Das Bekenntnis zu Lebensmaximen als von Gott kommender Weisheitslehre. Das Buch Jesus Sirach (Ecclesiasticus), Kap. 1, 1 - 10 und Kap. 3, 1 - 29.

Deutsche Übersetzung nach: Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments mit Einleitungen zu jedem der biblischen Bücher und erklärenden Anmerkungen zu den Texten. In ungekürzter Fassung herausgegeben von T. Schwegler und A. Herzog (Große Familien-Bibel), Zürich 1974, S.1308 f. und 1310 - 1312.


[Das Bekenntnis zu Gott als dem Urgrund aller Weisheit]

1, 1 Alle Weiheheit kommt von Gott dem Herrn,

und bei Ihm ist sie auf ewig.

2 Den Sand der Meere und die Regentropfen

und die Tage der Urzeit, wer vermag sie zu zählen?

3 Die Höhe des Himmels und die Breite der Erde

und den Meeresgrund [...,] wer kann sie erforschen?

4 Früher als alle anderen Dingen ist die Weisheit erschaffen

und kluge Einsicht stammt aus der Ewigkeit.

5 Wem aber wurde der Urgrund der Weiheit offenbart?

Wer konnte ihre Erkenntnisse erkennen? [...]

8 Nur Einer ist weise und überaus furchtbar,

Er, der auf seinem Thron sitzt, Gott der Herr.

9 Er hat [scil. was aus der Weisheit kommt] geschaffen, gesehen und gezählt

und den Geist der Weisheit über Seine Werke ausgegossen.

10 Wie Gott es gibt, ist seine Weisheit bei allen Lebewesen,

und er teilt sie denen mit, die Ihn lieben.

[Lebensmaxime der Ehrfurcht vor Vater und Mutter]

3, 1 Auf mich, den Vater, hört, ihr Söhne,

und tut so, damit ihr das Heil erlangt.

2 Denn Gott der Herr hat dem Vater einen ehrenvollen Platz über den Kindern gegeben.

Auch der Mutter gab er ihren Söhnen gegenüber ein Vorrecht.

3 Wer den Vater ehrt, sühnt seine Sünden,

4 und wie einer, der Schätze sammelt, ist der, der die Mutter in Ehren hält.

5 Wer den Vater ehrt, wird Freude an den Kindern erleben;

am Tage, da er betet, wird er erhört.

6 Wer den Vater in Ehren hält, erlangt ein langes Leben, und wer auf den Herrn hört, erquickt seine Mutter.

7Wer auf den Herrn hört, ehrt den Vater,

und wie Herrschern dient er seinen Eltern.

81n Wort und Werk ehre deinen Vater, auf daß sein Segen auf dich komme.

9 Denn der Segen des Vaters festigt die Häuser der Kinder,

der Fluch der Mutter aber zerstört sie von Grund aus.

10 Suche deine Ehre nicht in deines Vaters Schande;

denn des Vaters Schande gereicht dir nicht zur Ehre.

11 Der Ruhm eines Mannes ist ja die 'Ehre seines Vaters.,

und eine Schande für die Kinder ist eine nicht in Ehren gehaltene Mutter.

12 Sohn, nimm dich deines Vaters an in seinem Alter, und betrübe ihn nicht dein Leben lang!

13 Auch wenn sein Verstand abnimmt, hab Nachsicht mit ihm,

und verachte ihn nicht, nur weil du auf der Höhe des Lebens bist!

14 Denn die dem Vater erwiesene 'Wohltat bleibt nicht vergessen,

und für die Sünden wird es dir angerechnet werden.

l5 Am Tage der Trübsal wird deiner gedacht werden,

und wie die Wärme beim Reif, so werden deine Sünden beseitigt.

16 Aber ein nichtswürdiger Spötter ist, wer seinen Vater im Stiche läßt

und verflucht ist vom Herrn, wer seine Mutter erzürnt.

[Lebensmaxime der Selbstbescheidung]

17 Sohn, in Gelassenheit führe deine 'Werke aus, und von den Wohlgefälligen wirst du geliebt werden.

18 Je größer du bist, um so mehr fasse dich in Bescheidenheit; dann findest du vor Gott dem Herrn Gnade.

20 Denn groß ist die Macht des Herrn, und die Demütigen verherrlichen Ihn.

21 Was für dich zu schwierig ist, das strebe nicht an,

und was über deine Kräfte geht, damit befasse dich nicht!

22Was dir aufgetragen ist, das hab' im Sinne;

denn das [scil. vor dir] Verborgene hast du nicht nötig.

23 Was über deinen Tätigkeitskreis hinausgeht, darüber sinne nicht nach:

dir ist [scil. sowieso schon] mehr, als die Menschen begreifen können, gezeigt worden.

24 Viele hat ja schon ihr Vorwitz getäuscht,

und ein böser Wahn hat ihre Einsicht zu Fall gebracht.

26 Einem trotzigen Herzen geht es zuletzt schlecht,

und wer die Gefahr liebt, kommt darin um.

27 Ein trotziges Herz belädt sich mit Leiden,

und, wer so sündigt, häuft Sünden auf Sünden.

28 Für die Wunde des Stolzen gibt es kein Heilmittel;

denn ein schlimmes Gewächs hat sich bei ihm eingenistet.

29 Das Herz des Verständigen aber merkt sich den weisen Rat,

und [scil. umgekehrt] ist das aufmerksame Ohr [des Zuhörers] der Herzenswunsch jedes Weisen.


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)