Eine Kriegsniederlage als Wirken eines Dämons und Gotteswille. Aischylos, Die Perser 249 - 599.

Deutsche Übersetzung aus: Griechisches Theater [Tragödien und Komödien des Auschylos (Die Perser. Sieben gegen Theben). Sophokles (Antigone. König Oedipüus. Elektra)., Aristophanes (Die Vögel. Lysistrata) und Menander (Das Schiedsgericht)]. Deutsch von Wolfgang Schadewaldt. Mit nachwort und Erklärungen zu den einzelnen Dramen. Frankfurt 1964, S.16 -29.


BOTE;

O Städte ihr der ganzen Erde Asiens! Perser-Erde und des Reichtums weiter Hafen! Wie ist auf einen einzigen Schlag vernichtet der viele Segen, und der Perser Blüte nun abgefallen und hinweggerafft! O mir! Schlimm ist es, als der erste Schlimmes berichten müssen! Und doch ist es not, das ganze Widerfahrnis zu entfalten. Perser! das ganze Heer der Asiaten ist dahin!

Kommos. Lyrisch-dramatischer Wechsel.

CHOR;

Schreckliche, schreckliche Übel, frisch ergrimmte und vernichtende! Ai! Ai! Benetzt euch mit Tränen, Perser, die ihr dieses Weh vernehmt!

BOTE:

Jawohl! denn alles dort ist tot und abgetan! Und auch ich selbst erblicke unverhofft der Heimkehr Licht!

CHOR:

Wahrhaftig! als gar zu langlebig erwies dies Dasein sich uns Alten: daß wir noch hören mußten dieses Übel unerwartet!

BOTE:

Ja, und als einer, der zugegen war und nicht die Reden nur von andern hörte, Ihr Perser, kann ich euch berichten, welcherlei Übel dort bereitet wurden!

CHOR:

Otototoi! Vergebens, daß die vielen Geschosse, allgemischt, vom Lande Asien über das feindliche Land, Hellenenland, gekommen!

BOTE:

Voll Leichen, elend umgekommenen, sind die Gestade von Salamis und alles angrenzende Land!

CHOR:

Otototoi! Der Lieben Leiber, vom Meer umhergewirbelt, viel getaucht! Gestorben, sagst du, treiben sie zwischen irrenden Planken?

BOTE:

Nichts halfen da die Bogen, nein, das ganze Heer kam um, bezwungen von den Rammstößen der Schiffe!

CHOR:

Schreit schrill heraus den Unglücksruf, den jammervollen, über die unglückseligen, die Perser: Wie sie das Ganze gar schlecht bestellt, ai, ai, da das Heer vernichtet!

BOTE:

O ärgster Haß, den Namen Salamis zu hören! Weh! dies Athen! Wie stöhn ich, wenn ich daran denke!

CHOR:

Athen, verhaßt den Unglückseligen! Ja, daran denken muß man, wie viele der Perserfrauen es - für nichts - gemacht zu Witwen und männerlos!

ATOSSA:

Schon lange schweig ich Unglückselige, vor Schreck verstört , ob all der Übel. Denn so hoch hinaus reicht dieses Mißgeschick, daß man nicht reden, nicht fragen mag, wie es geschehn. Doch ist es gleichwohl not den Sterblichen, die Leiden zu tragen, die die Götter geben. So entfalte denn alles, was uns widerfuhr, und sprich gefaßt, wenn du auch ob der Übel stöhnen magst: Wer ist nicht tot? Und auch: wen müssen wir beklagen der Heeresfürsten, wer's auch war, der da, bestellt, den Stab zu führen, seinen Platz leer in der Reihe, ohne Mann, ließ, da er fiel?

BOTE:

Xerxes, er selber, lebt und sieht das Licht!

ATOSSA:

Da hast du meinen Häusern angesagt ein großes Licht und hellen Tag aus wetterschwarzer Nacht!

BOTE:

Artembares jedoch, der Führer von zehntausend Reitern, zerschellt am harten Strande von Sileniai. Der Chiliarch Dadakes auch, unter dem Stoß von einem Speere, sprang behenden Sprungs vom Schiff hinab. Und Tenagon, der beste Mann der Baktrier, gradesten Stamms, Er treibt, vom Meer geschlagen, um des Aias Insel. Lilaios, Arsames so wie Argestes als dritter: sie, beim taubennährenden Eiland geschlagen, rannten sich die Köpfe ein an dem harten Land. Die Anwohner der Quellen auch des Niles, des Aigyptischen, Arkteus, Adeues und als dritter der Schildträger Pharnuchos: diese stürzten aus einem einzigen Schiff. Der Chryser Matallos, Führer von Zehntausend, färbte sterbend den feuerfarbnen, vollen, schattigen Backenbart, daß er die Farbe wechselte, im Purpurbad. Der Mager Arabos auch und Artames, der Baktrier, Führer von drei Zehntausenden von schwarzen Reitern, wurden dort Ansiedler des harten Lands im Tod. Amistris und Amphistreus, der den Speer, den kummervollen, führte, und der edle Ariomardos, der nun über Sardes Trauer gebracht, und Seisames, der Mysier, und Tharybis, von fünf mal fünfzig Schiffen der Führer, von Geschlecht Lyrnaier, ein wohlgestalter Mann: er liegt gestorben elendig da, nicht eben glücklich. Syennesis auch, der erste an Beherztheit, der Kiliker Führer, der, ein einziger Mann, die meiste Not den Feinden schuf, er ging ruhmvoll zugrunde. Soviel hab von den Feldherrn ich erwähnt. Doch von den vielen Übeln, die da waren, berichte ich damit nur wenige!

ATOSSA:

Ai! Ai! So höre ich der Übel höchste: Schande den Persern und gellendes Wehgeschrei! Doch sage mir auch dieses noch und wende noch einmal dich zurück: wie groß die Menge der Hellenenschiffe war, daß sie es wagten, mit dem Perserheer Kampf anzuknüpfen im Zusammenstoß der Schiffe?

BOTE:

Der Menge nach, dies wisse, hätte der Barbar wohl obgesiegt mit Schiffen. Denn es war die ganze Zahl der Schiffe den Hellenen an zehnmal dreißig, außer diesen aber von zehn ein auserlesenes Geschwader. Dem Xerxes aber war - das weiß ich - tausend die Zahl der Schiffe, die er führte, und dazu hervorragend an Schnelle zweihundert und sieben. So steht die Rechnung. Scheint es dir, wir waren hierin im Nachteil für die Schlacht? O nein! Es hat auf diese Art ein Daimon das Heer vernichtet, der hinabgedrückt die Schale mit nicht gleichgewichtigem Geschick! Götter retten die Stadt der Göttin Pallas.20 AISCHYLOS DIE PERSER 21


ATOSSA:

So ist die Stadt Athen noch unzerstört?

BOTE:

Sind Männer, so ist dies ein sichrer Wall!

ATOSSA:

Doch welches war der Anbeginn des Treffens der Schiffe? Rede! Wer hob an die Schlacht? Waren es die Hellenen oder war es mein Sohn, groß pochend auf die Überzahl der Schiffe?

BOTE Den Anfang machte, Herrin, mit dem ganzen Übel ein Fluchgeist oder böser Daimon, der irgend woher erschien. Nämlich ein Mann, Hellene, aus dem Heere der Athener, kam und sagte deinem Sohne Xerxes dieses: Sobald heraufgekommen sei das Dunkel der schwarzen Nacht, so würden die Hellenen nicht bleiben, sondern auf die Ruderbänke der Schiffe springen und, der eine hier-, der andere dorthin, in heimlichem Entrinnen das Leben heil hinauszubringen suchen. Dieser, sofort da er es hörte, nicht gewahrend die Arglist des Hellenen-Mannes noch der Götter Mißgunst, machte allen Führern der Schiffe diese Rede kund: Wenn Helios ablasse, mit den Strahlen die Erde zu entflammen, und es habe des Aithers Raum das Dunkel eingenommen, so sollten sie der Schiffe Haufen ordnen in drei Geschwader, um die Ausfahrten zu sperren und die meerdurchrauschten Sunde, nndere Schiffe aber wieder rings im Kreise um die Aias-Insel. Sollten aber entrinnen die Hellenen ihrem schlimmen Schicksal, weil sie mit Schiffen heimlich irgendeinen Durchschlupf gefunden, so sei allen bestimmt, beraubt zu werden ihres Kopfes. So Großes sprach er mit gar hochgemutem Sinn; denn was bevorstand von den Göttern, sah er nicht. Doch sie, nicht ungeordnet, sondern in Gehorsam gegen ihre Oberen, bereiteten sich erst das Nachtmahl, und es band sodann der schiffbefahrene Mann des Riemens Griff fest an der ruderguten Dolle an. Als nun das Licht des Helios entschwand und Nacht heraufkam, ging ein jeder Mann, der eines Ruders Herr war, auf sein Schiff und auch ein jeder, der den Waffen vorstand, und Reihe rief die Reihe an im langen Schiff. So fuhren sie, wie jeder war bestellt. Und durch die ganze Nacht ließen der Schiffe Führer das ganze Schiffsvolk hier- und dorthin kreuzen. Und es ging hin die Nacht, und ganz und gar nicht machte Anstalt der Hellenen Heer zu einer Ausfahrt heimlich irgendwo. Jedoch als nun auf dem Gespann von weißen Füllen der Tag einnahm das ganze Land, schön leuchtend anzusehen, da erscholl zuerst ein Rauschen her von den Hellenen: mit Gesang. Fromm jubelten sie, und hellauf zugleich tönte entgegen ihrem Alala vom Fels der Insel her der Widerhall. Und Furcht kam alle die Barbaren an, getäuscht in ihrer Meinung. Denn wahrhaftig, nicht wie zur Flucht sangen den Heilsgesang, den feierlichen, die Hellenen da, sondern zum Aufbruch in die Schlacht beherzten Mutes. Da flammte die Trompete mit ihrem Schall hin über alles dort, und alsbald schlugen sie rauschend mit der Ruder einheitlichem Schlag zu schaum die Salzflut nach dem Takt des Bootsmannsrufs. 22 AISCHYLOS DIE PERSER 23


Und plötzlich waren alle deutlich da zu sehn. Der rechte Flügel, erstlich, fuhr voran, wohl aufgestellt, in Ordnung, dann, zum andern, kam der ganze Zug herangefahren, und da war zu hören, all in eins, ein Vielgeschrei: "Ihr Söhne der Hellenen! Auf! Befreit das Vaterland! Befreit die Söhne und die Weiber und der väterlichen Götter Sitze, die Gräber auch der Vorfahren! Jetzt geht um alles der Kampf! "- Und, wahrlich! auch von uns entgegnete in persischer Zunge ein Gebraus, und nicht mehr war zu zögern Zeit, und gleich schlug Schiff in Schiff den erzgefügten Sporn. Und es hob an den Rammstoß ein hellenisch Schiff, und weg reißt es den ganzen Vordersteven eines Phoiniker-Schiffs, dann richtete einer auf dies, der andere auf dies den Kiel. Zuerst nun hielt der Strom des Perserheers dagegen an. Doch da der Schiffe Masse in der Enge sich drängte und nicht da war Hilfe füreinander, sondern sie selber voneinander getroffen wurden von sich selber, vom Rammsporn, dem mit Erz geschnäbelten, so zerbrach ihnen das ganze Ruderwerk, und die Hellenen-Schiffe, wohlbedacht, umringten sie im Kreise, rammten sie. Da schlugen der Schiffe Bäuche um, und war das Meer nicht mehr zu sehen, angefüllt mit Trümmern von Schiffen und dem Mord von Menschen. Die Klippen auch und die Gestade waren mit Leichen angefüllt. In wirrer Flucht ruderte jedes Schiff davon, so viele noch übrig waren des Barbarenheers. Die aber, wie auf Tümmlerfang oder irgendeinen Netzfang von Fischen, schlugen auf sie ein mit Stücken von zerbrochenen Rudern oder Trümmern der Wracks, spießten sie in den Rücken, und Wehgeschrei ineins mit Jammern nahm die Meeresfläche ein, bis sie hinweg das Auge nahm der schwarzen Nacht. Der übel Menge - und wollte ich zehn Tage in einem fort erzählen, ich könnte sie Dir nicht erschöpfen. Denn dies wisse wohl: daß niemals noch an einem einzigen Tage eine Menge, so groß an Zahl, von Menschen starb.

ATOSSA:

Ai! Ai! An Übeln ist ein großes Meer hereingebrochen auf die Perser wie auf der Asiaten ganzen Stamm!

BOTE So wisse dieses wohl: noch nicht die Hälfte ist es des tJbels! Eine solche Schickung des Leids kam über sie, daß es dies andre sogar um ein Zwiefaches aufwiegt an Gewicht!

ATOSSA:

Und welch ein Schicksal könnte feindlicher noch sein als dieses? Sprich, welch eine Schickung, sagst du, sei da dem Heer gekommen, die die Schale sinken läßt zu noch größeren Übeln?

BOTE:

So viele von den Persern an Natur in Vollkraft standen und an Kraft der Seele die Besten waren und an edeler Geburt hervorragten und gegen ihn, den Herrscher, an Treue stets unter den ersten waren: gestorben sind sie schmählich, unrühmlichsten Todes!

ATOSSA:

0-ih! Ich Arme! Dies unselige Schicksal, Freunde! Und welchen Tod, sagst du, sind sie gestorben?

BOTE:

Eine Insel liegt vorn in dem Raum von Salamis, klein, schwer für Schiffe anzulaufen, auf der Pan, der Gott, der reigenliebende, am Meergestade zu wandeln pflegt. Dorthin entsendet Xerxes diese Männer, damit, wenn sich die Feinde von den Schiffen, geschlagen, auf die Insel retten wollten, sie leichten Fanges der Hellenen Heer erschlügen, unsre eigenen Männer aber retteten aus den salzigen Meerespfaden - schlecht dessen kundig, was da kommen sollte! Denn als der Gott ein herrliches Gelingen Im Kampf der Schiffe den Hellenen gab, umhüllten sie am gleichen Tage noch den Leib mit Rüstungen von gutem Erz und sprangen von ihren Schiffen und umstellten rings Im Kreis die ganze Insel, so daß jene sich keinen Ausweg wußten, wohin sie sich wenden sollten. Denn vielfach wurden sie mit Steinen aus den Händen beworfen, Pfeile, von des Bogens Schnur herangeschnellt, vernichteten sie, und zuletzt, herangestürmt in einem einzigen Braus, schlagen, zermetzeln sie die Leiber der Unglückseligen, bis sie das Leben von ihnen allen ganz und gar zerstört. Da stöhnte Xerxes auf, als er die Tiefe des Unheils sah. Er hatte einen Sitz mit guter Umschau auf das ganze Heer auf einem hohen Hügel nah der Meeresfläche. und er zerriß sein Kleid und schrie hell auf, gab alsogleich dem Landheer noch Befehl und strebte fort in wirrer Flucht! - So das Geschick, das du noch zu dem früheren beklagen magst.

ATOSSA:

Verhaßter Daimon! Wie hast du die Perser Getäuscht in ihrem Sinne! Bitter ist meinem Sohn die Rache ausgeschlagen am ruhmvollen Athen, und nicht genug war es an jenen der Barbaren, die zuvor schon Marathon hinweggerafft! Für sie vermeinte mein Sohn Buße einzufordern und hat ein solches Maß der Leiden auf sich herabgezogen. Aber sage, Die Schiffe, die dem Untergang entronnen, wo hast du sie verlassen? Kannst du's sicher sagen?

BOTE:

Der Schiffe, die noch übrig waren, deren Führer ergreifen überstürzt, wie grad der Wind weht, ordnungslos die Flucht. Was von dem Heere übrig, ging zugrunde zum Teil im Lande der Boiotier: Die einen um der Quelle helles Labsal am Durste leidend, und die anderen vor Atemlosigkeit erschöpft. - Wir dringen durch ins Land der Phoker und zum Lande Lokris, der Bucht von Melis, dort wo der Spercheios das Feld bewässert mit huldreichem Trank. Und weiter nahm von dort uns des Achaierlandes Ebene auf und der Thessaler Städte, nur knapp versehn mit Nahrung. Nun, dort starben viele vor Durst und Hunger; denn dies beides herrschte.und zum Magnetenland und ins Gebiet der Makedonen kamen wir, zum Lauf des Axios und zu des Bolbe-Sees sumpfigem Röhricht und zum Berg Pangaion in der Edoner Land. In dieser Nacht schickte ein Gott ein vorzeitiges Winterwetter und ließ im Frost erstarren die ganze Flut des heiligen Strymon-Flusses, und so mancher, der an die Götter vorher nie geglaubt, da betete er mit Gebeten, flehte auf seinen Knien Erd und Himmel an. Als aber dann das Heer geendigt hatte sein vieles Schreien zu den Göttern, überschritt es das zu Eis erstarrte Bett. Und wer von uns sich aufgemacht, bevor die Strahlen des Gottes sich verbreitet hatten: gerettet ist er. Brennend nämlich drang in Lichtglänzen der Sonne leuchtend Rund Bis in des Stromes Mitte ein, ihn mit der Glut erwärmend, und sie stürzten einer über den anderen, und glücklich, wem auf das schnellste seines Lebens Odem abriß. So viele aber übrig sind und Rettung fanden, durchzogen Thrakien mühevoll mit vieler Not und kommen nun, entronnen: nicht gar viele, zum Lande, wo ihr Herd steht, also daß Stöhnen die Stadt der Perser mag, in Sehnsucht nach der geliebtesten Jugend des Lands. Das ist die Wahrheit. Viele aber übergehe Ich von den Übeln, die da auf die Perser herabgeschleudert hat der Gott.

Der Bote geht.

ÄLTESTER:

O mühsal-schwerer Daimon! Wie du allzu schwer hereinsprangst mit den Füßen auf der Perser ganzen Stamm!

ATOSSA:

O-ih! Ich Unglückselige! Vertan das Heer! O Nachtgesicht, deutliches du, der Träume! Wie hast du mir so klar die Übel geoffenbart! Ihr aber habt sie allzu schlecht gedeutet! Doch, da euer Spruch es so entschieden hat: so will ich zu den Göttern beten zuerst und dann der Erde und den Hingeschiedenen mit Gaben nahen, nachdem ich Opferbrot geholt aus meinen Häusern auf schon Vollbrachtes hin. Gewiß, ich weiß, doch sei es für das Zukünftige, ob es sich besser füge! Ihr aber müßt nach dem GescheheneniIn Treue beitragen getreuen Rat; und kommt mein Sohn vor mir hierher, so gebt ihm Zuspruch und geleitet ihn ins Haus, daß er nicht zu den Übeln füge noch ein Übel!

Die Königin entfernt sich.

CHOR Zeus! König! Nun hast du den Persern, den hochgemuten, an Männern reich, das Heer zugrunde gerichtet, und Susas und Ekbatanas Stadt in dunkler Trauer verborgen! Und viele mit zarten Händen zerreißen ihre Schleier und benetzen mit ihren Tränen die triefenden Bäusche am Gewand, da den Schmerz sie teilen. Und die jungen Perserfrauen klagen laut, sich sehnend, den jüngst geschlossenen Bund zu sehn mit ihren Männern, hingebend ihrer Betten üppig bedeckte Lager, der prangenden Jugend Freude: Wehklagen mit Trauergesängen, nicht enden wollenden. - Auch ich aber will würdig das Todesgeschick erheben der Hingeschiedenen, das jammervolle!

Standlied:

Nun erstöhnt die ganze Erde Asiens, ausgeleert! Xerxes führte sie an! Popoi! Xerxes hat sie vertan! Totoi! Xerxes, alles betrieb er sinnlos, er und die Meeresschiffe! Warum hat Dareios nur einst das Volk so unversehrt gelenkt, er, des Bogens Herr, Susas eigener Gebieter? Denn ob zu Fuß und ob zur See, mit Flügeln von Linnen, schwarzäugig am Bug, die Schiffe führten sie fort Popoi! Die Schiffe verdarben sie dort. Totoi! Die Schiffe unter allverderblichen Rammstößen und durch der loner Hände! Nur um Haaresbreite entrann, wie wir hören, Er, der Herr, über Thrakiens weite Schlimme winterliche Pfade. Doch sie, die zuerst vom tödlichen - weh! - Zwange Ergriffenen - ah-eh! - verwesen - oh! ah! - am Strand von Kychreia. - Stöhne und beiße dich und schrei empor dumpf das Leid zum Himmel! Oh! Ah! Oh! Ah! Und spanne an die übel bellende, die schreiende, die arme Stimme! Zerwalkt in dem Salze furchtbar - weh! -, zerrissen werden sie - ah! eh! - von den stummen Kindern des unbefleckten Meeres. Oh, ah! Und es klagt um den Mann das beraubte Haus, und die kinderlosen Eltern, gottgesandte Leiden - oh! ah! oh ah! - bejammernd, die Betagten. Den ganzen erfahren sie nun, den Schmerz. Doch die Völker der asischen Erde lassen sich nicht mehr lange nach persischer Satzung regieren! Nicht zollen sie mehr die Tribute unter herrscherlichem Zwang, noch fallen sie nieder zur Erde, um sich befehlen zu lassen. Denn, wahrlich! die königliche Kraft , sie ganz vernichtet. Und nicht mehr in Gewahrsam liegt die Zunge den Sterblichen. Denn losgebunden ist das Volk, um frei zu reden; denn gelöst ist das Joch der Macht. - Aber in blutbesudeltem Boden bedeckt Aias Insel das, was einstmals persich war!


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)