Ein politisch motivierter Mythos von der Idealität der Gegenwart: Velleius Paterculus, Historia Romana 2, 126 - 130.

Lat. Text und deutsche Übersetzung aus: Velleius Paterculus,Historia Romana - Römische Geschichte. Lateinisch - Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1989, S. 265 - 275.


Deutsche Übersetzung:

126 (1) Was in den letzten 16 Jahren geschaffen wurde, braucht wohl niemand einzeln aufzuzählen, hat sich doch alles den Augen wie den Herzen aller Zeitgenossen eingeprägt. Tiberius Caesar erhob seinen Vater zu den Göttern, nicht durch einen Machtspruch, sondern durch seine fromme Verehrung; er ernannte ihn nicht zum Gott, er machte ihn dazu. 177 (2) Treu und Glauben wurden aufs Forum zurückberufen, verbannt vom Forum wurde der Aufruhr, vom Marsfeld das Bestechungsunwesen, aus der Kurie die Zwistigkeiten. Recht und Billigkeit und reger Fleiß, schon begraben und vergessen, wurden der Bürgerschaft wiedergeschenkt. Die Beamten gewannen mehr Autorität, der Senat mehr Würde und die Gerichte größere Geltung. Die Unruhen bei den Theateraufführungen wurden unterdrückt, allen wurde der Wille, das Rechte zu tun, eingeflößt oder der Zwang dazu auferlegt. (3) Gutes Handeln wird belohnt, böses bestraft. Der Niedere achtet den Vornehmen, aber fürchtet ihn nicht; der Vornehme hat den Vorrang vor dem Niedrigeren, aber verachtet ihn nicht. Wann war der Getreidepreis niedriger, die Lebensbedingungen im Frieden besser? Über alle Länder in Ost und West, bis an die Grenzen im Süden und Norden breitet sich der Augustus-Friede aus und bewahrt auch die entferntesten Erdenwinkel vor räuberischen Überfällen. (4) Verluste durch ein Unglück, die nicht nur einzelne Bürger, sondern ganze Städte erlitten haben, ersetzt die Freigebigkeit des Princeps. Asiens Städte wurden wieder aufgebaut, Provinzen vor Übergriffen der Beamten geschützt. Ehren sind sogleich bereit für die Würdigen, die Strafe für die Übeltäter kommt spät, aber sie kommt. Die Gleichheit gilt mehr als Einfluß, Verdienst mehr als Ehrgeiz; (5) denn der beste Princeps lehrt durch sein Handeln seine Bürger, recht zu handeln, und obwohl von seiner Machtstellung her der Größte, ist er doch durch sein Beispiel noch größer.

127 (1) Hervorragenden Männern fehlt es meist nicht an tüchtigen Helfern bei ihren Aufgaben; so hatten die beiden Scipionen die beiden Laelier, die sie ganz als Gleichgestellte behandelten, und der göttliche Augustus hatte Agrippa zur Seite und nächst diesem den Statilius Taurus. Bei beiden bildete ihr Mangel an erlauchten Ahnen kein Hindernis dafür, daß sie mehrere Konsulate und Triumphe sowie zahlreiche Priesterämter erhielten. (2) Für große Aufgaben werden auch große Helfer benötigt. Dies liegt ja im Interesse des Staates: Was notwendig zu geschehen hat, sollte von Männern in einer herausragenden Stellung geleistet werden, die Tätigkeit für das öffentliche Wohl sollte durch Autorität gedeckt sein. (3) Nach diesen Vorbildern hatte und hat noch jetzt Tiberius Caesar den Aelius Seianus als einzigartigen Helfer bei all den Lasten seiner Staatsgeschäfte. Sein Vater war ein hervorragender Mann aus dem Ritterstand, von seiner Mutter her aber ist Seianus verbunden mit hochberühmten alten Familien, die durch Staatsämter ausgezeichnet waren. Seine Brüder, seine Vettern und sein Onkel sind Konsulare. Er selbst aber verbindet größte Leistungsfähigkeit mit treuer Hingabe und verfügt über ebenso viel Geisteskraft wie körperliche Stärke. (4) Doch ist er bei aller Strenge sehr umgänglich, von heiterem, aber würdigem Wesen, gibt sich bei der Arbeit wie ein Mensch, der Muße hat, nimmt nichts für sich in Anspruch und erreicht gerade dadurch alles, beurteilt sich stets bescheidener als andere es tun, ist ruhig in seiner Miene wie in seiner ganzen Art, obwohl sein Geist stets hellwach ist.

128 (1) Um seine Vorzüge zu würdigen, wetteifern Bürger und Princeps schon lange in ihrem Urteil; Senat und Volk von Rom führen ja keine neue Sitte ein, wenn sie das Beste auch für das Edelste halten. Hat man doch vor dem [scil. 1.] Punischen Krieg, vor nun 300 Jahren, zuerst dem Ti. Coruncanius, einem 'neuen Mann', alle Staatsämter und sogar die Würde des Pontifex Maximus übertragen und ihn damit zum höchsten Ansehen im Staat erhoben. (2) Dann ließ man den Sp. Carvilius, einen Mann aus dem Ritterstand, und bald darauf den M. Cato, einen 'neuen Mann' dazu noch einen Auswärtigen, aus der Stadt Tusculum - sowie Mummius Achaicus zum Konsulat, zur Zensur und zum Triumph aufsteigen. (3) Man hatte keine Bedenken, C. Marius trotz seiner unbekannten Herkunft bis zu seinem sechsten Konsulat als Roms führenden Mann anzusehen. Und man schätzte M. Tullius Cicero so hoch, daß er sozusagen auf seine Empfehlung hin jedem führende Positionen verschaffen konnte. Und keine Ehrenstelle, die auch die Allervornehmsten nur mit größter Anstrengung erreichten, blieb dem Asinius Pollio verweigert. Das alles tat man in der Überzeugung, daß jeweils der Tüchtige die höchsten Ehren verdiene. (4) Es war nur die natürliche Konsequenz aus diesem Grundsatz, was Tiberius Caesar dazu führte, den Seianus zu erproben, und was Seianus seinerseits veranlaßte, dem Princeps zu helfen, die Lasten seines Amtes zu tragen, und was wiederum Senat und Volk von Rom dahin brachte, von sich aus den Mann, den sie als den Brauchbarsten erkannt hatten, als Garanten für die eigene Sicherheit zu berufen.

129 (1) Doch nachdem ich nun ein Gesamtbild des Prinzipats von Tiberius Caesar entworfen habe, will ich noch einige Einzelheiten hervorheben. Mit welcher Klugheit beschied er den Rhaskuporis nach Rom, der Kotys, den Sohn seines Bruders, getötet hatte, mit dem er sich die Herrschaft teilte! Dabei bediente sich Tiberius der unschätzbaren Hilfe des Konsulars Pomponius Flaccus. Er ist ein Mann wie geschaffen für alles, was ordnungsgemäß ausgeführt werden soll, und verdient sich in seiner ehrlichen, tüchtigen Art stets Ruhm, ohne ihm nachzujagen. (2) Mit welchem Ernst nahm Tiberius nicht als Princeps, sondern als Senator und Richter, am Prozeß des Drusus Libo teil! Wie rasch überwältigte er den Undankbaren, der einen Umsturz plante! Wie gut hatte er seinen Germanicus geschult, den er ins Kriegshandwerk eingeweiht hatte und den er dann als Bezwinger Germaniens begrüßen konnte! Mit welchen Ehren überhäufte er den jungen Mann und sorgte dafür, daß der Glanz des Triumphes der Größe seiner Taten entsprach! (3) Wie oft ehrte er das Volk durch Spenden, und wie bereitwillig vervollständigte er das Vermögen von Senatoren, wenn er dies auf Antrag des Senats tun konnte - und er tat es so, daß er weder der Verschwendung Tür und Tor öffnete, noch zuließ, daß jemand aus unverschuldeter Armut seinen Rang einbüßte. In welch ehrenvoller Weise entsandte er seinen Germanicus in die Provinzen jenseits des Meeres! Was hatte er, mit seinem Sohn Drusus als hilfreichem Beistand, für eine wirksame Diplomatie entwickelt gegen Marbod, der sich in dem von ihm besetzten Gebiet seines Reiches versteckt hielt, wie sich eine Schlange in ihrem Erdloch verbirgt: Er zwang ihn - mit Verlaub seiner erhabenen Person sei es gesagt - wie mit einem wirksamen Zauber, sein Reich zu verlassen. Und wie hält er ihn an einem ehrenvollen, aber gleichzeitig sicheren Aufenthaltsort! Was für ein gefährlicher Krieg war das, den der Gallierfürst Sacrovir zusammen mit lulius Florus begonnen hatte - Tiberius schlug ihn mit solch unglaublicher Schnelligkeit nieder, daß das römische Volk eher von einem Sieg als von dem Krieg selbst erfuhr und die Siegesnachrichten die Gefahrenmeldungen überholten! (4) Auch ein Krieg in Afrika, der großen Schrecken erregte und täglich schlimmer wurde, ist unter seinen Auspizien und nach seinen Plänen binnen kurzem beendet worden.

130 (1) Welche großartigen Bauwerke hat er im eigenen Namen und in dem seiner Familie errichten lassen! Mit welcher Großzügigkeit - es übersteigt menschliches Fassungsvermögen - erbaute er in seiner frommen Sohnesliebe den Tempel für seinen Vater! In welch großherziger Gesinnung stellte er auch die vom Brand zerstörten Bauten des Cn. Pornpeius wieder her! Alles, was irgendwie besonders hervorragt, das glaubt er aus einem Gefühl der Verwandtschaft heraus schützen zu müssen. (2) Wie großzügig ersetzte er aus seinem eigenen Vermögen die Verluste - um von anderem gar nicht zu reden -, die kürzlich Leute aus allen Ständen beim Brand auf dem Caelius erlitten hatten! Was herrscht für eine Ruhe, wenn er die Aushebungen zur Ergänzung der Truppen durchführt - gewöhnlich eine höchst gefürchtete Sache, bei der es nun keinerlei Aufregung bei den Rekruten gibt. (3) Wenn es die Natur gestattete oder die menschliche Unzulänglichkeit erlaubte, dann würde ich mich unterstehen, mit den Göttern zu hadern: Womit hat dieser Mann das alles verdient: Zuerst, daß Drusus Libo seine verbrecherischen Anschläge gegen ihn unternahm? Dann, daß er solchen Haß bei Silius und bei Piso erntete, obwohl er die Ehrenstellung des einen begründet und den anderen in seiner Würde noch erhoben hatte? Um zu noch schwereren Schicksalsschlägen überzugehen, obwohl er auch hieran schon schwer genug trug - womit hat er verdient, seine Söhne in jugendlichem Alter zu verlieren? Dazu noch seinen Enkel, den Sohn seines Drusus! (4) So weit habe ich Schmerzliches erzählt, nun muß ich auf Schmachvolles zu sprechen kommen. Mit welcher Pein haben ihm die letzten drei Jahre das Herz zermartert, Marcus Vinicius! Wie lange brannte in ihm im geheimen - und das quält am meisten - der Schmerz darüber, daß er wegen seiner Schwiegertochter, wegen seines Enkels Kummer, Empörung und Scham empfinden mußte! (5) Der Jammer dieser Zeit wurde noch gemehrt, indem Tiberius seine Mutter verlor, diese einzigartige Frau, die in allem eher Göttern als Menschen glich - spürte man doch ihren Einfluß nur, wenn man von einer Gefahr bewahrt blieb oder eine Rangerhöhung erhielt.

131 (1) Mit einem Gebet will ich mein Werk beschließen. Du, Jupiter Capitolinus, und du, Mars Gradivus, Gründer und Erhalter Roms, du, Vesta, Hüterin des ewigen Feuers, und all ihr Gottheiten, die ihr dieses gewaltige römische Reich zur höchsten Macht auf Erden erhoben habt - euch rufe ich an, euch bitte ich im Namen aller: Beschützt, bewahrt und behütet diese Staatsordnung, diesen Frieden und diesen Princeps, (2) und nachdem er möglichst lange seine irdische Stellung gehalten hat, schenkt ihm möglichst spät Nachfolger, aber solche, deren Schultern ebenso stark sind, die Last eines Weltreichs zu tragen, wie wir es bei ihm erlebt haben. Und seid allen Bürgern hilfreich bei ihren guten Absichten und vereitelt ihre bösen.

Lateinischer Text:

126 (1) Horum XVI annorum opera quis cum universa oculis animisque omnium inhaereant, partibus eloquatur? Sacravit parentem suum Caesar non imperio, sed religione, non appellavit eum, sed fecit deum. (2) Revocata in forum fides, summota e foro seditio, ambitio campo, discordia curia, sepultaeque ac situ obsitae iustitia, aequitas, industria civitati redditae; accessit magistratibus auctoritas, senatui maiestas, iudiciis gravitas; compressa theatralis seditio, recte faciendi omnibus aut incussa voluntas aut imposita necessitas: (3) honorantur recta, prava puniuntur, suspicit potentem humilis, non timet, antecedit, non contemnit humiliorem potens. Quando annona moderatior, quando pax laetior? Diffusa in orientis occidentisque tractus et quidquid meridiano aut septentrione finitur, pax augusta per omnis terrarum orbis angulos a latrociniorum metu servat immunes. (4) Fortuita non civium tantummodo, sed urbium damna principis munificentia vindicat. Restitutae urbes Asiae, vindicatae ab iniuriis magistratuum provinciae: honor dignis paratissimus, poena in malos sera, sed aliqua: superatur aequitate gratia, ambitio virtute; (5) nam facere recte civis suos princeps optimus faciendo docet, cumque sit imperio maximus, exemplo maior est.

127 (1) Raro eminentes viri non magnis adiutoribus ad gubernandam fortunam suam usi sunt, ut duo Scipiones duobus Laeliis, quos per omnia aequaverunt sibi, ut divus Augustus M. Agrippa et proxime ab eo Statilio Tauro, quibus novitas familiae haud obstitit quominus ad multiplicis consulatus triumphosque et complura eveherentur sacerdotia. (2) Etenim magna negotia magnis adiutoribus egent interestque rei publicae quod usu necessarium est, dignitate eminere utilitatemque auctoritate muniri. (3) Sub his exemplis Ti. Caesar Seianum Aelium, principe equestris ordinis patre natum, materno vero genere clarissimas veteresque et insignes honoribus complexum familias, habentem consularis fratres, consobrinos, avunculum, ipsum vero laboris ac fidei capacissimum, sufficiente etiam vigori animi compage corporis, singularem principalium onerum adiutorem in omnia habuit atque habet, (4) virum severitatis laetissimae, hilaritatis priscae, actu otiosis simillimum, nihil sibi vindicantem eoque adsequentem omnia, semperque infra aliorum aestimationes se metientem, vultu vitaque tranquillum, animo exsomnem.

128 (1) In huius virtutum aestimatione iam pridem iudicia civitatis cum iudiciis principis certant; neque novus hic mos senatus populique Romani est putandi, quod optimum sit, esse nobilissimum. Nam et illi, qui primi ante bellum Punicum abhinc annos CCC Ti. Coruncanium, hominem novum, cum aliis omnibus honoribus tum pontificatu etiam maximo ad principale extulere fastigium, (2) et qui equestri loco natum Sp. Garvilium et mox M. Catonem, novum etiam Tusculo urbis inquilinum, Mummiumque Achaicum in consulatus, censuras et triumphos provexere, (3) et qui C. Marium ignotae originis usque ad sextum consulatum sine dubitatione Romani nominis habuere principem, et qui M. Tullio tantum tribuere, ut paene adsentatione sua quibus vellet principatus conciliaret, quique nihil Asinio Pollioni negaverunt, quod nobilissimis summo cum sudore consequendum foret, profecto hoc senserunt, in cuiuscumque animo virtus inesset, ei plurimum esse tribuendum. (4) Haec naturalis exempli imitatio ad experiendum Seianum Caesarem, ad iuvanda vero onera principis Seianum propulit senatumque et populum Romanum eo perduxit, ut, quod usu optimum intellegit, id in tutelam securitatis suae libenter advocet.

129 (1) Sed proposita quasi universa principatus Ti. Caesaris forma singula recenseamus. Qua ille prudentia Rhascuporim, interemptorem fratris sui filii Cotyis consortisque eiusdem imperii, Romam evocavit! Singulari in eo negotio usus opera Flacci Pomponii consularis viri, nati ad omnia, quae recte facienda sunt, simplicique virtute merentis semper, numquam captantis gloriam. (2) Cum quanta gravitate ut senator et iudex, non ut princeps, causam Drusi Libonis audivit! Quam celeriter ingratum et nova molientem oppressit! Quibus praeceptis instructum Germanicum suum imbutumque rudimentis militiae secum actae domitorem recepit Germaniae! Quibus iuventam eius exaggeravit honoribus, respondente cultu triumphi rerum, quas gesserat, magnitudini! (3) Quotiens populum congiariis honoravit senatorumque censum, cum id senatu auctore facere potuit, quam libenter expiavit, ut neque luxuriam invitaret neque honestam paupertatem pateretur dignitate destitui! Quanto cum honore Germanicum suum in transmarinas misit provincias! Qua vi consiliorum suorum, ministro et adiutore usus Druso fiiio suo, Maroboduum inhaerentem occupati regni finibus, pace maiestatis eius dixerim, velut serpentem abstrusam terrae salubribus consiliorum suorum medicamentis coëgit egredi! Quam ilium ut honorate ita secure continet! Quantae molis bellum principe Galliarum ciente Sacroviro Floroque Iulio mira celeritate ac virtute compressit, ut ante populus Romanus vicisse se quam bellare cognosceret nuntiosque periculi victoriae praecederet nuntius! (4) Magni etiam terroris bellum Africum et cotidiano auctu maius auspiciis consiiiisque eius brevi sepultum est.

130 (1) Quanta sua suorumque nomine exstruxit opera! Quam pia munificentia superque humanam evecta fidem ternplum patri molitur! Quam magnifico animi temperamento Cn. quoque Pompei munera absumpta igni restituit! Qui quidquid umquam claritudine eminuit, id veluti cognatum censet tuendum. (2) Qua liberalitate cum alias, tum proxime incenso monte Caelio omnis ordinis hominum iacturae patrimonio succurrit suo! Quanta cum quiete hominum rem perpetui praecipuique timoris, supplementum, sine trepidatione delectus providet! (3) Si aut natura patitur aut mediocritas recipit hominum, audeo cum deis queri: quid hic meruit, primum ut scelerata Drusus Libo iniret consilia? Deinde ut Silium Pisonemque tam infestos haberet, quorum alterius dignitatem constituit, auxit alterius? Ut ad maiora transcendam, quamquam et haec ille duxit maxima, quid, ut iuvenes amitteret filios? Quid, ut nepotem ex Druso suo? (4) Dolenda adhuc rettulimus: veniendum ad erubescenda est. Quantis hoc triennium, M. Vinici, doloribus laceravit animurn eius! Quam diu abstruso, quod miserrirnum est, pectus eius flagravit incendio, quod ex nuru, quod ex nepote dolere, indignari, erubescere coactus est! (5) Cuius temporis aegritudinem auxit amissa mater, eminentissima et per omnia deis quam hominibus similior femina, cuius potentiam nemo sensit nisi aut levatione periculi aut accessione dignitatis.

131 (1) Voto finiendum volumen sit. luppiter Capitoline, et auctor ac stator Romani nominis Gradive Mars, perpetuorumque custos Vesta ignium et quidquid numinum hanc Romani imperii molem in amplissimum terrarum orbis fastigium extulit, vos publica voce obtestor atque precor: custodite, servate, protegite hunc statum, hanc pacem, hunc principem, (2) eique functo longissima statione mortali destinate successores quam serissimos, sed eos, quorum cervices tam fortiter sustinendo terrarurm orbis imperio sufficiant, quam huius suffecisse sensimus, consiliaque omnium civium aut pia iuvate aut impia confringite.


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)