Vorwort.

Das vorliegende Skript (URL-Adresse; http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Auditorium/BAntWiss/Portal.htm) begleitete die gleichnamigen Lehrveranstaltung 'Zur historischen Bedeutung antiker Wissenschaft ' im SS 2003.

Sein Thema steht in einem inneren Zusammenhang mit demjenigen der Vorlesung 'Zur historischen Bedeutung antiker Mythologie' (http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Auditorium/BAntMyth/Portal.htm)', die im vorhergehenden WS 2003/2004 stattfand.

In beiden Fällen ging es um allgemeinhistorisch wichtige Aspekte antiker Geistesgeschichte, in dem einen Falle um weitverbreitete und üblicherweise akzeptierte, im weiteren Sinne 'mythische' Vorstellungen von göttlicher Welt, von Natur und Gesellschaft, im anderen Falle um Geistesaktivitäten, die zwar letztlich aus einem 'vor-wissenschaftlichen' Zustande allgemeinen Denkens hervorgehen, aber doch auchvon diesen durch verschiedene Merkmale einer antiken Wissenschaftlichkeit deutlich unterschieden und abgegrenzt werden. Zweck war es in in dem einen Falle, die besondere Bedeutung von Mythen, in dem anderen Falle die Bedeutung antik-wissenschaftlichen Wissens für Selbstverständnis und Verhalten antiker Völker und ihre politischen, religiösen und allgemeinkulturellen Institutionen zu erörtern. Das heißt: es ging nicht um spezielle - etwa philologisch oder fachwissenschaftlich konzipierte - Mythengeshichte hier oder eine spezielle 'Wissenschaftsgeschichte' im fachdisziplinären Sinne dort.

Die Vorlesung des SS 2003 befaßte sich mit folgenden Teilthemen:

Zunächst, in Kap. 1, ging es um geschichtlich-epochenspezifische Begriffe und Arten antiker Wissenschaftlichkeit in ihrer wirkungsgeschichtlichen Verbindung mit und in ihrer Unterschiedlichkeit zu heutigen Wissenschaftsbegriffen und - arten .

Die zweite, in Kap. 2 erörterte allgemeingeschichtlich interessante Frage betraf das antike Verhältnis zwischen gesellschaftsprägenden Mythen einerseits und gesellschaftsprägenden Formen antiker Wissenschaftlichkeit - i. S. 'speziell-wahrheitsbezogener' Autopsie, Kritik, methodischer und systematisierter Heuristik und dialektisch-systematischer Darstellung - andererseits. Es ging um die verschiedenen allgemeinhistrorischen Momente, die ein methodisch-spezialisiertes Streben hin zu 'Wahrheit' und 'Vernunft' - oder um eine Formulierung von Eberhard Nestle zu benutzen, "vom Mythos zum Logos" - hervorrufen und andererseits eingrenzen oder gar ausschließen .

In Kap 3 ging es um das Thema markanter Indikatoren zur Beurteilung eines antiken gesellschaftsbeeinflussenden Wissenszuwachses empirischer und theoretischer Art. 'Fortschritte' einer primär forschenden, analysierenden und systematisierndenWissenschaft über Natur, Kosmos, Erde, Mensch, Völker und Kulturen in der Antike standen im Mittelpunkt dieses Themenkomplexes.

Das nächste, in Kap. 4 erörterte Teilthema hatte das allgemeingeschichtlich wichtige Verhältnis zwischen verschiedenen antiken Bildungstypen - und den ihnen jeweils innewohnenden, menschenbewegenden idealen Perfektions-Zielen - einerseits und verschiedenen Formen antiker Wissenschaft andererseits zu Inhalt. Anders gesagt waren hier diejenigen Teile antiker Wissenschaft von Interesse, die über die gemeinschaftsprägende Kraft der Bildung religiöser, musisch-philosophischer und politischer Art in größerem Umfang breitenwirkwirksam werden können.

Kap. 5 befaßte sich mit demjenigen Bereichen der Wissenschaften der Antike, die man 'technisch' oder 'praktisch' nennen kann. Hier ging es um Wissensansammlungen und oder abgegrnzte wissenschaftliche Disziplinen, deren Hauptzweck die 'praktische Einflußnahme' auf eine Umwelt (Beispiel: Rhetorik) oder die 'technische Durchführung' von Plänen (Beispiel: Architektur) ist.

Die zunächst für Vorlesung und Skript vorgesehenen Kap. 6 - 9 sollten sich eingehender mit der Bedeutung antiker Wissenschaften für bestimmte Teilbereiche gesellschaftlicher Praxis befassen (Der Beitrag der Wissenschaften zu Gewerbe, Handel, Verkehr und Alltagskultur in der Antike [ursprünglich Kap. 6] , Wissenschaft und Recht in der Antike [ursprünglich Kap. 7] , Wissenschaft, Verwaltungswesen und Ökonomie in der Antike [ursprünglich Kap. 8] , Wissenschaft und Kriegswesen in der Antike [ursprünglich Kap. 9]. Da ihre Thematik in enger Beziehung zu Kap. 5 steht und während der Vorlesung dort - wenigstens teilweise - angesprochen wurde, darüberhinaus aber aus Zeitgründen in der Vorlesung selbst nicht detailliert vorgetragen werden konnte und weil auch für eine Nachbeabeitung nicht die erforderliche Zeit und Ruhe zu Verfügung stand, wurde auf sie verzichtet.

Mit der Frage nach der nachantiken Wirkungsgeschichte antiker Wissenschaft wurde abschließend im jetzigen Kap. 6 (dem ursprünglichen Kap.10) dieses Them, das über die Antike hinaus bis in die Gegenwart Bedeutung für weitverbreitete Formen des Bewußtseins und geistige Triebkräfte späterer Epochen hat, erörtert.

Das Skript enthält alle Grundgedanken, Text- und Bild-Quellen, Schemata und Literaturangaben, die in der Vorlesung eine Rolle spielten, und darüber hinaus manches weitere Material, das nicht erörtert werden konnte. Es wäre vielleicht wünschenswert gewesen, über die vorhandenen schriftlichen Darlegungen hinaus zu einzelnen Quellen-Materialien noch weitere erklärende und verbindende Texte beizufügen. Doch weisen die Lösungen für die Übungen der einzelnen Kapitel in ihrer angestrebten Gründlichkeit hier den Weg einer selbständigen Bearbeitung durch den interessierten Leser. Die mit den einzelnen Quellen angesprochenen Themen stellen so große zetliche Anforderungen an eine sorgfältige interüretative Bearbeitung, daß der Hg. diesen aus Zeitgründen nicht gerecht werden konnte.

Sowohl die Vorlesung als auch das Skript, daran sei abschließend erinnert, stellen nicht mehr und nicht weniger dar als eine methodisch durchdachte Einführung und Anregung zu weiterer Beschäftigung mit diesem geistig anziehenden Thema antiker Geschichte, insbesondere auch zu weiterer Lektüre, für die die Hinweise am Ende eines jeden Kapitels und im Allgemeinen Literatur-, Medien- und Quellenverzeichnis des Skripts genutzt werden können und sollten.

Berlin, im April 2004.

Christian Gizewski


LV Gizewski SS 2003

Autor: Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de