres kecken Mutes:

es befiel sie Furcht und Schrecken,

die Wogen wandten sich zurück.

Dafür erhoben meine Hartbedrängten lautes Kriegsgeschrei,

erschallen ließen meine Schwachen ihre Stimme,

12 wie schwache Kinder durchbohrten sie sie [die Feinde]:

wie flücht'ge Sklaven schlugen sie sie wund.

3 Ein neues Loblied will ich meinem Gotte singen:

Herr, groß bist Du und herrlich,

an Stärke wunderbar und nicht zu übertreffen.

14 Dir möge Deine ganze Schöpfung dienen:

denn Du gebotest, und sie trat ins Dasem:

Du sandtest Deinen Geist aus, und er baute:

nicht einer ist, der Deiner Stimme widerstünde.

15 Die Berge, gradso wie die Fluten, beben m den Fundamenten.

wie Wachs zerschmelzen Felsen selbst vor Deinem Antlitz.

Doch denen, die Dich fürchten. erweisest Du Dich gnädig, voller Huld.

16 Denn zu gering ist jalles Opfer, lieblich duftend,

ein Nichts vor Dir ist alles Fett der Brandopfer:

doch wer den Herrn vererehrt, ist gross auf immerdar.

17 Doch weh den Heidenvölkern, die meinem Volk entgegentreten!

Sie straft der Herr, der Allmächtige, am Tage des Gerichts:

dem Feuer, dem Gewürme üherliefert Er ihr Fleisch:

vor Schmerzen heulen sie in Ewigkeit."


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)