Wissen über die Landwirtschaft: Marcus Porcius Cato, De agricultura, Vorrede, Kap. 1 - 8 und 11 (Auszüge).

Dt. Übersetzung nach: O. Schönberger, Marcus Porcius Cato. Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften. Lateinisch- deutsch (mit Einführung und Kommentar), Tusculum-Bücherei, Heimeran-Verlag, München 1980, S. 15 ff.


Vorrede.

(1) Mag sein, daß es manchmal besser ist, durch Handel nach Vermögen zu streben, wenn es nur nicht so gefährlich wäre, und ebenso, Wucher zu treiben, wenn es nur ehrenhaft wäre. Unsere Voreltern haben es so gehalten und so in den Gesetzen verordnet, daß ein Dieb ums Doppelte, der Wucherer ums Vierfache gestraft werde. Als einen wieviel schlechteren Bürger sie den Wucherer ansahen als den Dieb, läßt sich hieraus ermessen. (2) Und wenn sie einen rechten Mann lobten, lobten sie ihn so: als einen rechten Bauern und guten Landwirt; man glaubte, der werde am höchsten gelobt, der so gelobt wurde. (3) Den Kaufmann aher halte ich für einen tüchtigen und auf Erwerb bedachten Mann. Doch ist er, wie ich oben sagte, der Gefahr und dem Unglück ausgesetzt. (4) Aber aus den Bauern gehen die tapfersten Männer und die tüchtigsten Krieger hervor, und der ehrlichste und dauerhafteste Gewinn kommt heraus und der am wenigsten dem Neid ausgesetzte. Und am wenigsten schlechte Gedanken haben die, welche mit dieser Arbeit beschäftigt sind. Um nun zur Sache zurückzukehren, zur versprochenen Belehrung, so wird der Anfang folgender sein.

 

I. Wie man ein Gut besichtigen und kaufen soll.

[1] (1) Wenn du daran denkst, ein Landgut zu kaufen, mußt du dies im Sinn behalten: daß du nicht gierig kaufst und dir keine Mühe sparst, es genau zu besichtigen, es auch nicht für genug hältst, nur einmal herumzugehen; je öfter du herumgehst, um so so besser wird dir gefallen, was gut ist. (2) Gib acht..wie die Nachbarn gedeihen! In einer guten Gegend müssen sie in gutem Wohlstand sein. Und geh so hinein und schau dich so um, daß du (ohne zu kaufen) dort herausgehen kannst. Und daß es dort gutes Wetter und keinen Mißwuchs gibt! Es soll durch guten Boden, durch eigene Bonität wertvoll sein. (3) Wenn du kannst, soll es am Fuß eines Berges, nach Süden und in einer gesunden Gegend liegen; es soll genug Arbeiter geben, gutes Trinkwasser, und eine große Stadt soll in der Nähe sein, möglichst auch das Meer oder ein schiffbarer Fluß oder eine gute, befahrene Straße. (4) Es soll in solch einer Region liegen, in der nicht oft die Herren wechseln: wer dort Güter verkauft hat, den soll es reuen, verkauft zu haben. Daß es mit guten Gebäuden versehen ist! Hüte dich, das bisherige Verfahren anderer leichtfertig zu mißachten! Von einem Besitzer, der ein guter Landwirt und guter Bauherr ist, wird man besser kaufen. Wenn du auf den Hof kommst, schau nach, ob viele Keltern und Fässer da sind: (5) wo nicht viele sind, da wisse, daß der Ertrag entsprechend ist. Es soll nicht viel Ausstattung brauchen, sondern soll in einer guten Gegend sein. Sieh zu. daß das Gut möglichst wenig Ausstattung und das Feld keinen Aufwand braucht! (6) Du mußt wissen, daß ein Gut ist wie ein Mensch; wenn er noch so viel einbringt, aber gleichzeitig viele Kosten macht, bleibt trotzdem nicht viel übrig. (7) Wenn du mich fragst, welches Gut das beste ist, dann sage ich: von allen Böden und in bester Lage hundert Morgen Land: Rebland an erster Stelle, besonders wenn es viel Wein trägt, an zweiter Stelle ein gut bewässerter Garten, an dritter Weidicht, an vierter ein Ölgarten, an fünfter Wiesenland, an sechster Getreideboden, an siebter schlagbarer Wald, an achter der Buschwald, an neunter der Eichelnwald.

 

II. Pflichten des pater familias.

[2] (1) Sobald der Hausherr auf das Gut gekommen ist und sobald er den Hausgott verehrt hat, gehe er noch am selben Tage, wenn er kann, um die Flur; wenn nicht am selben Tag, so doch am nächsten Tag. Wenn er gesehen hat, wie das Gut bestellt ist und welche Arbeiten getan und nicht getan sind, rufe er am nächstfolgenden Tage den Verwalter und frage, welche Arbeit getan ist, was noch bleibt, ob die Arbeiten zeitig genug erledigt wurden, ob er erledigen kann, was übrig ist, und was an Wein, Getreide und allen anderen Früchten eingebracht ist. (2) Sobald er dies festgestellt hat, muß er eine Aufstellung der Arbeiter und Tagewerke machen. Scheint ihm die Arbeit nicht genügend, wird der Verwalter sagen, er habe fleißig vorangemacht, aber Sklaven seien nicht gesund gewesen, es habe schlechtes Wetter gegeben, Sklaven seien entlaufen, man habe Hand- und Spanndienste leisten müssen. Sobald er diese und viele andere Gründe vorgebracht hat, rufe ihn zur Berechnung der Arbeiter und Tagewerke zurück. (3) Wenn Regenwetter gewesen sein soll, (sage,) welche Arbeiten während des Regens geschehen konnten: Fässer auswaschen und pichen, den Hof reinigen, Korn umschaufeln, Mist zum Tor hinausschaffen, den Misthaufen anlegen, Saatgut reinigen, Seile ausbessern und neue machen. Decken und Kapuzen hätte das Gesinde für sich ausbessern sollen. (4) Während der Feiertage konnte man die alten Wassergräben säubern. die öffentliche Straße ausbessern, Dornsträucher zurückschneiden, den Garten umgraben, das Wiesenland reinigen, Ruten bündeln, Disteln ausstechen, Dinkel ausstampfen, alles sauber machen. Wenn die Sklaven krank waren, hätte man ihnen nicht so viel Lebensmittel ausgeben dürfen. (5) Sobald dies in aller Ruhe festgestellt ist, dafür sorgen, daß die ausstehenden Arbeiten erledigt werden. Die Rechnungen prüfen über Geld, Getreide, Ausgaben für Futter, die Wein- und Ölrechnung, was verkauft ist, was eingenommen ist, was noch aussteht, was noch verkäuflich ist. Wo Sicherheit für eine Schuld zu nehmen ist, laß sie nehmen. (6) Die noch übrigen Vorräte müssen überprüft werden. Wenn für das laufende Jahr etwas fehlt, werde es gekauft: der Überschuß werde verkauft. Was man verdingen muß, soll man verdingen. Welche Arbeiten er getan, welche er verdingt wissen will, befehle der Herr und hinterlasse es schriftlich. Das Kleinvieh betrachte er genau.

 

III. Wann und wie er verkaufen soll.

(7) Versteigerungen soll er so durchführen: er verkaufe Öl, wenn es hoch im Preise steht. Den Überschuß an Wein und Getreide verkaufe er: alte Ochsen, entwöhnte Kälber, entwöhnte Lämmer, Wolle, Häute, den alten Wagen, altes Eisengerät, einen alten Sklaven, einen kränklichen Sklaven und was sonst überflüssig ist, verkaufe er. Ein pater familias muß verkaufslustig, nicht kauflustig sein.

 

IV. Zu Beginn des Mannesalters muß man das Feld bestellen

[3] (1) In jungen Jahren muß der Hausvater daran denken, sein Feld zu bestellen; das Bauen muß er sich lange überlegen; die Feldbestellung dagegen nicht; die muß man einfach durchführen. Wenn das Alter an die 36 Jahre herangekommen ist, dann mußt du bauen. wenn du dein Feld bestellt hast. Baue so, daß es dem Hof nicht am Grundstück fehlt.

 

V.Man sollte einen richtig angelegten Gutshof haben.

(2) Es ist nützlich, wenn der pater familas eine gutgebaute Hofanlage hat, einen Ölkeller, einen Weinkeller und viele Fässer. damit er in Ruhe die höchsten Preise abwarten kann. Das wird für Kasse, Wert und Ansehen gut sein. Er muß gute Keltern haben, damit die Arbeit gut erledigt werden kann. Sobald die Oliven gelesen sind, muß sofort Öl gemacht werden, damit sie nicht verderben. Bedenke, daß Jahr um Jahr große Unwetter kommen und die Oliven immer herunterwerfen: (3) wenn du sie schnell sammelst und Pressen bereit sind, wird aus dem Sturm kein Schaden erwachsen, und das Öl wird grüner und besser werden....

 

VIII. Auf welchen Böden du dein Feld bestellen sollst.

[6] (1) Auf welchen Böden Ackerbau ratsam ist, dafür ist folgendes zu beachten. Wo der Boden fett, fruchtbar und ohne Bäume ist, sollte er Getreideacker sein. Ist der gleiche Boden aber dem Nebel ausgesetzt, werden auf ihm am besten Rüben, Rettiche, Hirse und Kolbenbirse angebaut; auf schwerem und warmem Boden Oliven zum Einmachen, die Stab-Olive, die Sallentinische, die Hodenolive, die fleischige, die Sergianische, Colminianiscbe und die wachsweiße: von welcher dieser Sorten man sagt, sie sei in dieser Gegend die beste, die pflanze am meisten an. Solche Oliven setze im Abstand von 25 oder 30 Fuß (2) Als Feld zur Anlage einer Olivenpflanzung eignet sich am besten eines, das dem Westwind und der Sonne ausgesetzt ist; kein anderes wird gut sein. Ist der Boden kälter und magerer, muß dort die Licinianische Olive angepflanzt werden; wenn du diese in fetten oder warmen Boden pflanzt, wird das Öl nichts taugen, der Baum wird sich tottragen und das rote Moos wird lästig sein. (3) Um die Raine und um die Wege pflanze Ulmen und teilweise Pappeln, damit du Laub für die Schafe und Rinder hast. Dann wird auch Nutzholz, wenn benötigt, vorhanden sein. Wenn irgendwo in dieser Gegend Ufer sind oder feuchtes Gelände, pflanze dort die Schößlinge von Pappeln und ein Röhricht an. Dies auf folgende Weise: grabe mit dem Spaten um; dort setze die Augen des Schilfrohres ein, je drei Fuß voneinander. Pflanze dort wilden Spargel an, damit daraus die Spargel wachsen. (4) Denn das Röhricht paßt deswegen zum wilden Spargel. weil es umgegraben und abgebrannt wird und zur rechten Zeit Schatten gibt. Pflanze griechische Salweide um das Röhricht, damit etwas da ist, womit du die Reben anbinden kannst. Auf welchem Boden eine Weinpflanzung angelegt werden soll, läßt sich so entscheiden: wenn man von einer Gegend sagt, sie tauge sehr gut zum Weinbau, und wenn sie der Sonne zugewandt ist, pflanze den kleinen Aminnischen Stock an und den Doppelten, den Gutedel und den kleinen Gelben. Ist ein Boden fett oder etwas neblig, pflanze dort den großen Aminnischen oder Murgentinischen, den Apicischen und den Lucanischen. Die übrigen Weinstöcke, besonders die Blendlinge, passen für jeden Boden.

 

IX. Ein Gut nahe der Stadt.

[7] (1) Ein Landgut nahe der Stadt muß vor allem eine Baumpflanzung haben; Holz und Reisig können verkauft werden, und auch der Herr wird etwas haben, was er verwenden kann. Auf diesem Gut soll alles angebaut werden, was für ihn dazugehört: so etwa Reben, die kleinere Aminnische für Trinkwein und dazu die größere Aminnische und die Apicische. (2) Die Trauben lassen sich in ausgepreßtem Zustand in Töpfen aufbewahren, ebenso aber auch als dickgekochter Wein, als Most und als Wasserwein (Lauer). Die Trauben, die man zum Trocknen aufhängt, wie die größeren Aminnischen Härtlinge, können am Schmiedefeuer ebensogut haltbar werden wie die an der Sonne getrockneten. (3) Ferner Obstbäume: Sperlingsapfelbäume, Cotonische, Scantianische, Quirinianische; ebenso andere für das Einmachen. Bei Most- und Granatapfelbäumen muß man Schweinejauche oder Schweinemist an die Wurzeln bringen. damit das Nahrung für die Äpfel gibt. (4) Ferner 'beste' Anicianische und Saatbirnen-Bäume: ihre Früchte werden wohlschmeckend in dickgekochtem Wein eingemacht. Tarentinische Mostfrüchte, Koloquinten und andere Obst-Sorten solltest du in möglichst großer Zahi anpflanzen oder pfropfen. Von den Oliven eignen sich die Orchitischen und die Posischen; diese werden am besten eingelegt entweder grün in Salzlake oder gequetscht in Mastixöl. Oder bestreue die Orchitischen, sobald sie schwarz sind und trocken, fünf Tage lang mit Salz ; dann schüttle das Salz heraus und lege sie zwei Tage in die Sonne. Oder mache sie ohne Salz in eingekochtem Most ein. Spieräpfel in dickgekochten Wein einlegen oder trocknen lassen! Laß sie richtig trocknen! Ebenso mach es mit den Birnen!

 

X. Wo du Feigen pflanzen solltest.

[8] (1) Mariskische Feigen pflanze in kreidiges und freies Feld, afrikanische und herkulanische Feigen, sacontinische Winterfeigen und schwarze tellanische mit langem Stiel pflanze in schwerem oder gedüngtem Boden. Hast du eine bewässerte Wiese, so laß sie wachsen, wenn nicht, dann nutze auch auf eine trockene, damit es nicht an Heu fehle. (2) Vor der Stadt empfiehlt sich ein Garten für alles mögliche: Blumen aller Art für Kränze, megarische Zwiebeln, die weiße und die schwarze Hochzeitsmyrte, dem delphischen, den cyprischen und den wilden Lorbeer, glatte Nüsse, abellanische, pränestinische und griechische; diese mußt du anpflanzen lassen. Ein Stadtgut, zumal wenn man nur dieses Grundstück hat, muß man so herrichten und bepflanzen, daß man eine möglichst brauchbare Anlage hat.

 

XI. Weidichte an feuchten Stellen.

[9] Weidichte sollte man in wasserreichem, feuchtem, schattigem Gelände an Flüssen anlegen. Der Verwalter sehe darauf, daß der Herr sie brauchen und verkaufen kann. Falls du Wasser hast, lege vor allemWiesen an, die bewässert werden können. Hast du kein Wasser. so lege möglichst viele trockene an. Das ist ein Gut, das du, wenn du willst, überall mit Vorteil einrichten kannst.

 

XII. Wie man ein Ölgut mit 240 Morgen Land einrichten soll.

 

[10] (1) Zur Einrichtung eines Ölguts mit 240 Morgen Land benötigst du: einen Verwalter, eine Wirtschafterin, fünf Arbeiter, 3 Ochsenknechte, 1 Eseltreiber, 1 Schweinehirten. 1 Schafhirten, im ganzen 13 Leute, ferner 3 Paar Ochsen, drei Esel mit Geschirr und Packsattel zum Mistführen, 1 Mühlesel, 100 Schafe. (2) Weiterhin: Fünf zusammenhängende vollständige Ölpressen, einen ehernen Kessel, der 30 Quadrantal faßt, einen Deckel für das eherne Gefäß, 3 eiserne Haken, 3 Wasserkrüge, 2 Trichter, einen ehernern Kessel, der 5 Quadrantal faßt, 3 Haken, 1 kleine Schüssel, 2 Öl-Amphoren. einen Fünfzigerkrug, 3 Schöpflöffel, 1 Wassereimer, 1 Waschschüssel, 1 Topf, 1 Waschbecken, 1 Schale, 1 Nachtgeschirr, 1 Gießkanne, 1 Schöpfkelle, 1 Leuchter, 1 Sextarmaß, 3 größere Wagen, 6 Pflüge mit Pflugscharen, 3 Joche, mit Lederzeug versehen, 6 Geschirre für Ochsen. (3) Ferner: 1 Egge 4 Misthürden, 3 Mistkörbe, 3 Packsättel. 3 Decken für die Esel. An Eisengeräten brauchst du: 8 Schaufeln, 8 Hacken, 4 Spaten, 5 Schaufeln, 2 vierzinkige Harken. (8 ?) Heusicheln, 5 Strohsicheln, 5 Baumsicheln, 3 Äxte, 3 Keile, 1 Mörser für Dinkel, 2 Zangen, 1 Feuerhaken, 2 kleine Kohlen-Öfen. (4) Dazu: 100 Ölfässer, 12 Wannen, 10 Fässer zum Aufbewahren der Weintrester, 10 für Olivenfruchtwasser 10 für den Wein, 20 für Getreide, 1 Faß für Lupinen, 10 Tonnen, eine Waschwanne, 1 Badewanne, 2 Wasserfässer und eigene Deckel für Fässer und Tonnen. Außerdem: eine Eselmühle und eine Handmühle, eine spanische Mühle, 3 Mühlbäume, 1 Anrichtetisch. 2 bronzene Scheiben, 2 Tische, 3 große Bänke, eine Schlafzimmer-Bank, 3 Bänkchen, 4 Sessel, 2 Armsessel. (5) 1 Schlalzimmer-Bett, 4 mit Riemen unterspannte Betten und 3 gewöhnliche Betten.1 hölzerner Mörser, 1 Stampfe zum Walken, einen aufrechtstehenden Webstuhl, 2 Stampfen, 1 Mörserkeule für Bohnen, 1 für Dinkel, 1 für Saatgut (?), 1 (Sieb ?) zum Aussondern der Olivenkerne, 1 Scheffel, einen halben Scheffel, 8 Matratzen, 8 Bettdecken, 16 Kopfkissen10 Decken, 3 Servietten 6 Flickenmäntel für die Knechte.


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski SS 2003.