Das römische im heutigen deutschen Recht.

Zusammenstellung von Christian Gizewski.


Einige zivilrechtliche Rechtsbegriffe (überwiegend) römischer Herkunft (Beispiele):

Person (persona), Verein (collegium) , Körperschaft (corpus, universitas), Stiftung (pia causa; spätantik-christlich), Sache (res), Grundstück (fundus, res immobilis), Mobilie (res mobilis), Vermögen (res, familia, patrimonium) , Rechtsgeschäft (agere, actio), Willenserklärung (velle, voluntas) , Verfügung (aus vielen römisch-rechtlichen Einzeltypen wie 'in iure cessio', 'stipulatio', 'traditio, 'alienatio'', 'legatio'), Anfechtung (verschiedene römisch-rechtliche Vorgehensweisen zur 'Reszission' eines nichtigen Geschäfts), Nichtigkeit (nihil valere, nullum esse) , Sittenwidrigkeit (contra bonos mores esse) , Vertrag (contractus) , Treu und Glauben (fides bona), Rechtsvertretung (aus verschiedenen römischrechtlichen Vertretungstypen), Frist (dies), Termin (dies), Verjährung (praescriptio longi temporis), Sicherheitsleistung (cautio) , Schuldverhältnis (obligatio), Schuld (debitum), Leistung (solvere, dare, facere), Gläubiger (creditor), Schuldner Debitor), Vertragsstrafe (poena), Verzug (mora), Schadensersatz (quod interest dare, restitutio), Gefahrtragung (periculum), Rücktritt (verschiedene römisch-rechtliche Typen ´, etwa die 'actio redhibitoria' bei Kaufgeschäften), Aufrechnung (compensatio), Zession (cessio) , Kauf (emtio-venditio), Tausch (mutuum), Wandlung(actio redhibitoria) , Minderung(actio quanti minoris), Miete (locatio-cinductio), Pacht Locatio-conductio), Leihe (commodum), Darlehen Creditum), Dienstvertrag (locatio-conductio), Werkvertrag m(locatio-conductio), Auftrag (mandatum), Gesellschaft (societas), Gemeinschaft (communio), Schuldversprechen und -anerkenntnis (stipulatio), Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung (condictio), unerlaubte Handlung (iniuria), Besitz (dentio, possessio), Eigentum (dominium), Übereignung (traditio), Fund (inventio) Akquisition (acquisitio), Okkupation (occupatio), Dereliktion (derelictio) , Erbbaurecht (superficies), Dienstbarkeit (servitus), Nießbrauch (ususfructus), Pfand (pignus), Sicherheit (fiducia), Hypothek (hypotheca), Ehe (matrimonium iustum, nuptiae legitimae), Verwandtschaft (agnatio, cognatio, affinitas), Unterhalt (alimenta), elterliche Sorge, vormals väterliche Gewalt (patria potestas), Legitimation (verschiedene römischrechtliche Typen; mlat. Ausdruck 'legitimatio'), Adoption (adoptio, arrogatio), Vormundschaft (tutela), Pflegschaft (cura), Erbfolge (successio), Nachlaß )bona, hereditas), Testament (testamentum), Pflichtteilsanspruch (querella inofficiosi testamenti), Vermächtnis (legatum).

Einige zivilrechtliche Rechtssätze römischer Herkunft (Beispiele aus Dig. 50, 17 und dem BGB):

Dig 50, 17, 3: Eius est nolle, qui potest velle > BGB § 105: Die Willenserklärung eines Geschäftsunfähigen ist nichtig.

Dig. 50, 17, 54: Nemo plus iuris transferre potest quam ipse habet > BGB § 185: Die Verfügung, die ein Nichtberechtigter über einen Gegenstand trifft, ist wirksam, wenn sie mit Einwilligung des Berechtigten erfolgt.

Dig. 50, 17, 185: Impossibilium nulla obligatio est. > BGB § 275: Der Schuldner wird von der Verpflichtung zur Leitung frei, soweit die Leistung infolge eines nach der Entstehung des Schuldverhältnisses eintretenden Umstandes, den er nicht zu vertreten hat, unmöglich wird.

Dig. 50, 17, 144: Non omne quod licet honestum est > BGB §§ 134 und 138: Ein Rechtsgeschäft, das gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, ist nichtig, wenn sich nicht aus dem Gesetz ein anderes ergibt, und ferner: Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.

Dig. 50, 17, 116: Non videntur qui errant consentire. > BGB § 119: Wer bei der Abgabe einer Willenserklärung über deren Imhalt im Irrtum war oder eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte, kann die Erklärung anfechten, wenn anzunehmen ist, daß er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei vesrtändiger Würdigung des Flles nicht abgegeben haben würde.

Dig 50, 17, 88. Nulla intellegitur mora ibi fieri, ubi nulla petitio est. > BGB § 284: Leistet ein Schuldner auf eine Mahnung des Gläubigers nicht, die nach dem Eintritt der Fälligkeit erfolgt, so kommt er durch die Mahnung in Verzug.

Dig. 50, 17, 69: Invito beneficium non datur. > BGB § 516 Eine Zuwendung, durch die jemand aus seinem Vermögen einen anderen bereichert, ist Schenkung, wenn beide Teile darüber einig sind, daß die Zuwendung unentgeltlich erfolgt. Ist die Zuwendung ohne den Willen de anderen erfolgt, so kann ihn der Zuwendende unter Bestimmung einer angemessenen Frist zur Erklärung über die Annahme auffordern. Nach dem Ablaufe der Frist gilt die Schenkung als angenommen, wenn nicht der andere sie vorher abgelehnt hat.

Dig. 50, 17, 30: Nuptias non concubitus, sed consensus facit. > BGB § 1310: Die Ehe wird nur dadurch geschlossen, daß die Eheschließendenvor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen.

Dig. 50, 17, 7: Nemo pro parte testatus, pro parte intestatus decedere potest (ius nostrum non patitur eundem in paganis et testato et intetstato decessisse) > BGB § 1922 und 2064: Mit dem Tode einer Person (Erbfall) geht deren Vermögen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) über, und: Der Erblasser kann ein Testament nur persönlich errichten. Der Erblasser kann eine letztwillige Verfügung nicht in der Weise treffen, daß ein anderer zu bestimmen hat, ob sie gelten oder nicht gelten soll. Der Erblasser kann die Bestimmung der Person, dei eine Zuwendung erhalten soll, sowie die Bestimmung des Gegenstyndes der Zuwendung nicht einem anderen überlassen.

Dig 50, 17, 32: Quod attinet ad ius civile, servi pro nullis habentur; non tamen et iure naturali, quia, quod ad ius naturale attinet, omnes homines aequales sunt > BGB § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.


LV Gizewski WS 2002/2003

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)