Zur Notwendigkeit, den Römern die griechische Philosophie zu vermitteln: Cicero, De finibus bonorum er malorum 1, 1 - 12.

Lat. Text und deutsche Übersetzung mit kleinen Modifikationen des Hg. nach: Cicero, De finibus bonorum et malorum. Über das höchste Gut und das größte Übel. Lateinisch - deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Harald Merklin, Stuttgart 1989, S. 54 - 65.


Deutsche Übersetzung:

(1) Ich wußte es wohl, Brutus, als ich das, was Philosophen von überragender Begabung und ausgezeichneter Gelehrsamkeit auf griechisch behandelt hatten, ins Lateinische zu übertragen suchte, daß diese meine Arbeit mannigfaltiger Kritik begegnen würde. Gewissen Leuten, und zwar nicht einmal besonders ungebildeten, mißfällt ja diese ganze Beschäftigung mit der Philosophie. Doch manche tadeln sie nicht gar so sehr, wenn man dabei das rechte Maß hält, sondern meinen lediglich, man dürfe nicht solchen Eifer und soviel Mühe darauf verwenden. Es wird auch Leute geben - und zwar solche, die in griechischer Literatur bewandert sind und die lateinische verachten -, die erklären, daß sie ihre Mühe lieber auf die Lektüre griechischer Autoren verwenden. Schließlich werden sich vermutlich Leute finden, die mich zu einer anderen Form literarischer Betätigung auffordern und behaupten, daß diese Art Schrifistellerei, auch wenn sie elegant sei, einer Persönlichkeit von meinem Rang doch nicht entspreche.

(2) Ihnen allen bin ich wohl eine kurze Entgegnung schuldig. Den Gegnern der Philosophie ist freilich eine hinreichende Antwort in dem Buch gegeben worden, in dem ich die Philosophie verteidigte und pries, während Hortensius sie anklagte und verwarf. Da dieses Buch bei dir und denen, die ich für urteilsfähig halten durfte, Anerkennung fand, nahm ich mir weitere Aufgaben vor; denn ich befürchtete, daß der Eindruck entstehen könnte, ich verstünde nur, das Interesse der Leute zu erwecken, doch nicht, es lebendig zu erhalten. Wer aber bei allem Einverständnis mit dieser Beschäftigung doch wünscht, daß man das rechte Maß hält, der verlangt eine sehr prohlematische Zurückhaltung hei einer Sache, die man nicht in Schranken halten und unterdrücken kann, wenn man sich einmal auf sie eingelassen hat. So finde ich beinahe die gerechter, die von der Philosophie grundsätzlich nichts wissen wollen, als diejenigen, die dem Unendlichen ein Maß zu setzen suchen und bei einer Sache, die, je größer, desto besser ist, auf Mittelmäßigkeit bestehen.

(3) Denn wenn es möglich ist, zum Ziel des Wissens zu gelangen, dann gilt es, dieses Wissen nicht nur zu erwerben, sondern auch zu nutzen; ist das Ziel aber schwierig zu erreichen, dann gibt es doch kein anderes Maß für das Aufspüren der Wahrheit als ihre Entdeckung, und bei der Suche zu ermüden wäre schimpflich, da das, was man sucht, so herrlich ist. Wenn es mir ferner Freude macht zu schreiben, wer ist dann so mißgünstig, mich daran zu hindern? Kostet es mich aber Mühe, wer hätte da dem fremden Fleiß ein Maß zu setzen? Denn wie der Chremes des Terenz menschliche Anteilnahme zeigt, wenn er den neuen Nachbarn nicht graben oder pflügen oder schließlich irgend etwas schleppen lassen will - er hält ihn nämlich nicht vom Fleiß ab, sondern von entwürdigender Mühe -, so zeigen sich [umgekehrt] diejenigen aufdringlich, die an meiner Arbeit Anstoß nehmen, obwohl sie für mich nicht unerfreulich ist.

(4) Da ist es schwieriger, es denen recht zu machen, die erklären, daß sie die lateinische Literatur verachten. Bei ihnen muß ich mich zunächst verwundert fragen, weshalb sie bei so ernsten Themen keinen Gefallen an ihrer Muttersprache finden, während sie nicht ungern Stücke auf lateinisch lesen, die ihren griechischen Vorlagen wörtlich nachgebildet sind. Wer wäre denn ein solcher Feind fast schon des Römertums, daß er die 'Medea' des Ennius oder die 'Antiopa' des Pacuvius verachtet und verschmäht, weil er angeblich dieselben Stücke von Euripides genießt und in lateinischer Literatur ablehnt? Soll ich etwa, sagt er, die 'Synepheben' des Caecilius oder die 'Andria' des Terenz anstelle der beiden Stücke des Menander lesen?

(5) Von der Auffassung dieser Leute unterscheidet sich die meine so, daß ich der Überzeugung bin: wenn Sophokles mit der 'Elektra auch ein Meisterwerk geschrieben hat, die schlechte Übersetzung des Atilius muß man trotzdem lesen. Licinus nennt ihn einen eisernen Scbriftsteller, aber doch wohl einen Schriftsteller, so daß man ihn zu lesen hat. Denn sich bei unseren Dichtern überhaupt nicht auszukennen, das zeugt entweder von phlegmatischer Saumseligkeit oder von schnöder Überheblichkeit. Was mich betrifft, so scheint mir jedenfalls niemand genug gebildet, der unsere Literatur nicht kennt. Oder lesen wir etwa das 'Ach wäre doch im Walde' nicht genauso gern wie den entsprechenden griechischen Text, sind aber nicht dafür, daß die Gedanken Platons über eine gute und glückliche Lebensweise auf lateinisch entwickelt werden?

(6) Wie? Wenn wir nicht die Rolle bloßer Übersetzer spielen, sondern uns die Äußerungen von Autoren, die wir anerkennen, zu eigen machen und durch unsere Bewertung und Gliederung ergänzen, was haben dann die Leute noch für einen Grund, griechische Texte solchen Texten vorzuziehen, die glänzend formuliert sind und nicht bloße Übersetzungen aus dem Griechischen darstellen? Denn wenn sie sagen, die betreffenden Probleme seien von den Griechen behandelt worden, so gibt es selbst bei griechischen Autoren keinen Grund, so viele zu lesen, wie man eigentlich zu lesen hätte. Was hat denn ein Chrysipp im Rahmen der Stoa nicht behandelt? Und trotzdem lesen wir Diogenes, Antipater, Mnesarch, Panaitios und viele andere, vor allem unseren Freund Poseidonios. Wie steht es denn mit Theophrast? Erfreut er uns nur mäßig, wenn er Gebiete behandelt, die vor ihm Aristoteles bereits behandelt hat? Und wie mit den Epikureern? Verzichten sie etwa darauf, ganz nach Belieben Schriften zu denselben Fragen abzufassen, über die sich schon Epikur und die Vertreter der alten Zeit verbreitet haben? Wenn aber Griechen griechische Autoren über dieselben Fragen lesen, falls sie jeweils auf andere Art dargestellt sind, was gibt es dann für einen Grund, daß unsere Autoren nicht von unseren Landsleuten gelesen werden sollten?

(7) Wenn ich nun freilich Platon oder Aristoteles einfach so übersetzen würde, wie unsere Dichter die entsprechenden Theaterstücke übersetzten, dann würde ich, so könnte man gerade glauben, meinen Mitbürgern einen schlechten Dienst erweisen, falls ich ihnen jene genialen Geister zur Kenntnis brächte. Doch habe ich das einerseits bis heute nicht getan, bin aber andererseits trotzdem nicht der Meinung, daß es mir verboten ist. Ich werde jedenfalls bestimmte Stellen, wenn es mir gut scheint, übertragen, und zwar besonders von den Autoren, die ich gerade nannte, falls sich eine geeignete Gelegenheit dazu ergibt, wie es gewöhnlich Ennius mit Homer oder Afranius mit Menander hielt. Ich werde aber nicht wie unser Lucilius dagegen protestieren, daß mich alle lesen. So wäre doch nur jener Persius noch am Leben, erst recht Scipio und noch viel mehr Rutilius! Weil er ihr Urteil scheute, erklärte er, er schreibe für die Tarentiner, Consentiner und Sizilier. Das war, wie anderes, ein Witz von ihm; doch waren einerseits die Menschen damals noch nicht so gebildet, daß er sich im Hinblick auf ihr Urteil große Mühe hätte geben müssen, und andererseits sind seine Schriften recht anspruchslos, so daß in ihnen Witz in hohem, Gelehrsamkeit nur in geringem Maße zum Vorschein kommt. (8) Wen soll dagegen ich als Leser fürchten, wenn ich es wage, meine Schrift an dich zu richten, der in der Philosophie sogar den Griechen nicht nachsteht? Doch tue ich das allerdings, nachdem du selbst mich mit dem hochwillkommenen Buch 'Über die Tugend', das du mir gewidmet hast, dazu anregtest. Bei manchen Leuten aber kommt es wohl deshalb dazu, daß sie lateinische Literatur verschmähen, weil sie an etwas Ungehobeltes, Abstoßendes geraten sind, das nach wehrlosen griechischen Vorlagen im Lateinischen noch schlechter geschrieben ist. Mit solchen Leuten bin ich einverstanden, Wenn sie nur der Auffassung sind, daß man in diesem Fall nicht einmal Griechen, die denselben Stoff behandeln, lesen sollte. Wertvolles aber, das mit gewählten Worten eindrucksvoll und glänzend formuliert ist, wer sollte das nicht lesen? Da müßte einer schon als ganzer Grieche gelten wollen wie Albucius, den Scaevola als Prätor in Athen begrüßte. (9) Gerade diese Episode hat derselbe Lucilius mit viel Geschmack und allem Witz gestaltet; herrlich sagt Scaevola bei ihm:

"Lieber ein Grieche willst du als ein Römer oder Sabiner,
lieber Arkadier heißen oder ein Grieche aus Pontos?
Du, Albucius, du, ein römischer Zenturione,
Träger ihres Ruhms und des Heereszeichens in einem?
Griechisch, wie du es willst, grüß' ich daher in Athen dich.
Kommst du zu mir [als Prätor] vor Gericht, so sag' ich nun: 'Chaire, o Titus'.
Und so grüßen dich auch die Liktoren, die Truppe: 'Chaire, o Titus!'
Todfeind wurde Albucius mir, seit ich dieses ihm sagte."

(10) Doch Mucius hatte recht. Ich aber kann mich nicht genug verwundern, woher nur diese so überhebliche Verachtung des Einheimischen stammt. Belehrung ist hier zwar gar nicht am Platz, ich bin jedoch der Uberzeugung und habe sie oft dargelegt: Latein ist nicht nur keine an Ausdrucksmitteln arme Sprache, wie man gemeinhin glauben könnte, es ist daran vielmehr noch reicher als das Griechisehe Wann fehlte es denn uns oder, ich möchte sagen, den guten Rednern oder Dichtern, jedenfalls nachdem ein Vorbild zur Nachahmung existierte, an irgendeinem Schmuck wortreicher oder eleganter Ausdrucksweise? Was aber mich betrifft, so glaube ich, daß ich durch meine Tätigkeit, durch meine Mühen und Gefahren vor Gericht den Posten nicht verlassen habe, auf den das römische Volk mich gestellt hat. Ich muß deshalb gewiß, soweit ich es vermag, auch darauf hinarbeiten, daß meine Mitbürger durch meine eifrige und angestrengte Arbeit gebildetere Menschen werden, und habe mich nicht gar so sehr mit denen herumzuschlagen, die es vorziehen, griechische Literatur zu lesen, wenn sie die nur wirklich lesen und sich nicht lediglich den Anschein geben; auch muß ich denen einen Dienst erweisen, die entweder Literatur in beiden Sprachen haben wollen oder, wenn sie eine eigene besitzen, die fremde nicht sonderlich vermissen. (11) Die Leute aber, die lieber etwas anderes von mir behandelt sehen wollen, sollten doch gerecht sein; denn ich habe schon soviel geschrieben, daß mich keiner von meinen Mitbürgern übertrifft, und wenn mein Leben ausreicht, werde ich wohl noch mehr schreiben. Wer sich jedoch daran gewöhnt hat, meine Schriften über die Philosophie genau zu lesen, wird zu dem Urteil kommen, daß es keine bessere Lektüre gibt als sie. Was wäre denn im Leben so erforschenswert wie alle philosophischen Probleme und besonders das, worum es in diesen Büchern geht: Was ist das äußerste, das letzte Ziel, an dem sich sämtliche Grundsätze des guten Lebens und des rechten Handelns zu orientieren haben? Welchem Prinzip folgt die Natur als höchstem Gut, und welches meidet sie als höchstes Übel? Wer hielte es da bei der völligen Uneinigkeit der führenden Gelehrten über diese Frage für unvereinbar mit dem Rang, den mir ein jeder zuerkennt, zu untersuchen, was in jeder Lebenslage am besten und am wahrsten ist? (12) Oder soll etwa unter führenden Persönlichkeiten des Staates, P. Scaevola und M'. Manilius, von deren Meinung sich die des Brutus wieder unterscheiden wird, schon ein Thema wie die Frage erörtert werden, ob das Kind einer Sklavin dem Nießbrauch zuzurechnen sei - dzweifellos ein anspruchsvolles Thema und für die praktischen Bedürfnisse der Bürger nicht ohne Nutzen; ich lese diese Schriften und andere derselben Art auch gern und werde es auch künftig tun -, soll also so etwas erörtert werden, dagegen gar nicht von solchen Fragen, die das ganze Leben in sich schließen, die Rede sein? Da mag das erstere auch eher Absatz finden, ergiebiger ist ganz gewiß das letztere. Darüber mögen sich die Leser selbst ein Urteil bilden; ich aber glaube, daß in dieser Schrift von mir im wesentlichen das gesamte Problem des höchsten Gutes und des größten Übels behandelt worden ist. Soweit ich es vermochte, habe ich dabei nicht nur die eigene Auffassung, sondern auch die jeweiligen Lehrmeinungen aller Philosophenschulen dargestellt.

(13) Um aber vom Einfachsten auszugehen, soll zuerst die Lehre Epikurs zur Sprache kommen, die die meisten sehr gut kennen. Ich stelle sie, wie man erkennen wird, so dar, daß die Vertreter dieser Richtung selbst sie für gewöhnlich nicht gründlicher erklären. Wir wollen ja die Wahrheit finden und nicht gleichsam einen Gegner überführen. ...


Lateinischer Text:

(1) Non eram nescius, Brute, cum, quae summis ingeniis exquisitaque doctrina philosophi Graeco sermone tractavissent, ea Latinis litteris mandaremus, fore ut hic noster labor in varias reprehensiones incurreret. nam quibusdam, et íis quidem non admodum indoctis, totum hoc displicet philosophari. quidam autem non tam id reprehendunt, si remissius agatur, sed tantum studium tamque multam operam ponendam in eo non arbitrantur. erunt etiam, et ii quidem eruditi Graecis litteris, contemnentes Latinas, qui se dicant in Graecis legendis operam malle consumere. postremo aliquos futuros suspicor, qui me ad alias litteras vocent, genus hoc scribendi, etsi sit elegans, personae tamen et dignitatis esse negent.

(2) contra quos omnis dicendum breviter existimo.

Quamquam philosophiae quidem vituperatoribus satis responsum est eo libro, quo a nobis philosophia defensa et collaudata est, cum esset accusata et vituperata ab Hortensio. qui liber cum et tibi probatus videretur et iis, quos ego posse iudicare arbitrarer, plura suscepi veritus ne movere hominum studia viderer, retinere non posse. Qui autem, si maxime hoc placeat, moderatius tarnen id volunt fieri, difficilem quandam temperantiam postulant in eo, quod semel admissum coerceri reprimique non potest, ut propemodum iustioribus utamur illis, qui omnino avocent a philosophia, quam his, qui rebus infinitis modum constituant in reque eo meliore, quo maior sit, mediocritatem desiderent.

(3) sive enim ad sapientiam perveniri potest, non paranda nobis solum ea, sed fruenda etiam [sapientia] est; sive hoc difficile est, tamen nec modus est ullus investigandi veri, nisi inveneris, et quaerendi defatigatio turpis est, cum id, quod quaerltur, sit pulcherrimum. etenim si delectamur, cum scribimus, quis est tam invidus, qui ab eo nos abducat? sin laboramus, quis est, qui alienae modum statuat industriae? nam ut Terentianus Chremes non inhumanus, qui novum vicinum non vult 'fodere aut arare aut aliquid ferre denique' - non enim illum ab industria, sed ab inliberali labore deterret -, sic isti curiosi, quos offendit noster minime nobis iniucundus labor.

(4) Iis igitur est difficilius satis facere, qui se Latina scripta dicunt contemnere. in quibus hoc primum est in quo admirer, cur in gravissimis rebus non delectet eos sermo patrius, cum idem fabellas Latinas ad verbum e Graecis expressas non inviti legant. quis enim tam inimicus paene nomini Romano est, qui Ennii Medeam aut Antiopam Pacuvii spernat aut reiciat, quod se isdem Euripidis fabulis delectari dicat, Latinas litteras oderit? Synephebos ego, inquit, potius Caecilii aut Andriam Terentii quam utramque Menandri legam?

(5) A quibus tantum dissentio, ut, cum Sophocles vel optime scripserit Electram, tamen male conversam Atilii mihi legendam putem, de quo Licinus: 'ferreum scriptorerm', verum, opinor, scriptorem tamen, ut legendus sit. rudem enim esse omnino in nostris poetis aut inertissirnae segnitiae est aut fastidii delicatissimi. mihi quidern nulli satis eruditi videntur, quibus nostra ignota sunt. an 'Utinam ne in nernore ...' nihilo minus legimus quam hoc idem Graecurn, quae autem de bene beateque vivendo a Platone disputata sunt, haec explicari non placebit Latine?

(6) Quid? si nos non interpretum fungimur munere, sed tuemur ea, quae dicta sunt ab iis, quos probamus, eisque nostrurn iudiciurn et nostrum scribendi ordinern adiungimus, quid habent, cur Graeca anteponant iis, quae et splendide dicta sint neque sint conversa de Graecis? nam si dicent ab illis has res esse tractatas, ne ipsos quidem Graecos est cur tam multos legant, quam legendi sunt. quid enim est a Chrysippo praetermissum in Stoicis? legimus tamen Diogenem, Antipatrum, Mnesarchum, Panaetium, multos alios in primisque familiarern nostrum Posidoniurn. quid? Theophrastus mediocriterne delectat, cum tractat locos ab Aristotele ante tractatos? quid? Epicurei num desistunt de isdern, de quibus et ab Epicuro scriptum est et ab antiquis, ad arbitrium suurn scribere? quodsi Graeci leguntur a Graecis isdem de rebus alia ratione compositis, quid est, cur nostri a nostris non legantur?

(7) Quamquam, si plane sic verterem Platonern aut Aristotelem, ut verterunt nostri poetae fabulas, male, credo, mererer de meis civibus, si ad eorum cognitionem divina illa ingenia transferrem. sed id neque feci adhuc nec mihi tamen, ne faciam, interdictum puto. locos quidem quosdam, si videbitur, transferam, et maxime ab iis, quos modo nominavi, cum inciderit, ut id apte fieri possit, ut ab Homero Ennius, Afranius a Menandro solet. Nec vero, ut noster Lucilius, recusabo, quo minus omnes mea legant. utinam esset ille Persius, Scipio vero et Rutilius multo etiam magis, quorum ille iudicium reformidans Tarentinis ait se et Consentinis et Siculis scribere. facete is quidem, sicut alia; sed neque tam docti tum erant, ad quorum iudicium elaboraret, et sunt ilIius scripta leviora, ut urbanitas summa appareat, doctrina mediocris.

(8) ego autem quem timeam lectorem, cum ad te ne Graecis quidem cedentem in philosophia audeam scribere? quamquam a te ipso id quidem facio provocatus gratissimo mihi libro, quem ad me de virtute misisti. Sed ex eo credo quibusdam usu venire, ut abhorreant a Latinis quod inciderint in inculta quaedam et horrida, de malis Graecis Latine scripta deterius. quibus ego assentior, dum modo de isdem rebus ne Graecos quidem legendos putent. res vero bonas verbis electis graviter ornateque dictas quis non legat? nisi qui se plane Graecum dici velit, ut a Scaevola est praetore salutatus Athenis Albucius.

(9) quem quidem locum cum multa venustate et omni sale idem Lucilius, apud quem praeclare Scaevola:

'Graecum te Albuci, quam Romanum atque Sabinum,
municipem Ponti, Tritani, centurionum,
praeclarorum hominum ac primorum signiferumque,
maluisti dici. Graece ergo praetor Athenis,
id quod maluisti, te, cum ad me accedis, Saluto:
chaere inquam Tite! lictores, turma omnis chorusque: chaere,
Tite! hinc hostis mi Albucius, hinc inimicus.'

(10) Sed iure Mucius. ego autem mirari [satis] non queo unde hoc sit tam insolens domesticarum rerum fastidium. non est omnino hic docendi locus; sed ita sentio et saepe disserui, Latinam linguam non modo non inopem, ut vulgo putarent, sed locupletiorem etiam esse quam Graecam. quando enim nobis, vel dicam aut oratoribus bonis aut poetis, postea quidem quam fuit quem imitarentur, ullus orationis vel copiosae vel elegantis ornatus defuit? Ego vero, quoniam forensibus operis, laboribus, periculis non deseruisse mihi videor praesidium, in quo a populo Romano locatus sum, debeo profecto, quantumcumque possum, in eo quoque elaborare, ut sint opera, studio, labore meo doctiores cives mei, nec curn istis tantopere pugnare, qui Graeca legere malint, modo legant illa ipsa, ne simulent, et iis servire, qui vel utrisque litteris uti velint vel, si suas habent, ilias non magnopere desiderent.

(11) qui autem alia malunt scribi a nobis, aequi esse debent, quod et scrlpta multa sunt, sic ut plura nemini e nostris, et scribentur fortasse plura, si vita suppetet; et tamen, qui diligenter haec, quae de philosophis litteris mandamus, legere assueverit, iudicabit nulla ad legendum his esse potiora. quid est enim in vita tantopere quaerendum quam cum omnia in philosophia, tum id, quod his libris quaeritur, qui sit finis, quid extremum, quid ultimum, quo sint omnia bene vivendi recteque faciendi consilia referenda, quid sequatur natura ut summum ex rebus expetendis, quid fugiat ut extremum malorum? qua de re cum sit inter doctissimos summa dissensio, quis alienum putet eius esse dignitatis, quam mihi quisque tribuat, quid in omni munere vitae optimum et verissimum sit, exquirere?

(12) an, partus ancillae sitne in fructu habendus, disseretur inter printipes civitatis, P. Scaevolam M'.que Manilium, ab iisque M. Brutus dissentiet - quod et acutum genus est et ad usus civium non inutile, nosque ea scripta reliquaque eiusdem generis et legimus libenter et legemus -, haec, quae vitam omnem continent, neglegentur? nam, ut sint illa vendibiliora, haec uberiora certe sunt. quamquam id quidem licebit iis existimare, qui legerint. nos autem hanc omnem quaestionem de finibus bonorum et malorum fere a nobis explicatam esse his litteris arbitramur, in quibus, quantum potuimus, non modo quid nobis probaretur, sed etiam quid a singulis philosophiae disciplinis diceretur, persecuti sumus.

(13) Ut autem a facillimis ordiamur, prima veniat in medium Epicuri ratio, quae plerisque notissima est. quam a nobis sic intelleges expositam, ut ab ipsis, qui eam disciplinam probant, non soleat accuratius explicari; verum enim invenire volumus, non tamquam adversarium aliquem convincere. ...


Bearbeitung für das Internet: Christian Gizewski (EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de)

LV Gizewski SS 2002