Kap. 5: Der Einfluß der Wissenschaften auf die gesellschaftliche Praxis - technische und praktische Wissenschaften der Antike.

ÜBERSICHT.

1) Der Einfluß der Wissenchaften auf die gesellschaftliche Praxis. Praktische und technische Wissenschaften der Antike.

2) Praktische und technische Wissenschaften der Antike mit besonderer sozialer oder wissenschaftlicher Dignität.

a) Politik (i. S. von Regierungswissen und -kunst).

b) Rhetorik.

c) Jurisprudenz.

d) Architektur.

e) Medizin.

3) Praxisbezogene und technologische Wissensgebiete ohne wissenschaftlich-disziplinäre Dignität, aber von anerkanntem Nutzen oder Marktwert.

a) Staatliche und städtische Administration.

b) Kriegswesen.

c) Unternehmerische und häusliche Wirtschaftsführung. Landwirtschaft.

d) Rohstoffgewinnung und -verarbeitung.

e) Schiffahrt und Landverkehr.

f) Gewerbliche und handwerkliche Dienstleitungen.

4) Themenbeispiele zu 2) und 3)

5) Literatur, Medien, Quellen.

1) Praktische und technische Wissenschaften der Antike. Ihre Theorie-, Praxis-, Bildungs- und Prestigemomente.

ÜBUNG 5

Aufgaben:

Untersuchen Sie den unten zu 4 a) wiedergebenen Auszug aus Galens Schrift 'Über die Kräfte deer menschlichen Physis' daraufhin,

a) welche Grundbegriffe der Autor zu einer Theorie über die menschliche Physis zusammenfügt und wie man diese Theorie im Hinblick auf ihren Bildungshintergrund, ihre empirischen Grundlagen und ihre praktischen Anwendungszwecke näher bestimmen kann,

b) welche Positionen Galen in welchen wissenschaftlich zu seiner Zeit kontroversen Fragen einnimmt und wie er sich von argumentativ von s. E. bestehenden Irrtümern anderer abgrenzt,

c) was an Galens Auffassungen Ihres Erachtens aus heutiger medizinischer Sicht irrtümlich oder irrtumsgeneigt sein könnte.

Die Begriffe 'Technik' und 'Praxis' und ihr Wissenschaftsbezug in der Antike.

'Technik', von griech. 'techne', wortverwandt mit griech 'teuchos' ('Werkzeug'), soll hier einen Komplex aus Organisation, Wissen und Handeln bezeichnen, der die kenntnisreiche und kunstgerechte Erzeugung oder Veränderung von Objekten der menschlichen Lebenswelt zum Hauptzweck hat.

'Praxis", von griech. 'prattein' (handeln, Geschäfte machen, etwas durchführen) soll hier Tätigkeiten bezeichnen, deren Haupzzweck in der planmäßigen Beeinflussung, Veränderung oder Gestaltung der politischer, sozialer oder rechtlicher Beziehungen besteht.

Ist das für die Technik nötige Wissen methodisch und begrifflich reflektiert, empirisch begründet und fachlich systematisiert, kann man in der Antike von einer 'technischen Wissenschaft' reden (Beispiel: Antike Medizin).

Ebenso kann man von einer 'praktischen Wissenschaft' sprechen, wenn das für die Praxis nötige planmäßige Handeln methodisch und begrifflich reflektiert, empirisch begründet und fachlich systematisiert ist (Beispiel: Antike Rhetorik).

2) Praktische und technische Wissenschaften der Antike mit besonderer sozialer oder wissenschaftlicher Dignität.

a) Politik (i. S. von Regierungswissen und -kunst).

b) Rhetorik.

c) Jurisprudenz.

d) Architektur.

e) Medizin.

3) Praxisbezogene und technologische Wissensgebiete ohne wissenschaftlich-disziplinäre Dignität, aber von anerkanntem Nutzen oder Marktwert.

a) Staatliche und städtische Administration.

b) Kriegswesen.

c) Unternehmerische und häusliche Wirtschaftsführung. Landwirtschaft.

d) Rohstoffgewinnung und -verarbeitung.

e) Schiffahrt und Landverkehr.

f) Gewerbliche und handwerkliche Dienstleitungen.

4) Themenbeispiele zu 1) und 2).

a) Zur Medizin.

Galen, Über die natürlichen Kräfte der menschlichen Physis. Buch 1, Kap. 1 - 13.

Text auszugsweise entnommen aus: Werke des Galenos, Bd. 5, Die Kräfte der Physis. Übersetzt und erläutert von (Prof. Dr. med.) Erich Beintker und (Prof. Dr. phil.) Wilhelm Kahlenberg, Stuttgart 1954, S. 13 - 37.

b) Zur Architektur.

Antike Architektur als theoretisch begründete technische Wissenschaft: Vitruv, De architectura, Buch 1, Kap. 1 bis 3.

Deutsche Übersetzung nach: Vitruv, Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, Darmstadt 1976, S. 21 - 45. Die Übersetzung Fensterbusch wurde an verschiedenen Stellen modifiziert. D. Hg.


Antike Architektur als über die Baukunst hinausgehende Ingenieurswissenschaft.

Abb. entnommen aus. Vitruv, Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, Darmstadt 1976, Bildanhang, Abb. 16 - 20.

c) Zur Rhetorik.

Anwendungsfelder, Begabungs-, Übungs- und Wissensvoraussetzungen der praktischen Rhetorik.

Schema entnommen aus: dtv-Lexikon der Antike (von der dtv-LexikonRedaktion umgearbeitete Lizenzausgabe des 'Lexikons der Alten Welt', Zürich, Stuttgart 1979 2, Abt. Philosophie, Literatur, Wissenschaft, Bd. 4, S. 140 f.


Über Sentenzen und über witzigen Scharfsinn in der Redekunst: Aristoteles, Rhetorik, Buch 2, Kap. 21 und Buch 3, Kap. 10.

Deutsche Übersetzung nach: Aristoteles, Rhetorik. Übersetzung, Bibliographie, Erläuterungen und Nachwort von Franz G. Sieveke, München 1989 3, S. 136 - 140 und 189 - 193.

d) Zur Jurisprudenz.

Das Gutachten eines Respondierjuristen: Paulus, Quaestiones III = Dig. 12, 1, 40.

Dt. Übersetzung und lat. Text aus: M. Fuhrmann, D. Liebs, Exempla Iuris Romani. Römische Rechtstexte, München 1988, S. 132 - 135.

e) Zur Landwirtschaft.

Zu Catos Wissen über die Landwirtschaft: Marcus Porcius Cato, De agricultura, Vorrede, Kap. 1 - 8 und 11 (Auszüge).

 Lat. Text und dt. Übersetzung nach: O. Schönberger, Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Lateinisch- deutsch (mit Einführung und Kommentar), München 1980, S. 15 ff.

f) Zur Staatsökonomie.

Xenophon zur Verbesserung der attischen Staatseinkünfte: Poroi, Kap. 1, 3, 4, 5, 11 (Auszüge).

Dt. Übersetzung nach: E. Schütrumpf, Xenophon. Vorschäge zur Beschaffung von Geldmitteln oder über die Staatseinkünfte (Textedition, Übersetzung, Kommentierung), Texte zur Forschung Nr. 38 (WBG), Darmstadt 1982, S. 78 ff.

5) Literatur, Medien, Quellen.

L

Josef Martin, Antike Rhetorik, Technik und Methode, München 1974.

R. Volkmann, Die Rhetorik der Griechen und Römer in systematischer Übersicht, ND Hildesheim 1965.

G. Dulckeit, F. Schwarz, W. Waldstein, Römische Rechtsgeschichte, Köln 1995 9.

H. I. Marrou, Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum, hg. von R. Harder, Freiburg, München 1957.

H. Flashar (Hg.), Antike Medizin, Darmstadt 1971.

J. Kromeyer, G. Veith, Heerwesen und Kriegführung der Griechen und Römer, HdA 4, 3, 2, zwei Teile, München 1928.

J. G. Landels, Die Technik in der antiken Welt, München 1983 3.

Josef Riederer, Archäologie und Chemie - Einblicke in die Vergangenheit, (SMPK/Rathgen- Forschungslabor) Berlin 1987.

E. Rupp, Bautechnik im Altertum, München 1964.

W. Müller, G. Vogel, dtv-Atlas zur Baukunst, 2 Bde., München 1983 5, Bd.1: Allg. Teil und Baugeschichte von Mesopotamien bis Byzanz.

M. I. Finley, Die antike Wirtschaft, München 1977.

Dieter Flach, Römische Agrargeschichte, Handbuch der Altertumswissenschaft III, 9, München 1990.

M

dtv-Lexikon der Antike (von der dtv-LexikonRedaktion umgearbeitete Lizenzausgabe des 'Lexikons der Alten Welt', Zürich, Stuttgart 1979 2, Abt. Philosophie, Literatur, Wissenschaft, Bd. 4, S. 140 f. (Schema zu Anwendungsfeldern, Begabungs-, Übungs- und Wissensvoraussetzungen der praktischen Rhetorik).

Vitruv, Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, Darmstadt 1976, Bildanhang, Abb. 16 - 20 (Beispiele für ingenieursmäßigen Gerätebau).

Q

Galen, Über die natürlichen Kräfte der menschlichen Physis. Buch 1, Kap. 1 - 13. Text auszugsweise entnommen aus: Werke des Galenos, Bd. 5, Die Kräfte der Physis. Übersetzt und erläutert von (Prof. Dr. med.) Erich Beintker und (Prof. Dr. phil.) Wilhelm Kahlenberg, Stuttgart 1954, S. 13 - 37.

Vitruv, De architectura, Buch 1, Kap. 1 bis 3. Deutsche Übersetzung nach: Vitruv, Zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Curt Fensterbusch, Darmstadt 1976, S. 21 - 45.

Aristoteles, Rhetorik, Buch 2, Kap. 21 und Buch 3, Kap. 10. Deutsche Übersetzung nach: Aristoteles, Rhetorik. Übersetzung, Bibliographie, Erläuterungen und Nachwort von Franz G. Sieveke, München 1989 3, S. 136 - 140 und 189 - 193 (Über Sentenzen und über witzigen Scharfsinn in der Redekunst:).

Paulus, Quaestiones III = Dig. 12, 1, 40. Dt. Übersetzung und lat. Text aus: M. Fuhrmann, D. Liebs, Exempla Iuris Romani. Römische Rechtstexte, München 1988, S. 132 - 135.

Marcus Porcius Cato, De agricultura, Vorrede, Kap. 1 - 8 und 11 (Auszüge). Lat. Text und dt. Übersetzung nach: O. Schönberger, Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Lateinisch- deutsch (mit Einführung und Kommentar), München 1980, S. 15 ff.

E. Schütrumpf, Xenophon. Vorschäge zur Beschaffung von Geldmitteln oder über die Staatseinkünfte. Textedition, Übersetzung, Kommentierung von E. Schütrumpf, Texte zur Forschung Nr. 38 (WBG), Darmstadt 1982, S. 78 ff.

LV Gizewski SS 2003

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de