Der Aufstieg des Augustus, Sueton, Vita Caesarum, Augustus (7 - 29).

Deutsche Übersetzung aus: Sueton, Leben der Caesaren.übersetzt und herausgegeben von André Lambrecht, (1955) München 1972. S. 57 - 73.

7. Als kleines Kind erhielt Augustus zum Gedächtnis an die Herkunft seiner Vorfahren, oder weil in der Gegend von Thurii sein Vater Octavius kurz nach der Geburt seines Sohnes gegen die aufständischen Sklaven erfolgreich gekämpft hatte, den Beinamen Thurinus. ... Später nahm er die Beinamen Gaius Caesar und Augustus an, den einen auf Grund des Testamentes seines Großonkels, den andern gemäß dem Antrag des Munatius Plancus. Obschon nämlich gewisse Senatoren vorschlugen, ihn Romulus zu nennen, gewissermaßen als zweiten Gründer Roms, setzte sich die Anregung durch, ihm eher den Namen Augustus zu geben, nicht nur wegen der Neuheit dieses Beinamens, sondern auch wegen seines grandiosen Charakters, da ja auch die Plätze für religiöse Feiern und diejenigen, wo durch Auguren Weihungen vorgenommen werden, augustus (erhaben, geweiht) genannt werden -das Wort wird entweder von 'auctus' [Gedeihen, Fülle] oder von 'avium gestus gustusve' [Gebaren oder Fressen der Vögel] hergeleitet; dasselbe meint auch Ennius, wenn er schreibt:

"augusto augurio postquam incluta condita Roma est"

[Als einst gegründet ward Rom, das berühmte, durch heilige Weihe].

8. Mit vier Jahren verlor Augustus seinen Vater; mit zwölf hielt er die öffentliche Leichenrede auf seine Großmutter Iulia. Vier Jahre später, als er bereits die Männertoga trug, wurde er anläßlich von Caesars Triumph über Afrika mit militärischen Ehrengeschenken bedacht, obschon er seiner Jugend wegen am Kriege selbst nicht teilgenommen hatte. Als bald darauf sein Onkel [Caesar] gegen die Söhne des Gnaeus Pompeius nach Spanien zog, folgte er ihm, nur von sehr wenigen Leuten begleitet, mitten durch die Feinde, obgleich er sich noch kaum von einer schweren Krankheit erholt und sogar noch Schiffbruch erlitten hatte; diese Leistung erwarb ihm die besondere Gunst Caesars, der bald seine glücklichen Charakteranlagen neben dem auf dieser Fahrt bewiesenen Mut anerkannte.

Caesar, der nach der Unterwerfung Spaniens einen Feldzug gegen die Daker und von dort gegen die Parther plante, sandte ihn nach Apollonia voraus, wo er seine Zeit mit Studien zubrachte. Als er von Caesars Ermordung hörte und erfuhr, daß er zu seinem Erben bestimmt sei, war er zuerst lange Zeit unschlüssig, ob er nicht die in der Nähe stationierten Legionen zu Hilfe rufen solle, ließ dann aber diesen Plan als zu verwegen und voreilig fallen. Er ging also nach Rom zurück und trat, trotz dem Bedenken seiner Mutter und dem wiederholten Abraten seines Stiefvaters Marcius Philippus, eines gewesenen Konsuls, sein Erbe an. Er schuf sich eine Armee und stand von diesem Zeitpunkt an, zunächst gemeinsam mit Marcus Antonius und Lepidus, darauf zwölf Jahre lang nur noch mit Antonius und zuletzt während vierundvierzig Jahren allein an der Spitze des Staates.

9. Nachdem ich so gewissermaßen einen Überblick über sein Leben gegeben habe, will ich jetzt einzeln die Abschnitte behandeln, allerdings nicht zeitlich, sondern thematisch geordnet, damit die Darstellung und das Verständnis um so klarer werde. Bürgerkriege führte er fünf: den von Mutina, Philippi, Perusia, Sizilien und Aktium, von denen der erste und der letzte gegen Marcus Antonius ging, der zweite gegen Brutus und Cassius, der dritte gegen Lucius Antonius, den Bruder des Triumvirn, und der vierte gegen Sextus Pompeius, den Sohn des Gnaeus.

10. Für Augustus war der Ausgangspunkt und Antrieb zu all diesen Kriegen folgender: er betrachtete es als seine erste Pflicht, den Tod seines Onkels zu rächen und dessen Werk zu erhalten; und so beschloß er gleich nach seiner Rückkehr von Apollonia, gegen Brutus und Cassius, solange sie noch nichts ahnten, mit Gewalt vorzugehen und dann, da sie sich inzwischen der Gefahr wohlweislich entzogen hatten, den gesetzlichen Weg zu beschreiten und sie in ihrer Abwesenheit des Mordes anzuklagen. Außerdem veranstaltete er die Spiele zu Ehren der Siege Caesars, und zwar persönlich, da diejenigen, denen diese Aufgabe eigentlich zugefallen war, nicht wagten, sie durchzuführen.

Um nun mit noch größerem Nachdruck auch seine weiteren Pläne verwirklichen zu können, bewarb er sich um die Stelle eines Volkstribunen, die zufällig durch Todesfall frei wurde, obschon er Patrizier und noch nicht Senator war. Aber seinem Vorhaben stellte sich der Konsul Marcus Antonius entgegen, auf dessen Hilfe er ganz besonders gezählt hatte; dieser wollte ihm nämlich jeweils ohne die Bezahlung ungeheurer Summen nicht einmal die gewöhnlichen und überlieferten Rechte zugestehen. Daher ging Augustus zur Partei der Optimaten über, der, wie er gemerkt hatte, Antonius verhaßt war, besonders weil er Decimus Brutus in Mutina belagert hielt und versuchte, ihn aus der ihm von Caesar gegebenen und offiziell zugestandenen Provinz mit Waffengewalt zu vertreiben. Auf Zureden einiger Leute hin plante Augustus ein Attentat gegen Antonius, das aber entdeckt wurde; aus Angst vor den möglichen Folgen zog er dann unter größten finanziellen Opfern zu seinem und des Staates Schutz die Veteranen Caesars zusammen. Man bestimmte ihn zum Führer dieses Heeres im Range eines Proprätors und befahl ihm, zusammen mit Hirtius und Pansa, die ihr Konsulat angetreten hatten, Decimus Brutus Hilfe zu bringen.

Er beendete den ihm übertragenen Krieg innerhalb dreier Monate in zwei Schlachten. Antonius schreibt, daß Augustus in der ersten geflohen und ohne Feldherrnmantel und Pferd nach zwei Tagen endlich wieder aufgetaucht sei; in der zweiten erfüllte er, wie zuverlässig überliefert ist, seine Pflicht nicht nur als Feldherr, sondern auch als Soldat, indem er mitten in der Schlacht, als der Adlerträger seiner Legion schwer verwundet worden war, den Adler selbst auf die Schulter nahm und während längerer Zeit trug.

11. Da in diesem Krieg Hirtius während der Schlacht und wenig später auch Pansa an einer Verwundung starben, verbreitete sich das Gerücht, daß Augustus nicht unschuldig an ihrem Tod gewesen sei, um, wenn Antonius geschlagen und der Staat seiner Konsuln beraubt wäre, allein an die Spitze der siegreichen Heere treten zu können. Ja der Tod Pansas schien so verdächtig, daß dessen Arzt Glykon festgenommen wurde und man ihn beschuldigte, er habe Gift in die Wunde geträufelt. Aquilius Niger fügt noch hinzu, daß Hirtius, der andere Konsul, im Schlachtgetümmel von Augustus selbst getötet worden sei.

12. Als Augustus aber erfuhr, daß Antonius nach seiner Flucht bei Marcus Lepidus Zuflucht gefunden habe und die andern Feldherren und Heere sich der Gegenpartei anschlössen, verließ er ohne Zögern die Optimatenpartei, indem er zum Vorwand für seine Sinnesänderung böswillig die Worte und Taten einiger Leute verdrehte, von denen die einen ihn als "Knaben" bezeichnet hätten, die andern, er sei einer, dem man die Ehre antun müsse, um ihn dann "weiterzubefördern"; auch sei weder ihm noch seinen Veteranen der gebührende Dank zuteil geworden. Um seine Reue darüber, daß er Anhänger der Optimatenpartei gewesen war, deutlicher zu zeigen, bestrafte er die Einwohner von Nursia, weil sie für ihre bei Mutina gefallenen Mitbürger auf Staatskosten ein Grabmal mit der Inschrift "Sie starben für die Freiheit" errichtet hatten, mit einer großen Geldbuße und, als sie nicht bezahlen konnten, sogar mit Vertreibung aus der Stadt.

13. Nachdem er sich mit Antonius und Lepidus verbündet hatte, beendete er auch den Krieg von Philippi trotz einer Schwäche und Krankheit in einer Doppelschlacht. Im Verlauf der ersten Schlacht war sein Lager vom Feind genommen worden, und er vermochte nur mit knapper Not sich zum Flügel des Antonius zu retten. Weit davon entfernt, seinen Sieg mit Mäßigung auszunützen, sandte er das Haupt des Brutus nach Rom, damit es vor dem Standbild Caesars niedergelegt werde, und gerade gegen die vornehmsten Gefangenen wütete er, nicht ohne sie auch mit Worten schwer zu beleidigen. So soll er einem, der ihn kniefällig um ein ehrenvolles Begräbnis bat, geantwortet haben, er stelle das dem Willen der Vögel inheim. Zwei andern, Vater und Sohn, die um ihr Leben baten soll er befohlen haben, das Los zu ziehen oder es im Morraspiel untereinander auszumachen, wem das Leben geschenkt werde und er soll zugeschaut haben, wie der Sohn Selbstmord beging, weil der Vater sich dem Henker überliefert hatte. Deshalb schmähten ihn auch die übrigen Gefangenen, unter ihnen Marcus Favonius, der Nacheiferer Catos, als sie in Ketten vorgeführt wurden, in aller Öffentlichkeit mit den gröbsten Schimpfworten, während sie Antonius ehrerbietig als Feldherrn begrüßten.

Nach ihrem Sieg verteilten sie die Chargen: Antonius bekam den Orient, und Augustus übernahm die Aufgabe, die Veteranen nach Italien zurückzuführen und auf dem Gebiet der Provinzstädte anzusiedeln, wobei er sich weder den Dank der Veteranen noch der Landbesitzer erwarb, weil die einen sich beklagten, daß sie vertrieben würden, die andern, daß man sie nicht behandle, wie sie es ihren Verdiensten entsprechend erwarten durften.

14. Zu dieser Zeit nötigte er Lucius Antonius, der im Vertrauen auf seine Würde - er war geradezu der Zeit Konsul - und den Einfluß seines Bruders eine Revolution vorbereitete, nach Perusia zu fliehen, wo er ihn durch Aushungern zur Übergabe zwang, jedoch nicht ohne vor dem Krieg und während desselben in große Gefahren zu geraten. Als er nämlich während eines öffentlichen Schauspiels einen gemeinen Soldaten, der auf den vierzehn für die Ritter reservierten Bänken Platz genommen hatte, durch einen Polizeidiener wegweisen ließ, wurde sogleich von seinen Gegnern das Gerücht verbreitet, daß er den Mann habe foltern und dann umbringen lassen; und so fehlte nicht viel, und er wäre bei dem Auflauf der erbitterten Soldateska umgekommen. Sein Glück war, daß der Vermißte plötzlich heil und unversehrt erschien. Ein andermal, als er unter den Mauern von Perusia opferte, wäre er beinahe von einer Schar Gladiatoren, die einen Ausfall aus der Stadt gemacht hatte, gefangengenommen worden.

15. Nach der Einnahme von Perusia sprach er zahlreiche Todesurteile aus und antwortete denen, die Gnade zu erflehen oder sich zu entschuldigen suchten, mit dem einen Wort: "Man muß sterben." Gewisse Autoren berichten, er habe aus den Besiegten dreihundert ausgelesen, alle aus dem Ritter- und Senatorenstand, und sie an einem zu Ehren des unter die Götter aufgenommenen lulius [Caesar] errichteten Altar am fünfzehnten März wie Opfertiere niedermachen lassen. Es gab auch Leute, die behaupteten, er habe im Einverständnis mit Antonius die Waffen ergriffen, damit sich seine heimlichen Gegner und die, die sich mehr aus Furcht als aus Überzeugung ruhig verhalten hatten, bloßstellten. So wurde diesen die Gelegenheit gegeben, sich der Führung des Lucius Antonius anzuvertrauen, während es Augustus dann seinerseits möglich war, nach der Niederlage ihre Güter zu konfiszieren und damit die den Veteranen versprochenen Belohnungen zu bezahlen.

16. Der Sizilische Krieg war einer der ersten, die er unternommen hatte. Aber er zog sich wegen mehrmaliger Unterbrechungen in die Länge: das eine Mal, weil er die Flotten wieder neu bauen mußte, die zweimal mitten im Sommer durch Stürme Schiffbruch erlitten hatten, das andere Mal, weil er auf Verlangen des Volkes hatte Frieden schließen müssen; die Lebensmittelzufuhr war nämlich abgeschnitten worden, und die Hungersnot wurde allzu drückend. Als der Neubau der Flotte endlich beendet war und er zwanzigtausend Sklaven freigelassen hatte, um sie als Ruderer zu verwenden, schuf er den lulischen Hafen in der Nähe von Baiae, indem er den Lucriner- und Avernersee mit dem Meere verband. Dort übte er seine Flotte während des ganzen Winters und vermochte dann auch Pompeius zwischen Mylae und Naulochus zu schlagen.

Um die Stunde der Schlacht überfiel ihn plötzlich ein so tiefer Schlaf, daß er von seinen Freunden aufgeweckt werden mußte, um das Signal zum Angriff geben zu können. Auf diese Begebenheit, glaube ich, bezieht sich der Vorwurf des Antonius, der sagt, Augustus habe nicht einmal ruhigen Auges eine in Schlachtordnung aufgestellte Armee anzusehen vermocht, sondern sei auf dem Rücken, mit dem Blick gen Himmel, stumpfsinnig dagelegen und nicht eher aufgestanden und vor die Soldaten getreten, als bis die feindlichen Schiffe von Marcus Agrippa in die Flucht geschlagen waren. Andere rügen von seinen Worten und Taten folgende: als die Flotten durch Sturm verlorengingen, soll er ausgerufen haben, daß er auch gegen Neptuns Willen den Sieg davontragen werde; und bei den nächsten Zirkusspielen habe er bei der feierlichen Prozession das Bild dieses Gottes nicht mitführen lassen.

Vielleicht gab es keinen Krieg, in dem er zahlreichere und größere Gefahren zu bestehen hatte. Nach der Übersetzung seines Heeres nach Sizilien wollte er den Rest seiner Truppen in Italien holen, wurde aber unversehens von Demochares und Apollophanes, zwei Unterfeldherren des Pompeius, angefallen und vermochte gerade noch mit einem einzigen Schiff zu entfliehen. Ein anderes Mal, als er an Lokri vorbei zu Fuß nach Regium ging, sah er von weitem einige Zweidecker der pompeianischen Flotte, die an der Küste entlangsegelten, stieg im Glauben, es seien eigene, zum Ufer hinab und wäre um ein Haar in Gefangenschaft geraten. Als er damals auf unwegsamen Pfaden flüchtete, versuchte ein Sklave seines Begleiters Aemilius Paulus, ihn umzubringen; dieser glaubte nämlich den Zeitpunkt gekommen, für den von Augustus einst geächteten Vater des Paulus Rache zu nehmen, ein Ereignis, das den Sklaven sehr erbittert hatte.

Nach der Flucht des Pompeius entblößte er den einen seiner Kollegen, Marcus Lepidus, den er aus Afrika zu Hilfe gerufen hatte, seines Heeres, da dieser, im stolzen Vertrauen auf seine zwanzig Legionen, die Hauptrolle zu spielen und Augustus durch Drohungen einzuschüchtern versuchte. Augustus ließ ihm auf sein kniefälliges Bitten hin das Leben, verbannte ihn aber für immer nach Circeii.

17. Sein Bündnis mit Marcus Antonius, das immer zweifelhaft und unsicher gewesen und durch verschiedentliche Versöhnungen nur schwach zusammengehalten wurde, brach er endlich; und um deutlicher zu zeigen, daß Antonius sich dem Römertum immer mehr entfremdet habe, ließ er das Testament, das dieser in Rom niedergelegt hatte und worin sogar seine Kinder von Kleopatra als erbberechtigt aufgezählt waren, eröffnen und vor versammeltem Volk verlesen. Augustus erklärte ihn zum Staatsfeind, gestattete aber dennoch all seinen Freunden und Verwandten zu ihm zu gehen, unter andern auch Gaius Sosius und Gnaeus Domitius, die damals noch Konsuln waren. Ebenso erließ er es offiziell den Einwohnern von Bologna, auf seinen Namen zu schwören, wie es das ganze übrige Italien tun mußte, da sie seit alters Klienten der Familie des Antonius waren.

Wenig später siegte er in der Seeschlacht bei Aktium. Der Kampf zog sich so spät in die Nacht hinein, daß der Sieger auf dem Schiff übernachten mußte. Nachdem er sich von Aktium nach Samos in die Winterquartiere zurückgezogen hatte, wurde er durch die Nachricht aufgeschreckt, daß seine aus allen möglichen Einheiten zusammengewürfelten Truppen, die er nach dem Sieg nach Brindisi vorausgeschickt hatte, meuterten und Belohnung und Entlassung forderten. Sofort ging er nach Italien zurück, wobei er zweimal durch einen Sturm schwer mitgenommen wurde: das erstemal zwischen den Vorgebirgen der Peloponnes und Aetoliens, das zweitemal beim Keraunischen Gebirge. Beidemal versank ein Teil seiner Schnellsegler; sein eigenes Schiff erlitt großen Schaden an der Takelung, und das Steuerruder wurde zerbrochen.

In Brindisi blieb er nur siebenundzwanzig Tage, bis alles nach Wunsch der Soldaten geregelt war, und fuhr darauf über Asien und Syrien nach Ägypten. Nach kurzer Belagerung nahm er Alexandria ein, wohin sich Antonius mit Kleopatra geflüchtet hatte. Antonius machte einen letzten Versuch, Frieden zu erlangen, aber Augustus zwang ihn, Selbstmord zu begehen, und ließ sich seine Leiche zeigen. Kleopatra hätte er sehr gerne für seinen Triumphzug aufgespart, und er zog auch Psylli bei, die das Gift aus ihrer Wunde saugen sollten; denn man nahm an, daß sie sich durch den Biß einer Natter den Tod gegeben habe. Beiden gestand er die Ehre eines gemeinsamen Grabes zu und befahl, das Grabmal, das sie selbst zu bauen begonnen hatten, zu vollenden.

Den Sohn des Antonius, das ältere der beiden Kinder Fulvias, ließ er vom Standbild des unter die Götter aufgenommenen lulius [Caesar], zu dem er sich nach langem, vergeblichem Flehen geflüchtet hatte, wegreißen und töten. Ebenso ließ er Caesarion, den angeblichen Sohn Caesars und Kleopatras, den man auf der Flucht aufgegriffen hatte, hinrichten. Die Kinder des Antonius und der Kleopatra behandelte er hingegen wie eigene Verwandte; nicht nur schenkte er ihnen das Leben, sondern unterstützte und begünstigte sie später ihrem Rang entsprechend.

18. Um die gleiche Zeit sah er sich Sarg und Leiche Alexanders des Großen, die man aus der Gruft genommen hatte, mit eigenen Augen an, legte zum Zeichen seiner Verehrung einen goldenen Kranz und Blumen nieder, und auf die Frage, ob er auch die Gruft der Ptolemäer besichtigen wolle, antwortete er, er habe einen König sehen wollen, nicht Leichen.

Ägypten wandelte er in eine Provinz um, damit es ertragreicher und für die Getreideversorgung Roms ergiebiger gestaltet werden könne, und ließ zu diesem Zweck durch seine Soldaten alle Kanäle, in die sich der Nil bei seinen Überschwemmungen ergießt und die seit langer Zeit verschlammt waren, reinigen.

Damit sein Sieg bei Aktium auch im Gedächtnis der Nachwelt erhalten bleibe, gründete er in der Nähe die Stadt Nikopolis und veranlaßte die Einführung von Spielen, die dort alle vier Jahre abgehalten werden sollten; ferner vergrößerte er den alten Apollotempel, schmückte seinen ehemaligen Lagerplatz mit Schiffstrophäen und weihte ihn Neptun und Mars.

19. Verschiedene Erhebungen und Verschwörungen vermochte er, da sie ihm durch Anzeige hinterbracht wurden, jeweils zu unterdrücken, bevor sie einen gewissen Umfang angenommen hatten. Es waren folgende: diejenige des jungen Lepidus, darauf die des Varro Murena und des Fannius Caepio, dann die des Marcus Egnatius, eine weitere angezettelt von Plautius Rufus und Lucius Paulus, dem Gemahl seiner Enkelin, außerdem eine begonnen von Lucius Audasius, der wegen Urkundenfälsehung angeklagt war, schon ein alter und schwacher Mann, desgleichen die des Asinius Epicadus, eines Mischlings illyrischer Herkunft, und zuletzt die des Sklaven Telephus, der bei einer vornehmen Dame das Amt eines Nomenklators versah - denn auch von Verschwörungen und Anschlägen, die von Leuten niedrigsten Standes ausgingen, blieb er nicht verschont. Audasius und Epicadus hatten sich vorgenommen, seine Tochter Iulia und seinen Enkel Agrippa von den Inseln, auf denen sie als Verbannte leben mußten, zu den Heeren zu entführen; Telephus plante, im Glauben, er sei vom Schicksal für die Alleinherrschaft bestimmt, einen Anschlag gegen Augustus und den Senat. Ja man griff sogar eines Nachts einen mit einem Jagdmesser bewaffneten Marketender des illyrischen Heeres, der sich zwischen den Türhütern hatte durchschleichen können, neben Augustus' Schlafzimmer auf, und nie wurde mit Sicherheit festgestellt, ob er verrückt war oder sich nur so stellte, denn auch die Folter vermochte ihm kein Geständnis zu entreißen.

20. Auswärtige Kriege führte Augustus im ganzen nur zwei selbst: den in Dalmatien in seiner Jugend und nach seinem Sieg über Antonius den gegen die Kantabrer. Im Dalmatischen Krieg wurde er auch verwundet: in der einen Schlacht am rechten Knie durch einen Steinwurf, in der andern am Schenkel und an beiden Armen beim Einsturz einer Brücke. Die übrigen Kriege ließ er durch Unterfeldherren führen, wenn er auch bei gewissen Feldzügen in Pannonien und Germanien selbst dabei war oder doch nicht weit davon entfernt sich aufhielt, indem er sich von Rom aus bis Ravenna, Mailand oder Aquileia begab.

21. Teils unter seinem Befehl, teils unter dem seiner Unterfeldherren wurden Kantabrien, Aquitanien, Pannonien, Dalmatien mit ganz Illyricum, Rätien und die Vindelici und Salassi, zwei Alpenvölker, unterworfen. Er wehrte die Einfälle der Daker ab und schlug riesige Truppenmassen derselben, wobei auch drei ihrer Führer fielen. Die Germanen drängte er bis über die Elbe zuruck; von ihnen verpflanzte er die Suebi und Sigambri, die sich ergeben hatten, nach Gallien und siedelte sie in der Nähe des Rheins an. Ebenso zwang er andere unruhige Völker zum Gehorsam.

Aber mit keinem Volk begann er ohne gerechte und notwendige Gründe Krieg und hielt sich vom Ehrgeiz, auf jede Art und Weise sein Reich und seinen Kriegsruhm zu mehren, frei; wie er auch gewisse barbarische Stammesfürsten im Tempel des Mars Ultor nur schwören ließ, Frieden und Freundschaft, um die sie baten, zu achten; bei einigen Völkern aber machte er den Versuch, eine neue Art Geiseln zu verlangen, nämlich Frauen, da er die Erfahrung gemacht hatte, daß ihnen die männlichen Geiseln weniger wichtig waren. Und trotz allem gab Augustus sämtlichen immer die Möglichkeit, sooft sie es wollten, Geiseln wieder auszulösen, und Stämme, die sich öfter oder aufhesonders hinterlistige Art erhoben, bestrafte er nie anders, als indem er die Gefangenen unter der Bedingung verkaufte, daß sie weder in der Nähe ihrer Heimat dienen noch vor Ablauf von dreißig Jahren freigelassen werden durften.

Der Ruf von Augustus' Tapferkeit und seiner Mäßigung drang sogar bis zu den Indern und Skythen, die man bisher nur dem Hörensagen nach kannte, und veranlaßte diese Völker, durch eine Gesandtschaft von sich aus um seine und des römischen Volkes Freundschaft nachzusuchen. Auch die Parther gestanden ihm ohne Schwierigkeiten auf sein Verlangen hin Armenien zu, gaben ihm die Feldzeichen, die unter Mareus Crassus und Marcus Antonius verlorengegangen waren, wieder zurück und boten obendrein noch Geiseln an; schließlich anerkannten sie, als sich einmal mehrere Prätendenten um den Thron stritten, nur den von Augustus Auserwählten als ihren König.

22. Den Tempel des lanus Quirinus, der seit der Gründung der Stadt bis auf Augustus mit Ausnahme von zwei Malen immer geöffnet gewesen war, schloß er während einer viel kürzeren Zeitspanne dreimal, da zu Wasser und zu Land der Friede hergestellt war. Zweimal zog er im kleinen Triumph in die Stadt ein: nach Philippi und dem Sizilischen Krieg; dreimal feierte er den regelrechten Triumph: für Dalmatien, Aktium und Alexandria, jeden drei Tage lang.

23. Schwere, schimpfliche Niederlagen erlitt er nur zwei, und zwar beide in Germanien: die des Lollius und die des Varus; von diesen war die erstere eher schmachvoll als verlustreich, die letztere aber brachte das Reich fast an den Rand des Abgrunds, da drei Legionen mitsamt ihrem Feldherrn, den Offizieren und Hilfstruppen gänzlich vernichtet wurden. Auf die Nachricht von dieser Niederlage hin ließ er Rom durch Wachen besetzen, damit kein Aufruhr entstehe; auch verlängerte er das Kommando der Provinzstatthalter, damit die Bundesgenossen durch erfahrene und ihnen bekannte Leute in Zaum gehalten würden. Er versprach auch feierlich große Spiele zu Ehren von luppiter Optimus Maximus, wenn die Staatsangelegenheiten eine Wendung zum Besseren genommen hätten, wie das schon im Krieg gegen die Cimbern und gegen die Marser gemacht worden war. Er soll so niedergeschlagen gewesen sein, daß er sich einige Monate lang Bart- und Haupthaar habe wachsen lassen und bisweilen den Kopf gegen die Türe gerannt und gerufen habe: "Quinctilius Varus, gib mit meine Legionen wieder!"; und jedes Jahr soll er den Tag dieser Niederlage in Trauer und Niedergeschlagenheit begangen haben.

24. Im Heerwesen führte er viele Änderungen und Neuerungen ein, stellte aber auch in verschiedenen Dingen die alten Verhältnisse wieder her. Die Disziplin handhabte er sehr streng. Sogar Legionskommandanten gestattete er es nur ungern und nur während der Wintermonate, ihre Frauen zu besuchen. - Einen römischen Ritter, der seinen beiden Söhnen, um sie dem Heeresdienst zu entziehen, die Daumen verstümmelt hatte, ließ er in die Sklaverei verkaufen und brachte seine Habe zur Versteigerung. Als er aber sah, daß die Steuerpächter sich anschickten, den Mann zu kaufen, sprach er ihn einem seiner Freigelassenen zu mit dem Befehl, ihn aufs Land zu schicken und dort wie einen freien Mann zu halten. Die ganze zehnte Legion, die nur unter Murren seinen Befehlen nachkam, entließ er mit Schimpf und Schande; ebenso verabschiedete er andere, die in ungebührlicher Form ihre Entlassung forderten, ohne die üblichen Belohnungen für ihre Dienste. Kohorten, die vor dem Feind gewichen waren, ließ er dezimieren und ihnen Gerste für ihr Brot liefern. - Centurionen, die ihren Posten verließen, bestrafte er mit dem Tode, genau wie gemeine Soldaten; für andere Vergehen bedachte er sie mit den verschiedensten ehrenrührigen Strafen, wie zum Beispiel den ganzen Tag vor dem Feldherrnzelt zu stehen, zuweilen nur mit dem Hemd bekleidet und ohne Gürtel, manchmal mit einer zehn Fuß langen Stange oder auch einem Rasenstück in der Hand.

25. Niemals nannte er bei Ansprachen oder in Erlassen seine Truppen "Kameraden", sondern einfach "Soldaten"; und er duldete es auch nicht, daß sie von seinen Söhnen oder Stiefsöhnen, wenn sie ein Kommando innehatten, anders genannt wurden, da er die Bezeichnung "Kameraden" für zu schmeichelhaft hielt und unvereinbar mit den Forderungen der Disziplin, den ruhigen Zeitläufen und seiner und seines Hauses Würde.

Abgesehen von dem Fall, daß Feuersbrünste in Rom oder Unruhen wegen der Lebensmittelversorgung es nötig machten, ließ er nur zweimal Freigelassene zum Heeresdienst zu: einmal zum Schutz der an Illyricum angrenzenden Provinzen, das zweite Mal zur Sicherung des Rheinufers; und zwar wurden diese auf seinen Befehl von reichen Männern und Frauen gestellt und ohne Aufschub freigelassen; sie mußten dann in vorderster Linie kämpfen, wurden aber nicht in die gleichen Abteilungen wie die Freigeborenen eingereiht und auch nicht auf gleiche Art bewaffnet.

Was die militärischen Auszeichnungen anbetrifft, so verlieh er eher Brustschmuck und Ketten aus Gold und Silber als Wall- und Mauerkronen, deren Besitz ungleich ehrenvoller war; diese verteilte er aufs sparsamste, ohne Rücksicht auf Popularität, auch an gemeine Soldaten. Marcus Agrippa beschenkte er in Sizilien nach seinem Seesieg mit einer blauen Standarte. Seiner Ansicht nach sollten Feldherren, die schon einen Triumph gefeiert hatten, keine Geschenke mehr erhalten, wenn sie auch an seinen Feldzügen teilnahmen und an seinen Siegen mitbeteiligt waren, weil sie selbst auch einmal das Recht besessen hätten, solche nach Belieben zu verleihen.

Augustus war der Auffassung, daß sich nichts für einen vollkommenen Feldherrn weniger schicke als Überstürzung und Unbesonnenheit. Und so wiederholte er auch häufig die griechischen Sprüche:

"Eile mit Weile"

und:

"Vorsicht ist für einen Feldherrn besser als Verwegenheit",

ferner den lateinischen Merksatz, daß schnell genug getan werde, was recht getan werde. Auch erklärte er, daß die Verantwortung für ein Gefecht oder einen Krieg nur dann zu übernehmen sei, wenn der zu erwartende Erfolg größer scheine als die zu befürchtenden Verluste; denn diejenigen, die nicht einen kleinen Gewinn mit einem kleinen Einsatz zu erstreben suchen, pflegte er mit Fischern zu vergleichen, die mit einem goldenen Angelhaken angeln - wenn dieser abreißt, so kann der Verlust durch keinen Fang wettgemacht werden.

26. Ämter und Ehren nahm er teils vor dem gesetzlichen Alter an, teils wurden ihm auch solche ganz neuer Art auf Lebenszeit verliehen. Das Konsulat riß er in seinem zwanzigsten Lebensjahr an sich, indem er seine Legionen in feindlicher Absicht vor der Hauptstadt aufmarschieren ließ und Soldaten schickte, die im Namen des Heeres dieses Amt für ihn fordern sollten; als der Senat noch zögerte, warf der Centurio Cornelius, der Führer der Gesandtschaft, den Mantel zurück, zeigte auf den Knauf seines Schwertes und scheute sich nicht zu sagen: "Das da wird's machen, wenn ihr's nicht macht!"

Sein zweites Konsulat bekleidete er neun Jahre später, das dritte nur nach einem Jahr Unterbrechung und die folgenden bis zum elften alle hintereinander. Nachdem er viele abgeschlagen hatte, die ihm angetragen wurden, bewarb er sich nach der langen Zwischenzeit von siebzehn Jahren um sein zwölftes Konsulat und zwei Jahre später zum dreizehntenmal, um als oberster Beamter seine Söhne Gaius und Lucius bei ihrer Volljährigkeit auf das Forum führen zu können. Die fünf mittleren Konsulate, das heißt das sechste bis zehnte, übte er das ganze Jahr aus, die übrigen entweder neun, sechs, vier oder drei Monate, das zweite sogar nur wenige Stunden; nachdem er nämlich am Morgen des ersten Januar vor dem Tempel des luppiter Capitolinus auf seinem Amtssessel kurze Zeit Platz genommen hatte, legte er nach Ernennung eines Stellvertreters seine Würde ab. Auch trat er nicht alle Konsulate in Rom an, sondern das vierte in Asien, das fünfte auf der Insel Samos, das achte und neunte in Tarragona.

27. Während zehn Jahren war er Mitglied des Triumvirats zur Neugestaltung des Staates; in dieser Stellung bekämpfte er zwar eine Zeitlang seine Kollegen, die Proskriptionen durchführen wollten, zeigte sich dann aber, nachdem diese einmal begonnen waren, in der Ausübung noch schärfer als die beiden andern. Denn während diese in zahlreichen Fällen sich durch Bitten erweichen ließen, blieb er allein stets hart und vertrat die Auffassung, daß keiner geschont werden dürfe; so ächtete er auch Gaius Toranius, seinen früheren Vormund, der als Ädil Kollege seines Vaters Octavius gewesen war. lulius Saturninus überliefert ferner noch, daß, als nach Beendigung der Proskriptionen Marcus Lepidus im Senat die vergangenen Geschehnisse entschuldigte und für die Zukunft Hoffnung auf Milde zu erwecken suchte, da jetzt genug Strafen verhängt worden seien, Augustus im Gegensatz dazu erklärte, er habe die Proskriptionen nur eingeschränkt, um sich für die nächste Zeit in jeder Beziehung freie Hand zu wahren. Aus Reue über seinen Starrsinn erhob er allerdings später Titus Vinius Philopoemen dafür, daß er seinen proskribierten Patron einst bei sich verborgen haben soll, in den Ritterstand.

Gerade in seiner Stellung als Triumvir zog Augustus sich den Haß vieler Kreise zu. Während einer Ansprache an seine Soldaten, bei der auch viele Zivilisten zugegen waren, ließ er nämlich den römischen Ritter Pinarius vor aller Augen als Spitzel und Spion niederstechen, da er bemerkt hatte, daß dieser sich heimlich Notizen machte. -Dem zum Konsul bestimmten Tedius Afer, der eine von Augustus' Maßnahmen mit bissigen Bemerkungen bedacht hatte, drohte er so heftig, daß dieser sich selbst zu Tode stürzte. - Den Prätor Quintus Gallius, der bei einer offiziellen Begrüßung eine zusammengefaltete Schreibtafel unter seinem Gewand verdeckt hielt, verdächtigte er, ein Schwert zu verbergen, wagte aber aus Angst, es könnte doch etwas anderes gefunden werden, nicht, ihn sogleich zur Rede zu stellen, sondern ließ ihn wenig später durch seine Centurionen und Soldaten vom Richterstuhl zerren, wie einen Sklaven foltern und, als er nichts gestand, endlich töten. Vorher hatte er ihm noch mit eigener Hand die Augen ausgestochen. Augustus selbst stellt allerdings diese Angelegenheit folgendermaßen dar: er habe ihm auf sein Ansuchen hin eine Unterredung gewährt, sei dabei tätlich angegriffen worden und habe ihn darauf in Haft setzen lassen; Gallius sei dann unter der Bedingung, die Hauptstadt nicht mehr zu betreten, freigelassen worden und wohl später in einem Schiffbruch oder durch Räuber umgekommen.

Die tribunizische Gewalt übernahm Augustus auf Lebenszeit, wobei er sich zweimal, immer für je fünf Jahre, einen Amtskollegen zugesellte. Ebenfalls auf Lebenszeit wurde ihm auch die Aufsicht über Sitten und Gesetze anvertraut. In dieser Stellung führte er, obschon er nie Censor gewesen war, dreimal eine Volkszählung durch, das erste- und drittemal mit einem Kollegen, das zweitemal allein.

28. Zweimal trug Augustus sich mit dem Gedanken, seine Macht niederzulegen: das erstemal gleich nach der Niederlage des Antonius, in Erinnerung an dessen häufigen Vorwurf, er sei das einzige Hindernis für die Wiederherstellung der alten Staatsform; das zweitemal aus Verzweiflung über eine lange Krankheit, als er sogar alle Beamten und den Senat in sein Haus gerufen hatte und ihnen die Abrechnung über den Staatshaushalt übergab. Aber aus der Überlegung heraus, daß er als Privatmann immer gefährdet sein werde und es unklug sei, die Regierung wieder einer Vielzahl von Personen anzuvertrauen, behielt er die Macht in seinen Händen, wobei es zweifelhaft bleibt, ob der Erfolg oder die Absicht besser waren. Seine gute Absicht äußerte er zu wiederholten Malen und bezeugte sie auch in einem Edikt mit folgenden Worten:

"Möge es mir vergönnt sein, den Staat auf eine gesunde und sichere Basis zu stellen und den Lohn dafür zu empfangen, den ich mir wünsche: als der Urheber der besten Verfassung zu gelten und die Hoffnung mit mir ins Grab nehmen zu können, daß die Grundlagen des Staates, die ich legte, unerschütterlich bleiben werden."

Und er selbst war es auch, der am meisten zur Erfüllung dieses Wunsches beitrug, indem er sich auf jede Art und Weise bemühte, daß niemand sich über die neuen Verhältnisse zu beklagen hätte.

Rom, das weder der Größe und Würde des Reiches entsprechend ausgebaut war und oft durch Überschwemmungen und Brände heimgesucht wurde, verschönerte Augustus in solchem Maße, daß er sich mit Recht rühmen durfte, an Stelle der Stadt aus Backsteinen, die er übernommen hatte, eine aus Marmor zu hinterlassen. Für die Sicherheit Roms sorgte er, soweit es menschlicher Voraussicht nach möglich war, bis in die ferne Zukunft.

29. Er errichtete zahlreiche öffentliche Bauten, von denen folgende wohl die bedeutendsten sind: ein neues Forum mit dem Tempel des Mars Ultor, der Apollotempel auf dem Palatin und der Tempel des luppiter Tonans auf dem Kapitol. Das neue Forum erbaute er, weil für die große Einwohnerzahl und die Menge der Prozesse die beiden alten nicht mehr genügten und ein drittes notwendig zu werden schien; deshalb wurde es in großer Eile, bevot noch der Marstempel vollendet war, der Öffentlichkeit übergeben, und zwar mit der Bestimmung, daß auf ihm im besonderen die Strafprozesse und die Auslosungen der Richter stattfinden sollten. Den Marstempel hatte er im Krieg von Philippi gelobt, den er, um seinen Vater zu rächen, begonnen hatte; deshalb setzte er auch fest, daß der Senat dort über Kriege und Triumphe berate, daß von hier aus im feierlichen Geleit die Provinzstatthalter zum Antritt ihres Kommandos auszögen und daß dorthin die siegreichen Feldherren die Auszeichnungen für ihre Triumphe bringen sollten. Den Apollotempel ließ er in dem Teil seines Hauses auf dem Palatin errichten, den nach Aussagen der Eingeweideschauer der Gott selbst durch einen Blitzschlag gewünscht und bezeichnet habe; daran anstoßend baute er Säulenhallen mit einer lateinischen und griechischen Bibliothek, wo er in seinem Alter oft auch Senatssitzungen abhielt und die verschiedenen Richtergruppen auswählte. luppiter Tonans weihte er einen Tempel zum Dank für Rettung aus Todesgefahr; auf dem Feldzug in Kantabrien hatte nämlich auf einem nächtlichen Marsch der Blitz dicht vor seiner Sänfte eingeschlagen und einen ihm voranleuchtenden Sklaven getötet.

Einige Bauwerke ließ er auch im Namen anderer ausführen, zum Beispiel seiner Enkel, seiner Frau und seiner Schwester, wie die Säulenhalle und die Basilika des Gaius und Lucius, ebenso die Säulenhallen der Livia und Octavia und das Theater des Marcellus. Aber er forderte auch Männer von Rang auf, jeder solle nach seinen Mitteln die Stadt durch neue Monumente verschönern oder alte ausbessern oder wiederaufbauen lassen. Viele folgten damals dieser Aufforderung, und es entstanden viele Bauten: so ließen zum Beispiel Marcius Philippus den Tempel des Herkules mit den Musen, Lucius Cornificius den Dianatempel, Asinius Pollio die Halle des Tempels der Freiheitsgöttin, Munatius Plancus den Saturntempel, Cornelius Balbus ein Theater, Statilius Taurus ein Amphitheater und Marcus Agrippa sogar mehrere prächtige Gebäude errichten.


LV Gizewski SS 2002.

Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)