Die gottgewollte Größe des Kaisers Konstantin aus Sicht des christlichen Bischofs Eusebios von Caesarea, Kirchengeschichte, 10, 5 - 9.

Deutsche Übersetzung aus: Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte. Herausgegeben und eingekeitet von Heinrich Kraft. Übersetzung von Philipp Häuser, durchgesehen von Hans Armin Gärtner, Darmstadt 1967, S. 430 - 441.


5 Wohlan, so lasset uns nun auch die aus dem Lateinischen übersetzten kaiserlichen Erlasse des Konstantin und Licinius anführen

Abschrift der kaiserlichen Erlasse, aus dem Lateinischen übersetzt:

"In der Erkenntnis, daß die Religionsfreiheit nicht verwehrt werden dürfe, daß es vielmehr einem jeden gemäß seiner Gesinnung und seinem WiHen verstattet sein solle, nach eigener Wahl sich religiös zu betätigen, haben wir bereits früher Befehl erlassen, auch den Christen das Schutzversprechen für ihre Gemeinschaft und ihren Kult sorgfältig angedeihen zu lassen Da aber in jenem Reskripte, worin ihnen diese Freiheit zugestanden wurde, viele und verschiedenartige Bedingungen ausdrücklich beigefügt erschienen, so ließen sich vielleicht manche von ihnen nach kurzer Zeit von solcher Beobachtung abdrängen. Da wir, ich, Konstantinus Augustus, und ich, Licinius Augustus, durch glückliche Fügung nach Mailand gekommen und all das, was dem Volke zu Nutz und Vorteil gereiche, erwogen, so haben wir unter den übrigen Verfügungen, die dem Interesse der Allgemeinheit dienen sollten, oder vielmehr zuvörderst, den Erlaß jener Verordnungen beschlossen, die sich auf die Achtung und Ehrung des Göttlichen beziehen, um den Christen und allen Menschen freie Wahl zu geben, der Religion zu folgen, welcher immer sie wollten. Es geschah dies in der Absicht, daß jede Gottheit und jede himmlische Macht, die es je gibt, uns und allen, die unter unserer Herrschaft leben, gnädig sein möge.

In gesunder und durchaus richtiger Erwägung haben wir so diesen Beschluß gefaßt, daß keinem Menschen die Freiheit versagt werden solle, Brauch und Kult der Christen zu befolgen und zu erwählen, daß vielmehr jedem die Freiheit gegeben werde, sein Herz jener Religion zuzuwenden, die er selbst für die ihm entsprechende erachtet, auf daß uns die Gottheit in allem die gewohnte Fürsorge und Huld schenken möge. Demzufolge geben wir in einem Reskripte als unseren Willen kund, daß die Bedingungen, welche bezüglich der Christen unserem früheren Schreiben an deine Ergebenheit 88 beigefügt waren, völlig aufgehoben und alles beseitigt werde, was als gänzlich verkehrt und unserer Milde widersprechend erschien, und daß fernab ein jeglicher aus denen, die eben diese Wahl getroffen, nämlich die Religion der Christen zu bekennen, dies frei und ohne weiteres ohne irgendwelche Belästigung üben solle. Und wir haben beschlossen, diese Maßnahmen deiner Sorgsamkeit in vollem Umfange kundzutun, damit du wissest, daß wir eben den Christen ungehinderte und uneingeschränkte Freiheit in Ausübung ihrer Religion verliehen. Da du nun siehst, daß den Christen dieses Recht in uneingeschränktem Maße von uns eingeräumt wurde, so wird das deine Sorgsamkeit dahin verstehen, daß damit auch andern Erlaubnis gegeben sei, die religiösen Bräuche ihrer eigenen Wahl zu beobachten. Ist es doch offensichtlich der Ruhe unserer Zeit angemessen, daß jeder Freiheit habe, gemäß seinem Willen eine Gottheit zu erwählen und sie zu verehren. Dies haben wir verfügt, damit es nicht den Anschein erwecke, als würde irgendein Kult oder irgendeine Religion durch uns Hintansetzung erfahren.

Bezüglich der Christen bestimmen wir weiterhin, daß jene Stätten, an denen sie ehedem zusammenzukommen pflegten und über die ehedem in dem früheren Schreiben an deine Ergebenheit schon eine Verfügung getroffen ward, (daß jene Stätten) von denen, die sie nachweislich von unserer Kammer oder von anderer Seite käuflich erworben, unentgeltlich und ohne Rückforderung des Kaufpreises, ohne Zögern und Zaudern, an die Christen zurückerstattet werden. Auch wer solche Stätten geschenkweise erhalten, soll sie so schnell als möglich denselben Christen zurückgeben. Jene aber, die von unserer Hochherzigkeit irgendeine Vergütung hierfür erbitten, mögen sich, ob sie nun auf dem Wege des Kaufes oder der Schenkung Eigentümer geworden, an den am Ort rechtsprechenden Statthalter wenden, da-mit auch sie die Fürsorge unserer Milde erfahren. All das muß so durch dein Bemühen an die Körperschaft der Christen überwiesen werden. Und da eben diese Christen, wie bekannt, nicht nur jene Orte, an denen sie zusammenzukommen pflegten, sondern auch noch andere Stätten im Besitz hatten, die nicht dem einzelnen unter ihnen gehörten, sondern rechtliches Eigentum ihrer Körperschaft, d. i. der Christen, waren, so wirst du den Befehl erlassen, daß diese insgesamt ohne jeden Widerspruch auf Grund des oben angeführten Gesetzes den Christen, d. i. ihrer Körperschaft und den Versammlungen, zurückerstattet werden, und zwar, wie sich versteht, unter Beachtung der erwähnten Bestimmung, daß diejenigen, die diese Stätten unentgeltlich, wie gesagt, zurückstehen müssen, durch unsere Hochherzigkeit dafür Entschädigung zu erhoffen haben. Bei all dem sollst du deine Aufmerksamkeit nach besten Kräften der genannten Körperschaft der Christen zuwenden, damit unser Befehl schleunigst durchgeführt und so durch unsere Milde auch nach dieser Richtung für die allgemeine und öffentliche Ruhe gesorgt werde. Auf diese Weise möge uns, wie oben gesagt, das göttliche Wohlwollen, das wir schon bei vielen Gelegenheiten erfahren, für alle Zeit fest er,4 halten bleiben! Damit aber der Inhalt dieses von uns in hochherziger Gesetzgebung erlassenen Gesetzes zur Kenntnis aller gelange, ist es notwendig, daß dieses unser Schreiben deiner Verfügung voran-stehend überall angeschlagen und allen kundgegeben werde, und so die Verfügung, in der diese unsere Hochherzigkeit sich ausspricht, niemand verborgen bleibe."

Abschrift einer anderen kaiserlichen Verordnung, die er ehenfalls erlassen und worin er zum Ausdruck brachte, daß nur der katholischen Kirche die Vergünstigung zuteil geworden:

"Sei gegrüßt, hochgeschätzer Anylinus 90! Es entspricht dem Wesen unserer Liebe zum Guten, hochgeschätzter Anylinus, daß gemäß unserem Willen das, was einem anderen rechtlich gehört, nicht nur nicht angetastet, sondern auch zurückerstattet werde. Daher befehlen wir, daß du nach Empfang dieses Schreibens dafür sorgest, daß jene Güter, welche der katholischen Kirche der Christen in den einzelnen Städten oder an anderen Orten gehörten, nun aber sich im Besitze von Bürgern oder anderen Personen befinden, alsbald ehen den Kirchen zurückgegeben werden; denn es ist unser Wunsch, daß das, was diese Kirchen früher besessen haben, ihrer Gerechtsame wieder zuerkannt werde. Da nun deine Ergebenheit sieht, daß die Anord- s~ nung dieses unseres Befehles klar und bestimmt lautet, so trage Sorge, daß Gärten und Häuser und alles, was sonst noch zum rechtlichen Besitz der Kirche gehörte, ihnen samt und sonders so schnell wie möglich zurückerstattet werde, damit wir erfahren mögen, daß du dieser unserer Anordnung eifrigsten Gehorsam geleistet. Lebe wohl, hochgeschätzter und teuerster Anylinus!"

Abschrift eines kaiserlichen Briefes, durch den er eine Versammlung sI von Bischöfen in Rom anordnet zum Zwecke der Einheit und Eintracht der Kirchen:

"Konstantinus Augustus an Miltiades, den Bischof der Römer, und an Markus. Da von Anylinus, dem erlauchten Prokonsu~ Afrikas, mehrere derartige Schriftstücke mir zugesandt wurden, aus denen hervorgeht, daß Cäcilianus, der Bischof der Stadt der Karthager, von einigen seiner Amtsgenossen in Afrika vieler Dinge beschuldigt werde, und da es mir als äußerst schwetwiegende Sache erscheint, daß in diesen sehr bevölkerten Provinzen, welche die göttliche Vorsehung meiner Ergebenheit ohne mein Zutun anvertraut, das Volk, in Spaltung begriffen, auf schlimmem Wege sich befindet und die Bischöfe unter sich uneins sind, so dünkte es mich gut, daß Cäcilianus 19 selbst mit zehn Bischöfen aus den Reihen seiner Ankläger und zehn anderen, die er nach eigenem Urteil für seine Sache als nötig erachtet, sich nach Rom einschiffe, auf daß er dort vor euch sowie vor Reticius95, Maternus92 und Marinus95, euren Amtsgenossen, denen ich Befehl erteilte, zu diesem Zwecke nach Rom zu eilen, einem Verhör unterzogen werde. Ihr sollt genauen Einblick gewinnen, um dem verehrungswürdigsten Gesetze zu entsprechen. Damit ihr euch aber über die ganze hier vorliegende Frage vollkommen unterrichten könnet, habe ich Abschriften der von Anylinus mir zugeschickten Schriftstücke meinem Briefe beigefügt und sie an euere oben genannten Amtsgenossen abgesandt. Wenn eure Strenge sie liest, wird sie ermessen, auf welche Weise die erwähnte Streitsache gewissenhaftest zu untersuchen und nach Gerechtigkeit beizulegen sei. Denn eurer Sorgfalt ist es keineswegs verborgen, welch große Ehrfurcht ich der anerkannten katholischen Kirche zolle und daß ich daher nicht Will, daß auch nur eine Spur von Spaltung oder Uneinigkeit an irgendwelchem Orte durch euch belassen werde. Die Göttlichkeit des großen Gottes möge euch, Hochgeehrter, erhalten auf viele Jahre!«

Abschrift eines kaiserlichen Briefes, durch den er eine zweite Versammlung zwedts Beseitigung jeglicher Uneinigkeit unter den Bischöfen anordnet.
»Konstantinus Augustus an Chrestus, den Bischof von Syrakus. Früher schon, da einige in schlimmer und verkehrter Weise anfingen, bezüglich der Ehrfurcht gegenüber der heiligen und himmlischen Kraft und der katholischen Religion Spaltungen hervorzurufen, hatte ich in dem Wunsche, solche Streitigkeiten unter ihnen zu beenden, den Befehl gegeben, daß nach Entsendung einiger gallischer Bischöfe und nach Vorladung der in Afrika sich gegenseitig scharf und ständig bekämpfenden Parteien in Gegenwart des römischen Bischofs durch ihre Anwesenheit die strittige Frage nach allseitiger und genauer Prüfung ihre Erledigung finde. Wie es aber zu geschehen pflegt, führen einige unter Vernachlässigung ihres eigenen Heiles und der der heiligsten Religion schuldigen Verehrung ihre privaten Feindseligkeiten auch jetzt noch weiter und wollen sich dem bereits gefällten Urteile nicht fügen. Sie behaupten, daß nur einige wenige Bischöfe ihre Meinung und ihr Gutachten abgegeben hätten oder ohne vorherige genaue Prüfung aller notwendigen Fragen allzu rasch und hitzig zur Fällung des Urteils geschritten wären. Und da als Folge von all dem geschieht, daß sich eben jene, die brüderliche und einträchtige Gesinnung haben sollten, in schmählicher, ja abscheulicher Weise voneinander trennen und den Menschen, deren Seelen dieser heiligsten Religion ferne stehen, Anlaß zum Gespötte gehen, so mußte ich Vorsorge treffen, daß das, was nach dem bereits gefäflten Urteile durch freiwillige Zustimmung hätte beendet werden sollen, nun in Anwesenheit vieler beigelegt werde. Nachdem wir so Befehl gegeben, daß eine sehr große Anzahl von Bischöfen aus verschiedenen und unsäglich vielen Orten bis zum ersten August in in der Stadt Arles zusammenkomme, so glaubten wir auch dir schreiben zu sollen, daß du von dem vorzüglichen Latronianus, dem Statthalter Siziliens, ein Staatsgefährt entgegennehmest und dich mit zwei von dir selbst gewählten Würdenträgern zweiten Ranges und drei Dienern, geeignet, euch auf dem Wege zu betreuen, innerhalb des bestimmten Termines an dem erwähnten Orte einfindest. Durch deine Strenge und die einträchtige und einmütige Weisheit der 24 übrigen, die da zusammengekommen, möge sodann der Zwist, der in recht häßlichem Bruderstreit in übler Weise bis zur Stunde andauert, nach Anhörung all dessen, was von den streitenden Parteien, deren Erscheinen wir ebenfalls angeordnet, zu sagen gewünscht wird, wenn auch langsam, der rechten Religion, dem rechten Glauben und der brüderlichen Eintracht weichen. Möge der allmächtige Gott dich gesund erhalten auf viele Jahre!"

6 Abschrift eines kaiserlichen Briefes, durch den er den Kirchen Gelder zuweist.:

"Konstantinus Augustus an Cäcilianus, den Bischof von Karthago. Da es mir gefallen, in allen Provinzen, namentlich in Afrika, Numidien und Mauretanien, an gewisse näher bezeichnete Diener der anerkannten und heiligsten katholischen Religion zur Bestreitung ihrer Ausgaben Zuschüsse zu verabreichen, so habe ich an Ursus, den hochangesehenen Finanzverwalter Afrikas, ein Schreiben gerichtet und ihn angewiesen, daß er an deine Strenge die Auszahlung von 3000 Folles verfüge. Du aber erteile, wenn du die Aushändigung der erwähnten Summe veranlassest, die Weisung, daß diese Gelder an alle die oben genannten Männer gemäß dem von Hosius dir übermittelten Verzeichnisse verteilt werden. Solltest du aber merken, daß die Summe zur Erfüllung dieses meines Willens ihnen allen gegenüber nicht genüge, dann magst du den Betrag, den du noch für notwendig erachtest, unbedenklich von Heraklid, unserem Domänenverwalter, anfordern. Ich habe ihn nämlich mündlich beauftragt, falls deine Strenge Geld von ihm erbitte, unverzüglich die Auszahlung zu verfügen.

Da ich ferner erfahren habe, daß einige Leute unsteten Sinnes das Volk der heiligsten und katholischen Kirche durch schlimme Täuschung irreführen wollen, so wisse, daß ich den Prokonsul Anylinus und den Vizepräfekten Patrizius mündlich dahin beauftragt, daß sie zu allem andern hin vor allem auch darauf gebührend ihr Augenmerk richteten und es nicht wagten, über solches Unterfangen hinwegzusehen. Wenn du demnach wahrnimmst, daß gewisse Menschen dieser Art in ihrem Wahnsinn beharren, so wende dich ohne Bedenken an die erwähnten Richter und trage die Sache vor, auf daß sie entsprechend der mündlichen Weisung, die ich ihnen gegeben habe, solche Leute zur Umkehr veranlassen. Die Göttlichkeit des großen Gottes möge dich erhalten auf viele Jahre!"

7 Abschrift eines kaiserlichen Briefes, durch den er die Befreiung der Kirchenvorsteher von allen öffentlichen Dienstleistungen anordnet.:

"Sei gegrüßt, hochgeschätzter Anylinus! Da aus einer Reihe von Tatsachen offenbar ist, daß die Mißachtung der Religion, in der die höchste Ehrfurcht vor der heiligsten, himmlischen Macht gehegt wird, für den Staat große Gefahren hervorgerufen, ihre gesetzliche Wiederherstellung und Pflege dagegen dem römischen Namen größtes Glück und in alle menschlichen Verhältnisse durch Wirkung der göttlichen Gnade besonderen Segen gebracht hat, so erschien es gut, hochgeschätzter Anylinus, daß jene Männer, die mit der schuldigen Heiligkeit und in Befolgung dieses Gesetzes ihre Dienste der Pflege der heiligen Religion widmen, Entlohnung für ihre Arbeit empfan2 gen sollen. Es ist darum mein W~le, daß jene Männer, die innerhalb
der dir anvertrauten Provinz in der katholischen Kirche, der Cäcilianus vorsteht, ihre Dienste dieser heiligen Religion widmen, und die sie Kleriker zu nennen pflegen, von allen staatlichen Dienstleistungen ein für aHemal vöHig frei bleiben sollen, damit sie nicht durch einen Irrtum oder eine unheilige Entgleisung von dem der Gottheit schuldigen Dienste abgezogen werden, sondern ohne alle Beunruhigung nur ihrem eigenen Gesetze Folge leisten. Bringen sie doch sichtlich dadurch, daß sie ihres höchsten Amtes gegenüber der Gottheit walten, unermeßlichen Segen über den Staat. Lebe wohl, hochgeschätzter und teuerster Anylinus!"

8 Der Art also sind die Gaben, die uns die göttliche und himmlische Gnade der Erscheinung unseres Erlösers geschenkt, das die Fülle von Gütern, die allen Menschen durch den uns gegebenen Frieden zuteil geworden. Und dieses unser Glück wurde in frohen Festen und Versammlungen gefeiert. Aber der neidische Dämon, der das Gute haßt und das Böse liebt, konnte den Anblick dieses Schauspieles nicht ertragen. Und so vermochte das Schicksal der oben erwähnten Tyrannen den Licinius nicht bei gesundem Sinne zu erhalten. Er, der einer glücklichen Regierung und des zweiten Ranges nach dem großen Kaiser Konstantin und der höchsten Verschwägerung und Verwandtschaft mit ihm gewürdigt ward, ging von der Nachahmung der guten Männer ab und beeiferte sich der Verworfenheit und Schlechtigkeit der gottlosen Tyrannen. Lieber wollte er den Plänen derer folgen, deren Untergang er mit eigenen Augen gesehen, als daß er in freundschaftlicher Gesinnung bei dem ihm überlegenen Fürsten verblieben wäre. Von Neid gegen den Wohltäter aller ge- 3 trieben, begann er gegen ihn einen gottlosen und schrecklichen Krieg, ohne auf die Gesetze der Natur zu achten und ohne Rücksicht auf Eide, ~ut und Verträge. Denn Konstantin hatte ihm, ein allgütiger 4 Kaiser, der er war, Zeichen aufrichtigen Wohlwollens gegeben, ihm die Verwandtschaft mit seiner Person gegönnt, ihm die glänzende Verehelichung mit seiner Schwester nicht abgeschlagen 97, sondern ihn gewürdigt, an dem angestammten Adel und kaiserlichen Blute teilzuhaben, und ihm als Schwager und Mitkaiser Anteil an der obersten Gewalt gegeben. Denn nicht kleiner war der Teil der von den Römern beherrschten Völker, den er ihm zur Verwaltung und Regierung zugewiesen hatte. Doch des Licinius Handeln war dem entge- ~ gengesetzt. Tag um Tag sann er auf Anschläge jeder Art und ließ sich alle Möglichkeiten durch den Sinn gehen, wie er dem, der ihm überlegen war, nachstellen könnte, dem Wohltäter mit Bösem vergeltend.

Anfänglich nun versuchte er seine Pläne geheimzuhalten und heuchelte noch Freundschaft und hoffte so, wieder und wieder auf List und Trug sich werfend, am leichtesten sein Ziel zu erreichen. Gott aber war Konstantins Freund und Hort und Beschützer. Er brachte die im geheimen und in der Finsternis wider ihn geplanten Nachstellungen ans Licht und deckte sie völlig auf. Solche Macht liegt in der starken Waffe der Gottesfurcht, die da Feinde abwehrt und das eigene Heil sicherstellt. Von dieser Waffe beschützt, entging unser gott-geliebter Kaiser den hinterlistigen Anschlägen des Verruchten. Als Licinius sah, daß sich seine geheimen Pläne nicht wunschgemäß 7 verwirklichen ließen, da Gott seinem geliebten Kaiser alle Tükke und Arglist sofort oft enbarte, und er weiterhin nicht mehr im Verborgenen handeln konnte, schritt er zum offenen Krieg. Damit 8 aber, daß er sich entschloß, gegen Konstantin Krieg zu führen, begann er zugleich gegen den Gott des Alls zu rüsten, von dem er wußte, daß ihn Konstantin verehrte. So fing er an, zunächst noch still und im geheimen, seine gottesfürchtigen Untertanen zu bedrängen, obwohl diese seiner Herrschaft nie etwas in den Weg gelegt. Und das tat er, da ihn seine angeborene Bosheit mit furchtbarer Blindheit 9 geschlagen. So stellte er sieh im Gedächtnis weder jene vor Augen, die vor ihm die Christen verfolgt, noch die, welche er selbst als Verderber und Rächer wegen ihrer Gottlosigkeit gestraft. Bar jeden vernünftigen Denkens, ja im Zustande völligen Wahnsinnes, war er entschlossen, an Stelle Konstantins Gott selbst, den Beschützer statt des Beschützten, zu bekriegen. Zuerst vertrieb er von seinem Hofe alle Christen, wo-durch sich der Unglückliche des Gebetes beraubte, das diese nach der Lehre der Väter für ihn und alle Menschen an Gott zu richten pflegten. Sodann gab er Befehl, daß die Soldaten in den Städten einer Sichtung unsterstellt und ihres Ranges entkleidet werden sollten, wenn sie sich weigerten, den Dämonen zu opfern. Doch waren dies Kleinigkeiten im Vergleich zu den schlimmeren Dingen, die folgten. Wozu aber soll ich alle die Taten des gottgehaß~ ten Mannes im einzelnen in Erinnerung bringen, und wie er, der gesetzloseste Mensch, ungesetzliche Gesetze erfunden? Erließ er doch das Gesetz, daß sich niemand gegen die Unglücklichen in den Gefängnissen durch Verabreichung von Speise menschenfreundlich zeigen noch derer, die in Fesseln an Hunger dahinsiechten, sich erbarmen dürfe, ja daß überhaupt niemand gut sein und auch jene nichts Gutes tun sollten, die durch die eigene Naturanlage zum Mitgefühl für den Nächsten gedrängt werden. Und unter seinen Gesetzen war eben dieses unverhohlen schamlos und das härteste, fern jeder milden Regung der Natur. War ihm doch als Strafbestimmung beige-fügt, daß die, welche Mitleid zeigten, das gleiche Schicksal erleiden sollten wie jene, die das Mitleid erfuhren, und die, welche Liebes-dienste erwiesen, gleich den Unglücklichen bestraft und in Ketten und Kerker geworfen werden sollten. Das waren die Verordnungen des Licinius.

Wozu soll man seine Neuerungen in betreff der Ehe oder die umwälzenden Verordnungen bezüglich der Sterbenden aufzählen, durch welche er die alten, trefflich und weise abgefaßten Gesetze der Römer abzuschaffen wagte und dafür barbarische und grausame, wahrhaft ungesetzliche und gesetzeswidrige Gesetze einführte? Oder die ungezählten Steuern, die er zum Schaden der ihm untergebenen Völker ersann, und die mannigfachen Eintreibungen von Gold und Silber, die Landvermessungen und einträglichen Geldbußen von Leuten, die nicht mehr auf der Scholle saßen, sondern schon längst dahingegangen waren? Welch harte Verbannungen erfand der Menschenhasser außerdem gegen Unschuldige, welch drückende Verhaftungen ließ er an vornehmen und angesehenen Männern ausführen, denen er die Ehefrauen entriß und sie schmutzigen Knechten zur Schändung auslieferte!Wie viele verheiratete Frauen und jungfräuliche Mädchen entehrte er in Befriedigung seiner zügellosen Leidenschaft, obwohl er bereits im höchsten Alter stand! Wozu soll ich das des langen und breiten schildern, da das Übermaß seiner letzten Untaten die ersten als geringfügig und belanglos erscheinen läßt? So ging er im Endzustand seines Wahnsinns gegen die Bischöfe vor 14 und rüstete wider sie, in denen er als den Dienern des höchsten Gottes Gegner seiner Unternehmungen erblickte, zum Kampfe, aus Furcht freilich vor dem, der ihm überlegen war, noch nicht offen, sondern heimlich und hinterlistig, und ließ die Bewährtesten aus ihnen durch Anschläge seiner Statthalter aus dem Wege räumen. Auch die Art, in der sie umgebracht wurden, war neu und völlig unerhört. Was gar in Amasia und den übrigen Städten des Pontus ,5 geschah, überschreitet jedes Übermaß von Grausamkeit. Hier wurden von den Kirchen Gottes die einen vom First bis zum Grunde niedergerissen, andere schlossen sie, damit keiner von den gewohnten Betern sich einfinde und Gott die Diensi~e verrichte, die man ihm schuldet. Denn zufolge seines schlechten Gewissens glaubte er nicht, i6 daß man die Gebete für ihn verrichte, sondern war der Überzeugung, daß wir für den gottgeliebten Kaiser alles täten und Gott versöhnten. Und darum begann er seinen Zorn gegen uns zu wenden. Die Schmeichler unter den Statthaltern belegten natürlich in der i~ Überzeugung, damit dem Ruchlosen einen Gefallen zu tun, einige Bischöfe mit den bei Verbrechern üblichen Strafen, und sie, die kein Unrecht begangen, wurden abgeführt und gleich Mördern bestraft, ohne daß man nach einem Vorwand gesucht hätte. Andere mußten eine neue Todesart erdulden. Ihr Körper wurde mit dem Schwerte in zahlreiche Stücke zerschnitten und nach diesem grausamen und ganz entsetzlichen Schauspiele in die Tiefe des Meeres geworfen, den Fischen zum Fraß. Daraufhin begannen die gottesfürchtigen Männer 15 von neuem zu fliehen. Und wiederum nahmen Felder, wiederum Einöden, Talsehluchten und Berge die Diener Christi auf. Da dem Gottlosen seine Maßnahmen in dieser Weise vonstatten gingen, faßte er weiterhin den Plan, die Verfolgung auf alle auszudehnen. Und 19 er hätte Macht gehabt, seine Absicht durchzusetzen, und nichts hätte ihn gehindert, sie zu verwirklichen, wenn nicht Gott, der Streiter für die ihm zugehörigen Seelen, in Eile dem zuvorkommend, was zu geschehen drohte, wie aus tiefer Finsternis und dunkelster Nacht ein großes Licht und einen Erlöser zugleich allen hätte aufleuchten las-sen, seinen Diener Konstantin mit erhobenem Arme auf den Schauplatz führend.

9 Diesem nun schenkte Gott vom Himmel herab als verdienten Lohn für seine Frömmigkeit Triumph und Sieg über die Gottlosen, den Frevler aber streckte er samt allen seinen Ratgebern und Freunden zu Boden und legte ihn Konstantin zu Füßen. Da es Licinius in seinem Wahnsinn bis zum äußersten getrieben, glaubte es der Kaiser, der Freund Gottes, nicht mehr länger ertragen zu dürfen. Er ging mit sich in kluger Weise zu Rate und entschloß sich, die Strenge des Gerechten mit Güte verbindend, denen, welche unter dem Tyrannen schmachteten, zu Hilfe zu kommen. Durch Beseitigung einiger Böse-wichte wollte er so rasch den größten Teil der Menschheit retten. Ehedem hatte er nur Mitleid walten lassen und übte Erbarmen mit dem, der kein Mitgefühl verdiente. Damit kam er aber nicht zum Ziele. Denn Licinius ging von seiner Bosheit nicht ab, steigerte vielmehr noch seine Raserei gegen die ihm untergebenen Völker. Und den übel behandelten Menschen war keine Hoffnung auf Erlösung mehr belassen. Lagen sie doch unter der Gewalt eines schrecklichen Untiers. Daher rückte der Beschützer der Guten, den Haß gegen das Böse mit der Liebe zum Guten vereinend, zugleich mit seinem Sohne Krispus, dem menschenfreundlichsten Caesar, aus, und bot allen, die dem Untergange nahe waren, die rettende Hand. Sodann teilten beide, Vater und Sohn, das gegen die Gotteshasser rings aufgestellte Heer und errangen, da ihnen Gott, der höchste König, und Gottes Sohn, der Erlöser aller, Führer und Mitstreiter war, mit Leichtigkeit den Sie. Der ganze Verlauf des Kampfes hatte sich durch Gottes Fügung ihrem Plane gemäß gestaltet. Und die gestern und vorgestern noch Tod und Drohung schnaubten, waren plötzlich und schneller, als man es sagen konnte, nicht mehr. Selbst ihrer Namen geschieht nimmer Erwähnung, und ihre Bilder und Ehrenmale traf die verdiente Schändung. Was Licinius bei den früheren gottlosen Tyrannen mit eigenen Augen geschaut, das erlitt er nun in gleicher Weise selber. Da er weder selbst Zucht annahm noch durch die Strafen von Nebenmenschen sich zur Besinnung bringen ließ, sondern wie jene den Weg der Gottlosigkeit wandelte, wurde er mit Recht gleich ihnen in den Abgrund gestürzt.

So lag Licinius niedergeschmettert am Boden. Konstantin aber, der mächtigste Sieger, ausgezeidmet durch jegliche Tugend der Gottesfurcht, nahm mit seinem Sohne Krispus, dem gottgeliebtesten Kaiser, der dem Vater in allem ähnlich war, den ihm zugehörenden Osten in Besitz und schuf so wieder nach alter Weise ein einziges und einheitliches Reich der Römer, indem sie ringsum alle Lande des Erdkreises vom Aufgange der Sonne bis zum äußersten Westen samt dem Norden und Süden ihrem friedlichen Szepter unterwarfen. Genommen war nun von den Menschen jede Furcht vor denen, die sie einst bedrängt. In Glanz und Prunk begingen sie festliche Tage. Alles war von Licht erfüllt. Und die zuvor niedergeschlagen einander anblichten, sahen sich an mit freudelächelndem Antlitz und strahlenden Auges. Jn Reigen und Liedern gaben sie in Städten wie auf dem Lande vor allem Gott, dem König der Könige, die Ehre, wie sie gelehrt wurden, sodann dem frommen Kaiser mit seinen gottgeliebten Söhnen. Die alten Leiden waren vergessen, und begraben jede Erinnerung an Gottlosigkeit. Man freute sich der gegenwärtigen Güter und harrte dazu der künffigen. Und an jeglichem Orte wurden Erlasse des siegreichen Kaisers, voll von Menschenfreundlichkeit, angeschlagen und Gesetze, die da Zeugnis gaben von seiner Freigebigkeit und echten Gottesfurcht. Da so alle Tyrannei beseitigt war, verblieb Konstantin und seinen Söhnen allein, fest und unangefochten, das Reich, das ihnen gehörte. Und diese tilgten zu allererst den Gotteshaß aus dem Leben und zeigten, eingedenk des Guten, das sie von Gott erfahren, ihre Liebe zur Tugend und zu Gott und ihre Frömmigkeit und Dankbarkeit gegen die Gottheit durch Taten, die sie offen vor den Augen aller Menschen vollbrachten.


LV Gizewski SS 2002

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)