Weihgeschenke und Siegerstatuen in Olympia: Pausanias, Beschreibung Griechenlands, 5 , 1, 1 - 21 sowie 6, 1, 1 - 7 und 6, 3, 9 - 16.

Deutscher Text nach: Pausanias, Beschreibung Griechenlands. Übersetzt und herausgegeben von Ernst Meyer.. 2 Bde, München 1972, Bd. 1, S. 277 - 280, 294 f. und 300 f.

5, 1, 1 - 21

Von nun an wendet sich mein Bericht der Beschreibung der Statuen und Weihgeschenke zu; es behagte mir aber nicht, ihre Beschreibung miteinander zu verbinden. Denn auf der Akropolis in Athen sind die Statuen und alles sonstige alles gleichermaßen Weihgeschenke. In der Altis sind aber die einen zu Ehren der Gottheit aufgestellt, die Statuen der Sieger jedoch werden diesen noch als Teil des Siegespreises gegeben. Die Siegerstatuen werde ich später noch erwähnen, zuerst werde ich mich nun den Weihgeschenken zuwenden, indem ich die wichtigsten von ihnen durchgehe.

Geht man nämlich den Weg vom Metroon zum Stadion, befindet sich links am Fuß des Berges Kronion am Berge selbst eine Stützmauer aus Stein und Stufen dahinauf An dieser Stützmauer stehen bronzene Zeusstatuen. Diese wurden gemacht aus den Strafgeldern, die Athleten auferlegt wurden, die sich gegen den Wettkampf vergangen hatten, und heißen bei den Einheimischen Zanes. Zuerst stellten sie sechs anlälich der 98. Olympiade auf. Denn der Thessaler Eupolos bestach die Faustkämpfer, die gekommen waren, mit Geld, den Arkader Agetor und den Kyzikener Prytanis und mit ihnen Phormion, der aus Halikarnaß stammte und bei der Olympiade vorher gesiegt hatte. Das soll das erste Vergehen von Athleten gegen die Spiele gewesen sein, und als erste wurden Eupolos und diejenigen, die von Eupolos Geschenke angenommen hatten, von den Eleern mit Geldstrafen belegt. Zwei von ihnen sind Werke des Sikyoniers Kleon; wer die folgenden vier gemacht hat, weiß ich nicht. Auf diesen Statuen stehen außer bei der dritten und vierten Epigramme. Das erste Epigramm will besagen, daß man einen Sieg in Olympia nicht mit Geld, sondern mit Schnelligkeit der Füße und Körperkraft erringen soll. Das auf der zweiten sagt, daß die Statue zu Ehren der Gottheit dastehe und durch die Gottesfurcht der Eleer zur Abschreckung für frevelnde Athleten. Bei der fünften und sechsten Statue ist der Sinn der Inschrift, bei der einen, daß die Statuen errichtet seien zum Ruhm der Eleer und nicht zum wenigsten zur Strafe für die Faustkämpfer, bei der letzten, daß sie eine Lehre für alle Griechen seien, daß niemand wieder für einen olympischen Sieg Geld geben solle.

Nach Eupolos sagt man, habe der Athener Kallippos als Fünfkämpfer seine Gegner mit Geld abgekauft, und das sei bein der 152. Olympiade gewesen. Als dem Kallippos und seinen Gegnern von den Eleern Strafen auferlegt wurden, schickten die Athener Hyperides, um die Eleer zu veranlassen, ihnen die Strafe zu erlassen. Da die Eleer ihnen diesen Gefallen nicht taten, mißachteten die Athener sie so sehr, daß sie das Geld nicht zahlten und von den Olympien fernblieben, bis ihnen der Gott in Dclphi sagte, er werde ihnen nicht eher über irgend etwas ein Orakel geben, als bis sie die Strafe an die Eleer gezahlt hätten. So zahlten sie, und so wurden die Statuen für Zeus gemacht, sechs auch diese, und auch auf ihnen stehen Epigramme, nicht besser gedichtet als die über die Bestrafung des Eupolos. Der Inhalt der Inschriften ist, zuerst, daß die Statuen aufgestellt sind nach dem Spruch des Gottes, der die Beschlüsse der Eleer gegen die Fünfkämpfer ehrte, auf der zweiten und ebenso aufder dritten ein Lob der Eleer wegen der Bestrafung der Fünfkämpfer, und die vierte will sagen, daß es beim Wettkampfin Olympia um Tüchtigkeit und nicht um Geld geht. Von den Inschriften auf der fünften und sechsten Statue erklärt die eine, aus welchem Grunde die Statuen aufgestellt sind, die andere erinnert an das Orakel, das an die Athener aus Delphi ergangen ist. Die auf die Genannten folgenden Statuen sind zwei an Zahl und wurden aufgestellt, als Ringkämpfern Strafe auferlegt worden war. Wie sie hießen, haben ich und die elischen Erklärer vergessen. Inschriften sind nämlich auch an diesen Statuen, und die erste von ihnen besagt, daß die Rhodier dem olympischen Zeus Geld wegen des Unrechts eines Ringkämpfers zahlten, die andere, daß die Statue stamme aus den Strafgeldern, die Ringkämpfern auferlegt worden seien, die um Geschenke kämpften. Im übrigen geben die Erklärer der Eleer in bezug auf diese Ringkämpfer an, es sei die 178.Olympiade und Eudelos habe von Philostratos Geld bekommen und dieser Philostratos sei Rhodier. Ich fand aber, daß die Aufzeichnungen der Eleer über die Olympiasieger von dieser Angabe abweichen. Denn in diesen Listen steht, daß Straton von Alexandreia an der 178. Olympiade am selben Tage den Sieg im Pankration und Ringkampf errungen habe. Der Gründer von Alexandreia an der kanobischen Nilmündung war Alexander, der Sohn Philipps, und es soll hier auch vorher schon ein kleines aegyptisches Städtchen Rhakotis bestanden haben

Es gibt auch noch zwei andere Statuen in neuzeitlichem Stil. Denn bei der 226. Olympiade entdeckten sie, daß um den Sieg kämpfende Faustkämpfer sich über eine Summe geeinigt hatten. Dafür wurden sie bestraft, und von den angefertigten Zeusstatuen steht die eine links am Eingang ins Stadion, die andere von ihnen rechts. Diese Faustkämpfer hießen Deidas, und der von ihnen das Geld gab, Sarapammon. Sie waren aus demselben Gau, dem jüngsten aegyptischen, der Arsinoites heißt. Wundern muß man sich so schon, daß jemand vor dem Gott in Olympia gar keine Scheu hat und für den Wettkampf Geschenke annimmt oder gibt, aber noch mehr muß man sich wundern, wenn das sogar jemand von den Eleern selber schon gewagt hat. Das soll der Eleer Damonikos bei der 192.Olym-piade verübt haben. Angetreten seien zum Ringkampf um den Kranz Damonikos' Sohn Polyktor und Sosandros aus Smyrna, gleichnamig mit seinem Vater, und Damonikos habe aus dem übermächtigen Wunsch, daß sein Sohn Sieger werde, dem Vater des Sosandros Geld gegeben. Als die Tat ruchbar wurde, legten die Hellanodiken eine Geldstrafe auf. Sie legten sie aber nicht den Knaben auf, sondern richteten ihren Zorn gegen die Väter; denn diese hatten ja auch das Unrecht getan. Aus dieser Geldstrafe wurden Statuen gemacht, und die eine steht im Gymnasion von Elis, die andere in der Altis vor der sogenannten 'Bunten Halle', weil an ihren Wänden ursprünglich Gemälde waren. Manche nennen sie auch 'Echohalle'; wenn man ruft, kommt der Schall vom Echo siebenmal und mitunter sogar noch mehr zurück...


6, 1, 1 - 7 und 6, 3, 9 - 16

Auf meinen Bericht über die Weihgeschenke folgt jetzt noch, auch am Kampf teilnehmende Pferde und Wettkämpfer sowohl wie die Nichtkämpfer zu erwähnen. Es stehen aber nicht von allen Olympiasiegern Standbilder da, sondern manche,die im Kampf hervorragende Leistungen zeigten und bisweilen auch bei anderen Gelegenheiten, haben doch keine Statuen bekommen. Mein Werk verlangte, diese fortzulassen, da es ja kein Verzeichnis der Wettkämpfer ist, die olympische Siege errungen haben, sondern eine Beschreibung der Weihgeschenke und sonstigen Standbilder. Aber auch die Statuen derer, die dastehen, auch diese werde ich nicht alle nennen, da ich weiß, wie viele schon durch den Zufall des Loses und nicht durch ihre Kraft den Ölzweig errungen haben. Die aber entweder selber Rühmenswertes geleistet haben oder deren Statuen besser als andere gearbeitet sind, die werde auch ich erwähnen.

Rechts vom Tempel der Hera steht die Statue eines Ringkämpfers, eines Eleers von Abstammung, Symmachos, Sohnes des Aischylos, und neben ihm aus Pheneos in Arkadien Neolaidas, der Sohn des Proxenos, der einen Sieg im Knabenfaustkampf errungen hat. Dann folgt Archedamos, Sohn des Xenias, der ebenfalls die Knabenringer warf, auch er Eleer von Abstammung. Von den Genannten stellte Alypos von Sikyon die Standbilder her, der Schüler des Naukydes von Argos. Bei Kleogenes, Sohn des Silenos, sagt die Inschrift an ihm [scil. der Staue], er sei einer von den Einheimischen und habe mit einem Pferd aus seiner eigenen Herde im Reiten gesiegt. In der Nähe von Kleogenes steht Deinolochos, Pyrrhos' Sohn, und Troilos, der Sohn des Alkinus. Auch diese sind aus Elis, die Siege sind ihnen aber nicht bei den gleichen Anlässen zugefallen, sondern der eine war Hellanodike und errang dabei zugleich Siege mit Pferden, Troilos nämlich, und zwar mit dem Zweigespann der ausgewachsenen Pferde und dem Fohlenwagen. Er siegte in der 102. Olympiade, und danach wurde ein Gesetz in Elis erlassen, daß in Zukunft niemand von den Hellanodiken Pferde laufen lassen dürfe. Dessen Standbild machte Lysippos. Des Deinolochos Mutter aber hatte ein Traumgesicht, wie sie ihren Knaben bekränzt im Schoß trage, und deswegen wurde Deinolochos für den Wettkampf geübt und überholte die Knaben im Lauf. Die Statue stammt von dem Sikyonier Kleon. Über Kyniska, die Tochter des Archidamos, ihre Abstammung und olympischen Siege habe ich schon früher gesprochen in dem Abschnitt, der sich auf die spartanischen Könige bezieht. In Olympia ist neben der Statue des Troilos ein marmorner Sockel gebaut und darauf ein Pferdewagen und ein Wagenlenker und die Statue der Kyniska selbst, eine Arbeit des Apellas, daran steht auch eine auf Kyniska bezügliche Inschrift. Spartaner stehen da auch weiterhin anschließend an Kyniska; auch sie haben Siege mit Pferden errungen. Anaxandros wurde im Wagenrennen als Erster ausgerufen. Die Inschrift auf ihn besagt, daß früher schon der Vater des Vaters des Anaxandros im Fünfkampf bekränzt worden sei. Dieser ist zum Gott betend dargestellt, Polykles aber, der den Beinamen Polychalkos erhielt, siegte ebenfalls im Viergespann, und seine Statue hält eine Binde in der rechten Hand. Neben ihm stehen zwei Knaben, von denen der eine einen Reifen hält, der andere die Binde verlangt. Polykles siegte mit den Pferden, wie die Inschrift auf ihn sagt, sowohl in Delphi wie aufdem Isthmos und in Nemea. ...

... Die Statue des Antiochos schuf Nikodamos, Antiochos war aber aus Lepreos. Er siegte einmal im Pankration der Männer in Olympia und auf dem Isthmos und in Nemea je zweimal in beiden Wettspielen. Die Lepreaten haben nämlich keine Furcht vor den Isthmien wie die Eleer selbst, da der Eleer Hysmon, - dieser Hysmon steht in der Nähe des Antiochos -, da dieser im Fünfkampf geübte Mann den olympischen Sieg errang und den anderen an den Nemeen, sich aber offenbar ebenso wie die anderen Eleer von den Isthmien femhielt. Seine Statue ist ein Werk des Kleon und hält altertümliche Sprunggewichte. Nach Hysmon steht dort ein Knabenringkämpfer aus Heraia in Arkadien, Nikostratos, Sohn des Xenokleides. Pantias schuf ihm das Standbild, der, wenn man die Schülerreihe von dem Sikyonier Aristokles an nachrechnet, sein Schüler in siebter Generation war.

Dikon, der Sohn des Kallibrotos, errang in Delphi fünf Siege im Lauf, drei an den Isthmien, vier in Nemea und von olympischen einen bei den Knaben und zwei weitere bei den Männern, und es stehen von ihm gleich viel Statuen in Olympia, wie er Siege hat. Als Knabe wurde er als Kauloniate ausgerufen, was er auch war, danach ließ er sich aber gegen Geld als Syrakusaner ausrufen.

Nach Dikon steht dort Xenophon, der Sohn des Menephylos, ein Pankratiast aus Aigion in Achaia, und der Ephesier Pyrilampes, der einen Sieg im Langlauf davontrug. Die Statue des ersteren schuf Olympos aus Sikyon, bei Pyrilampes heißt auch der Bildhauer ebenso, ist aber nicht aus Sikyon, sondern aus Messene am Ithome.

Den Spartaner Lysander, den Sohn des Aristokritos, stellten die Samier in Olympia auf, und ihre erste Inschrift lautet:

"Im vielbesuchten Heiligtum des hochgesinnten Zeus stehe ich als Weihgeschenk des Volks von Samos."

Diese Inschrift gibt also die Errichter des Weihgeschenks an, die folgende ist ein Lob auf Lysander selbst:

"Mit dem unsterblichen Ruhm deiner Taten für Vaterland und Aristokritos bcsitzst du, Lysander, den Glanz des Heldentums."

So sind es offenbar sowohl die Samier wie die lonier sonst, die nach dem eigenen ionischen Sprichwort 'die beiden Wände anstreichen' [scil.: sich in einer Streitsituation mit allen Seiten gutstellen] Denn als Alkibiades mit den athenischen Trieren in Ionien stark war, verehrten ihn die meisten lonier, und eine Bronzestatue des Alkibiades steht als Weihgeschenk bei der Hera von Samos. Als die attischen Schiffe an den Ziegenflüssen vernichtet wurden, stellten die Samier in Olympia den Lysander auf und die Ephesier im Heiligtum der Artemis Lysander selbst und Eteonikos und Pharax und andere den Griechen sehr wenig bekannte Spartaner. Und als die Lage sich wieder wandelte und Konon in der Seeschlacht bei Knidos und am sogenannten Berge Dorion siegte, da wandelten sich auch die lonier, und so kann man einen bronzenen Konon und einen Timotheos in Samos sehen bei der Hera und ebenso in Ephesos bei der ephesischen Göttin. Das verhält sich nun immer so, und ebenso wie die lonier verehren alle Menschen eben nun einmal das an Macht Hervorragende. ...


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski SS 2002