Satirisches über beliebte römische Unterhaltungskünstler und ihre weiblichen Bewunderer: Juvenal, 6. Satire, 56 - 81.

Deutsche Übersetzung aus: Juvenal, Satiren. Übersetzung, Einführung und Anhang von Harry C. Schnur, Stuttgart 1969, S. 55.


Kann man dir auf allen Plätzen [Roms] eine Frau zeigen, die deinen Wünschen entspricht? Gibt es auf allen Sitzen im Theater eine, in die du dich unbesorgt verlieben, die du dir von dort herauspflücken könntest? Wenn der weibische Bathyllus die "Leda" tanzend darstellt, benäßt sich Tuccia vor Erregung; Appula stöhnt plötzlich und gar kläglich wie in brünstiger Umarmung. Selbst Thymele beobachtet ihn; Thymele kann hier noch zulernen. Wenn aber der Vorhang weggepackt, das Theater geschlossen und nur auf dem Forum Betrieb ist - lange noch dauert's von den Ludi Plebeii bis zu den Megalesien -, halten andere Damen wehmütig die Maske, den Thyrsusstab und die Unterhosen des Accius in der Hand. Urbicus bringt das Publikum zum Lachen, wenn er in der Atellanenposse zum Nachspiel die Autonoe mimt: in ihn ist Aelia verschossen, aber sie ist zu arm. Solche müssen es sich nämlich etwas kosten lassen, des Komödianten Keuschheitsnadel zu lösen; manche verderben sogar einem Chrysogonus die Stimme; die dicke Hispulla hat's mit einem tragischen Schauspieler: oder glaubst du etwa, man verliebt sich in so etwas wie [den berühmten Rhetorik-Lehrer] Quintilian? Du bekommst eine Frau, die den Harfenspieler Echion, die Glaphyrusis oder den Flötenblöser Ambrosius zu Vätern macht. Laßt uns lange Tribünen in enger Gasse errichten, Pfosten und Tür auch seien mit reichlichem Lorbeer umwunden, damit in deinem mit Schildpatt ausgelegten Himmelbett, Lentulus [scil. du gehörnter, unattraktiver Ehemann vornehmen Standes] , dein hochwohlgeborener [scil. aber unehelich gezeugter] Sprößling, aussieht wie Euryalus oder ein Schwertfechter.


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski SS 2002