Augustus bauliche Umgestaltung Roms. Sueton, Vita caesarum, Augustus 28 - 30.

Deutsche Übersetzung aus: Sueton, Leben der Caesaren. Übersetzt und herausgegeben von André Lambert, München 1972, S. 72 - 72.


28. ... [Augustus] behielt er die Macht in seinen Händen, wobei es zweifelhaft bleibt, ob der Erfolg oder die Absicht besser waren. Seine gute Absicht äußerte er zu wiederholten Malen und bezeugte sie auch in einem Edikt mit folgenden Worten: »Möge es mir vergönnt sein, den Staat auf eine gesunde und sichere Basis zu stellen und den Lohn dafür zu empfangen, den ich mir wünsche; als der Urheber der besten Verfassung zu gelten und die Hoffnung mit mir ins Grab nehmen zu können, daß die Grundlagen des Staates, die ich legte, unerschütterlich bleiben werden.« Und er selbst war es auch, der am meisten zur Erfüllung dieses Wunsches beitrug, indem er sich auf jede Art und Weise bemühte, daß niemand sich über die neuen Verhältnisse zu beklagen hätte.

Rom, das weder der Größe und Würde des Reiches entsprechend ausgebaut war und oft durch Überschwemmungen und Brände heimgesucht wurde, verschönerte Augustus in solchem Maße, daß er sich mit Recht rühmen durfte, an Stelle der Stadt aus Backsteinen, die er übernommen hatte, eine aus Marmor zu hinterlassen. Für die Sicherheit Roms sorgte er, soweit es menschlicher Voraussicht nach möglich war, bis in die ferne Zukunft.

29. Er errichtete zahlreiche öffentliche Bauten, von denen folgende wohl die bedeutendsten sind: ein neues Forum mit dem Tempel des Mars Ultor, der Apollotempel auf dem Palatin und der Tempel des luppiter Tonans auf dem Kapitol. Das neue Forum erbaute er, weil für die große Einwohnerzahl und die Menge der Prozesse die beiden alten nicht mehr genügten und ein drittes notwendig zu werden schien; deshalb wurde es in großer Eile, bevor noch der Marstempel vollendet war, der Öffentlichkeit übergeben, und zwar mit der Bestimmung, daß auf ihm im besonderen die Strafprozesse und die Auslosungen der Richter stattfinden sollten. Den Marstempel hatte er im Krieg von Philippi gelobt, den er, um seinen Vater zu rächen, begonnen hatte; deshalb setzte er auch fest, daß der Senat dort über Kriege und Triumphe berate, daß von hier aus im feierlichen Geleit die Provinzstatthalter zum Antritt ihres Kommandos auszögen und daß dorthin die siegreichen Feldherren die Auszeichnungen für ihre Triumphe bringen sollten. Den Apollotempel ließ er in dem Teil seines Hauses auf dem Palatin errichten, den nach Aussagen der Eingeweideschauer der Gott selbst durch einen Blitzschlag gewünscht und bezeichnet habe; daran anstoßend baute er Säulenhallen mit einer lateinischen und griechischen Bibliothek, wo er in seinem Alter oft auch Senatssitzungen abhielt und die verschiedenen Richtergruppen auswählte. luppiter Tonans weihte er einen Tempel zum Dank für Rettung aus Todesgefahr; auf dem Feldzug in Kantabrien hatte nämlich auf einem nächtlichen Marsch der Blitz dicht vor seiner Sänfte eingeschlagen und einen ihm voranleuchtenden Sklaven getötet.

Einige Bauwerke ließ er auch im Namen anderer ausführen, zum Beispiel seiner Enkel, seiner Frau und seiner Schwester, wie die Säulenhalle und die Basilika des Gaius und Lucius, ebenso die Säulenhallen der Livia und Octavia und das Theater des Marcellus. Aber er forderte auch Männer von Rang auf, jeder solle nach seinen Mitteln die Stadt durch neue Monumente verschönern oder alte ausbessern oder wiederaufbauen lassen. Viele folgten damals dieser Aufforderung, und es entstanden viele Bauten: so ließen zum Beispiel Marcius Philippus den Tempel des Herkules mit den Musen, Lucius Cornificius den Dianatempel, Asinius Pollio die Halle des Tempels der Freiheitsgöttin, Munatius Plancus den Saturntempel, Cornelius Balbus ein Theater, Statilius Taurus ein Amphitheater und Marcus Agrippa sogar mehrere prächtige Gebäude errichten.

30. Die ganze Stadt teilte Augustus in Bezirke und Stadtkreise ein und traf die Einrichtung, daß über die ersteren jährlich durch das Los zu bestimmende Beamte die Aufsicht zu führen hätten, über die letzteren von der Bevölkerung der Stadtkreise selbst gewählte Vorsteher. Als Abwehr gegen Brände schuf er Nachtwächter und Feuerwehr; zur Behebung der Überschwemmungen ließ er das Tiberbett, das seit langer Zeit durch Abfälle aufgefüllt und durch Vergrößerung der Gebäude eingeengt worden war, verbreitern und reinigen. Damit der Zugang zur Stadt von allen Richtungen her leichter sei, übernahm er selbst den Ausbau der Flaminia Via bis nach Rimini und verteilte die anderen Zufahrtsstraßen unter die durch einen Triumph geehrten Feldherren, die aus dem ihnen zugefallenen Beuteanteil die Pflasterung zu bestreiten hatten. Die infolge ihres Alters baufälligen Tempel renovierte er, an Stelle der durch Feuer zerstörten errichtete er Neubauten und bedachte diese und andere mit großzügigen Spenden. So legte er zum Beispiel im Allerheiligsten des luppiter Capitolinus sechzehntausend Pfund Gold zusammen mit Edelsteinen und Perlen im Wert von fünfzig Millionrn Sesterzen in einer einzigen Schenkung nieder.


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)