Ein Fachmann der öffentlichen Wasserversorgung Roms: Iulii Frontini de aquis urbis Romae libri II, prologus (1 - 3).

Lateinischer Text aus: The two Books on The Water Supply of the City of Rome of Sextus Julius Frontinus, Water Commissioner of the city of Rome A. D. 97. A photographic reproduction of the sole original Latin manuscript, and its reprint in Latin; also a translation into English, and explanatory chapters, by Clemens Herschel, hydraulic engineer, 2. ed., New York, London, Bombay and Calcutta 1913, S. 2 - 4. - Deutsche Übersetzung: Christian Gizewski..


Deutsche Übersetzung:

(1) Da jede vom Kaiser übertragene Aufgabe ein besonderes Maß an Sorgfalt erfordert und mich eine in mir angelegte Aufmerksamkeit und Gewissenhaftigkeit nicht nur zur Sorgfalt, sondern sogar zur Liebe gegenüber einer übertragenen Angelegenheit antreiben und mir nun von unserem Kaiser Nerva, dem sorgfältigsten und wohlgesonnensten Verwalter des Geimeinwohls, die Aufsicht über die öffentliche Wasserversorgung übertragen wurde - ein Amt, das teilweise der öffentlichen Gesundheit, teilweise der öffentlichen Sicherheit dient und stets von bedeutenden Persönlichkeiten unserer Stadt verwaltet wurde -, meine ich, mich zu allererst über meinen Aufgabenbereich informieren zu müssen, wie ich es auch bei anderen von mir übernommenen Geschäften stets gehalten habe.

(2) Ich möchte glauben, daß es keine sicherere Grundlage für irgendein Handeln und für die Beurteilung der Frage, was zu tun und zu lassen ist, gibt. Nichts ist auch für einen annehmbaren Fachmann so unangemessen, als ein übernommenes Amt gewissermaßen nach den Weisungen seiner Untergebenen zu führen.; und dazu muß es ja kommen, wenn die Unkenntnis dessen, was zu tun ist, dazu führt, daß man sich auf sie verlassen muß. Denn selbst wenn sie mit ihren Diensten eine unabkömmliche Hilfe für den Amtsinhaber sind, so sollten sie doch auch nicht mehr sein als Organe und Werkzeuge seines Handelns. ... So habe ich alles, was ich über das gesamte Aufgabengebiet zusammenbringen konnte, in der mir von vielen anderen amtlichen Aufgaben her vertrauten Weise in eine Ordnung gebracht, wie einen Körper systematisch gegliedert und in diesem Kommentar vereinigt, um es künftig wie eine [d. h. auch: anstelle einer] Verwaltungsanweisung benutzen zu können. In weiteren Büchern, die ich aus der späteren Praxis und Erfahrung heraus schrieb, behandelte ich das Thema weiter, was zusätzliche Erkenntnisse betrifft. Der Sinn dieses Kommentars wird vielleicht in seinem Nutzen auch für die Amtsnachfolger liegen, vor allem aber soll er unserer eigenen Unterrichtung und Orientierung dienen.

(3) Um nun nicht dne Anschein zu erwecken, irgendetwas für das Gesamtthema Wichtiges auszulassen, werde ich zunächst die einzelnen Wasserleitungen, die nach Rom hineinführen, ihrem Namen nach vorstellen, sodann angeben, wer sie in welchem Konsulatsjahr und Jahr nach Gründung Roms erbaut hat, ferner in welcher Gegend und bei welchem Meilenstein sie beginnen ... in welchem Maße sie unterirdisch, in einem gemauerten Bett oder über Brücken geführt werden, weiterin die Höhe einer jeden und [die Maße] ihrer Leitungsröhren ... welche Leistunge sie erbringen, welche Dienste außerhalb und innerhalb der Stadt jede einzelne der Leitungen in ihrer Weise für eine jede einzelne Region erbringt, wieviele öffentliche [und private] Wasserspeicher- und -verteilungsstellen es gibt und wieviel aus diesen für öffentliche Zwecke, wieviel für die - von den Gebideteren - sogenannten 'Dienstleistungen' [scil. für Zwecke der Verschönerung des Stadtbildes mit Wasserspielen], wieviel für Wasserreservoire, wieviel - aufgrund besonderer Bewilligung des Kaisers - für den privaten Gebrauch abgegeben wird. Zu erörtern ist auch das Recht der Anlage, der Führung und des Schutzes von Wasserleitungen, und wie die durch Gesetz Senatsbeschlüsse oder kaiserliche Verordnungen vorgesehenen Strafen das sicherstellen.

Lateinischer Text:

(1) Cum omnis res ab imperatore delegata intentiorem exigat curam, et me seu naturalis sollicitudo seu fides sedula non ad diligentiam rnodo verum ad amorem quoque commissae rei instigent sitque nunc mihi ab Nerva Augusto, nescio diligentiore an amantiore rei publicae imperatore, aquarum iniunctum officium ad usum, tum ad salubritatem atque etiam securitatum urbis pertinens, administratum per principes semper ceivitatis nostrae viros: primum ac potisimum existimo, sicut in ceteris negotiis institueram, nosse quod suscepi.

(2) neque enim illum omnis actus certius fundamentum crediderim, aut aliter quae facienda quaeque vitanda sint posse decerni, aliutve tam indecorum tolerabili viro, quam delegatum officium ex adiutorum agere praeceptis, quod fieri necese est, quotiens imperitia praepositei ad ilIorum decurrit usum; quorum sic necessariae partes sunt ad ministerium, tamen ut manus quaedam et instrumentum agentis ... quapropter ea quae ad universam rem pertinantia contrahere potui, more iam per multa mihi officia servato in ordinem et velut [in hunc] corpus diducta in hunc commentarium contuli, quem pro formula adminitrationis respicere possem. in aliis autem libris, quos post experimenta et usum conposui, succedentium res acta est; huius commentarii pertinebit fortassis et ad successorem utilitas, set cum inter initia administrationis rneae scriptus sit, in primis ad nostram institutionem regulamque proficiet.

3 ac ne quid ad totius rei pertinens notitiam praetermisisse videar, nomina primum aquarum, quae in urbem Romam influant, ponam; tum per quos quaeque earum et quibus consulibus, quoto post urbem couditam anno perducta sit; dein quibus ex locis et a quoto miliario coepisset ... ac quantum subterraneo riuo, quantum substructione, quantum opere arcuato; post altitudinem cuiusque modulorumque ... erogationes ab illis factae sint, quantum extra urbem, quantum intra urbem unicuique regioni pro suo modo unaquaeque aquarum serviat; quot castella publica [privataque] sint, et ex is quantum publicis operibus, quantum muneribus - ita enim cultiores appellant - quantum lacibus, quantum nomine [Iulii] Caesaris, quantum privatorum usibus beneficio principis detur; quod ius ducendarum tuendarumque sit earum, quae id sanciant poenae lege, senatus consultis, mandatis principum irrmogatae.


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski SS 2002